Artikel vom 01.07.2026 07:00 Uhr
Nach fast 50 Jahren im Trainergeschäft verabschiedete sich Norbert Frey im Herbst 2024 vom hiesigen Amateurfußball.
Fast 50 Jahre lang war Norbert Frey auf den Trainerbänken der Region daheim. Erst im Juniorenbereich, später auch bei den Mädchen und Frauen und nicht zuletzt im Herrenbereich hinterließ der heute 65-Jährige tiefe Spuren und war zum Beispiel am Aufschwung der SpVgg Mögeldorf 2000 maßgeblich beteiligt. Seit Herbst 2024 ist es um den Erfolgscoach aber ruhig geworden. Wir fragen uns: Was macht eigentlich Norbert Frey?
Ohne jeden Zweifel zählte Norbert Frey über Jahrzehnte hinweg zu den bekanntesten Trainergesichtern dieser Region. Bereits im Alter von nur 14 Jahren übernahm er bei seinem Heimatverein, dem damaligen SV Frankonia, seine erste Trainertätigkeit und zählte mit 17 Jahren zu den jüngsten Teilnehmern bei den BFV-Trainerlehrgängen zur B-Lizenz. "Ich habe recht schnell gemerkt, dass es bei mir mit dem Fußballspielen nicht zum Profi reichen würde, und mich dann auch wegen einer Verletzung ziemlich früh für die Trainerschiene entschieden. Dabei war es mir wichtig, auch das nötige Know-how zu besitzen und dieses an meine Spieler weitergeben zu können", blickt Frey auf seine Anfänge als Trainer zurück.
Als Trainer machte sich Frey spätestens einen Namen, als er unter anderem acht Jahre lang bei der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg im höchsten Juniorenbereich erfolgreich tätig war oder anschließend zehneinhalb Jahre die DFB-Talentförderung unter anderem als Trainer der Regionalauswahl von Jungen und Mädchen vorantrieb. "Die Arbeit im Nachwuchsbereich der beiden Profivereine war schon etwas ganz Besonderes für mich, schließlich bekommt man nicht allzu oft die Gelegenheit, über einen so langen Zeitraum unter so professionellen Bedingungen mit tollen Talenten zu arbeiten. Ich hatte damals auch die Anfrage der Fürther erhalten, das Ganze hauptberuflich zu machen. Doch war mir dieser Job, verglichen mit meinem Arbeitsplatz bei Siemens, mit zu vielen Risikofaktoren behaftet. Dennoch zählt diese Zeit für mich zu den absoluten Highlights", hebt Frey diese Jahre noch einmal hervor.
Trainer aus Leidenschaft: Norbert Frey entdeckte früh seine Liebe fürs Detail und kann auf fast 50 Jahre an den Seitenlinien der hiesigen Fußballplätze zurückblicken.
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Auch im Damen- und Amateurbereich ein Erfolgsfaktor
Frey wechselte während seiner Tätigkeit beim DFB in den Amateurbereich und stand bei Vereinen wie dem SV Laufamholz, dem SV Buckenhofen, der DJK Eibach, dem TB Johannis 88 und dem BSC Woffenbach an der Seitenlinie, ehe er die SpVgg Mögeldorf 2000 von der Kreisklasse in die Bezirksliga coachte. Nach einem zweijährigen Gastspiel in Raitersaich kehrte der heute 65-Jährige noch einmal in den Nürnberger Osten zurück, ehe er im Sommer 2024 seine schließlich letzte Station beim A-Klassisten SV Wacker Nürnberg antrat, welche allerdings wenige Monate später ein abruptes Ende finden sollte. Zwischenzeitlich war Frey darüber hinaus auch als Trainer der U17-Mädchen- und Frauenmannschaft des 1. FC Nürnberg tätig. "Im Laufe der vielen Jahre habe ich viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln dürfen. Gerade auch die Arbeit mit Mädchen- und Damenmannschaften hat meinen Horizont dabei noch einmal erheblich erweitert. Es ist einfach eine ganz andere Art und Weise des Trainerdaseins. Ich kann das wirklich jedem Trainer nur empfehlen! Im Herrenbereich blicke ich natürlich auf meine Zeit in Mögeldorf besonders gerne zurück: Man ist ja nicht umsonst insgesamt sechs Jahre bei einem Verein, sondern fühlt sich schon auch richtig wohl. Ich freue mich auch, dass der Verein den von uns eingeschlagenen Weg weitergeht und auch in der Landesliga konsequent auf Jungs aus den eigenen Reihen setzt. Das freut mich natürlich ungemein", wirft der erfahrene Erfolgscoach einen Blick auf seine Schaffenszeit innerhalb der Region zurück.
Mit der SpVgg Mögeldorf 2000 feierte Norbert Frey den Aufstieg von der Kreisklasse bis in die Bezirksliga – und war so ein wichtiger Teil der aktuellen Mögeldorfer Erfolgsgeschichte.
