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Artikel veröffentlicht am 15.09.2021 um 06:00 Uhr
Jochen Strobel im Interview: "Wir wollen Kornburg ein Stoppschild setzen!"
INTERVIEW Es ist nicht nur ein Derby, sondern auch das Gipfeltreffen in der Vorrundengruppe B der Landesliga Nordost: Zum Abschluss der Hinserie empfängt der SC 04 Schwabach am Freitagabend (19 Uhr) den bislang makellosen TSV Kornburg. SC-Coach Jochen Strobel blickt im fussballn.de-Interview der Woche nicht nur auf das Spiel "Zweiter gegen Erster", sondern auch auf seine bisherige Zeit und Zukunft bei den Goldschläger-Jungs.
Von Marco Galuska
Schwabach-Coach Jochen Strobel will mit seinem Team am Freitag den Siegeszug der Kornburger stoppen.
fussballn.de / Schlirf
Die Pause war lang, der Abbruch als Tabellenzweiter ohne Relegationschance in der vergangenen Saison für Euer Team besonders bitter. Wurmt das noch und wäre der SC 04 Schwabach schon reif für die Bayernliga gewesen?

Jochen Strobel:
Also grundsätzlich war die Hoffnung bei uns schon noch relativ lange Zeit da, weil es ja zu einer Abstimmung kam. Erst als das Ergebnis dann bekannt wurde, mussten wir uns damit abfinden. Ganz fair war das meiner Meinung aber auch nicht, da die Abstiegsreleganten belohnt wurden, die Aufstiegsreleganten aber leer ausgingen. Aber ok, wir müssen es akzeptieren. Ob wir reif für die Bayernliga gewesen wären, lässt sich jetzt schwer sagen. Ich denke aber, wir haben eine sehr gute Runde gespielt, der Aufstieg wäre die Krönung gewesen.

Nun ist ja reichlich ungewöhnlich, dass man vor dem 8. Spieltag schon eine Art Halbzeit-Bilanz zieht. Inwieweit hat sich der neue Modus bewährt oder hätte man – aus heutiger Sicht – auch für so ein Übergangsjahr besser anders abgestimmt?

Strobel:
Vorweg muss ich sagen, dass wir gegen das Alternativmodell waren. Es sind zwar ein paar Spiele weniger, dafür weiß man in dem Modus aber nicht, welche Spiele für einen wichtig sind. In einem Turniermodus, so wie es beispielsweise bei einer Handball-WM gespielt wird, find ich das System richtig gut, aber für eine Liga finde ich es schon etwas fraglich. Ich bin der Meinung, dass am Ende der aufsteigen soll, der nach 34 Spieltagen oben steht. Insofern hoffe ich, dass es nächste Saison wieder im klassischen System weitergeht.

Ein 3:3 sah Jochen Strobel von seinen Goldschläger-Jungs zuletzt an der Nürnberger Deutschherrnwiese.
B. Fromm

Blicken wir auf das aktuelle Geschehen. Am vergangenen Sonntag gab es ein 3:3 beim Aufsteiger Türkspor Nürnberg. Wie ist das Remis aus Schwabacher Sicht zu bewerten?

Strobel:
In der ersten Halbzeit haben wir das richtig gut gemacht. Da müssen wir zur Pause eigentlich deutlicher führen, wir hätten das Spiel zumachen müssen. Das ist aber auch das Manko der jungen Mannschaft in dieser Saison, dass wir sehr viele Chancen brauchen für unsere Tore. Dennoch muss man auch die Qualität von einem Ismail Yüce mal herausstellen, der hat einfach zwei überragende Tore gemacht nach seiner Einwechslung. Unterm Strich geht das Remis dann irgendwo schon in Ordnung, vor allem hat mir gefallen, dass wir eine gute Mentalität gezeigt haben, die Truppe bis zur letzten Minute wollte und sich mit dem Ausgleich belohnt hat.

Was hat die Rückkehr von Anton Shynder für die doch noch recht junge Truppe bewirkt?

Strobel:
Da geht es ja nicht nur um seine Tore und Vorlagen. Er ist ein Ankerspieler für uns im Sturm. Aber neben Anton ist auch Brunni (Torwart Dominik Brunnhübner, Anm. der Red.) für die Jungs, die ansonsten im Schnitt ja erst Anfang zwanzig sind, ein gutes Beispiel bei jedem Training und Spiel. Diese Spieler haben ja schon Profiluft geschnuppert und leben das auch vor. Das tut uns brutal gut, solche Spieler hinten und vorne zu haben.

Ex-Profi Anton Shynder (in rot) ist Schwabachs Ankerspieler im Angriff.
fussballn.de / Strauch

Neben der Punkteteilung zuletzt in Nürnberg gab es noch eine eher unglückliche Niederlage bei der Quelle, ansonsten ausschließlich Siege. Wie sind die bisherigen 16 Punkte aus sieben Partien zu bewerten?

Strobel:
Bei der Quelle wäre ein Remis wohl gerecht gewesen. Am Ende war das 3:3 bei Türkspor auch in Ordnung. Wir sind Zweiter, haben schon ein wenig Vorsprung auf den Dritten, also mit den 16 Punkten können wir bisher zufrieden sein, da sind wir nicht weit vom Maximum weg.

Die Liste Eurer Ausfälle ist zwar nicht allzu lang, aber dafür hat sich mit Marcel Ruder nun schon der dritte Spieler das Kreuzband gerissen. Siehst Du darin einfach das Pech, das zum Sport auch dazu gehört, oder macht sich die lange Fußballpause bei den Spielern doch deutlicher bemerkbar?

