Artikel vom 11.03.2026 07:00 Uhr
Dem grünen Rasen hält Jan Winkler weiterhin die Treue.
Über einige Jahre war Jan Winkler eine prägende Figur im Neustädter Fußball, wo er Höhen und Tiefen miterleben konnte. Vor über zwei Jahren zog sich der Funktionär aus dem Verein zurück. Wir setzen unsere Reihe fort und fragen: Was macht eigentlich Jan Winkler?
Das übliche Wiedersehen im Amateurfußball
Der Fußball war Jan Winkler quasi in die Wiege gelegt, es dauerte nicht lange und Vater Toni, der unter anderem beim legendären TSV Vestenbergsgreuth das Tor hütete, hatte die Begeisterung für das runde Leder beim Filius entfacht. Nahe zum Wohnort begann beim ASV Wilhelmsdorf die Laufbahn für den Torwart. "Mein erster Jugendtrainer war Rainer Eder, dem ich über all die Jahre immer wieder über den Weg gelaufen bin, weil er als Schiri immer wieder mal unsere Spiele gepfiffen hat", sagt Jan Winkler und sieht darin auch den besonderen Reiz, den der Amateurfußball für ihn ausmacht: "Man trifft immer wieder alte Weggefährten, teilweise in anderer Konstellation. Uwe Neunsinger war einst mein Trainer in Gutenstetten, dann haben wir ihn später als Trainer nach Neustadt geholt. Spieler wie Frank Kirschner oder Jonas Wellhöfer habe ich auf verschiedenen Stationen getroffen. Und auch mit Patrick Frühwald habe ich beispielsweise in Neustadt und bei der Quelle zusammengearbeitet."
Über Patrick Frühwald (links) landete Jan Winkler (Bildmitte) auch bei der SG Quelle Fürth als Torwart-Trainer und -Backup.
Sebastian Baumann
Zu Frühwald ist über den Fußball auch eine enge Freundschaft entstanden, umso größer war die Trauer über dessen viel zu frühen Tod vor anderthalb Jahren: "Solche Typen fehlen einfach!" Frühwald war der erste Trainer, den der junge Funktionär Jan Winkler für den Landesligisten TSV Neustadt/Aisch verpflichtet hatte. Über die Stationen in der Jugend des DTV Diespeck und FC Herzogenaurach landete Jan Winkler bei den Herren nach der Zeit in Gutenstetten, Heßdorf ("Dort hatte ich eine Fahrgemeinschaft mit Dominik Mayer, der aus Emskirchen kam und mit dem ich heute noch gut befreundet bin.") und Markt Nordheim schließlich in Neustadt: "Ich habe ja praktisch nebenan gewohnt. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass ich nie ein Landesliga-Torwart war, sondern immer als Backup im Kader stand und sich das durch die räumliche Nähe ergeben hat."
Vom Ersatzkeeper zum Manager an der Weißen Marter
An der Weißen Marter sollte auf Jan Winkler bald schon mehr als die Torwart-Rolle zukommen: "Als damals Emil Gressel gesagt hat, dass er aufhört, wurde ich als Nachfolger im Förderverein vorgeschlagen. Da stand ein großer Umbruch an, ein Neuanfang, und für mich war das eine ganz neue Sache, von null auf hundert sozusagen", erinnert sich Winkler an die Anfänge seiner Funktionärstätigkeit, die zur Zeit der Ligareform 2012 Fahrt aufnahm und gleich einige Herausforderungen mit sich brachte.
Mit viel Elan stürzte sich Winkler in die Aufgabe beim Landesligisten (die er noch vor der Abmeldung 2016 wieder abgegeben hatte) und veranstaltete in seiner Amtszeit mit Unterstützung seines Schwagers Alex Meinl unter anderem über drei Jahre ein bestens besetztes Hallenturnier mit Rundumbande in der Neustädter Markgrafenhalle. Als es das Wiedersehen zum traurigen Anlass von Frühwalds Beerdigung gab, entstand aus dem Kreis der Spieler der SG Quelle Fürth, wo Winkler einst als Torwart-Trainer fungiert hatte, die Idee eines ähnlichen Hallenturniers, das als "Jingle Balls Turnier" vor dem Jahreswechsel nun auch schon zum zweiten Mal stattfand. "Ich finde es super, dass die Jungs und der alte Quelle-Kern das in Angriff genommen haben", sagt Winkler, der bei der Planung gerne für Fragen zur Verfügung stand und auch selbst beim Turnier vor Ort war.
