Johannes Abraham im Interview: "Fußball trägt viele Lebenslektionen in sich!" - fussballn.de
Das Amateurfußballportal aus
der Region Nürnberg/Fürth
 
Artikel veröffentlicht am 25.02.2026 um 07:00 Uhr
Johannes Abraham im Interview: "Fußball trägt viele Lebenslektionen in sich!"
INTERVIEW Mit Johannes Abraham haben inzwischen schon einige Vereine in der Region zu tun bekommen. Das liegt gar nicht einmal an dessen Leidenschaft für den Fußball, sondern an seiner Initiative "Horn of Africa Moments", mit der es dem 25-Jährigen gelungen ist, ehrenamtlich zu seinem Studium Gutes für die Kinder in Ostafrika zu tun. Im fussballn.de-Interview der Woche spricht er über seine Beweggründe und weitere Pläne.
Von Marco Galuska
Johannes Abraham ist der Initiator von "Horn of Africa Moments".
privat
Hallo Johannes, du hast ein bemerkenswertes Projekt geschaffen, an dem sich auch schon einige Fußballvereine aus der Region beteiligt haben. Bevor wir genauer darauf eingehen. Erzähl uns doch ein bisschen was über dich!

Johannes Abraham (25):
Gerne! Ich bin im schönen Frankenland geboren und aufgewachsen. Meine Wurzeln habe ich aber in Eritrea, welches ein kleines Land am Horn von Afrika ist und aufgrund seiner politischen Lage sehr negativ in der globalen Politik dargestellt wird. Ich liebe Sport und Bewegung und habe beim ehemaligen SV 1873 Süd Nürnberg, bei der SG Quelle Fürth und der DJK Sparta Noris gespielt. Außerdem bin ich Ingenieur und aktuell im Masterstudium an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule.

Wie wird ein fußballbegeisterter Student zum Initiator eines solchen Projekts?

Abraham:
Die Idee kam mir als Inspiration, als ich an der Tsinghua-Universität in Peking ein Auslandssemester absolviert habe. Hier habe ich die schlausten und motiviertesten jungen Studierenden kennengelernt, von denen ich einige heute meine Freunde nenne. Eine meiner Freundinnen dort hat eine Non-Profit-Organisation in Schweden im Bereich Bildung, und sie hat mich inspiriert, mich für etwas einzusetzen, wofür ich stehe. Daher stellte ich mir die Frage: Wofür brenne ich und was kann ich machen, um Menschen zu helfen, die weniger als wir haben?

Und hier bist du direkt auf Ostafrika gestoßen?

Abraham:
Ja! Mir war von Anfang an klar, dass ich unsere Region einbinden will und dass ich Kindern in Ostafrika helfen will, da diese kaum Unterstützung von internationalen Organisationen erhalten.

Ab wann kam dann der Fußball bei deinen Überlegungen ins Spiel?

Abraham:
Aus den erwähnten Rahmenbedingungen, die sehr früh schon klar waren, habe ich mir überlegt, wie ich einen Impact haben kann. Die Antwort darauf war Fußball. Für viele ist Fußball nur eine Sportart, aber Fußball ist viel mehr als das – Fußball verbindet Nationen, Fußball vereint und Fußball trägt unheimlich viele Lebenslektionen in sich selbst. Durch Fußball bin ich zu der Person geworden, die ich heute bin, und das möchte ich jungen afrikanischen Kindern weitergeben. Und damit stand die Idee – und damit auch der einfachste Teil dieser Mission – noch, als ich vor einem halben Jahr in China war.

Über 200 Fußbälle und mehrere hundert Trikotsätze hat Johannes Abraham mit seiner Initiative "Horn of Africa Moments" aus der Region nach Ostafrika bringen können.
privat

Was ist dein Antrieb für die Aktion?

Abraham:
Mein Antrieb ist es, die Region einzubinden und zu motivieren, etwas Gutes zu tun. Ich bin überzeugt, dass, wenn jede junge Person ein individuelles Problem löst, vieles erreicht werden kann. Eines meiner Mantras ist, dass wenn viele wenig machen, viel erreicht werden kann. Außerdem ist mir sehr wichtig, dass ich die nächste Generation von Ostafrikanern unterstütze und empower.

