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Artikel veröffentlicht am 01.04.2026 um 10:00 Uhr
Für mehr Akzeptanz bei den Vereinen: BFV-Platztester sollen Bespielbarkeit beurteilen
Ein ewiger Streitpunkt ergibt sich immer wieder bei Spielabsagen wegen Unbespielbarkeit des Platzes. Dabei beklagen die Vereine vor allem die erschwerten Trainingsbedingungen, die abgesehen vom Spieltag vor allem in den Wintermonaten herrschen. Am Verbandstag soll nun eine praxisnahe Lösung auf die Agenda kommen, bei der die BFV-Spielleiter aktiv eingebunden werden und für Objektivität und Akzeptanz sorgen sollen.
Von Marco Galuska
Ab dem kommenden Spieljahr sollen mit spielortrelevanten Testungen mögliche Spielabsagen bewertet werden.
fussballn.de / Schlirf
Alle vier Jahre ist beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) nicht nur Wahljahr, sondern die Kreis- und Bezirkstage sowie der Verbandstag bieten auch die Gelegenheit, die Weichen im Spielbetrieb für die Zukunft zu justieren. Einerseits kommen die Initiativen aus den Vereinen heraus, andererseits werden auch in den Verbandsgremien selbst Veränderungen ins Auge gefasst und in der Regel mittels Meinungsbildern unter den Delegierten abgefragt. Auf den 22 Kreistagen wurde in diesem Jahr über die Abschaffung der Verlängerung bei Entscheidungs- und Relegationsspielen (fast 90 % waren für die Beibehaltung), eine mögliche Sperre nach einer Gelb-Roten Karte (über 80 % waren dagegen) und eine Abschaffung der Zeitstrafe (eine knappe Mehrheit war dafür) abgestimmt. Auf den sieben Bezirkstagen wurde explizit nach einer Sperre nach Gelb-Rot bzw. 5. Gelber Karte auf Bezirksebene ein Meinungsbild eingeholt.

Körperliche Fitness im Verband wird zum Thema in Bad Gögging

Steht das Abstimmungsergebnis nach den sieben Bezirkstagen noch aus, so richtet sich bereits der Fokus auf den 27. Ordentlichen Verbandstag, der am 8./9. Mai 2026 wieder einmal in Bad Gögging über die Bühne gehen wird. Der Kurort bekommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung, denn zum Abschluss des Wahljahrs 2026 hat sich der BFV mit einem besonderen Antrag in der Änderung der Satzung zu beschäftigen.

Konkret geht es um das ewigwährende Dilemma von Spielabsagen wegen Unspielbarkeit eines Platzes. So kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu Streitigkeiten über Absagen, speziell kurz vor bzw. kurz nach dem Ende der Winterpause. Oftmals stand der Vorwurf der taktisch gewollten Absagen zwischen den Gegnern im Raum. In anderen Fällen waren sich die jeweiligen Mannschaften über eine Verlegung zwar einig, die zuständigen Ligaspielleiter des BFV wollten aber ihren Terminplan durchziehen und drängten gerade nach den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und der Abbruchsaison 2019/21 umso mehr auf die Einhaltung der regulären Termine. "Die tun sich leicht, die müssen ja nicht am Abend am Trainingsplatz stehen, sondern hocken im Warmen und schauen nur, dass ihr Spielplan erfüllt wird. Was mit den Spielern und Plätzen ist, interessiert die nicht", echauffierte sich ein Funktionär eines Landesligisten, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Tagesordnung zum Verbandstag verrät Anpassungen

Doch nun kommt sprichwörtlich Bewegung in die Sache. Denn in der kürzlich veröffentlichten Tagesordnung zum BFV-Verbandstag 2026 findet sich unter Punkt 24 "Anträge zur Änderung der Satzung" zum einen die "Reduzierung der Anzahl der Tagungen des Vorstandes von sechs- auf viermal im Jahr" zum anderen "Aufnahme eines weiteren Funktionärs auf Bezirksebene für besondere Aufgaben" und schließlich die "Aufnahme der Möglichkeit für den Bezirksvorsitzenden, weitere Mitarbeiter auf Bezirksebene zur Berufung vorzuschlagen."

Was zunächst noch etwas kryptisch klingt und offenbar bewusst abstrakt formuliert wurde, eröffnet in der Umsetzung weitreichende Möglichkeiten. Der BFV reagiert dabei auf schwache Umfragewerte bei der Akzeptanz seiner Entscheidungen und will im Leitantrag "BFV 2030", der einen Kern in Bad Gögging darstellt, auch speziell am Bild seiner Funktionäre arbeiten. Konkret soll es um "praxisnahe, nachvollziehbare und idealerweise auch messbare Entscheidungen" gehen.

