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Artikel veröffentlicht am 05.07.2019 um 16:30 Uhr
Der legendäre Hans Maringer, Teil 3: Südwester und Berliner Erinnerungen
Union Berlin ist der fünfte Verein der Hauptstadt, der es in die Bundesliga geschafft hat. Beim Aufstieg des vierten Berliner Bundesligisten Blau-Weiß 90 Berlin hatte ein waschechter Nürnberger entscheidend mitgewirkt, der als Legende des hiesigen Amateurfußballs gilt: Hans Maringer war nicht nur Vorstand des TSV Südwest, sondern auch zeitweise der Macher beim Berliner Bundesligisten. Wir blicken in 3 Teilen zurück.
Von Marco Galuska
Erinnerungen an Hans Maringer.
privat / Repro: fussballn.de
Ehe wir unseren Dreiteiler über Hans Maringer mit Erinnerungen früherer Weggefährten in diesem Beitrag schließen, erlaube ich mir ein paar persönliche Anmerkungen:

Weil das Wirken von Hans Maringer eine ganze Weile vor dem digitalen Zeitalter stattfand, gibt es zu jener Legende des Amateurfußballs kaum mehr Fundstücke im Internet. Und dennoch erinnern sich noch heute Zeitzeugen jener Jahre gerne an die Südwester Blütezeit unter Maringer und das Erlebnis, als der Macher aus der Jägerstraße plötzlich in der Bundesliga auftauchte.

Dieser "Fußballverrückte" hatte gut ein Vierteljahrhundert vorher gewissermaßen im Print mit "der fußballer" das umgesetzt, was wir seit 2009 als Amateurfußballportal fussballn.de betreiben. Es war mir daher ein besonderes Anliegen, die Geschichte von Hans Maringer grundlegend zu recherchieren.

Ein besonderer Dank gilt hierbei Hans Maringers Sohn Jürgen, der unserem Wunsch nachkam und uns jenen persönlichen Einblick in eine Zeit, mit der die Familie (und dies wohlgemerkt ohne Groll) abgeschlossen hat, ermöglichte. Dabei - hier setzt sich wohl die Familientradition fort - war Jürgen Maringer wichtig, dass er nicht im Mittelpunkt steht und an sich nichts überhöht dargestellt wird. Dies allerdings fällt aufgrund unserer Recherchen schwer, denn gleichwohl aus welcher Richtung, es findet sich nicht ein negatives Wort über den Charakter und das Handeln von Hans Maringer. Umso mehr freuen wir uns, mit diesem Dreiteiler ein wesentliches Stück Amateurfußballgeschichte aus Nürnberg nun doch "ins Netz gebracht" zu haben.

Norbert Glintschert
fussballn.de
Norbert Glintschert (1980 - 1988 beim TSV Südwest)

"Der Hans hat mich damals vom ASV Herzogenaurach zu Südwest geholt. Mensch, waren das tolle Jahre! Ein Pfundskerl! Ein absolut korrekter Mensch, der zu seinem Wort gestanden hat. Auch sein Vater, der Schorsch, das war legendär, wie der mit 89 Jahren vor dem Training mit seinem Mercedes noch den Südwester B-Platz abgezogen hat. Das schöne Auto hat dann immer ausgeschaut, aber ihm war halt wichtiger, dass wir gut trainieren konnten. Der Hans war auch alles andere als eitel, der hatte einen Hut, ein Hemd, eine Hose, aber ein ganz großes Herz. Wenn man etwas gebraucht hat, dann ist man zu ihm hin und er hat immer geholfen. Und der Fußball, das war sein großes Hobby, er hat sich auch richtig ausgekannt, aber da gab es nie was Böses, er hat auch nie einem Trainer reingeredet.

Nicht nur, aber vor allem beim TSV Südwest, hatte Hans Maringer den Hut auf -links daneben Kapitän Norbert Glintschert.
privat

Als Kapitän bei Südwest habe ich die Kasse für die Mannschaft verwaltet und mit ihm die Prämien dann abgerechnet. Ich erinnere mich nur zu gern an die schöne Zeit, da gab's Grillfeste vor Rundenbeginn bei ihm im Garten mit der Mannschaft und für den weiteren Mannschaftsabend hat er uns dann was zugesteckt, ohne großes Aufsehen - so war er, der Hans! Als das mit Berlin dann aufkam, habe ich immer gesagt: Hans, was willst denn bei den Preißn da oben? Aber da hat er sich nicht abbringen lassen! Als ich eigentlich in die AH wollte, haben mich dann die Fürther geholt - 20.000 Mark hat Südwest noch für den Pass bekommen. Wenn man sich an die Zeiten zurückerinnert, das war ein Fußball, ein Miteinander - viel schöner als heute!"

