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Artikel veröffentlicht am 12.03.2021 um 11:45 Uhr
Tobias Bukowski im Portrait: Kumpel Julian Nagelsmann wurde zum Patenonkel
Tobias Bukowski, der aus dem TSV Marktbergel hervorgegangen ist, galt einst als ein hoffnungsvolles Talent in Mittelfranken. Von der Jugend der SpVgg Ansbach ging es in Richtung TSV 1860 München, um dort eine Profikarriere zu starten. Doch Verletzungen warfen den 34-Jährigen immer wieder zurück und sein unermüdlicher Ehrgeiz verhinderten letztendlich den Sprung über die 3. Liga hinaus.
Von Dirk Meier
Auch wenn der große Durchbruch im Profifußball nicht gelungen ist, so ist Tobias Bukowski sichtbar glücklich mit seinem bisherigen Lebensweg.
privat
Geboren am 3. Februar 1987 in Rothenburg ob der Tauber wurde Tobias Bukowski, der in Welbhausen bei Uffenheim aufgewachsen ist, wo seine Eltern auch noch heute leben. Ab dem vierten Lebensjahr spielte Tobias beim TSV Marktbergel und wurde dort von seinem Vater Bernd trainiert. Früh wurde sein großes Talent erkannt und 2000 erfolgte der Wechsel in die C-Jugend der SpVgg Ansbach. Sein erster Trainer in Ansbach war Michael Griebel, der heute das Landesliga-Herrenteam des TuS Feuchtwangen coacht. “Wir haben damals in der Bezirksliga gespielt, was die zweithöchste Liga war. Tobias war ein unheimlich angenehmer Spieler, der sich vorbildlich verhalten hat. Mit ihm haben wir gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die Bezirksoberliga geschafft, woran er seinen Anteil hatte. Man hat damals schon gesehen, dass bei ihm viel Talent vorhanden ist”, lobt Ex-Trainer Griebel ihn. In der B-Jugend hieß sein Vorturner Dieter Kreiselmeier und in der A-Jugend gab Klaus Heinrich, der nun beim FSV Bad Windsheim den Trainerposten übernommen hat, den Ton an.

Talent früh erkannt - tolle Jahre bei der SpVgg Ansbach

In Ansbach wurde Bukowski weiter gefördert und entwickelte sich prächtig, durchlief unter anderem die bayrischen Auswahlmannschaften, die damals von Michael Köllner, dem Aufstiegstrainer des Clubs und heutigen Trainer des TSV 1860 München geleitet wurden Bei der Spielvereinigung blieb der Angreifer bis nach dem ersten Jahr in der A-Jugend, spielte in der U19-Bayernliga. “Ich habe aber meistens bei der ersten Mannschaft mittrainiert und habe im zweiten Halbjahr des ersten A-Jugend-Jahres regelmäßig in der Herren-Bayernliga gespielt.” Die Zeit in Ansbach war nicht nur schön, sondern auch erfolgreich: “Wir hatten in allen Altersgruppen coole Mannschaften und super Trainer”, blickt der Stürmer zurück.

Tobias Bukowski (rechts) als junger Kicker im Trikot der SpVgg Ansbach.
Dirk Meier

Mit ihm spielten bei den Ansbachern im Team so bekannte Spieler wie Florian Grau, Matthias Ballbach oder sein Cousin Bertram Strobel, mit dem er schon von klein auf in Marktbergel zusammengespielt hatte. Zu Ballbach hat er auch heute noch Kontakt, er war der Zehner bei der SpVgg Ansbach. „Wir beide verstanden uns blind auf dem Platz, Mathias hatte eine hervorragende Technik und ein Auge für seine Mitspieler. Er hat mir die Bälle blind in den Lauf gespielt, weil er meine Laufwege genau kannte.” Allerdings war der Aufwand in den fünf Jahren in Ansbach Fußball zu spielen nicht unerheblich. Dreimal pro Woche rund 50 Kilometer einfach von Welbhausen fuhren ihn seine Eltern die mittelfränkische Bezirkshauptstadt. Dafür ist “Buko” heute noch dankbar, auch weil er weiß welche Möglichkeiten ihm sich dadurch geboten haben.

Im Visier der Profiklubs: Löwen erhalten den Zuschlag

Längst hatten andere Vereine das Talent im Blick. Probetrainings beim 1. FC Nürnberg, bei der SpVgg Greuther Fürth und beim TSV 1860 München folgten für den seinerzeit 17-Jährigen. Dieter Nüssing vom Club und Reiner Geyer aus Fürth hatten ein Auge auf den Mittelfranken geworfen. Aber auch Ernst Tanner, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) beim TSV 1860 München, wollte das Sturmtalent unbedingt verpflichten. “Sechzig München galt damals als der Ausbildungsverein schlechthin. Da hatte das Gesamtpaket am besten gepasst”, erinnert sich Bukowski, der 2005 einen Drei-Jahres-Vertrag erhielt. Im ersten Jahr an der Grünwalder Straße kickte der Ex-Ansbacher in der U19-Bundesliga unter Trainer Claus Schromm („ein super Typ“), der heute der Sportliche Leiter beim Drittligisten SpVgg Unterhaching ist. Parallel schloss er die 13. Klasse ab und absolvierte das Abitur in München. Bukowski schien den Sprung in den Profibereich schaffen zu können.