Strobel:
Die Art und Weise der Verletzungen war schon Pech. Das war in zwei Fällen ohne Fremdeinwirkung, einmal ein doofes Foul. Wenn ich mir aber insgesamt die Anzahl der Kreuzbandrisse bei den Vereinen anschaue, so muss man schon sagen, dass das der langen Pause geschuldet ist.

Der Spielplan will es nun so, dass zum Rundenabschluss das Duell mit dem TSV Kornburg ansteht. Die letzten Vergleiche gegen eine – freilich noch andere - Kornburger Truppe wurden ja gewonnen, in der vergangenen Saison war man aber auch vom Überflieger SC Feucht nicht zu schlagen. Wie ist die Herangehensweise für das Derby am Freitagabend an der Nördlinger Straße?

Strobel:
Ja, das ist schon ähnlich mit Feucht zu vergleichen, wobei ich die Kornburger sogar noch einen Tick stärker sehe, denn gefühlt sind da 1000 Bayernliga- und jede Menge Regionalliga-Einsätze bei den Spielern im Kader. Für uns ist es ein absolutes Bonusspiel, in dem wir Kornburg ein Stoppschild setzen wollen. Wir versuchen da schon, einen Keil in deren Siegesserie reinzukriegen. Feucht konnte uns in den beiden Spielen nicht schlagen, da ist uns zweimal ein guter Plan eingefallen und da werden wir uns jetzt für Freitag auch etwas einfallen lassen.

Überrascht es, dass die Kornburger bislang ohne Punktverlust durch die Liga marschiert sind?

Strobel:
Ich hätte es nicht ganz so erwartet. Ich habe auch einige Spiele der Kornburger gesehen. Da hätte das ein oder andere Mal auch der Gegner führen können. Aber sie haben zum einen mit Ockert auch einen richtig guten Keeper und nach vorne auch einen entsprechenden Lauf, um die Tore zur richtigen Zeit zu machen. Ich denke, es ist aber auch der kleineren Liga geschuldet, dass sie bisher noch ohne Punktverlust durchgekommen sind.

Mit Rang vier 2018/19, Platz zwei in der Vorsaison und auch aktuell gehört der SC 04 Schwabach seit Deinem Amtsantritt stets zur Spitze der Landesliga Nordost. Mit Eintracht Bamberg, dem SC Feucht und nun dem TSV Kornburg gab es allerdings immer Ausnahmeerscheinungen in der Liga – nervt das nicht ein bisschen?

Strobel:
Nein, das nervt nicht. Das sind ganz wichtige Spiele gegen attraktive Gegner, bei der meine Elf eine überdurchschnittliche Leistung abrufen muss, um dann oben dranzubleiben. Es gilt da dazuzulernen, das gehört zu unserem Konzept dazu. Freilich wollen wir gerne wieder in die Bayernliga, aber das ist nicht so, dass das in dieser Saison passieren muss.

Die neue LED-Anzeigentafel im Stadion an der Nördlinger Straße.
Florian Schwarm

Wie kannst du die Entwicklung im Team und Umfeld seit 2018 beschreiben?

Strobel:
Sehr positiv! Die Zusammenarbeit mit Abteilungsleiter Norbert Hammer und dem Sportlichen Leiter Stefan Pröpster klappt hervorragend. Bei der Kaderplanung wurde seit 2018 einiges umgekrempelt. Man darf auch nicht vergessen, dass der Verein 2016 fast in der Kreisliga gelandet wäre. Wir haben uns dem Projekt verschrieben, mit jungen, willigen Spielern zu arbeiten, die Schwabach auch als mögliches Sprungbrett für sich sehen. Das ist ein Ansatz, der mir persönlich viel Spaß macht, vor allem wenn man auch sieht, dass sich im Umfeld wieder etwas entwickelt. Die Jugend ist auf dem aufsteigenden Ast, in der Infrastruktur hat sich etwas getan. Wir haben jetzt beispielsweise eine LED-Anzeigentafel, bekommen ein LED-Flutlicht und der Platz wurde hergerichtet.

Wagen wir noch einen Tipp voraus in Richtung Herbst: Wer kommt aus dieser Gruppe neben Kornburg – und Schwabach natürlich – in die Aufstiegsrunde?

Strobel:
Ich glaube, dass das bis zum letzten Spieltag eng bleiben dürfte. Großschwarzenlohe hat brutal gut angefangen, steckt jetzt ein wenig in einem Tief. Woffenbach gehört auch in den Topf, ist für mich der heimliche Favorit. Und natürlich zählen Buch und Quelle als übliche Verdächtige auch dazu.

Und wie ist das Kräfteverhältnis dann in einer Aufstiegsrunde im Frühjahr zu erwarten?

Strobel:
Das wird man sehen, wer da reinkommt, und wer wie viele Punkte mitnimmt. Die Tabellenkonstellation in der anderen Gruppe hat mich schon ein wenig überrascht, vor allem Neudrossenfeld, Selb oder auch Forchheim hätte ich weiter oben vermutet. Ein Kompliment muss man auf alle Fälle dem FC Herzogenaurach machen, der bislang eine überragende Runde spielt - das ist schön zu beobachten.

Zum Abschluss bitte ein Tipp für Freitag!

Strobel:
Unsere bisherige Bilanz ist ja positiv. Wir wollen zu Hause die weiße Weste bewahren! Grundsätzlich können sich alle auf ein Topspiel gegen den FC Bayern der Landesliga freuen, hoffen wir dass das Wetter mitspielt und vielleicht 600 Zuschauer oder ein paar mehr kommen.

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Tabelle Landesliga Nordost B

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
7
23:5
21
6
7
7:12
10
9
8
6:18
3
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit


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