Wann hast du deine Idee in die Tat umgesetzt und wie waren die ersten Schritte bei der Umsetzung des Projekts?

Abraham:
Nach meinem Auslandssemester in China bin ich noch für sechs Wochen durch Asien und Ozeanien gereist. Auf diesen Reisen hatte ich viel Zeit und konnte in Ruhe eine Strategie entwickeln sowie eine Internetseite aufbauen. Dabei habe ich mir selbst beigebracht, wie man eine Website erstellt, um anschließend die Homepage von Horn of Africa Moments zu gestalten. Als ich zurück in Deutschland war, wurde mir schnell klar, dass das Projekt nur erfolgreich sein kann, wenn es mir gelingt, drei Akteure miteinander zu vereinen: Vereine in Franken, Schulen in Ostafrika und Sponsoren, die die Transportkosten übernehmen.

Welche Kontakte hast du aktuell nach Ostafrika?

Abraham:
Bisher bestehen Kontakte zu drei Schulen mit insgesamt ca. 7.450 Schülern in Kenia und Äthiopien. Bei den Schulen in Kenia kollaboriere ich mit der Botschaft in Nairobi, welche mich vor Ort unterstützt und die Kontakte pflegt. Sponsor ist bisher die St. Kunigund-Kirchengemeinde in Nürnberg, welche bei den Transport- und Logistikkosten unterstützt.

Wie bist du an die Vereine herangetreten? Hast du dabei offene Türen eingerannt oder hat sich die Akquise eher als schwierig herausgestellt?

Abraham:
Die Akquise war ein sehr lehrreicher Prozess. Zunächst habe ich viele E-Mails geschrieben, was jedoch kaum Resonanz erzeugt hat. Daraufhin habe ich meine Strategie angepasst und auf den Vereinswebseiten die Telefonnummern der Jugendleiter herausgesucht, um sie direkt zu kontaktieren. Auch dabei blieben viele Nachrichten unbeantwortet. Umso mehr schätze ich jedoch jeden Verein, der sich gemeldet und mitgemacht hat.

Welche Vereine haben sich schon an deiner Initiative beteiligt?

Abraham:
 Das waren bisher der FSV Erlangen-Bruck, TSV Burgfarrnbach, SF Großgründlach, TSV Roßtal, ASC Boxdorf, 1. SC Feucht, TSV Altenberg, SpVgg Zabo Eintracht, ASV Fürth und SG Quelle Fürth.

Was ist dabei bisher alles zusammengekommen?

Abraham:
Wir konnten über 200 Fußbälle und mehrere hundert Trikotsätze nach Ostafrika bringen.

Wie funktioniert konkret der Transport der Sachen und wie stellst du sicher, dass alles an den "richtigen" Stellen landet?

Abraham:
Es ist mir von Anfang an sehr wichtig gewesen, ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen und langfristig den Austausch zwischen ostafrikanischen Kindern und deutschen Vereinen zu fördern. Deshalb lege ich großen Wert darauf, eine persönliche und aktive Beziehung zu den Schulleitern vor Ort aufzubauen – das ist auch die beste Garantie dafür, dass die Materialien wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Der Transport wird in der Regel in Abstimmung mit den lokalen Behörden und der Botschaft organisiert, sodass alle Zollvorschriften eingehalten werden und es zu keinen Verzögerungen beim Versand kommt. Bevor die Sachen an die Schule geschickt werden, telefoniere ich mehrmals mit den Schulleitern, um zu verstehen, welche Herausforderungen die Schülerinnen und Schüler im Alltag haben und was sie konkret benötigen – aber auch, um mir selbst ein Bild von der Schule zu machen. Eine besonders interessante Erkenntnis aus diesen Gesprächen war das Konzept des „Competence Based Learning", das in kenianischen Schulen bereits in jungen Jahren angewendet wird. Dabei werden Schülerinnen und Schüler frühzeitig an möglichst viele verschiedene Sportarten herangeführt, um individuelle Talente zu erkennen. Auf dieser Grundlage wird dann ein individueller Sportunterricht gestaltet – abgestimmt auf die jeweiligen Stärken jedes Kindes. Dieses Konzept finde ich unheimlich spannend, denn es greift eine ganz grundlegende Frage auf: Soll man eher seine Stärken weiter ausbauen oder gezielt an seinen Schwächen arbeiten?

