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Artikel veröffentlicht am 12.01.2022 um 07:00 Uhr
Serdal Gündogan im Interview: "Ich habe meine Entscheidung reifen lassen"
INTERVIEW Das nötige Spielglück stand in dieser Spielzeit nicht allzu oft an der Seite der SG Quelle Fürth, die letztlich knapp den Sprung in die Meisterrunde der Landesliga Nordost verpasst hat. Im fussballn.de-Interview der Woche spricht Trainer Serdal Gündogan über die Saison, seine Arbeit an der Coubertinstraße und dem im Sommer bevorstehenden Abschied aus Fürth-Dambach.
Von Marco Galuska
Serdal Gündogan hofft, dass die Vereine eine Rückkehr in die Normalität schaffen.
fussballn.de / Oßwald
Hallo Serdal, wie hast du die erneut ruhige Fußballzeit und den Jahreswechsel verbracht?

Serdal Gündogan:
So ganz ruhig war die Zeit für mich diesmal gar nicht. Ich war vier Wochen bei Familie und Freunden in Istanbul. Das ist eine Stadt, die nie schläft. So etwas überträgt sich. Entsprechend ereignisreich und eher weniger ruhig als in den Jahren davor war die Zeit. Es war ein guter Jahresabschluss.

Auch das Spiel zum Abschluss der Vorrunde mit der SG Quelle mit dem 3:1-Sieg in Buch war eigentlich ein gutes. Ist es angesichts so einer Leistung nicht umso ärgerlicher, dass man die Meisterrunde verpasst hat?

Gündogan:
Ich habe mittlerweile genügend Zeit gehabt, die bisherige Saison zu reflektieren. Wir sind als Fünfter knapp gescheitert, ein Dreier mehr hätte uns schon gereicht. Wir können das aber zuordnen. Wir mussten viele junge Spieler reinwerfen, weil uns einige gestandene Spieler gefehlt haben. Es gab sicher einige Partien, in denen uns das nötige Spielglück gefehlt hat. Ich bin mir auch recht sicher, dass es gereicht hätte, wenn wir aus dem Vollen hätten schöpfen können. Und dennoch muss ich sagen, dass die Mannschaft es spielerisch ordentlich gemacht hat. Ich finde den Weg auch absolut in Ordnung für die Zukunft, dass die Jungen diese Erfahrungen nun sammeln konnten.

Die Jugend, wie Mario Plott, durfte sich in dieser Saison immer wieder bei der SG Quelle Fürth beweisen und wertvolle Erfahrungen sammeln.
fussballn.de

In der Rückschau: Gab es ein Schlüsselspiel, das letztlich die Teilnahme an der Meisterrunde gekostet hat?

Gündogan:
Es gibt da sogar mehrere Beispiele, die ich aufzählen könnte. Gegen Weißenburg zum Beispiel haben wir eine ganz schlechte Halbzeit gespielt, hatten dann aber eine Dreifachchance, in der wir zweimal die Latte treffen und einmal der Ball auf der Linie gerettet wird, da muss der Ausgleich normalerweise fallen. Auch aus den Spielen gegen Woffenbach ist mit den zwei Remis viel zu wenig hängen geblieben, obwohl wir genügend Chancen hatten. Das Momentum war in einigen Spielen sicherlich nicht auf unserer Seite.

Wie lässt sich das erklären?

Gündogan:
Die einfachste Erklärung ist die, dass der Fußball eben so ist. Aber letztlich hat uns auch ein Stück weit die Konstanz gefehlt. Das ist gerade bei den jungen Spielern absolut normal, so etwas kann sich aber auch zu einer Stärke entwickeln.

Wie schafft man es nun, die Enttäuschung beiseite zu legen und den Fokus auf den Klassenerhalt zu richten?

Gündogan:
Wir haben das mit dem Jahresabschluss aufgearbeitet. Wir haben das Potential gezeigt, wollen in der neuen Runde Siege einfahren und oben dabei sein. Das ist nun eine neue Tabelle, die einen neuen Anreiz bietet. Natürlich muss man immer den Blick auch nach unten haben, denn letztlich haben wir die Verantwortung die Klasse zu halten. Dazu gilt es, dass man gut arbeitet und sich vorbereitet.

