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Artikel veröffentlicht am 15.07.2021 um 07:00 Uhr
Der große Bezirksliga-Skandal: Als der Griechische FV Zeus 33 Punkte verlor
In der kommenden Woche beginnt eine neue Saison in der Bezirksliga Mittelfranken. Das zurückliegende Spieljahr wird mit Abbruch und Quotienten-Regelung gewiss in die Geschichte eingehen. Der größte Skandal, den der Amateurfußball hier aber erlebt hatte, liegt nun schon ein Vierteljahrhundert zurück: Es ist die Geschichte des Griechischen FV Zeus, der hoch hinaus wollte, aber tief gefallen und längst verschwunden ist.
Von Marco Galuska
Der Spielerpass-Skandal beim Griechischen FV Zeus geriet 1995/96 in die Schlagzeilen.
fussballn.de
Am 14. Oktober 1995 erreichte das Bezirkssportgericht Mittelfranken eine Anzeige, die den größten Skandal im hiesigen Amateurfußball ins Rollen brachte. Gerd Prudlo, damals Manager des Bezirksligisten DJK Langwasser, hatte in einem sechsseitigen Schreiben seine Beweise offenbart, die er gegen den Ligarivalen Griechischer FV Zeus Nürnberg gesammelt hatte.

Die besondere Verbindung zwischen Langwasser und Zeus

Joachim Kokott (†)
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Um die damalige Beziehung zwischen Langwasser und Zeus einzuordnen, muss man wissen, dass der 2019 verstorbene Achim Kokott (langjähriger Abteilungsleiter und Trainer beim TSV Kornburg) zunächst die DJK in nur drei Jahren von der B-Klasse bis in die Spitzengruppe der Bezirksoberliga geführt hatte. Prudlo, der zuvor die Leichtathletikabteilung beim 1. FC Nürnberg geführt hatte, stammte wie auch Kokott aus Polen. Beide verfügten noch immer über entsprechende Kontakte dorthin. Bei der DJK Langwasser gelang dem Funktionär und dem Trainer mit einigen außergewöhnlichen polnischen Spielern ein Aufschwung, der mit dem Gewinn der Hallenkreismeisterschaft 1992 gekrönt wurde. 1994 kam es zum Bruch. Kokott verließ den Verein mit sieben Spielern im Gepäck in Richtung Zeus.

Für die DJK Langwasser begann damit der freie Fall. Nach dem Abstieg aus der BOL konnte man auch in der Bezirksliga nicht Fuß fassen und stieg Jahr für Jahr bis in die B-Klasse ab. Anders sah die Lage zunächst noch beim Griechischen FV Zeus aus. Im Spieljahr 1990/91 waren die Griechen ausgerechnet hinter Langwasser in die Bezirksliga aufgestiegen und konnten die Liga halten. Als dann Kokott mit Verstärkung kam, spielte der FV sogar oben mit. Nach einem dritten Rang in der Saison 1994/95 verstärkte sich Zeus und sammelte zunächst wieder kräftig Punkte in der Bezirksliga Nord. Wohingegen Langwasser in jener Saison 1995/96 in der Liga von Beginn an auf verlorenem Posten war.

