Matthias Carl im Interview: "Der SC Germania ist mein größtes Hobby" - fussballn.de
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Artikel veröffentlicht am 14.01.2026 um 07:00 Uhr
Matthias Carl im Interview: "Der SC Germania ist mein größtes Hobby"
INTERVIEW Als Spieler im Herrenbereich kaum in Erscheinung getreten, ist Matthias Carl seit langer Zeit dennoch ein eminent wichtiger Bestandteil in der Gemeinschaft des SC Germania. Zahlreiche Rollen nahm der 39-Jährige über die Jahre hinweg ein und sorgte nebenbei dafür, dass sich das Gelände in Schniegling zu einem echten Schmuckstück entwickelte. Im fussballn.de-Interview der Woche erklärt er seine Liebe zur Rasenpflege.
Von Michael Watzinger
Matthias Carl in der Turnierleitung bei der Hallenkreismeisterschaft Nürnberg/Frankenhöhe.
fussballn.de / Gitzing
Hallo Matthias, vor wenigen Tagen konnte man dich als Hallensprecher bei der Hallenkreismeisterschaft Nürnberg/Frankenhöhe bewundern. Wie kam es dazu und wie hat dir diese Rolle gefallen?

Matthias Carl (39):
Mein Verein, der SC Germania, ist ja seit drei Jahren der ausrichtende Verein der Hallenkreismeisterschaft und da werden immer helfende Hände gesucht. Als Schiedsrichter und zwischenzeitliches Mitglied im Gruppenschiedsrichterausschuss waren Kontakte zum BFV da und ich habe meine Unterstützung bei der Turnierleitung angeboten. Bei Germania hatte ich früher bereits die Funktion des Stadionsprechers inne und so war das Ganze auch nichts Neues für mich. Es hat auf jeden Fall große Freude bereitet, auch wenn die technischen Probleme beim Kreisfinale natürlich unglücklich waren. Trotzdem hoffe ich, dass ich eine gewisse Emotionalität herüberbringen konnte und die Spiele gut begleitet habe.

Hast du vor, als Hallensprecher der neue Heinz Ferber zu werden, der in dieser Rolle eine absolute Legende wurde?

Carl:
Heinz war als Hallensprecher auf jeden Fall etwas ganz Besonderes und ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als er am Mikrofon war! Ich fand das immer sehr inspirierend und möchte gerne eine ähnliche Atmosphäre schaffen, vielleicht ja auch in Zukunft.

Was war für dich der Grund, dich bei der Hallenrunde mit einzubringen?

Carl: Zunächst einmal bin ich ein großer Futsal-Fan und halte das für eine tolle Hallenvariante. Man könnte sagen, der Futsal ist eine Leidenschaft von mir, und ich hoffe, dass er in Zukunft noch deutlich besser angenommen wird. Daher helfe ich bei der Schiedsrichtergruppe Nürnberg auch mit und bin der Einteiler der Schiedsrichter für die Hallensaison. Vom Event Hallenkreismeisterschaft einmal abgesehen, finde ich es wichtig, dass man sich einbringt und mit anpackt. Daher war es für mich auch keine Frage, dass ich auch in diesem Fall unterstützen möchte. Bei Germania hatten wir ein tolles Team von bis zu zehn Leuten am Start, die aus meiner Sicht über die Tage hinweg wirklich hervorragende Arbeit geleistet haben.

Matthias Carl (r.) war während der Hallenkreismeisterschaft Nürnberg/Frankenhöhe in der Turnierleitung als Hallensprecher aktiv.
fussballn.de / Gitzing

Dich selbst kennen wohl nur die wenigsten als Spieler auf dem Fußballfeld. Dennoch bist du beim SC Germania ein wichtiger Bestandteil des Vereins, schon alleine wegen vieler Ehrenämter, die du im Laufe der Jahre ausgeführt hast. Nimm uns mit zu den Anfängen: Wie bist du überhaupt zum SC Germania gekommen?

Carl:
Meine Familie hat in der Nähe des Sportgeländes in einem Reihenhaus gewohnt und im Alter von sieben Jahren wollte ich Fußball spielen. So bin ich damals, gemeinsam mit meinem guten Freund Tobias "Tobse" Brandl in der F-Jugend zur Germania gekommen. Im Laufe der Jahre haben sich viele Freundschaften daraus entwickelt und ich war bis in das erste Jahr bei den Herren am Ball. Ich war allerdings nie der begnadetste Fußballer und hatte zu viel auf den Rippen, sodass keine große Spieler-Karriere in Aussicht war. Ich habe ab und zu in der Reserve-Mannschaft gespielt. (lacht) Zu dieser Zeit wurde Thomas "Bulle" Streng im Verein vom Spielleiter zum Abteilungsleiter Fußball und hat in mir wohl ein zukünftiges Organisationstalent gesehen. Jedenfalls hat er mich dann gefragt, ob ich nicht Spielleiter oder Betreuer machen möchte. Dadurch, dass mir die Mannschaft und die Gemeinschaft so am Herzen lagen, war das aus meiner Sicht eine  Möglichkeit, um weiterhin nah beim Team und bei meinen Freunden bleiben zu können. Und so fing mit ungefähr 20 Jahren dann letztlich meine Laufbahn außerhalb des Fußballplatzes an...