Serdal Gündogan sieht die Verantwortung, die Klasse zu halten und möchte mit seinem Team in der Abstiegsrunde ganz oben mitmischen.
fussballn.de / Schlirf

Wie sieht der Fahrplan in der Vorbereitung aus?

Gündogan:
Wir fangen Ende Januar an. Unser Pokalspiel findet am 12. März, der Ligastart am 19. März statt - da haben wir also eine relativ lange Vorbereitung. Wir werden vier bis fünf Testspiele machen. Leider ist die Partie gegen Seligenporten aufgrund der Bayernliga-Nachholspiele nun weggefallen, aber beispielsweise testen wir in Roßtal gegen den ATSV Erlangen. Vielleicht gibt es auch wieder kurzfristig ein Spiel gegen die Club-Amateure. Das sind dann schon wieder Highlights in der Vorbereitung.

Welche personellen Veränderungen gibt es im Kader?

Gündogan:
Batuhan Tuluk ist zu Türkspor Nürnberg gewechselt. Burhan Karasu wird uns leider aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist schade, dass wir sein Potential nicht entsprechend nutzen konnten, aber nachvollziehbar, wenn er nicht regelmäßig trainieren kann. Das macht dann leider keinen Sinn. Dafür wird uns Lars Raufer, der beruflich in Berlin war, wieder zur Verfügung stehen.

Burhan Karasu hat aus beruflichen Gründen die Quelle im Winter verlassen.
fussballn.de / Strauch

Wie sieht es mit den Langzeitverletzten aus?

Gündogan:
Bei Chris Meier und Dennis Reinholz hoffe ich, dass sie zum Auftakt wieder dabei sind. Majid Salis Jara wird nach seinem Kreuzbandriss weiter behutsam aufgebaut und ohne Druck herangeführt.

Nun steht für dich zum Saisonende mit dem Abschied von der Quelle eine persönliche Veränderung an. Erklär uns bitte, wie es dazu kam!

Gündogan:
Wir haben uns - wie in allen Jahren - zusammengesetzt. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass meine Entscheidung frühzeitig gereift ist, ich diese Entscheidung aber auch reifen lassen wollte. Dazu auch noch einen anderen Blickwinkel haben wollte. Ich hatte schon zu Beginn gesagt, dass ich mein Engagement auf einen Zeitraum von drei bis vier Jahren sehe - auch wenn so etwas freilich nicht in Stein gemeißelt ist. Für mich war nun klar, dass ich nach dem vierten Jahr mich verändern möchte - und diese Entscheidung ist unabhängig von der Aufstiegsrunde gefallen, das war zu dem Zeitpunkt auch noch offen. Mir war es auch wichtig, dass nun beide Seiten genügend Zeit haben, um sich über die Zukunft Gedanken zu machen.

Ist schon ein neues Kapitel als Trainer in Sicht?

Gündogan
: Nein, das ist etwas, das ich ohne Druck angehe. Die neue Saison ist auch noch eine Weile hin. Meine Entscheidung war unabhängig von anderen Gesprächen. Grundsätzlich möchte ich als Trainer weitermachen, es gab nun ein, zwei Gespräche, aber ist definitiv noch keine Entscheidung gefallen. Für mich steht derzeit vor allem die Aufgabe mit der Quelle an, da gibt es noch einiges zu tun.

Wenn man sich die Liste der Quelle-Trainer aus der Vergangenheit ansieht, so sind schon einige prominente Namen dabei. Da macht sich diese Station in der eigenen Vita nicht schlecht, oder?

Gündogan:
Absolut! Es ist ein namhafter Verein, in dem man seine Ideen umsetzen kann. Man kann spielerische Elemente entwickeln, das hat mir gut gefallen. Ich kann mich bislang aber eh nicht beschweren. Bei meinen zwei, drei Stationen hatte ich schon einen glücklichen Einstieg. Egal ob in Schwabach oder dann in Seligenporten mit Regionalliga und Bayernliga-Meisterschaft, da blicke ich überall gerne zurück - und hoffe natürlich, dass ich auch in der Zukunft den richtigen Riecher habe.