Ein Wahnsinns-Keeper und nasse Handtücher in der Sporttasche

Roman Szweda
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Doch dass so mancher Spielereinsatz bei Zeus nicht sauber war, das ahnten auch die aufmerksamen Beobachter. So sprach ein Kicker mit griechischen Namen auf dem Platz ausschließlich polnisch. Auch die langjährigen Zeus-Kicker wunderten sich darüber, welche Akteure Trainer Kokott und Manager Werner Haas an Land gezogen hatten. "Uns war die Sache selbst nicht geheuer. Da waren Spieler am Sonntag da, die hatten noch ein nasses Handtuch in ihrer Sporttasche", erinnert sich Eleftherios Burgutzidis, heute Vorstand bei Megas Alexandros, damals Zeus-Torhüter - degradiert zum Ersatzkeeper, weil "plötzlich ein Wahnsinns-Torwart aus Polen aufgetaucht" war. Jener Ausnahme-Schlussmann war Roman Szweda und wurde von Kokott nach Nürnberg gelotst, wo er später noch über viele Jahre beim TSV Kornburg und zum Karriereende beim FC Bayern Kickers zwischen den Pfosten stehen sollte. Im Jahr 1995 spielte er aber nicht ausschließlich bei Zeus, wie Prudlo mit seinen Recherchen aufdecken sollte, sondern zusätzlich noch in Polens dritter Liga.

Zeus-Verantwortliche streiten Vorwürfe zunächst ab

Prudlo hatte umfangreiches Material gesammelt, das er dem Bezirkssportgericht unter Vorsitz von Heinz Ferber zukommen ließ. Die Verantwortlichen bei Zeus um Vorstand Constantin Bertsos ("Das ist Quatsch! Das muss eine Verwechslung sein! Wir haben die Freigaben für die Spieler."), Haas und Kokott stritten die Vorwürfe zunächst ab. Weil Prudlo auch anderer Bezirksligisten über seine Recherchen informierte, begann die Lawine so richtig zu rollen. Beim Sportgericht nahm man die Vorwürfe nicht auf die leichte Schulter. Ferber äußerte sich zu Beginn noch vorsichtig, merkte aber schon an: "Wenn das wirklich wahr ist, dann ist das eine Bombe!"

Wegen des Einsatzes von vier Spielern wurde ermittelt: Neben Szweda ging es um die Spielerpässe von Andreas Pakula, Waldemar Adamczyk und Jaroslav Zajac. Allerdings zog sich die Verhandlung zunächst hin, da Zeus eine Verlängerung der Erklärungsfrist verlangte und auch nur "eine sehr dürftige Stellungnahme abgab", so Ferber. So wortkarg sich die Beschuldigten gegenüber dem Bezirkssportgericht auch gaben, so offensiv ging man in der Öffentlichkeit vor, kündigte gegenüber der Abendzeitung an, dass man Prudlo wegen Verleumdung anzeigen werde. Dieser wiederum sah in der Ankündigung "nur einen Versuch der Einschüchterung."

Sportgericht fällt Rekordurteil - selbst das Fernsehen berichtet


Heinz Ferber
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Doch die Beweislast, die Prudlo vorzuweisen hatte, war gewaltig. Die Argumente von Haas und Kokott hingegen mau. So verwies man bei den vorgelegten Berichten aus polnischen Zeitungen darauf, dass diese nicht von einem Datum gewesen seien, an dem Spiele in Polen stattgefunden hätten. Letztlich kam das Bezirkssportgericht unter Vorsitz von Heinz Ferber zu einem klaren Urteil: Sämtliche 23 Punkte, die Zeus vom 20. August bis zum 29. Oktober 1995 gesammelt hatte, wurden aberkannt. Zehn Punkte zusätzlich abgezogen sowie 1000 Mark Strafe gegen den Verein ausgesprochen. Szweda, der in der mündlichen Verhandlung die Vorwürfe zugab, dass er auch noch in Polen gespielt hatte, wurde für drei Monate gesperrt, und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem er ein ordentliches Spielrecht erteilt bekam. Manager Haas bekam eine Funktionssperre bis 30. September 1996 aufgebrummt. Bertsos kam ohne Strafe davon, da er glaubhaft versichern konnte, dass Haas sämtliche Verwaltungsaufgaben im Verein übernommen hatte.

