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Artikel veröffentlicht am 20.10.2021 um 07:00 Uhr
Norbert Frey im Interview: Weisendorfs Weg könnte ein Vorbild sein
INTERVIEW Der mit Abstand beste Aufsteiger in der Bezirksliga Nord kommt mit der SpVgg Mögeldorf 2000 aus dem Nürnberger Osten. Unmittelbar vor dem Abschluss der Hinrunde spricht Trainer Norbert Frey (60) im fussballn.de-Interview der Woche über die aktuelle Lage beim jungen Bezirksligisten an der Dientzenhoferstraße, mögliche Ziele und Pläne des Vereins, des Trainers und die Entwicklung im Fußball nach der Coronapause. 
Von Marco Galuska
Norbert Frey, Trainer der SpVgg Mögeldorf 2000, musste gerade in der ersten Saisonphase im Team immer wieder umstellen.
fussballn.de / Strauch
Am Sonntag schließt die SpVgg Mögeldorf 2000 ihre erste Halbserie als Bezirksligist bei den Herren ab. Welche Schlagzeile steht darüber geschrieben?

Norbert Frey:
Das kurz zusammenfassen, ist nicht so leicht. Ich würde aber sagen: "Ein sehr zufriedener Tabellenplatz". Alles andere wäre als Aufsteiger vermessen.

Vor der Saison war so vieles unklar: eine lange Pause, eine neue Liga. Aktuell steht Mögeldorf auf Rang vier. War das durchaus zu erwarten oder ist das schon eine Überraschung?

Frey:
Bei der genauen Platzierung muss man ein wenig aufpassen. Das ist eine Momentaufnahme! Wenn man ein, zwei Spiele verliert, ist man auch schnell wieder Achter. Daher sehe ich die Tabelle weniger nach Plätzen, sondern nach Punkten, die man nach oben und unten hat. Auch wir haben mit Urlaubern und Verletzten zu kämpfen gehabt, konnten nie mir der gleichen Aufstellung spielen, was für einen Neuling besonders schwer ist. Wir mussten die Abwehr fast komplett neu zusammenstellen, da sind dann viele Unwägbarkeiten, wenn sich eine neue Achse finden muss. So ein Prozess ist nicht einfach. Erst seit sieben Wochen sind wir soweit, dass man sagen kann, dass wir uns stabilisiert haben. Wir sind wieder an einem Punkt, an dem wir auch Leute ersetzen können. Die Mannschaft hat sich das erarbeitet von Woche zu Woche. Unterm Strich sind es bislang eigentlich nur fünf verlorene Punkte, die mich wirklich wurmen.

Das 2:2 in Diepersdorf nach 2:0-Führung ist eines jener wenigen Spiele, das Trainer Norbert Frey in seinem Rückblick auf die Vorrunde wurmt.
fussballn.de / Strauch

Und die wären?

Frey:
Ganz klar, die beiden Spiele beim TV 48 Erlangen und in Diepersdorf, wo wir insgesamt nur einen Punkt geholt haben. Gegen die beiden Letzten haben wir Punkte liegen gelassen, das war unnötig.

Dabei gab es doch einige Spiele - wie gegen Kalchreuth oder Buckenhofen - wo späte Gegentore Siege gekostet haben. Rechnet man sich diese nicht gedanklich schon mal hinzu?

Frey:
Natürlich macht man sich Gedanken, denn in der Kreisliga ist das ja eher umgekehrt gewesen, da haben wir oft spät Spiele gewonnen. Aber die Gegentreffer, die wir spät bekommen haben, waren nicht herausgespielt. Beispielsweise gegen Buckenhofen war es ein Standard, so etwas hätte auch früher passieren können. Gegen Kalchreuth waren wir lange in Unterzahl. Freilich ist das ärgerlich, wenn man späte Tore bekommt, aber ich sage auch, dass uns Kalchreuth ebenbürtig war und Buckenhofen ein Spitzenteam ist. Da ärgere ich mich wirklich mehr über die Ergebnisse beim TV Erlangen und in Diepersdorf.