Max Habermann ist bekennender Raucher und erklärte im Laufe der letzten Legislaturperiode seinen Rücktritt als Kreisspielleiter Erlangen/Pegnitzgrund. Damit erspart sich der 71-Jährige auch einige harte Trainingseinheiten bei ungemütlichem Wetter, die ab der kommenden Saison flächendeckend auf die Spielleiter vor allem bei den Herren warten. 
Sebastian Baumann

BFV 2030 – ein gesunder und transparenter Verband

Dabei wurde nicht über eine organisatorische, sondern über eine optische Verschlankung diskutiert – die in einem ersten Schritt schon mit dem Wechsel an der Spitze des BFV 2022 einherging. "Wir sind schließlich ein Sportverband und dürfen nicht den Anschein erwecken, als würden unsere Funktionäre nur in der Theorie Bescheid wissen, was an körperlicher Leistung auf dem Platz gefordert ist", lautet das Credo der Verbandsspitze. Man habe sich zudem "maximale Transparenz in allen Entscheidungen" auf die Fahnen geschrieben, wie Präsident Christoph Kern auf dem Bezirkstag Mittelfranken kürzlich betonte. Im Sinne der Nachhaltigkeit (dieser Punkt steht bei der Änderung der Satzung am Verbandstag an oberster Stelle) wolle man auf einen gesunden Lebensstil innerhalb des Verbandes hinwirken.

So wird bereits am Verbandstag in Bad Gögging ein ausgewogener Speiseplan "für Sportler" auf die Agenda gesetzt. In einem ersten Schritt werden zucker- und alkoholhaltige Getränke nicht mehr vom BFV vor Ort übernommen. Doch das ist nur ein Anfang. Unterstützt werden die ehrenamtlichen Funktionäre im größten Sportverband des Freistaats dabei von der Initiative der Bayerischen Staatsregierung "Fit für Olympia in München". Wurden in früheren Jahren Laptops subventioniert, bekommen die aktiven Spielleiter eine fußballspezifische Trainingsausrüstung gestellt. Die Ausstattung ist zweckgebunden und wird nach dem Willen des Verbandes ab der kommenden Saison intensiv bei der Gestaltung des Spielbetriebs eingesetzt. 

Weiße Sneaker allein machen noch keinen Sportler – körperliche Fitness steht auf der Agenda im Leitantrag "BFV 2030".
Sebastian Baumann

"Es soll eben nicht damit getan sein, dass sich unsere Leute nur mit weißen Sneakern auf die Bühne stellen, um einen sportlichen Eindruck zu hinterlassen. Fußball findet schließlich auf dem Platz statt – und das auch nicht nur bei Sonnenschein", heißt es in einem internen Schreiben an die Funktionäre, das unserer Redaktion vorliegt. Plakativ hat man sich dazu beim BFV den berühmten Beckenbauer-Satz zum Motto gemacht: "Geht's raus und spielt's Fußball!" 

Witterungsbedingte Spielabsagen auf dem Prüfstand der "BFV-Platztester"

Diese Vorgabe kann dann für die Spielleiter durchaus auch ziemlich ungemütlich werden. Denn konkret sieht der Plan vor, dass man dem Zankapfel über Spielabsagen im Vorfeld entgegentreten möchte, indem die betreffenden Gruppenspielleiter zu den relevanten Trainingsterminen selbst die Sportklamotten überstreifen, die Fußballschuhe schnüren und einen praxisnahen Selbstversuch wagen und auch protokollieren. Dies ist einerseits als Trainingsgast in einem Verein regulär möglich oder auch individuell ortsnah auf relevantem Untergrund. "Es geht nicht darum, dass der Funktionär dabei fußballerisch glänzt, sondern ein Gefühl dafür bekommt, inwieweit ein sinnvoller Trainings- und Spielbetrieb zu diesem Zeitpunkt noch möglich ist", heißt es in der Präambel im Entwurf der Richtlinien für die Spielleiter.

Bespielbar oder nicht? Die Gretchenfrage im Amateurfußball sollen künftig die BFV-Platztester bewerten.
fussballn.de / Oßwald

Bei offiziell 4447 Vereinen im BFV, verteilt im größten Bundesland, ist freilich eine flächendeckende Überprüfung allein durch die Spielleiter schwer möglich. Daher können im jeweiligen Bezirk zusätzliche Tester berufen werden. So heißt es im Entwurf zu den BFV-Richtlinien "Platztest": "Grundsätzlich sollen nach regionalen Gesichtspunkten und im Sinne der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit geeignete Platztester zum Einsatz kommen. Im Sinne einer gesteigerten Akzeptanz bei den Vereinen sollen hierbei zunächst die zuständigen Spielleiter aktiv werden. In der Regionalliga Bayern ist zusätzlich der gesamte BFV-Vorstand ermächtigt. Hierfür wurde auch die Anzahl der Tagungen des Vorstandes von sechsmal auf viermal im Jahr reduziert. Darüber hinaus kann der Bezirksvorsitzende weitere Mitarbeiter zur Berufung vorschlagen, um eine Pool-Lösung, insbesondere in besonders wetteranfälligen Gebieten, zu gewährleisten. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass anhand eines Wertungsprotokolls die Einschätzung der Bespielbarkeit der Plätze bis zum nächsten Werktag den betreffenden Vereinen vorliegt."

