Tobias Müller im Interview: Der SC Großschwarzenlohe ist kein "Zockerpapier"! - fussballn.de
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Artikel veröffentlicht am 25.03.2026 um 07:00 Uhr
Tobias Müller im Interview: Der SC Großschwarzenlohe ist kein "Zockerpapier"!
INTERVIEW Ein Leben lang ist Tobias Müller (43) eng mit dem SC Großschwarzenlohe verbunden, zunächst als Fußballer, später in mehreren Rollen. Vor allem gilt er als ein entscheidender Architekt dafür, dass der SCG sich zu einer der besten Adressen im hiesigen Amateurfußball entwickelt hat. Im fussballn.de-Interview der Woche spricht der Teammanager über jene Entwicklung und erklärt auch, warum er im Sommer kürzertreten wird.
Von Marco Galuska
Tobias Müller wird nach der Saison als Team-Manager beim SC Großschwarzenlohe aufhören, seinem "Herzverein" aber weiter verbunden bleiben.
fussballn.de
Hallo Tobi, wir hatten uns nach eurem Aufstieg in die Bayernliga für ein ausführliches Interview im Laufe der Saison verabredet. Drei Viertel der Saison sind nun gespielt. Hättest du im Sommer erwartet, dass es ein derart schweres Spieljahr für euch werden soll?

Tobias Müller (43):
 Wenn ich ehrlich bin: Jein! Wir wussten, dass die Bayernliga kein Selbstläufer wird. Aber diese Häufung an Rückschlägen war so nicht zwingend zu erwarten. Gleichzeitig gehört genau das zur Entwicklung dazu. Diese Liga zeigt dir jede Woche schonungslos, wo du stehst. Und daran wächst du, ob du willst oder nicht.

Es gab viele Nackenschläge im Laufe dieser Saison. War die Schlussphase in Neudrossenfeld einer zu viel?

Müller: 
Klar, ist das auch bezeichnend. Wenn du 75 Minuten richtig guten Fußball spielst und es am Ende trotzdem nicht reicht, dann passt das ins Bild dieser Saison. 
Genau da liegt der Unterschied. Spiele komplett durchziehen. Auch das ist Entwicklung, die dich wachsen lässt.

Was würde der Abstieg in die Landesliga für den Verein bedeuten?

Müller:
 Ein Abstieg wäre kein Weltuntergang. Wir haben uns über Jahre etwas aufgebaut, strukturell, sportlich und im Selbstverständnis. Landesliga heißt, einmal sammeln, sauber neu ausrichten und wieder angreifen. Entscheidend ist die Basis. Und die steht.

Bevor wir weiter vorausblicken, gib uns doch mal persönlich deinen Rückblick auf deinen Werdegang und die spezielle Beziehung zum SCG!

Müller:
 Ich bin seit 43 Jahren im Verein. Da ist es logisch, dass das ein Teil meines Lebens ist. Ich habe hier alles erlebt: Höhen, Tiefen und echte Entwicklung. Der SCG hat mich geprägt und ich habe bewusst Verantwortung übernommen, um meinen Teil zurückzugeben. Vom Spieler bis in die Führung. Entwicklung entsteht nicht kurzfristig. Sie entsteht über einen längeren Zeitraum, durch Kontinuität, Rückschläge und die Bereitschaft, sich immer wieder ehrlich zu hinterfragen und den nächsten Schritt zu gehen.

Einst Turm in der Schlacht auf dem Platz beim SC Großschwarzenlohe, hat Tobias Müller sich in den letzten Jahren in seinem "Herzverein" außerhalb des Rasens maßgeblich eingebracht und mitgeholfen, den Verein zu einer der besten Adressen in der Region zu machen.
privat

Wenn der SCG eine Aktie wäre, wie würdest du das Chartbild in deiner Wahrnehmung zeichnen?

Müller: 
Wenn der SCG eine Aktie wäre... (überlegt) Da müssten wir wahrscheinlich meinen Freund und langjährigen Wegbegleiter Reiner Großberger fragen. Der ist durch seinen Job mit Aktien da deutlich affiner als ich! (schmunzelt) Vermutlich wäre es kein kurzfristiges „Zockerpapier". Sondern ein Wert mit Substanz, mit ruhiger und klarer Entwicklung. 