In Hersbruck gab es einen Sieg, gegen Buckenhofen ein Remis und in Weisendorf führt man schon früh mit 2:0. Wie weit ist Mögeldorf von den Spitzenteams der Liga entfernt?

Frey:
Der Unterschied ist, dass die Drei da oben einfach konstanter sind. Vor allem bei Buckenhofen und Weisendorf sehe ich das so. Man kann die freilich auch alle schlagen, aber dazu braucht es schon die Bestform, die man nicht immer erreicht. Was uns diese Teams voraus haben, sind einfach ein paar Jahre in der Bezirks- oder gar Landesliga. Da sehe ich uns über eine ganze Saison hinweg noch nicht auf Augenhöhe. Wir müssen auch sehen, wo wir herkommen. Bei uns hat keiner davor Bezirksliga bei den Herren gespielt. Auf Anhieb ist das nicht möglich, so etwas muss wachsen. Weisendorf macht es doch gut vor. Die haben sich jetzt von Jahr zu Jahr gesteigert und das vor allem mit eigenen Leuten.

Youngster Hendrik Behnisch und seine Mögeldorfer hatten den Primus aus Buckenhofen schon am Rande einer Niederlage.
fussballn.de / Strauch

Zahlt Mögeldorf aktuell also noch Lehrgeld?

Frey:
Das klingt mir zu negativ und würde ich auch so nicht sagen wollen. Unsere Probleme waren personeller Natur zu Beginn der Saison. Uns sind drei wichtige Spieler weggebrochen, dazu eben die übliche Problematik mit Urlaub und Verletzungen. Gerade in der Defensive waren wir da schon noch in der Findungsphase, so etwas braucht Zeit. Und dann sind das ja alles Menschen, da passieren auch Fehler. Die Puzzleteile müssen zueinander passen. Der Unterschied zur Kreisliga ist, dass das schneller gehen muss.

Vor der Saison bestand akute Not auf der Torwart-Position. Konnte die Baustelle geschlossen werden?

Frey:
Wir haben mit Philipp von Münster noch einen zweiten Torwart hinzubekommen und mit Tom Zierock aus der A-Jugend einen Keeper, der uns immer wieder aushilft. Also mit Hilfe der U19 haben wir das soweit in den Griff bekommen.

Mit 36 Toren steht die zweitbeste Offensive der Liga. Ein Drittel der Treffer gehen auf das Konto von Torjäger Tobias Grätz, der zuletzt gegen Ottensoos verletzt raus musste. Wie sieht die Prognose aus?

Frey:
Er wird uns zumindest kurzfristig ausfallen, das ist klar. Mehr kann man dazu aber aktuell noch nicht sagen.

Tobias Grätz ist mit zwölf Treffern der beste Torschütze der Mögeldorfer, wird aber vorerst nach seiner Verletzung im Ottensoos-Spiel fehlen.
fussballn.de / Strauch

Wie schauen die Pläne und Ziele für die Rückrunde aus?

Frey:
Ich werde keine neuen Ziele ausgeben. Warum auch? Wir haben jetzt noch fünf Spiele bis zum Winter. Da wollen wir so weitermachen wie zuletzt. Wir wollen unser Spiel weiter verbessern - offensiv und defensiv. Da trifft die alte Floskel zu, dass das nächste Spiel immer das schwerste ist.

Und als nächstes geht es nach Veitsbronn...

Frey:
Das sind genau diese Spiele, die besonders gefährlich sind. Veitsbronn steht auf einem Relegationsplatz, die wollen und müssen unbedingt punkten. Denen wird da egal sein, ob jetzt gerade Mögeldorf als Gegner kommt. Wahrscheinlich würden zehn Trainer in der Liga tippen, dass wir gewinnen. Aber ist das normal, dass Mögeldorf in Veitsbronn gewinnt? In der Liga muss man sich immer auf den nächsten Gegner einstellen. Das Spiel in Veitsbronn wird ein ganz anderes wie das zuletzt gegen Ottensoos. Jedes Spiel ist in der Bezirksliga anders, das macht es nicht einfacher. Wir müssen es konsequent angehen, nichts auf die leichte Schulter nehmen.