Spielabsagen können teuer werden

Die dokumentierte Bewertung der BFV-Platztester geht dem betreffenden Platzverein (und dem Gegner) einen Tag vor dem Pflichtspiel per E-Mail im BFV-Vereinspostfach zu. Sie soll die Objektivität bei der Beurteilung der Bespielbarkeit der Plätze deutlich steigern. Jener Bewertungsbogen kann bei einer Absage auch der betreffenden Sportgerichtsbarkeit zur Verfügung gestellt werden. Neben einer Spielwertung wegen Nichtantritts samt Geldstrafe kämen auch noch Kosten für den BFV-Platztester hinzu, sodass mit "leichtfertigen Spielabsagen", wie es heißt, verantwortungsvoller umgegangen werden dürfte. Mehr dazu unter den FAQs "BFV-Platztester".

Auch die Fahrlässigkeit bei der Unbespielbarkeit der Plätze wird in Zukunft genauer überprüft.
fussballn.de

Individuelle Gründe einer Platzsperre, die nicht allgemein witterungsbedingt sind, wie beispielsweise Wasserrohrbruch, Düngeschäden, Maulwurfhügel, erkrankter Platzwart, müssen ebenfalls spätestens einen Tag vor dem Spieltermin mit beglaubigtem Fotomaterial bzw. Attest an den Spielleiter geschickt werden. Bestehen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Platzsperre, muss dem Spielleiter (oder Platztester) unverzüglich eine Begehung ermöglicht werden. Mit diesen Maßnahmen sollen "Spielabsagen für alle Beteiligten nachvollziehbar und praxisnah werden und das Zusammenspiel von Verband und Vereinen fördern", heißt es im Antrag, der eine Pilotphase in der Saison 2026/27 bis zum 31. März 2027 vorsieht.

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FAQs "BFV-Platztester"

In welchen Wettbewerben wird getestet?
Es wird ausschließlich im aufstiegsberechtigten Ligaspielbetrieb und Pokalwettbewerb der Herren sowie U19-Junioren (ab Bezirksoberliga) getestet.

Wer sind die Platztester?
Die Einteilung erfolgt nach Verfügbarkeit nach regionalen Gesichtspunkten unter ökologischen und ökonomischen Aspekten. Vorrang haben die zuständigen Ligagruppenspielleiter. Alternativ kommen Gruppenspielleiter aus dem betreffenden Spielkreis zum Einsatz. Ersatzweise kann der Bezirksvorsitzende weitere Mitarbeiter berufen, insbesondere in wetteranfälligen Gebieten.

Wann, wo, was und wie lange wird getestet?
Der Einsatz erfolgt zu regulären Trainingszeiten und in einem gewöhnlichen Trainingsumfang (abends ab 19 Uhr, ca. 90 Minuten). Getestet werden fußballspezifische Inhalte (mit Ball) individuell oder in der Gruppe auf den betreffenden Sportplätzen in Absprache mit Vereinen (Hausrecht), alternativ individuell nahe des Spielortes auf relevanten Flächen.

Können auch Kunstrasenplätze getestet werden?
Ja! Sämtliche für den Spielbetrieb zugelassene Plätze können direkt getestet oder spielortnah geeignet bewertet werden.

Was kosten die Platztester und wer bezahlt sie?
Platztester können eine Anfahrtspauschale samt Spesen in Rechnung stellen. Ein Platztest beim Verein wird vom Verband übernommen (Verpflegung obliegt dem Verein). Ein individueller Platztest wird dem Verein dann in Rechnung gestellt, wenn eine Spielabsage erfolgt, obwohl der Platztester eine Bespielbarkeit dokumentiert hat.

Ab wann sind die BFV-Platztester im Einsatz?
Sofern der Antrag am Verbandstag angenommen wird, läuft die Pilotphase ab Start der Saison 2026/27 bis zum 31. März 2027. Am 1. April 2027 (nach der Winterpause) werden die Erfahrungswerte evaluiert und mögliche Anpassungen vorgenommen.




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