Seit einigen Jahren habt ihr euch den Beinamen „Herzverein“ gegeben. Wie kam es dazu, wie kam das an und wie wird es ausgefüllt?

Müller: 
Der Begriff Herzverein ist nicht aus einer Marketingidee entstanden. Das kam von innen. Zusammenhalt, Leidenschaft, Bodenständigkeit. Und genau das wird gelebt, jeden Tag.

Die Meisterschaft in der Landesliga Nordost samt Aufstieg in die Bayernliga war sicherlich der sportliche Höhepunkt beim SC Großschwarzenlohe, den Team-Manager Tobias Müller (r.), Kaderplaner Reiner Großberger (2.v.l.) und die beiden Trainer Fabian Schäll (l.) und Florian Bauer (2.v.r.) im vergangenen Sommer feiern durften.
SCG

Zur kommenden Saison wird es – unabhängig von der Liga – eine wesentliche Veränderung geben. Florian Bauer hört nach knapp einem Jahrzehnt nun endgültig als Trainer bei euch auf. Wie wird es sich anfühlen, wenn du ihn mit einem anderen Vereinslogo auf der Brust siehst?

Müller:
 Das wird ungewohnt, keine Frage! Flo hat den Verein über Jahre geprägt. Aber was darüber hinaus entstanden ist, ist eine einzigartige Freundschaft. Und die bleibt über allem bestehen. Natürlich ist es schwer, wenn er zum Nachbarn und aktuellen Ligakonkurrenten geht. Aber das gehört zum Fußball dazu. Respekt und Freundschaft stehen über allem.

Ihr habt wiederum kürzlich euer zur Hälfte neues Trainerteam vorgestellt. Welches Bauchgefühl hast du beim sportlichen und menschlichen Blick voraus?

Müller:
 Mein Bauchgefühl ist sehr klar und sehr positiv. Wir haben mit den neuen Leuten absolute Top-Kandidaten gefunden, sportlich wie menschlich. Das haben wir auch im separaten Bericht so aufgezeigt. Da steckt Qualität drin und vor allem das richtige Verständnis für Entwicklung. Mit Fabi Schäll bleibt eine wichtige Säule, die über einen längeren Zeitraum entscheidend mitentwickelt hat, sportlich, menschlich und in der gesamten Ausrichtung. Das gibt Stabilität und Vertrauen für den nächsten Schritt. Ich bin überzeugt, dass das funktioniert.

Freuen sich auf die gemeinsame Saison beim SC Großschwarzenlohe (von links): Rainer Abraham, Christian Heinloth, Marco Ried, Fabian Schäll, Jonas Fries und Tobias Müller.
SCG

Schon viel länger steht fest, dass du selbst nur noch bis Saisonende Teammanager bleiben wirst. Wie ist der Entschluss gereift und war dann für dich klar, dass du einen Schritt zurücktreten wirst?

Müller:
 So eine Entscheidung triffst du nicht über Nacht. Aber für mich war klar, mit Blick auf mein Unternehmen und die vielen Themen, für die ich Verantwortung trage, ist es der richtige Zeitpunkt, Platz zu machen. Nach so vielen Jahren merkst du, was es kostet. Energie, Fokus, Präsenz. Da ist es konsequent, einen Schritt zurückzugehen. Auch das ist Entwicklung. Und ganz ehrlich, das hat auch viel mit dem Persönlichen zu tun. Ich bin ein absoluter Familienmensch und weiß, dass diese Balance stimmen muss. Deshalb an der Stelle auch einen riesen Dank an meine Frau. Ohne sie wäre das alles so nicht möglich. Sie hält mir den Rücken frei und schafft mir überhaupt erst den Raum, diese Verantwortung so zu tragen.

Wie wird deine Nachfolge geregelt?