Als Spielleiter warst du dann auch an einem – aus heutiger Sicht – echten Coup beteiligt, oder?

Carl:
Ja, das ist richtig. Wir haben damals immer versucht, den Gemeinschaftssinn zu stärken und wieder einen eingeschworenen Haufen zusammenzubekommen. Tobse, als damaliger Abteilungsleiter, und ich, als Spielleiter, hatten dabei vor allem Serdar Dinc im Auge, der früher für uns eine Art Mentor, dann allerdings für Johannis 83 im Einsatz war. Wir haben viel probiert, um ihn zu überzeugen, und am Ende hat es geklappt. Es macht mich auch heute noch ein wenig stolz, auf diese Weise meinen kleinen Teil zum folgenden sportlichen Aufschwung beigetragen zu haben.

Bei der Rückholaktion von Serdar Dinc zum SC Germania hatte auch Matthias Carl als damaliger Spielleiter seine Finger im Spiel.
fussballn.de / Strauch

Im Laufe der Zeit hast du dich in Schniegling zum echten Allrounder beziehungsweise zum Mann für alle Fälle entwickelt. Beschreibe uns doch mal, welche Tätigkeiten du bei Germania ausgeübt hast.

Carl:
Da kam dann schon einiges zusammen. (schmunzelt) Ich war erst Spieler, dann Betreuer bzw. Spielleiter, war dann nebenbei sieben Jahre lang Platzwart. Ich war Pressesprecher, Verwaltungsmitglied und Schriftführer und habe dann 2017 meinen Schiedsrichterschein gemacht. Ich hatte mir zwischendurch eine kleine Auszeit genommen, habe mal etwas Abstand gebraucht, doch dann haben mir der Verein und die Leute gefehlt und ich habe mich wieder eingebracht. Inzwischen bin ich technischer Betriebsleiter als Teil der Vorstandschaft und helfe dabei mit, dass sich das Gelände so schön wie möglich präsentiert. Außerdem werde ich auch bei Fragen zur Spielordnung immer wieder gerne um Rat gefragt, da ich ein sehr genauer Mensch bin. Diese Eigenschaft hat mir innerhalb des Vereins inzwischen auch den Spitznamen "DIN-Matze" - angelehnt an die sogenannte DIN-Norm - eingebracht. (lacht) Zwischenzeitlich war ich übrigens auch für eineinhalb Jahre Co-Trainer der Damenmannschaft, fällt mir noch ein – das hat zwar Spaß gemacht, aber ich habe andere Stärken als den Trainerberuf. (schmunzelt)

Was war für dich die Motivation, dich ehrenamtlich derart einzubringen?

Carl:
Ich habe damals mit Tobias Brandl im Verein angefangen und Germania wurde zu unserem Herzensverein. Wir wollten unseren Teil dazu beitragen, dass es wieder aufwärtsgeht. Es herrscht eine tolle Gemeinschaft und so hat man sich einfach gerne eingebracht und hat geholfen, wo man konnte. Es steckt einfach sehr viel Herzblut drin und deshalb opfert man seine Freizeit auch gerne – man weiß ja, wofür man es tut! Außerdem finde ich es schon auch wichtig, Aufgaben in seinem Leben zu haben.

Alle Tätigkeiten einmal betrachtet: Hattest du eine Lieblingsfunktion?

Carl:
Oh ja, ich habe einen klaren Favoriten: Ich habe die Rolle des Platzwartes wirklich geliebt! Es hat etwas Beruhigendes, auf dem Rasenmäher zu sitzen und über das Sportgelände zu fahren. Man sieht nach getaner Arbeit sofort das Geleistete, blickt auf das Schnittbild, die hell/dunkel-Abstufungen, und empfindet eine absolute Zufriedenheit. Es ist schwer zu beschreiben, aber diese Tätigkeit macht mir auch jetzt bei Germania und im Beruf am meisten Freude.

Auch als Schiri ist Matthias Carl auf dem Platz und darüber hinaus als Funktionär in der Nürnberger Gruppe aktiv.
Sebastian Baumann

So sehr, dass du dich entschlossen hast, beruflich umzusatteln …

Carl:
Das ist richtig: Ich hatte ursprünglich eine Ausbildung zum Eventkaufmann gemacht, musste dann während einer Krise die Branche wechseln und wurde dann bei Edeka zum Einzelhandelskaufmann. Das hat mir einige Zeit große Freude gemacht, doch ich habe gemerkt, dass es mich nicht mehr vollständig erfüllt. So habe ich über meine Zukunft nachgedacht und mich dazu entschlossen, Greenkeeper zu werden. Seitdem bin ich bei der Firma Bieber Sportplatzpflege angestellt und habe gleich im zweiten Jahr meinen Fachagrarwirt für Sportplatzpflege, quasi meinen Meister, in diesem Berufsfeld abgeschlossen. Nun bin ich tagtäglich auf sämtlichen Sportplätzen der Region unterwegs. Ich bin unheimlich froh, diesen Schritt gegangen zu sein, und habe es bislang noch keine Sekunde bereut.

