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Artikel veröffentlicht am 18.05.2020 um 10:30 Uhr
Auch Hessen empfiehlt Abbruch: Bayerns Fortsetzung vereinsamt
Rund einen Monat ist es nun her, dass der Bayerische Fußball-Verband in Webinaren aktiv für eine Fortsetzung der Saison 2019/20 geworben hat und damit auch eine Mehrheit im Meinungsbild erzielen konnte. Doch dem Vorstoß aus München folgte in jener Form bislang nur Thüringen, wo die Entscheidung aktuell ins Wanken gerät. Innerhalb der Landesverbände im Süddeutschen Fußballverband (SFV) steht Bayern schon alleine da.
Von Marco Galuska
Am vergangenen Dienstag gab es ein klares Signal aus Baden-Württemberg: Die drei Fußball-Landesverbände in Baden-Württemberg – der Badische Fußballverband, der Südbadische Fußballverband und der Württembergische Fußballverband – sprachen sich nach eingehenden Beratungen in den Verbandsgremien einhellig für die Beendigung der Saison 2019/20 zum 30. Juni 2020 aus. Am Samstag folgte nun auch der Hessische Fußball-Verband (HFV): Der HFV-Verbandsvorstand empfiehlt einstimmig ein vorzeitiges Saisonende.

Nur Bayern innerhalb des SFV für Fortsetzung

Somit positionieren sich vier der fünf Landesverbände im Süddeutschen Fußballverband, dessen Präsident ebenfalls Rainer Koch ist, für einen zeitnahen Schlussstrich unter der Saison 2019/20 samt Aufstieg via Quotienten-Regelung und verweigern gewissermaßen Bayern die Gefolgschaft. 

Aus Hessen kommen im Zuge der Bekanntgabe der Empfehlung eines Saisonabbruchs deutliche Worte: "Bedauernd nehmen Präsidium und Verbandsvorstand zur Kenntnis, dass es keine generelle und für den gesamten Amateurfußball in Deutschland einheitliche Regelung geben wird. Diese wünschenswerte Variante muss nunmehr durch Einzelentscheidungen des DFB sowie der Landesverbände ersetzt werden."

Es gilt prinzipiell: Der DFB ist für den Amateurfußball nicht unmittelbar zuständig ist, sodass jeder Landesverband eigenständig entscheiden kann. "Trotzdem sind wir aber sehr bemüht, zu gleichförmigen Entscheidungen zu kommen", hatte Koch (1. DFB-Vizepräsident Amateure/Regional- und Landesverbände) im Sportschau-Interview Anfang April noch betont.

Hessen: "Kommen der vereinsfreundlichsten Lösung am nächsten"

Jenes Bemühen scheint nun auch über weite Teile Deutschlands zu funktionieren, bietet aber dabei einen konträren Ansatz zum Vorstandsbeschluss der Bayern. In Hessen beispielsweise läuft die Argumentation vor allem im Sinne der Rechtssicherheit und sportlichen Fairness grundlegend anders: "Präsidium und Verbandsvorstand haben in gemeinsamen virtuellen Sitzungen einen Verfahrensweg gewählt, der Entscheidungen sorgsam vorbereitet, rechtlich absichert, breite Beteiligungsmöglichkeiten der Mitglieder eröffnet, sportliche Fairness im Blick hat und zugleich unter Berücksichtigung der Gesundheit aller Beteiligten abwägt. Uns ist bewusst, dass nicht alle Vereine diesen Standpunkt teilen, aber leider ist aufgrund der speziellen Situation eine Lösung, die die Zustimmung aller HFV-Vereine findet, nicht möglich. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass wir der optimalen, gerechtesten und vereinsfreundlichsten Lösung hiermit am nächsten kommen“, erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß.