Müller:
 Die Nachfolge ist sauber geregelt – durchdacht, stabil und ohne Schnellschüsse. Es geht nicht um kurzfristige Lösungen, sondern um nachhaltige Entwicklung. Und genau das ist sichergestellt.

Bekanntlich geht man niemals so ganz. Bleibst du davon abgesehen dennoch auch in einem Amt dem Verein erhalten?

Müller: 
Ganz weg kann ich wahrscheinlich nie ganz sein. Dafür steckt zu viel Herzblut drin. Gerade das Thema Sponsoring wird über mein Netzwerk weiterhin stark gelebt. Aber ich werde mich anders einbringen, mit mehr Abstand und trotzdem voller Verbundenheit.

Tobias Müller wird zur kommenden Saison eine Reihe nach hinten treten, aber dem Verein weiter eng verbunden bleiben. 
fussballn.de

Fußball ist bekanntlich schnelllebig, aber wie und wo möchtest du deinen „Herzverein“ in zehn Jahren sehen?

Müller:
 In zehn Jahren sehe ich den SCG weiterhin als feste Größe. Nicht zwingend nur an der Liga gemessen, sondern an dem, wofür der Verein steht: Qualität, Verlässlichkeit und kontinuierliche Entwicklung.

Springen wir wieder zurück in die Gegenwart: Am Samstag geht’s zum Mitaufsteiger nach Stadeln, der einen Traumstart erwischt hat, mittlerweile aber auch um den Klassenerhalt kämpft. Wo siehst du die großen Unterschiede zwischen Landes- und Bayernliga?

Müller:
 Der größte Unterschied ist die Konstanz. In der Bayernliga musst du Woche für Woche liefern. In der Landesliga hast du noch etwas mehr Zeit, Dinge zu korrigieren. Hier oben wird jeder Fehler sofort bestraft. Das Niveau ist durchgehend hoch.

Wird es in Stadeln eure letzte Chance sein, um am Ende doch noch in die Relegation zu klettern?

Müller:
 „Letzte Chance“ ist ein großes Wort. Aber klar ist: Wir müssen liefern. Jetzt. Wenn wir die Chance auf die Relegation wahren wollen, führt kein Weg daran vorbei, unsere Leistung in Punkte umzuwandeln.

Wenn der Klassenerhalt gelingt, wäre es sicherlich ein besonderes Highlight. Rückblickend: Was waren die absoluten sportlichen Highlights in deiner Zeit als Fußballer und als Funktionär beim SCG?

Müller:
Es gibt nicht den einen Moment! Als Spieler sind und waren es die Emotionen. Aufstiege, entscheidende Spiele, diese besonderen Momente. Als Funktionär ist es die Entwicklung: Strukturen aufbauen, Menschen verbinden, etwas schaffen, das Bestand hat. Das ist am Ende das Entscheidende. Genau dafür stehe ich. Das Gute stets verbessern.

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Steckbrief T. Müller

Tobias Müller
Spitzname
Tobi, TM13
Alter
43
Geburtsort
Nürnberg
Wohnort
Großschwarzenlohe
Familie
verheiratet, 1 Kind
Nation
Deutschland
Größe
198 cm
Beruf
Geschäftsführender Gesellschafter
Hobbies
Fußball, Ski fahren, Sport im allgemeinen
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Innenverteidiger


Zum Thema


Bilanz SC Großschwarzenlohe

Saison
Pl. 
Liga
2025/26
17. 
Bayernliga Nord
 
2024/25
1. 
Landesliga Nordost
2023/24
4. 
Landesliga Nordost
 
2022/23
2. 
Landesliga Nordost
2021/22
7. 
Landesliga Nordost - Vorrunde Gruppe B
 
2021/22
5. 
Landesliga Nordost - Abstiegsrunde
 
2019/21
15. 
Landesliga Nordost
 
2018/19
14. 
Landesliga Nordost
 
2017/18
1. 
Bezirksliga Mittelfranken Süd
2016/17
2. 
Kreisliga Nord Neumarkt/Jura
 
2015/16
15. 
Bezirksliga Mittelfranken 2
2014/15
2. 
Kreisliga West Neumarkt/Jura

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