Christian Ulhaas im Interview: "Echte Entwicklung braucht Zeit!" - fussballn.de
Das Amateurfußballportal aus
der Region Nürnberg/Fürth
 
Artikel veröffentlicht am 18.02.2026 um 07:00 Uhr
Christian Ulhaas im Interview: "Echte Entwicklung braucht Zeit!"
INTERVIEW Der 1. SC Feucht hatte sich für seine zweite Saison nach dem Bayernliga-Abstieg eine sorgenfreie Runde vorgenommen und liegt bei der Umsetzung zur Winterpause voll im Plan. Trainer Christian Ulhaas war beim Neuaufbau der vergangenen eineinhalb Jahre direkt beteiligt und berichtet im fussballn.de-Interview der Woche über die Entwicklungen rund um das Feuchter Waldstadion.
Von Fabian Strauch
Christian Ulhaas gehört seit dem Abstieg in die Landesliga dem Trainerteam des 1. SC Feucht an.
Dominik Geiswinkler
Hallo Christian, vor der Saison wurde als Ziel eine sorgenfreie Saison ausgegeben. Wie fällt das Winterfazit mit dem 9. Tabellenplatz und zehn Punkten Vorsprung zur Abstiegszone aus?

Christian Ulhaas (42): Wir sind mit dem klaren Ziel einer „sorgenfreien Saison“ gestartet. Uns war bewusst, dass die Integration neuer Spieler und die Etablierung des neuen Trainergespanns Zeit benötigen würden. Wir wollten uns als Mannschaft finden und weiterentwickeln. Wohlwissend, dass dieser Prozess nicht ohne Rückschläge verlaufen würde.

Einen solchen habt ihr ab Mitte August mit vier Niederlagen in Serie ohne eigenen Torerfolg durchleben müssen. Was waren die Probleme in der damaligen Phase?

Ulhaas: Die Anfangsphase war eine echte Reifeprüfung. Wir hatten mit einer enormen Verletzungsmisere zu kämpfen, die schwer aufzufangen war. Gepaart mit der hohen Belastung in der Landesliga durch drei Trainingseinheiten und oft zwei Spiele pro Woche stießen einige Jungs an ihre Grenzen. Wir mussten außerdem junge Talente ins kalte Wasser werfen. Ein Beispiel: Zum Auswärtsspiel in Weisendorf sind wir mit nur zwölf Mann angereist, darunter ein junger Debütant direkt nach einer Verletzung, ohne jegliche Erfahrung im Herrenbereich. Wir schenkten ihm das volle Vertrauen, und er zahlt es uns heute mit Leistung zurück. Trotz der ausbleibenden Ergebnisse und viel Spielpech hat das Team nie aufgegeben, hart an sich gearbeitet und den Glauben an den gemeinsamen Weg behalten. Ein großes Kompliment geht hier auch an den Verein, der in dieser schwierigen Phase absolut ruhig und unterstützend geblieben ist.

Philipp Nutz und der 1. SC Feucht (in rot) arbeiteten sich nach schwierigem Start bis zur Winterpause ins gesicherte Mittelfeld vor.
Sportfoto Zink

Ab Mitte September wendete sich das Blatt bis zur Winterpause mit je fünf Siegen und Remis aus elf Partien!

Ulhaas: Sobald der Kader wieder kompletter geworden ist, zeigt sich das wahre Potenzial dieser Mannschaft. Wir sind unseren Prinzipien treu geblieben, und die Abläufe wurden von Monat zu Monat sicherer. Die Mannschaft hat die Vorgaben des Trainerstabs immer besser verinnerlicht und auf dem Platz umgesetzt. Mein Credo bleibt: Echte Entwicklung braucht Zeit und man lernt aus den Rückschlägen. Oder wie man so schön sagt: Ein guter Wein muss eben auch reifen.

Recht erfolgreich war dann auch die BFV-Hallenrunde, in deren Verlauf ihr mit guten Leistungen sowohl im Kreis- als auch im Bezirksfinale knapp den Kürzeren gezogen habt. Wie ordnest du das Abschneiden ein?

Ulhaas: Ehrlich gesagt waren wir anfangs skeptisch gegenüber der Hallenrunde, vor allem wegen des Verletzungsrisikos. Doch sportlich war es ein voller Erfolg: Wir haben uns von Turnier zu Turnier gesteigert, ohne je ein Hallentraining absolviert zu haben. Man konnte förmlich zusehen, wie das Team Schritt für Schritt gewachsen ist. Am Ende kam der Erfolgshunger und auch wenn es nicht ganz für den Titel gereicht hat, überwiegt das Positive: Wir haben keine Verletzten zu beklagen und nehmen genau diese Gier und positive Energie jetzt mit in die Vorbereitung für die restliche Rückrunde.