Was macht es mit dir, wenn du Videos siehst, auf denen Kinder auf staubigem Boden im Dress des SC Worzeldorf mit anderen im Trikot des FSV Erlangen-Bruck spielen?

Abraham:
Es zeigt mir mehrere Sachen, aber zum einen, wie unglaublich stolz ich bin, dass unsere Region dazu beitragen kann, eine Region, die mir sehr nahe liegt, zu unterstützen. Das Feedback der Kinder, aber auch der Vereine war überwältigend positiv und drängt mich dazu, noch mehr Gas zu geben, um noch größeren Impact zu haben. Auf einer tieferen Ebene bringen mich diese Momente jedoch auch zum Nachdenken. Die Welt entwickelt sich aus meiner Sicht in eine beunruhigende Richtung, in der Ausgrenzung, Populismus und Extremismus rapide zunehmen und dazu führen, dass sich Menschen voneinander distanzieren, anstatt aufeinander zuzugehen. Sport war schon immer ein Mittel, die Menschen aus allen Teilen der Welt zu vereinen, und spielt deshalb heute vielleicht eine wichtigere Rolle als je zuvor.

Horn of Africa Moments brachte schon über 200 Bälle und mehrere hundert Trikotsätze nach Ostafrika. Die Initiative soll nun ausgebaut werden.
privat

Wie sehen die weiteren Pläne und Ziele für deine Initiative aus?

Abraham: 
Dieses Jahr habe ich ein großes Ziel vor Augen: Ich will in mindestens ein neues Land im Horn von Afrika expandieren und die 1.000-Fußbälle-Marke knacken. Ich versuche, diese Initiative wie ein Startup zu skalieren. Dafür muss ich jedoch die Strategie ändern. Bisher bin ich zu den Vereinen gefahren und habe die Fußbälle persönlich mit meinem kleinen Auto mehrmals abgeholt. Um auf 1.000 Bälle und in den kommenden Jahren auf mehrere Tausend zu kommen, gibt es zwei Wege.

Und die wären?

Abraham:
Entweder ich produziere die Fußbälle selbstständig in Vietnam oder China, oder ich muss die Vereine dazu motivieren können, dass sie eigenständig die Fußbälle abpumpen und alle Trikotsätze in Kisten an mich senden – für den Versand würden wir selbstverständlich aufkommen. Die erste Option ist sicherlich einfacher, jedoch ist es mir wirklich sehr wichtig, zum einen auf Nachhaltigkeit zu setzen und zum anderen die Region wirklich teilhaben zu lassen und einzubinden. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit den Vereinen eine praktikable Lösung finden werden.

Wie können interessierte Vereine mitmachen?

Abraham:
Am besten direkt Kontakt mit mir aufnehmen. Alle weiteren Informationen finden sich auf unserem Internetauftritt unter: Horn of Africa Moments

Kommentar abgeben

Kommentare werden unter Deinem Nicknamen und erst nach Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht.

Leser-Kommentare

Steckbrief J. Abraham

Johannes Abraham
Alter
25
Geburtsort
Nürnberg
Wohnort
Nürnberg
Nation
Deutschland
Beruf
Student
Hobbies
Fußball, Laufen
Lieb.-Position
Mittelfeld


Zum Thema


Meist gelesene Artikel


mein-fussballn-PLUS

Im kostenfreien mein-fussballn-PLUS-Bereich erhalten Sie persönliche Informationen und können weitere Funktionen nutzen:
-
alle Neuigkeiten, die Ihre Person betreffen (neueste Benotungen, Glückwünsche zu Torerfolgen etc.)
-
persönliches Profil hinterlegen
-
einsehen, welcher User Sie in seine Interessensliste aufgenommen hat
-
Spiel- und Trainingspläne erstellen und ausdrucken
-
Teilnahme an Gewinnspielen und Umfragen


Diesen Artikel...