Artikel vom 29.06.2026 22:49 Uhr
Mit Blick auf eine mögliche Regionalliga-Reform waren die Vereine der 3. Liga sowie der Regional- und Oberligen in Deutschland zur Abstimmung aufgerufen: Die Ergebnisse der einzelnen Regionen der zeitgleich durchgeführten Vereinsabstimmung durch die fünf Träger der Regionalligen West, Südwest, Bayern, Nord und Nordost haben dabei kein einheitliches Bild ergeben. Im Vorfeld hatte es dazu Unmut bei Vereinen gegeben.
Von
Marco Galuska
/ PM BFV
Wegen kurzfristiger Anpassungen: Hansa Rostock boykottierte Abstimmung
Ärger gab es kurz vor der geplanten Abstimmung, nachdem durchgesickert war, dass die ausgearbeiteten Modalitäten des Kompassmodells noch einmal angepasst wurden. Drittligist Hansa Rostock wurde in einer Stellungnahme, in der man den Boykott an der Abstimmung erklärte, deutlich: "Jahrelang wurde von Transparenz, Dialog und einer echten gemeinsamen Lösung gesprochen. Vereine haben Zeit, Energie und Vertrauen in diesen Prozess gesteckt – in der Erwartung, am Ende über eine faire und belastbare Struktur zu entscheiden. Doch jetzt zeigt sich: Nicht die gemeinsam erarbeiteten Grundlagen zählen, sondern kurzfristig veränderte Spielregeln im entscheidenden Moment. Ein zentrales Modell wird auf den letzten Metern verändert. Abstimmungslogiken werden umgestellt. Mehrheiten werden faktisch relativiert. Das ist kein sauberer Reformprozess mehr. Das ist ein Verfahren, das Vertrauen zerstört. Wenn Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel – und genau das machen wir nicht mit."
Konkret ging es aus Sicht der Rostocker darum: Statt der ursprünglich vorgesehenen 20er-Staffeln sollen es nun nur noch 18 Teams pro Regionalliga sein. Damit fallen weitere Plätze weg, in der Übergangssaison wären zusätzliche sportliche Härten die Folge. Gleichzeitig wurden Abstimmungsregeln nachträglich verschärft: Aus einer bundesweiten Mehrheitsentscheidung wurde faktisch ein System, in dem jede Region einzeln zustimmen muss – mit Vetomöglichkeiten einzelner Verbände. Damit entsteht ein Verfahren, das sich kurz vor dem Ziel grundlegend verändert – obwohl Vereine über Monate auf Basis anderer Rahmenbedingungen gearbeitet haben.
Westen, Norden und Nordosten mit Mehrheit für Kompassmodell
Die Zahlen der Abstimmung brachten dann das Kompassmodell unter den aktuell vorgegebenen Rahmenbedingungen zum Scheitern. Im Westen (60,9 Prozent), Norden (61,5
Prozent) und Nordosten (76,3 Prozent) favorisierten die Klub-Verantwortlichen
das „Kompassmodell“. Im Südwesten erreichte das „Regionenmodell“ die Mehrheit
(93,1 Prozent), in Bayern sprachen sich die Abstimmenden mehrheitlich (52,4
Prozent) für die Ausarbeitung neuer Modelle aus.
Mit diesen
uneinheitlichen Ergebnissen wurde die unter anderem aus Rostock kritisierte Maßgabe nicht erreicht, wonach eine
Umsetzung zur Saison 2028/29 nur dann zum Tragen kommt, sollten sich die
Vereine aller fünf Regionen in ihren Abstimmungen jeweils für ein- und dasselbe
vorgeschlagene Modell entscheiden. Damit ist der Prozess der beim Deutschen
Fußball-Bund (DFB) eingesetzten Arbeitsgruppe beendet. Ziel aller
Regionalliga-Träger ist und bleibt es, eine Struktur zu schaffen, die
Aufstiegsspiele zur 3. Liga nicht mehr vorsieht. Die Ergebnisse werden zeitnah
mit dem DFB erörtert, um gemeinsam den weiteren Fortgang zu definieren.
Bayern stimmt nicht fürs Kompassmodell
Bei der vom
Bayerischen Fußball-Verband (BFV) für die Regionalliga Bayern organisierten
Zusammenkunft im Nürnberger Max-Morlock-Stadion hatten 42 Klub-Verantwortliche
aus den drei Spielklassen-Ebenen in Präsenz teilgenommen, 15 schalteten sich
online zu. In der namentlich durchgeführten Abstimmung sahen 52,4 Prozent die
Notwendigkeit, weitere Lösungsmodelle zu erarbeiten, 45,2 Prozent votierten für
das „Kompassmodell“, 2,4 Prozent entfielen auf das „Regionenmodell“.
„Dass es
sowohl in ganz Deutschland als auch bei uns in Bayern nicht das eine Modell für
die Lösung gibt, überrascht nicht. Das war genau so zu erwarten“, sagt
BFV-Präsident Christoph Kern: „Und genau aus diesem Grund hatten wir in der AG darauf
gedrängt, vor einer Befragung der Klubs unbedingt noch weitere Lösungswege zu
diskutieren – darunter auch eine 3. Liga mit 22 Teams und fünf Absteigern oder
das von uns vorgeschlagene Zwei-Phasen-Modell. Diese Zeit hätte man sich in der
AG zwingend nehmen müssen. Denn klar ist, dass eine Lösung der Aufstiegsfrage
nur nachhaltig sein kann, wenn sie die überragende Mehrheit der betroffenen
Klubs auch mitträgt – das ist aktuell schlicht nicht der Fall.“