In der Hallenrunde durften die Zeidler um Kapitän Jannik Schneider (m.) trotz starker Leistung sowohl im Kreis Neumarkt/Jura als auch im Bezirk „nur“ oder immerhin den Trostpreis als Vizemeister in Empfang nehmen.
fussballn.de / Gitzing

Du sprichst die Vorbereitung bereits an: Welchen Eindruck macht die Mannschaft bislang in Verbindung mit den schwierigen Witterungsverhältnissen?

Ulhaas: Die aktuelle Vorbereitung gestaltete sich aufgrund der Witterungsbedingungen und der Schneefälle als eine der bisher anspruchsvollsten. Das Trainerteam musste kurzfristig reagieren: Geplante Einheiten auf dem Platz wurden durch intensive Lauf- und Kraftübungen ersetzt. Seit 14 Tagen können wir glücklicherweise wieder unter regulären Bedingungen trainieren. Die Mannschaft zeigt dabei eine bemerkenswerte Spielfreude und hohe Einsatzbereitschaft. Die bisherigen Testspiele verliefen positiv. Dabei lag der Fokus weniger auf den reinen Ergebnissen als vielmehr auf der taktischen Umsetzung unserer Vorgaben.

Gilt jene Ausrichtung auch für den Pflichtspielauftakt am Abend mit dem Quali-Spiel zum Verbandspokal gegen Ligakonkurrent DJK Ammerthal, gegen den es noch eine offene Rechnung gibt?

Ulhaas: Wir erwarten mit Ammerthal einen in allen Belangen starken Gegner. Das Hinspiel in der Liga endete mit 0:4, wobei das Ergebnis über den tatsächlichen Spielverlauf hinwegtäuscht. Wir hatten in den ersten zehn Minuten hochkarätige Chancen zur Führung, mussten uns am Ende jedoch – wenn auch um ein bis zwei Tore zu hoch – geschlagen geben. Das Spiel wird für uns ein wichtiger Gradmesser sein, um zu sehen, wo wir aktuell stehen. Wir werden versuchen, aktiv mitzuspielen und Ammerthal vor eine anspruchsvolle Aufgabe zu stellen.

Im Pokalspiel am Abend, das auf dem Kunstrasen in Ochenbruck ausgetragen wird, wollen die Feuchter dem Favoriten aus Ammerthal ein Bein stellen.
fussballn.de

Ammerthal musste im Sommer exakt ein Jahr nach euch den Abstieg aus der Bayernliga verkraften. Was hat dich vor eineinhalb Jahren gereizt, Teil des Neuaufbaus der 1. Mannschaft zu werden?

Ulhaas: Ich habe im Jugendbereich in Feucht insgesamt neun Jahre von der F-Jugend bis zur C-Jugend als Juniorentrainer gearbeitet und dabei auch immer in den höchsten Ligen gespielt. Anschließend war ich zwei Jahre in der Jugend des FSV Erlangen-Bruck und habe nach dem Abstieg mit der U19 eine Pause eingelegt. In dieser Zeit hat mich Patrick Lehmeier angerufen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Co-Trainer in seinem Team zu arbeiten. Nach wenigen Tagen Bedenkzeit habe ich zugesagt, um wieder nach Feucht zurückzukehren und dort auch im Herrenbereich nach dem Abstieg aus der Bayernliga wieder „von null“ ohne einen einzigen Spieler etwas aufzubauen.

Wie ordnest du die Entwicklung in den vergangenen 18 Monaten im sportlichen Bereich ein?

Ulhaas: Wir als Trainergespann sind mit der Entwicklung der Mannschaft äußerst zufrieden. Der Teamgeist ist stark, die Spieler arbeiten hochkonzentriert an sich und setzen die taktischen Inhalte konsequent um. Auf dieser Basis wollen wir die kommenden Aufgaben angehen.

Aufgrund der sportlichen Entwicklung stehen die Chancen gut, dass Christian Ulhaas (l.) und Felix Spielbühler auch in der kommenden Saison gemeinsam an der Seitenlinie des 1. SC Feucht stehen werden.
fussballn.de / Strauch

Auch am Vereinsgelände hat sich bereits einiges getan. Nimm uns bitte mit auf den aktuellen Stand!

Ulhaas: Parallel zur sportlichen Entwicklung investiert der Verein massiv in die Infrastruktur. Die Platzverhältnisse wurden grundlegend verbessert: Der dritte Platz wurde von Sand auf Rasen umgestellt, der zweite Trainingsplatz komplett saniert und modernisiert. Zudem wurde eine neue Flutlichtanlage installiert und das gesamte Vereinsgelände strukturell aufgewertet. In Kürze folgt zudem eine Renovierung des Stadionrasens. Aktuell nutzen wir für den Trainingsbetrieb fest den Kunstrasenplatz in Ochenbruck, der uns optimale Bedingungen für die Vorbereitung bietet.

Vor dem Feuchter Waldstadion war ja der mittlerweile legendäre Krugsportplatz jahrelang deine sportliche Heimat. Welche prägenden Erinnerungen hast du an die Zeit bei der DJK Bayern?