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Ein Hirngespinst wird Realität
Dass seine letzte Amtszeit auf der Wacker-Alm nur wenige Monate gehen sollte, damit hatte Frey derweil selbst nicht gerechnet. Ende September 2024 allerdings wanderte der sich inzwischen in Rente befindliche Frey mit Frau Carola nach Tirol aus, um näher bei den Enkeln zu sein. Untypisch für den Kopfmenschen, wie er in der Rückschau zugibt: "Während der Corona-Pandemie waren meine Frau und ich teilweise längere Zeit in Sankt Johann in Tirol und wir haben den Ort kennen- und liebengelernt. Wir haben dann immer wieder darüber gesprochen, doch ganz nach Tirol ziehen zu können. Ich hielt das aber insgeheim für ein Hirngespinst! Es wirkte für mich einfach unrealistisch, diesen Schritt zu gehen, gerade auch, weil ich noch ein paar Jahre zu arbeiten hatte. Als ich dann aber den Vertrag der Altersteilzeit unterschrieben hatte, wurde dies immer aktueller. Und dann haben wir es einfach gemacht. Nach dem Motto 'Jetzt oder nie'! Meine Schwiegertochter in spe ist Immobilienmaklerin in Tirol und war uns da eine große Hilfe. Schließlich hatten wir in Nürnberg ja auch noch eine Eigentumswohnung, die es zu verkaufen galt. Für mich war es eigentlich unvorstellbar, dass das alles wirklich funktionieren würde. Aber letztlich hat sich alles perfekt zusammengefügt – es war fast wie in so einem schnulzigen Film. Seit Oktober 2024 kann ich nun von meinem Garten aus auf den Wilden Kaiser und das Kitzbühler Horn schauen", lacht Frey zufrieden in der Rückschau auf sein Auswanderungsabenteuer.
Wilder Kaiser statt Kaiserburg: Im Herbst 2024 entschied sich Norbert Frey gemeinsam mit Frau Carola zur Auswanderung nach Tirol.
privat
Ein Traum wird wahr
Der 65-Jährige hat also sein Glück gefunden. Passend zur Feel-good-Story kam Frey praktisch mit seiner Ankunft auch zu einer neuen Trainerstelle – und erfüllte sich so einen weiteren Lebenstraum: "Ich wollte schon immer mal im Ausland als Trainer arbeiten! An dem Tag, an dem wir zur notariellen Unterschrift im Ort waren, hatte der SK St. Johann ein Heimspiel. Auf dem Weg zum Abendessen sind wir dort vorbeigekommen und ich habe mich einfach mal vorgestellt und nach einer Möglichkeit erkundigt, dort als Trainer zu arbeiten. Tatsächlich konnte ich dann schon direkt mit unserem Einzug ab dem 1. Oktober als Trainer der U12-Junioren anfangen."
Doch dabei sollte es längst nicht bleiben: Über den Hausmeister seines Neubaus kam der Kontakt zum Nachbarverein SC Kirchberg zustande. Er übernahm die Herren des Gebietsligisten (vergleichbar mit der ehemaligen Bezirksoberliga Mittelfranken) parallel zu seiner Jugendmannschaft und feierte prompt den Aufstieg! Jener Erfolg blieb wiederum den Verantwortlichen des SK St. Johann nicht verborgen und so trat man erneut an Frey heran. Ein Remis trotz langer Unterzahl am 3. Landesliga-Spieltag im Derby gegen Kirchdorf sollte schließlich das letzte Spiel an der Seitenlinie der Kirchberger sein und Frey übernahm stattdessen beim Viertligisten. Mit dem SK St. Johann gelang dann gar der vorzeitige Aufstieg in die 3. Liga.
Beim SK St. Johann erfüllte sich für Norbert Frey der Traum vom Trainerdasein im Ausland. In Tirol arbeitete der 65-Jährige zunächst im Juniorenbereich, ehe er auch die Herrenmannschaft des Vereins übernahm und mit ihr in die österreichische 3. Liga aufstieg.
SK St. Johann
Obwohl Frey zeitlich nun freilich ordentlich eingespannt ist, arbeitet er auch in Österreich in der Nachwuchsförderung und ist Springer-Trainer beim Vorlatz, dem österreichischen Pendant zur DFB-Talentförderung. "Es ist schon eine unglaubliche Geschichte: Hätte mir jemand vor ein paar Jahren erzählt, dass ich nach Österreich ziehe, dort Trainer werde und schließlich in der 3. Liga arbeite, hätte ich ihn für verrückt erklärt und den Vogel gezeigt! Aber die Aufgabe füllt mich aus, macht mir riesigen Spaß und tut mir einfach gut", zeigt sich der Trainerfuchs rundum glücklich.
Der Fußball nimmt also auch in Freys Wahlheimat weiterhin eine zentrale Rolle ein. Fernab des runden Leders genießt er die Zeit mit der Familie, geht Radfahren und Wandern. Ansonsten richtet sich der Blick aber doch auch noch regelmäßig in Richtung der alten Heimat: "Die ersten Monate nach dem Umzug waren schon nicht so ganz einfach, aber dann haben wir uns komplett in Tirol eingelebt. Trotzdem erkundige ich mich regelmäßig nach meinen ehemaligen Vereinen. Der Kontakt ist nicht abgerissen, dafür blicke ich auf zu viele tolle Erinnerungen zurück!"