Welche Lehren nimmt man als Trainer aus der Zeit bei der Quelle mit?

Gündogan:
Ich kann mich bei den Verantwortlichen im Verein, meinem Trainerteam und vor allem meiner Mannschaft für die angenehme Zusammenarbeit nur bedanken. Es war eine teilweise kuriose Zeit, was aber letztlich allen Trainern so ging, die während Corona eine Mannschaft betreut haben. Diese langen Pausen, der mentale Umgang mit den Spielern, das war schon ziemlich neu, auf welche Faktoren man plötzlich achten musste. Bei der Quelle ist das Arbeiten mit den Spielern aus der Jugend und den gestandenen Spielern mit Quelle-Gen sehr angenehm, man hat einen sehr großen Kader, welcher die Trainingsarbeit erleichtert. Da lässt sich vieles ausprobieren, man lernt auch vielfältige Spielertypen kennen und es macht Spaß, die Entwicklungsschritte zu beobachten, auch wenn es dann den negativen Aspekt für einen Trainer gibt, dass der eine oder andere Spieler in den Fokus anderer Vereine gerät.

Klingt nach einem Empfehlungsschreiben für den Nachfolger.

Gündogan:
Der neue Trainer kann sich auf die Aufgabe freuen! Die Rahmenbedingungen passen. Mir war auch wichtig, dass ich etwas Festes zurücklasse, auf das man weiter aufbauen kann.

Blicken wir auf den weiteren Saisonfortgang: Welche Situation erwartest du in der Abstiegsrunde?

Gündogan:
 Das wird ganz viel Neuland! Es sind neue Gegner nach einer langen Winterpause, in der sich manche Mannschaften auch personell verändern. Da hat das bisherige Abschneiden in der Vorrunde nicht so viel Aussagekraft. Es wird ein Re-Start, bei dem wir nicht auf ein Punktepolster schauen sollten, sondern gefühlt bei null anfangen werden. Kein Start ist einfach, da muss man sich die Punkte wieder neu verdienen. Auf uns wartet zu Beginn in Mitterteich schon eine Mannschaft, die andere Tugenden mitbringt, die für uns in dieser Saison neu sein werden. Da müssen wir unsere Hausaufgaben machen, um dann von Anfang an voll da zu sein.

Die Wege der Quelle und Kornburger trennen sich nach der Vorrunde, vermutlich auch nach der Saison. 
fussballn.de / Oßwald

Ein Blick auf den anderen Teil der Liga: Kann jemand Kornburg die Meisterschaft ernsthaft streitig machen?

Gündogan:
Normalerweise sollte da nichts anbrennen. Kornburg hat auch selbst den Anspruch aufzusteigen - und daran zweifelt auch keiner. Allerdings kann der verhältnismäßig kleine Vorsprung schon dazu führen, dass die Psyche plötzlich eine Rolle spielt, wenn mal ein Ergebnis nicht so passt. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass sie Meister werden.

Wagen wir zum Abschluss noch einen Blick auf den Amateurfußball in der Saison 2022/23. Wie wird dieser allgemein aussehen?

Gündogan:
Mein Wunsch wäre es, dass der Fußball wieder im Vordergrund steht und die Gedanken um den ganzen Rahmen wegfallen. Ich hoffe, es geht im Sommer dann wieder um die Inhalte, um Tabellen, um den Spaß am Sport, nicht um Auflagen und Masken - das gilt aber auch für das gesamte Leben. Der Amateurfußball speziell braucht jeden Groschen, jede Bratwurst, jeden Zuschauer - die Schäden sind bedauerlich. Ich bin aber zuversichtlich, dass man das in Deutschland hinbekommt. Das System scheint gefestigt, man hilft sich durch entsprechende Ressourcen. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Vereine eine Rückkehr in die Normalität schaffen.

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7
7:16
5
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