Was macht eigentlich: Michael Kleinschrodt? - fussballn.de
Artikel vom 27.05.2026 07:00 Uhr
Was macht eigentlich: Michael Kleinschrodt?
Mit der SG Sonnenhof Großaspach wurde Michael Kleinschrodt Meister der Regionalliga Südwest. Den Aufstieg in die 3. Liga wird er jedoch nicht mitmachen.
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Als echter Glücksgriff hatte sich zur Saison 2023/24 die Verpflichtung von Michael Kleinschrodt für die SpVgg Ansbach erwiesen. Indes blieben die Fähigkeiten des damaligen Mittelfeldakteurs auch der SG Sonnenhof Großaspach nicht verborgen. Dort feierte der 30-Jährige grandiose Erfolge. Nach Regionalliga-Meisterschaft und erneutem Pokalsieg mit unrühmlichem Ende fragen wir: Was macht eigentlich Michael Keinschrodt?
Von Marco Galuska
Manchmal überschlagen sich Ereignisse und eine Einordnung tut Not. So war diese Geschichte über Michael Kleinschrodt schon vor vielen Wochen geplant. Denn es ist eine Geschichte über einen talentierten Amateurfußballer, der vor vier Jahren noch in der Verbandsliga spielte, sicherlich eine der besten Verpflichtungen der SpVgg Ansbach in jüngster Vergangenheit war und sich als ein mindestens solcher Glücksgriff auch bei der SG Sonnenhof Großaspach erweisen sollte und kürzlich Regionalliga-Meister wurde. Nach den zwei Aufstiegen als Leistungsträger sollte der erneute Gewinn des Landespokals Württemberg am vergangenen Samstag seine Zeit in Großaspach abrunden. So weit, so gut. Doch dann wurde Kleinschrodt nach dem Spiel gemeinsam mit seinen Eltern am Parkplatz überfallen.

"Ich habe mich eigentlich mega gefreut über den Pokalsieg. Es war mein Ziel, so zu gehen. Aber so ist es natürlich sch...", sagt Kleinschrodt hörbar angefasst, nachdem er unfreiwillig in die bundesweiten Schlagzeilen geriet, weil er nach dem 4:1-Sieg seines Teams bei den Stuttgarter Kickers (Kleinschrodt hatte die Führung erzielt) von einer Gruppe von Chaoten am Parkplatz überfallen und ausgeraubt wurde. Nicht nur der kicker berichtete über den erschütternden Vorfall, mit dem der 30-Jährige auch Tage danach noch ringt, wie er gegenüber fussballn.de zugibt: "Zum Glück ist körperlich nichts gravierend Schlimmes passiert. Aber ich habe tatsächlich etwas Angst derzeit, wer da so hinter mir läuft. Das ist echt ein Scheißgefühl! Ich hoffe, das legt sich wieder..."

In der Saison 2021/22 wurde Michael Kleinschrodt mit dem FSV Hollenbach noch Meister der Verbandsliga Württemberg.
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Nach Jahren der Treue von Hollenbach nach Ansbach

Es ist ein ganz bitterer Wermutstropfen in einem an sich fast schon märchenhaften Aufstieg des inzwischen zum Stürmer umfunktionierten Michael Kleinschrodt. Begonnen hatte die Laufbahn des gebürtigen Bad Mergentheimers in der Jugend des FC Creglingen. In der B-Jugend folgte der Wechsel zum FSV Hollenbach, wo er den Aufstieg in die Oberliga mit den A-Junioren packte und auch regelmäßig bei den Herren schon dabei war. "Es war eine verrückte Zeit, aber auch eine ganz besondere. Bis heute gibt es daraus noch viele Freundschaften“, erinnert sich Kleinschrodt zurück. Dem FSV hielt er über viele Jahre die Treue. Er blieb auch nach dem tragischen Abstieg in die Verbandsliga und dem in der Relegation gegen den Freiburger FC knapp verpassten Wiederaufstieg, den im Jahr darauf die Corona-Pandemie verhinderte, ehe 2022 doch die Meisterschaft die Rückkehr in die Oberliga Baden-Württemberg brachte. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Martin, der über einige Jahre auch Trainer in Hollenbach war, waren die Kleinschrodts feste Größen im Verein. Nach erfolgreichem Klassenerhalt in der Oberliga wagte Michael Kleinschrodt dann doch einmal den Sprung eine Liga höher und wechselte zur Saison 2023/24 in die Regionalliga Bayern zur SpVgg Ansbach.

Bei der SpVgg Ansbach spielte Michael Kleinschrodt zwar nur eine halbe Saison, denkt aber heute noch gerne an die Zeit bei den Nullneunern in einem sehr familiären Umfeld zurück.
fussballn.de / Strauch

"Ich habe heute noch die besten Erinnerungen daran und bekomme Gänsehaut, wenn ich überlege, wie viel Herzblut auf und neben dem Platz in Ansbach dabei war. Es fühlt sich nicht so an, als wäre ich nur ein halbes Jahr dort gewesen. Es gibt immer noch Kontakt und ich bin Hasso (Christoph Hasselmeier, damals Trainer, heute Sportlicher Leiter der Ansbach, Anm. d. Red.) heute noch dankbar, dass er mich verstanden hat und mir den Wechsel im Winter trotz eines knappen Kaders ermöglicht hat", sagt Kleinschrodt beim Rückblick auf den Winter 2023/24, in dem ihm selbst die Trennung von den Nullneunern schwergefallen war, aber nachvollziehbare Gründe hatte: "Ich habe in Heilbronn gearbeitet, das waren 127 Kilometer nach Ansbach. Ich war eigentlich nur noch im Auto unterwegs. Großaspach hatte Interesse und es war die vernünftige Entscheidung."

DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen, Meister der Regionalliga Südwest

Dass aus dem Wechsel zum damals ambitionierten Oberligisten vor den Toren Stuttgarts eine derartige Erfolgsgeschichte für Kleinschrodt werden sollte, war auch für ihn selbst"nicht abzusehen. Es haben zwar schon immer Leute in meinem Umfeld gesagt, dass ich doch noch mehr kann, aber ich habe das immer ein wenig belächelt, wahrscheinlich meine eigene Leistungsfähigkeit einfach unterschätzt. Dabei merkt man schon, wenn man mehr trainiert." Fünfmal wurde in der nun abgelaufenen Regionalliga-Saison in Großaspach pro Woche trainiert, Kleinschrodt konnte berufsbedingt nur viermal trainieren, war aber trotzdem ein absoluter Stammspieler, der seinen Platz recht bald in der vordersten Reihe finden sollte. "Ich habe in meiner Laufbahn eigentlich fast schon auf allen Positionen gespielt. Dass ich dann in Großaspach zum Stürmer geworden bin, lag wohl an einem Pokalspiel gegen den SSV Ulm, das wir in Unterzahl noch drehen konnten. Damals hat mich der Trainer dann vorne reingestellt, um Bälle festzumachen. Das hat ganz gut geklappt", erinnert sich der im Hauptberuf als Vermögensberater tätige Kleinschrodt.

Mit dem Gewinn des Landespokals 2025 im Finale gegen die TSG Balingen gelang Großaspach nicht nur das Double nach dem Aufstieg in die Regionalliga, sondern es folgte auch das große Los in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. "Es war lange ein enges Spiel, es stand 0:1 und ich hatte die Chance zum Ausgleich, wir hatten dann zwei Platzverweise und erst am Ende wurde es noch deutlich. Insgesamt war es aber eine überragende Erfahrung – und es ist auch verrückt, wenn man sieht, wie gut wir mitgehalten haben und Leverkusen dann bis ins Halbfinale gekommen ist", so Kleinschrodt, der es im direkten Duell mit Stars wie Piero Hincapié und Edmond Tapsoba zu tun bekam und den wesentlichen Unterschied in der Handlungsschnelligkeit der Gegenspieler sah.

Große Bühne DFB-Pokal: Mit Großaspach spielte Michael Kleinschrodt gleich in der 1. Runde gegen Bayer Leverkusen und bekam es in direkten Duellen mit Piero Hincapié und Edmond Tapsoba zu tun.
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Nicht so sehr im Fokus, aber durchaus bemerkenswert waren auch Großaspachs Testspiele, die man beispielsweise im Trainingslager in der Türkei gegen den ukrainischen Meister Schachtar Donezk gewann. Auch gegen eine zwar nicht in Bestbesetzung spielende Eintracht aus Frankfurt siegte der Regionalligist und gegen den großen VfB Stuttgart lieferte man sich ein Duell fast auf Augenhöhe. Dass in Großaspach wieder etwas herangewachsen ist, zeigte sich in der Meisterschaft der Regionalliga Südwest, die man drei Spieltage vor Schluss feiern konnte. "Unser großer Vorteil war, dass wir eine echte Mannschaft waren, die auch nicht den großen Druck hatte", sagt Kleinschrodt über den Durchmarsch von der Oberliga in die 3. Liga.

Eine neue Herausforderung anstatt 3. Liga

Er selbst wird die Rückkehr des beschaulichen Standorts in den DFB-Pokal und in den Profifußball aber nicht mehr als Spieler der SG erleben – auch wenn er die Möglichkeit dazu bekommen hätte. Bereits im Frühjahr hat Kleinschrodt für mindestens zwei Jahre beim Regionalliga-Aufsteiger VfR Aalen unterschrieben. Der Transfer wurde in der Presse als "Kracher" gefeiert. Mit seiner Entscheidung ist Kleinschrodt trotz des Verzichts auf die 3. Liga absolut im Reinen: "Aalen hat sich sehr um mich bemüht, mir den gemeinsamen Weg aufgezeigt. Das ist für mich ein schlafender Riese mit größerer Strahlkraft, ein neues Projekt nach einer wirklich tollen Zeit in Großaspach, auf das ich mich freue. Zudem ist es näher an meiner Heimat, was für mich ein wesentlicher Punkt war, weil ich nicht herumtingeln will. Außerdem steht in Aalen eine Stadt hinter dem Verein mit tollen Fans. Und letztlich spielt man doch für die Fans Fußball!"

Dass Kleinschrodt auch über die tolle Atmosphäre in einigen Stadien der Regionalliga Südwest wie in Homburg, Offenbach oder auch Stuttgart schwärmte, war auch Teil des Gesprächs der Vorwoche. Dass die Rückkehr ins Stadion auf der Waldau nach Stuttgart in der kommenden Saison mit mulmigem Gefühl verbunden bleiben wird, liegt auf der Hand und ist absolut beschämend für diejenigen, die das zu verantworten haben – und hoffentlich alsbald zur Verantwortung gezogen werden.

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Steckbrief M. Kleinschrodt

Alter
30
Geburtsort
Bad Mergentheim
Wohnort
Schwäbisch Hall
Nation
Deutschland
Beruf
Vermögensberater
Hobbies
Schafkopf, Basketball, Padel
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Sturm
Erfolge
Meister in Regionalliga, Oberliga und Verbandsliga, DFB-Pokal-Hauptrunde

Spielerstationen M. Kleinschrodt


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