Der Meinl-Cup in Neustadt war ein Highlight im Hallen-Terminkalender.
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Der Fußball bleibt immer im Fokus
Ansonsten war Jan Winkler seit seinem Rücktritt als Fußball-Abteilungsleiter in Neustadt vor gut zwei Jahren weiterhin ein interessierter Beobachter des Amateurfußballs, aber nicht mehr in einer Funktion aktiv. "Im Nachhinein war das auch ein Wahnsinn, was ich da gemacht habe, weil ich ja beruflich im Außendienst viel unterwegs war. Das war eine verrückte Zeit mit vielen Kilometern", sagt der heute 38-Jährige, der in Buch, im Steinachgrund und bei der Quelle Torwart-Trainer war, ehe es ihn Anfang 2020 zurück an die Weiße Marter verschlagen hatte, wo man – ausgerechnet in Corona-Zeiten – einen Neustart in Angriff nahm, der mit dem Durchmarsch von der B-Klasse bis in die Kreisklasse auch gelingen sollte.
Zum Ende der Winterpause Anfang 2024 war es dann für Winkler an der Zeit, einen Schlussstrich unter das zweite Kapitel beim TSV zu setzen. Im Rückblick ohne Groll: "Der Verein hat sich anders orientiert, dem wollte ich auch nicht im Wege stehen. Ich hatte grundlegend eine andere Sicht auf die Entwicklung der Infrastruktur und die Jugendausbildung. Aber letztlich kann sich der Verein glücklich schätzen, dass man mit der Familie Leist engagierte Leute gefunden hat. Denn in Zeiten der Eventgesellschaft will sich heute ja kaum noch einer langfristig binden."
Der Neustart in Neustadt lief trotz der Corona-Problematik recht erfolgreich für Abteilungsleiter Jan Winkler. Von der B-Klasse ging es zumindest bis in die Kreisklasse. Dann zog der Funktionär an der Weißen Marter für sich einen Schlussstrich.
fussballn.de / Oßwald
Persönlich spürte Winkler auch eine gewisse Erleichterung nach seinem Abschied: "Wenn man aufhört, legt man erst einmal einen Rucksack ab. Die Diskussionen sind weg. Und ich weiß auch, dass ich eine streitbare Person bin, weil ich solche Aufgaben immer zu 100 Prozent machen will. Und das ist heutzutage gar nicht so leicht, denn unser Fußball kämpft an immer wieder neuen Fronten." In der neutralen Zuschauerrolle machte sich Winkler ein Bild über den Jugend- und Herrenfußball im Umkreis und verhehlt auch nicht, dass ihn der Fortgang bei seinen ehemaligen Vereinen weiter interessiert: "Den Fußball habe ich immer verfolgt! Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Ich war auch öfters in Neustadt, habe ja nach wie vor eine familiäre Verbindung dorthin. Ich habe mir aber auch gerne mal andere Sportarten, speziell Eishockey, angeschaut, sofern es möglich war."
Engagement und Energie nur unter klaren Voraussetzungen
Gesundheitlich hatte Jan Winkler keine leichte Zeit hinter sich, war 13 Monate mit hartnäckigen Rückenproblemen samt Reha krankgeschrieben. "Ich wünsche mir, dass ich wieder Sport machen kann. Das sieht man ganz anders, wenn das eine ganze Zeit nicht mehr möglich war", schaut er heute zuversichtlich voraus. Die Bindung zum grünen Rasen gibt es weiterhin für den Sales Manager beim weltgrößten Rasenmäherhersteller.
Mit dem "Störfeuer" will Jan Winkler maximal noch am Grill kämpfen.
privat
Zwischenzeitlich wurde er auch wieder vom BFV, wo er einst im U30-Ausschuss tätig war, angeworben: "Mich hat der Bezirksvorsitzende Uwe Mauckner angesprochen und eingeladen. Danach habe ich von ihm aber nie mehr etwas gehört, das ist im Sande verlaufen." Darüber geärgert hat sich der Inhaber der Trainer-B-Lizenz indes weniger und sagt aktuell in Hinblick auf ein Comeback im Amateurfußball: "Die Zeit und die Aufgabe müssen passen! Grundsätzlich gilt für mich: Ein Engagement macht nur dann Sinn, wenn man etwas bewegen kann, ansonsten braucht man da keine Energie reinzustecken Wenn es um Störfeuer geht, bleibt man besser im Garten am Grill."