Mittelrhein in schwacher Position

Aber auch mit Blick auf das gesamte Bundesgebiet steht der bayerische Weg mittlerweile in einer deutlichen Minderheit. Von den übrigen 20 Landesverbänden haben 17 bereits klare Signale für einen Abbruch gesendet. In Niedersachsen deutet ebenfalls vieles auf einen Abbruch hin. Eine knappe Mehrheit (50,1 Prozent) für eine Fortsetzung gab es hingegen im Fußballverband Mittelrhein (FVM). Dass es aber auch dort auf einen Abbruch hinausläuft, scheint gut möglich, denn sämtliche Nachbarn des FVM stimmten deutlich gegen eine Saisonfortsetzung. Die mit Mittelrhein im Westdeutschen Fußballverband verknüpften Verbände Niederrhein (93% für Abbruch) und Westfalen (88% für Abbruch) lieferten hierzu deutliche Abstimmungsergebnisse.

Schwenkt auch Thüringen noch einmal um?


Zum heutigen Tag gibt es mit Thüringen nur einen Landesverband, der den bayerischen Weg wählt und eine Aussetzung der Saison bis zum 31.08.2020 beschlossen hat. Dies hatte jedoch zur Folge, dass sich eine Online-Petition mit über 2200 Unterschriften fand, die sich für einen Saisonabbruch im Nachwuchs stark macht. Der Präsident des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) Dr. Wolfhardt Tomaschewski erklärte dazu, dass die Unterredung mit den Befürwortern eines Saisonabbruchs im Nachwuchs ein positives, vernünftiges und offenes Gespräch gewesen sei und versprach: „Die Entscheidung, den Spielbetrieb im Nachwuchs auszusetzen, kommt auf jeden Fall noch einmal auf den Tisch.

Doch damit nicht genug, auch im Herren-Bereich ging in Thüringens höchster Spielklasse eine Beschwerde vom SC 03 Weimar aus, der sich mittlerweile die klare Mehrheit der Thüringenliga angeschlossen hat. 

Zwei Kreise in Thüringen fordern Aufhebung des Beschlusses 

Und als weitere Steigerung gibt es ein solches Begehren nach einem Saisonende in Thüringen nun sogar schon verbandsintern: So haben am gestrigen Sonntag die Kreis-Fußballausschüsse (KFA) Rhön-Rennsteig und Südthüringen, die im Übrigen beide an Bayern grenzen, einen entsprechenden Antrag an den Vorstand des Thüringer Fußball-Verbandes eingereicht: "Der Vorstand des Thüringer Fußball-Verbandes wird durch die beiden Kreisfußballausschüsse aufgefordert, den Beschluss vom 05.05.2020 zur Fortführung der Saison 2019/20 aufzuheben und mit der Planung der Saison 2020/21 zu beginnen oder bis 27.06.2020 einen Außerordentlichen Verbandstag einzuberufen."

Deutliche Kritik an Webinar in Thüringen: "überstürzt und nur in eine Richtung"

In der Begründung kritisieren die Thüringer Kreise zum einen die Problematik, dass man mittlerweile im Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) mit der Entscheidung komplett allein dastehen würde. Vor allem übt man aber auch verbandsinterne Kritik am Webinar, welches "überstürzt" und "noch dazu nur in eine Richtung orientiert" gewesen sei.

Weiter heißt es dazu: "Dann wurde auch noch eine Abstimmung innerhalb von 60 Stunden erzwungen. Viele Vereine konnten sich in der Kürze in ihren Vereinen gar nicht intensiv austauschen und wurden dazu mit der rechtlichen Keule des Präsidiums konfrontiert. So erreichte man schließlich das erhoffte Ergebnis.
In der Zwischenzeit haben ein Großteil der Vereine erkannt, welche gravierenden Auswirkungen eine Fortführung der Saison für sie auch gerade in finanzieller Hinsicht und in der Organisation ihres Spielbetriebes mitbringen werden. Schon 10 Vereine der Verbandsliga und viele Vereine der Landesklassen und Kreisoberligen haben sich öffentlich gegen die Fortführung des Spieljahres 2019/20 ausgesprochen. Wenn schon die höchste Spielklasse im Landesverband für einen Saisonabbruch sich ausspricht, sollte man auch den Mut aufbringen, eine umstrittene Entscheidung zu korrigieren."

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