Burgutzidis, der Torhüter, der einst mit Zeus den Aufstieg schaffte und dann seinen Platz an Szweda zwischenzeitlich abtreten musste, erfuhr vom Urteil in der damaligen Bundesliga-Sendung ran auf Sat.1, als Moderator Reinhold Beckmann vom spektakulären Urteil und einem Abzug von 33 Punkte in Nürnberg berichtete. Die Saison spielte die Zeus-Truppe ohne die polnischen Import-Kicker zu Ende und kassierte Niederlage um Niederlage. Letztlich stieg man sogar noch hinter der DJK Langwasser, die zehn Punkte im ganzen Spieljahr erreicht hatte, ohne einen Zähler ab.

Mit dem Bus zum Auswärtsspiel innerhalb der Stadt

Eleftherios Burgutzidis
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Im Rückblick auf die verrückte Zeit bei Zeus in den 1990er-Jahren erinnert sich Burgutzidis mit gemischten Gefühlen: "Es ist schade, dass es so gekommen ist. Denn wir hatten beim Aufstieg in die Bezirksliga eine unglaubliche Euphorie, tolle Spiele, extrem viele Zuschauer und auch verrückte Aktionen dabei. Da sind wir mit einem Bus zum Auswärtsspiel gefahren, wohl gemerkt innerhalb von Nürnberg! Als es dann mit dem Geld anfing, haben sich viele vom Verein abgewendet und letztlich war dann der Betrug mit den Spielerpässen der Anfang vom Ende." Auch in der Folgesaison nach dem Spielerpass-Skandal stiegen die Griechen ab und spielten dann noch mehrere Jahre in der Kreisklasse, und bis 2009 in der A-Klasse, ehe jenes Ende kam, das kurz darauf auch der DJK Langwasser blühen sollte.

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Bezirksliga Nord 1995/96

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
28
92:26
64
4
28
60:52
45
5
28
60:43
44
6
28
53:45
44
7
28
52:49
41
8
28
87:63
40
9
28
60:47
39
10
28
48:59
38
11
28
68:70
34
13
28
45:82
28
14
28
37:74
22
15
28
28:161
10
Bei Punktgleichheit: Entscheidungsspiel


Bilanz FV Zeus Nürnberg

Saison
Pl. 
Liga
2008/09
15. 
A-Klasse 7 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2007/08
3. 
A-Klasse 7 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2006/07
8. 
A-Klasse 7 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2005/06
5. 
A-Klasse West Nürnberg/Fürth
 
2004/05
6. 
A-Klasse West Nürnberg/Fürth
 
2003/04
15. 
Kreisklasse Ost Nürnberg/Fürth
2002/03
9. 
Kreisklasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2001/02
9. 
Kreisklasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2000/01
8. 
Kreisklasse Mitte Nürnberg/Fürth
 
1999/00
4. 
Kreisklasse Mitte Nürnberg/Fürth
 
1998/99
2. 
Kreisklasse Mitte Nürnberg/Fürth
 
1997/98
11. 
B-Klasse (KK) Nürnberg/Fürth Mitte
 
1996/97
15. 
A-Klasse (KL) Nürnberg/Fürth
1995/96
16. 
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1994/95
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A-Klasse 7 Nürnberg/Frankenhöhe
 
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A-Klasse 6 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2005/06
5. 
A-Klasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2004/05
14. 
Kreisklasse Mitte Nürnberg/Fürth
 
2003/04
1. 
A-Klasse Ost Nürnberg/Fürth
2002/03
6. 
A-Klasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2001/02
6. 
A-Klasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2000/01
7. 
A-Klasse Mitte Nürnberg/Fürth
 
1999/00
15. 
Kreisklasse Mitte Nürnberg/Fürth
1998/99
11. 
Kreisklasse Mitte Nürnberg/Fürth
 
1997/98
14. 
B-Klasse (KK) Nürnberg/Fürth Mitte
 
1996/97
17. 
A-Klasse (KL) Nürnberg/Fürth
1995/96
15. 
Bezirksliga Mittelfranken Nord
1994/95
15. 
Bezirksoberliga Mittelfranken
1993/94
5. 
Bezirksoberliga Mittelfranken
 


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