Thomas Adler (1988-1991 bei BW 90 Berlin)

Thomas Adler, der später die SG Quelle Fürth und den TSV Buch in der Landesliga trainieren sollte, war der designierte Riedle-Ersatz und wurde nach drei Jahren bei Blau-Weiß auch als Toptransfer zu Bayer Uerdingen verkauft.
privat / Repro: fussballn.de

"Über meinem damaligen Trainer beim FC Herzogenaurach, Dieter Nüssing, kam der Kontakt zu Hans Maringer zustande. Ich hatte ein Probetraining bei Viktoria Aschaffenburg und war dann eine Woche in Berlin bei Blau-Weiß, die aus der 1. Liga abgestiegen waren, dort wollte ich dann unbedingt hin. Ich erinnere mich noch genau, wie ich als junger Spieler, als Vertragsamateur, plötzlich oben an dem riesigen Olympiastadion mit Hans Maringer stand. Eigentlich dachte ich, dass ich da unten niemals spielen werde, doch Hans sagte ganz trocken: "Junge, das kann viel schneller gehen als du denkst!" Und letztlich wurde Berlin 1988 meine erste Profistation, ich hatte drei super Jahre, es ist jedes Jahr besser gelaufen, zudem hab ich den Mauerfall direkt miterlebt, welche Geschichte das war, hat man erst später realisiert. Hans Maringer und Bernd Hoss haben mir als jungen Profi den richtigen Weg gezeigt. Hans war ein extrem korrekter Mensch, alles mündlich Vereinbarte galt, ein Handschlag, auf den man sich immer verlassen konnte. Er war menschlich top, hatte zudem Ahnung vom Fußball und hat sich nie in den Vordergrund gespielt. Mir tut es heute noch leid, dass ich damals von seinem Tod zu spät erfahren habe. Ich hätte mich gerne von diesem tollen Menschen verabschiedet!"

Klaus Mösle (1988-1991 bei BW 90 Berlin)

Trainingslager von BW 90 Berlin in Nürnberg-Eibach, verbunden mit einem Abstecher ins Palm Beach nach Stein. Klaus Mösle (2.v.l.) erinnert sich gerne an seine Berliner Zeit.
privat

"Ich bin damals vom FC Herzogenaurach - wie auch Thomas Adler - nach Berlin. Im Südwester Sportheim haben wir das ausgehandelt. Wir Spieler haben in Berlin im Bezirk Tiergarten gewohnt, haben die Mauerspechte bei der Wende gehört. Ich habe zu der Zeit wenig gespielt, hatte mit Holger Gehrke einen großgewachsenen Torwart vor mir, aber dennoch war es eine tolle Zeit in Berlin. Für uns Spieler war der Hans Maringer eine Vaterfigur in der Schlacht. Mit ihm hast du über alles reden können, wenn es Probleme gab. Er war ein extrem gutmütiger und wohlwollender Mensch, der das Profigeschäft auch erst noch lernen musste, was er aber gemeinsam mit Hellmuth Knauper, der ihn da unterstützte, auch schnell getan hat. Hans Maringer war absolut authentisch, mit seinem Hut im Olympiastadion, wo wir zu Zweitligazeiten leider nicht mehr viele Zuschauer hatten, außer im Derby gegen Hertha BSC. Ich erinnere mich auch noch an das Trainingslager in Eibach im Arotel, trainiert haben wir damals beim TV 03 Eibach und beim TSV Südwest. Und vom Pokalspiel in Kassel bin ich mit seinem Auto dann runter gefahren, es war ein tolles Verhältnis zu einem tollen Menschen!"

Helmut Rahner (1990-1991 bei BW 90 Berlin)

Für Helmut Rahner (rechts unten) war Berlin die erste Station als Profifußballer.
Repro: fussballn.de

"Wildmoser, Michael A. Roth, vielleicht sogar ein bisschen Assauer - Hans Maringer wurde meiner Meinung nach brutal unterschätzt. Das war eine fränkische Frohnatur, aber auch bauernschlau. Verhandlungen mit ihm waren absolut unkompliziert und verlässlich. Nach dem Motto: Kommst mal vorbei! In einer Viertelstunde in seinem Geschäft war dann alles erledigt, ohne Berater. Ich habe ihm viel zu verdanken, es war für mich die erste Profistation, er hat mich damals von den Club-Amateuren nach Berlin geholt und dann später im Paket für 1,3 Millionen mit Kutschera und Adler nach Uerdingen verkauft, wobei man sagen muss, dass der Thomas - unser Kopfballungeheuer - die große Nummer war und gefühlt 900.000 Mark in dem Deal allein ausgemacht hat. In Berlin war das eine fränkische Enklave, ein absolutes Abenteuer für uns junge Spieler. Ich habe das Apartment damals von Norbert Wagner übernommen, fast alle Spieler haben nebeneinander gewohnt. Da war man viel auf Achse, eine tolle Kameradschaft, wir haben uns mit den Berlinern gut verstanden, auch wenn das Konstrukt schon sehr wacklig war. Aber wenn der Hans mit seinem Fahrer Hellmuth Knauper kam, da hast dich immer gefreut die zu sehen, wie gesagt, er war eine Vaterfigur für uns!

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