Schauen wir mal ein wenig über die aktuelle Saison hinaus. Mögeldorf hat eine der jüngsten Mannschaften und spielt als Aufsteiger schon im oberen Bereich mit. Wohin geht die Zukunft der Truppe?

Frey:
Da bräuchte man hellseherische Fähigkeiten! Sagen wir es so: Wenn die Truppe so beieinander bleibt, weiter dazulernt und stabil weitermacht, müssen auch die Rädchen noch ineinandergreifen. Dann ist es sicher möglich, den Weg eines Spitzenteams, so wie es Weisendorf vormacht, zu gehen. Es wird aber auch nicht immer so sein, dass jedes Jahr Spieler aus der Jugend sofort Stammspieler werden, so wie es Behnisch und Brutcher schon sind, oder zuletzt auch Florsdorff, der auf dem besten Weg dazu ist. So ein Potential hat man nicht jedes Jahr.

Welche Rolle könnte der Verein SpVgg Mögeldorf 2000, derzeit als einziger Stadtverein der Bezirksliga, noch in Zukunft in Nürnberg übernehmen?

Frey:
Ich denke, die Funktionäre hier haben eine klare Vorstellung, wie sie den Verein sehen, das ist unabhängig davon, ob man in der Stadt oder am Land ist. Es gibt hier eine gewisse Philosophie mit einer Durchlässigkeit von der Jugend bis zu den Herren. Da geht es nicht darum, sich ein Schild als irgendeine Nummer in der Stadt umzuhängen. Im Verein wird nicht so sehr auf andere Vereine geschaut, es geht nicht ums Abkupfern, sondern um den eingeschlagenen Weg. Und der geht ohne einen Euro im Herrenbereich. Dennoch tut sich was. Es gibt mittlerweile einen neuen Funktionstrakt, der Verein wächst - aber eben kontinuierlich.

Caspar Flosdorff (in blau) hat den Sprung aus der Jugend gut geschafft und ist eines jener Beispiele, die den Mögeldorfer Weg beschreiben sollen.
fussballn.de / Strauch

Wie sieht der persönliche Ausblick des Trainers Norbert Frey aus?

Frey:
Ich werde unter normalen Umständen die Saison hier beenden. Über das, was danach kommt, habe ich mir noch keine abschließenden Gedanken gemacht. Ich kann mir grundsätzlich vieles vorstellen, bin aber in der glücklichen Lage, dass ich schon einige Jahrzehnte dabei bin und mir nichts mehr beweisen muss.

Über die Jahrzehnte, aber vor allem nach Corona: Wie hat sich der Fußball entwickelt?

Frey:
Der Fußball ist über die Jahre wesentlich schneller geworden, nicht aber die Technik unbedingt besser. Die Spielstärke hat in meinen Augen gegenüber früher nachgelassen. Ich weiß nicht, ob das mit Corona zu tun hat. Das hat es vielleicht nur noch verstärkt. Wobei man da die Rückrunde abwarten sollte, wenn alle Mannschaften eine normale Vorbereitung hinter sich haben und wieder in einen Rhythmus kommen, der durch die lange Pause nicht möglich war. Klar ist aber auch, dass es in der Freizeit mittlerweile viele Dinge gibt, die früher keine Rolle gespielt haben.

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Tabelle Bezirksliga Nord

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
17
44:13
39
2
18
46:25
37
3
18
32:21
35
4
17
34:24
32
6
18
35:30
27
7
19
43:39
27
9
19
35:36
27
10
18
29:31
24
12
18
32:33
22
13
18
18:28
17
14
19
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15
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