Matthias Carl in seinem Element: Auf dem grünen Rasen fühlt sich der 39-Jährige besonders wohl.
privat

Wie sieht deine Arbeit genau aus?

Carl:
Letztendlich ist die Firma Bieber Dienstleister und Baufirma für alles, was auf einer Sportanlage anfällt. Ich selbst berate Sportvereine in Sachen Rasenpflege, Renovation von Sportplätzen und repariere auch mal einen defekten Unterflurregner einer Beregnungsanlage. Die meiste Arbeitszeit im Sommer verbringe ich aber auf den beiden Sportanlagen des Post SV Nürnberg und sorge mehrmals wöchentlich dafür, dass die Plätze in Schweinau und am Ebensee fachgerecht analysiert, geschnitten, gepflegt und liniert werden. Das ergänzt sich aus meiner Sicht auch gut mit meinem Wirken bei Germania, denn zusammen bin ich somit für sieben Großspielfelder und zwei Kleinfelder verantwortlich und kann auch immer mal "Neues" oder andere Pflegeansätze ausprobieren. Bei Germania schaffe ich es natürlich zeitlich nicht, die Plätze selbst zu mähen. Da hatte ich bisher Unterstützung von unserem Platzwart und seit September fährt ein autonomer Rasenmäher seine Bahnen über die drei Rasenplätze und nimmt uns diese Arbeit ab. Als Technischer Betriebsleiter habe ich trotzdem genug zu tun und kümmere mich unter der Woche nach Feierabend und meist samstags zusammen mit dem Arbeitsdienst um die Außenanlagen des Geländes.

Bei all der Zeit, die du am Sportplatz verbringst, bleibt da noch Luft für andere Dinge?

Carl:
Ganz ehrlich, die Aufgaben sind zeitweise schon unheimlich zeitintensiv, da bleibt dann nicht mehr allzu viel Zeit übrig. Ich habe spaßeshalber mal zusammengerechnet und dabei festgestellt, dass ich im letzten Jahr rund 500 Stunden bei Germania auf dem Gelände beschäftigt war. Ich mache das aber nach wie vor einfach gerne, es ist Hobby und Leidenschaft. Sicher, gerade im Sommer ist viel zu tun und hier und da bleiben dann ein wenig andere Dinge auf der Strecke – ich gehe zum Beispiel sicher nicht bis um 4 Uhr morgens auf eine Feier, wenn ich an einem Sonntag um 8 oder 9 Uhr den Platz machen muss – aber es gibt mir auch unheimlich viel. Ich habe zwar schon noch weitere Hobbys, spiele zum Beispiel gerne Dart und Tischtennis, bin Fan des Frauenfußballs der Region, oder pfeife dann doch das ein oder andere Spiel an meinen freien Sonntagen. Mein größtes Hobby ist aber einfach der SC Germania. (lacht)

Das Sportgelände seines SC Germania liegt Matthias Carl freilich ganz besonders am Herzen.
privat

Hast du in deiner Rolle Ziele und Träume?

Carl:
Ich habe mir in den Kopf gesetzt, die Anlage in Schniegling stetig weiter zu verbessern und den Mitgliedern den bestmöglichen Platz zur Ausübung ihres Sports hinzustellen. Ein Ziel ist dabei sicherlich, die Grasnarbe in den kommenden Jahren neu zu machen, denn dadurch würde der Platz noch einmal klar aufgewertet werden. Ich gebe mich mit Stillstand definitiv nicht zufrieden, denn die Anlage ist schon so etwas wie mein Baby! Mein Traum wäre es, wenn sie irgendwann in der Zukunft als die schönste Anlage in Nürnberg angesehen würde, und ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Darüber hinaus habe ich in meinem Beruf den Anspruch, den Vereinen allgemein zu helfen, damit sie die Qualität ihrer Anlagen verbessern können.

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Steckbrief M. Carl

Matthias Carl
Spitzname
Matze
Alter
39
Geburtsort
Nürnberg
Familie
ledig, 0 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
182 cm
Beruf
Fachagrarwirt für Sportplatzpflege
Hobbies
SC Germania Nürnberg, Darts, Tischtennis


Schiri-Stationen M. Carl


Vereins-Funktionär M. Carl

14/15
SC Germ. Nürnberg
Medien/Presse
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SC Germ. Nürnberg
Medien/Presse

Schiri-Funktionär M. Carl

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GSA | Gruppenschiedsrichterausschuss

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