Ulhaas: Mein persönlicher Weg als Trainer und Fußballer ist eng mit dem Krugsportplatz verbunden. Diese Zeit hat mich maßgeblich geprägt und mir gezeigt, dass wahre Größe nicht an der Körperstatur, sondern an der Einstellung gemessen wird. Dort habe ich meine Leidenschaft für das Traineramt im Jugendbereich entdeckt und später als Führungsspieler die Chance erhalten, eine 1. Mannschaft zu übernehmen. Die „harten Schlachten“ auf diesem Platz haben zwar körperlich ihre Spuren hinterlassen, aber sie sind das Fundament für mein heutiges Wirken.

Zurück in die Gegenwart bei den Zeidlern: Wie schätzt du das Auftaktprogramm in der Liga ein?

Ulhaas: Der Restart aus der Winterpause wird eine große Herausforderung. Wir stellen die Mannschaft darauf ein, dass uns ein sehr unangenehmer Auftakt bevorsteht, in dem die Gegner jeden Punkt im Abstiegskampf brauchen werden. Unser Ziel ist klar definiert: Wir wollen so schnell wie möglich die Marke von 42 Punkten erreichen, um rechnerisch alles abzusichern und frühzeitig für die neue Saison planen zu können.

Eine ähnliche Zielsetzung wird dann auch der erste Gast im Waldstadion verfolgen!

Ulhaas: Mit Unterreichenbach erwartet uns direkt ein Gegner, der uns physisch und mental alles abverlangen wird. Zudem bringen sie eine starke Fan-Unterstützung mit. Wir haben aus dem Hinspiel definitiv noch etwas gutzumachen. Damals spielten auch unglückliche Schiedsrichterentscheidungen eine Rolle, was die Motivation für das Rückspiel zusätzlich steigert.

Und wie groß ist abschließend die Motivation im Trainerteam, in der aktuellen Konstellation auch über das Saisonende hinaus weiterzuarbeiten?

Ulhaas: Ein wichtiges Signal für die Zukunft des Vereins wurde bereits gesetzt: In ersten Gesprächen wurde uns von Vereinsseite das Vertrauen ausgesprochen, unsere Arbeit als Trainergespann fortzuführen. Wir freuen uns darauf, die angestoßene Entwicklung des Kaders und des gesamten Vereinsumfelds langfristig weiter voranzutreiben. Die Tinte ist zwar nicht trocken, aber die Grundlagen sind gelegt.

Kommentar abgeben

Kommentare werden unter Deinem Nicknamen und erst nach Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht.

Leser-Kommentare

Steckbrief C. Ulhaas

Christian Ulhaas
Spitzname
Ule, Mini Packer
Alter
42
Familie
verheiratet, 1 Kind
Nation
Deutschland
Größe
160 cm
Gewicht
82 kg
Beruf
Gas-/Wasserinstallateur
Hobbies
Alles, was mit Ball zu tun hat
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
defensives Mittelfeld
Erfolge
Aufstieg als Kapitän der DJK Bayern, Aufstieg mit dem VfR Moorenbrunn, 2 Aufstiege mit Großschwarzenlohe
Inhaber C-Lizenz


Zum Thema


Tabelle Landesliga Nordost

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
20
58:18
52
2
21
39:23
44
3
21
64:30
43
5
22
55:33
34
6
21
30:31
34
8
22
40:49
31
9
21
30:33
30
11
20
32:35
27
13
22
39:57
23
14
21
24:39
22
16
20
27:54
14
17
20
24:38
12
18
20
24:59
9
Bei punktgleichen Teams: Sondertabelle der Punktgleichen

Tabellenverlauf SC Feucht


Transfers 1. SC Feucht

Zugänge
Jul 2025
Mittelfeld
Mittelfeld
Mittelfeld
Mittelfeld
Jul 2025
Mittelfeld
Jul 2025
Sturm
pausierte
Mittelfeld
Feb 2026
Werderaner SC
Abgänge
pausiert
Mittelfeld
Jul 2025
Mittelfeld
Abwehr
Jul 2025
Sturm
Jul 2025
Sturm
Mittelfeld
Mittelfeld
Mittelfeld
Jul 2025
Abwehr
Jul 2025
Mittelfeld
Jul 2025
Mittelfeld
Mittelfeld
Jan 2026
Auslandswechsel
Mittelfeld

Nächste Spiele SC Feucht

Sa. 28.02.2026 14:00 Uhr
So. 08.03.2026 16:00 Uhr
Fr. 13.03.2026 19:00 Uhr
So. 22.03.2026 15:00 Uhr
A - DJK Ammerthal (1.)
Fr. 27.03.2026 19:00 Uhr
H - SV Buckenhofen (11.)
In Klammern aktuelle Tabellenplatzierung

Meist gelesene Artikel



Diesen Artikel...