Tobias Bukowski spielte für den TSV 1860 München in der Junioren-Bundesliga und anschließend in der Regionalliga.
Dirk Meier

Mit dem Wechsel in den Herrenbereich spielte der 1,80 Meter große Center aber in der U21 in der Regionalliga Süd, was seinerzeit die dritte Liga war, sein Coach war Marco Kurz. “Ich bin leider nicht in Tritt gekommen, war zu oft verletzt. Im Herbst 2006 habe ich mir das Syndesmoseband gerissen, fiel bis zum Winter aus und habe so wichtige Zeit verloren.” Auch im zweiten U21-Jahr, sein Trainer hieß inzwischen Uwe Wolf, blieb der Franke verletzungsanfällig, musste wegen einer schweren Leistenverletzung länger pausieren, es schloss sich eine Reha an. “Highlight waren in diesem Jahr die ein oder andere Trainingseinheit mit den Profis und, dass wir 2007 für zwei Wochen in ein Trainingslager nach Südafrika geflogen sind.” Aber sportlich lief es einfach nicht, Bukowski brachte es in den ersten zwei Herrenjahren bei den Löwen nur auf 14 Einsätze, ein Torerfolg blieb ihm verwehrt. Sein auslaufender Vertrag wurde daraufhin nicht verlängert. In der Selbstanalyse stellt Bukowski eigene Fehler fest: “Ich bin rückblickend auch selbstkritisch. Unter anderem ist es auch an meinem zu großen Ehrgeiz gescheitert. Ich konnte keinen Schritt zurück machen, sondern wollte mit es mit aller Gewalt schaffen und das hat nicht geklappt. Der Gedanke Profi zu werden war mein großer Antrieb und das war im Nachhinein der falsche Weg.

Nicht gut beraten - Traum vom Profifußball platzte

Nachdem das Projekt bei 1860 München gescheitert war, beging Bukowski, der war ja inzwischen volljährig, aus seiner Sicht einen weiteren Fehler, denn er wechselte den Berater: “Das hätte ich, mit der Erfahrung von heute, nicht tun sollen, denn mein bisheriger Agent hatte das weitaus bessere Netzwerk.

Tobias Bukowski (links) im Dress der SpVgg Unterhaching.
Dirk Meier

So landete Bukowski nach den Löwen 2008 beim Nachbarn SpVgg Unterhaching II, die gerade als Achter der Bayernliga in die Regionalliga Süd aufsteigen durfte, weil kein anderer Verein eine Lizenz beantragt hatte. Sportlich war das eine Katastrophe, denn die Hachinger wurden Letzter. Der Rechtsfuß kam immerhin 26 Mal zum Einsatz, erzielte drei Treffer, seine einzigen in Liga drei. Nach der einen Saison in Unterhaching war Bukowski ein halbes Jahr vereinslos, musste sich erst einmal darüber klar werden, wie es weitergehen soll. Da buhlte auch sein Ex-Klub aus Ansbach um seine Rückkehr. In dieser Zeit hielt er sich bei den Sechzigern fit, durfte dort ein halbes Jahr mittrainieren.

Tobias Bukowski im Trikot der SpVgg Bayern Hof.
Andreas Bär

Bukowski entschied sich Anfang 2010 aber für den Bayernligisten SpVgg Bayern Hof, wo er für eineinhalb Jahre unterschrieb. Bukowski hatte bereits zwei Jahre zuvor ein Fernstudium in Betriebswirtschaft begonnen und lernte in Hof so tolle Kameraden wie Daniel Gareis und Daniel Sam kennen. Geholt hatte ihn Trainer Thomas Kost. “Das Umfeld war professionell und Hof war ein Klub mit Historie, wo ich auch meine Berufsausbildung vorantreiben konnte”, so der Mittelstürmer. Denn längst war für ihn klar, dass sich der Traum vom Fußballprofi nicht erfüllen würde. Unter den weiteren Trainern Daniel Felgenhauer und Norbert Schlegel lernte Bukowski dazu. Schlegel baute auf ihn und mit einem Schlussspurt von zwölf ungeschlagenen Spielen rettete sich Hof in die Relegation, überstand diese mit Siegen über die SpVgg Bayreuth und den SSV Jahn Regensburg II.

Mitte 2011 wollte Bukowski aber wieder zurück nach München, um dort sein Masterstudium aufzunehmen. Grund war aber auch seine Ehefrau Anne, die er in München kennengelernt hatte. Mit den Kindern Johann (5) und Greta (4) wohnt die Familie heute in München-Sendling. 2011 engagierte ihn der FC Ismaning, holte ihn in den Münchner Vorort. Der amtierende Bayernliga-Meister war allerdings im Sturm mit Mijo Stijepic und Florian Wolf top besetzt. Bukowski brachte es unter Coach Frank Schmöller dennoch auf 25 Einsätze, erzielte aber nur ein Tor. Immerhin qualifizierte sich Ismaning 2012 für die neu eingeführte Regionalliga Bayern, ein Erfolg. Bukowski gehörte zwar zum Kader, verabschiedete sich aber in der laufenden Regionalliga-Saison für ein halbes Jahr für ein Praktikum nach Singapur. Auch Ehefrau Anne verließ als angehende Ärztin in diesem Halbjahr München, um auf Barbados einen Teil ihrer Ausbildung abzuleisten.

Karriereende mit 27 - dennoch zufrieden mit dem Lebensweg

Nach der Rückkehr nach Deutschland 2013 standen Beruf und Familienplanung im Mittelpunkt. Mit dem Fußball wollte Bukowski, der inzwischen bei der Firma Infineon in der Halbleiter-Branche im Vertrieb tätig ist, noch nicht ganz aufhören. “Ich bin zum FC Deisenhofen in die Landesliga Südost gewechselt.” Vier Treffer in 22 Partien weist seine Bilanz aus. Im Sommer 2014 mit erst 27 Jahren war dann aber Schluss. “Ich hatte inzwischen andere Schwerpunkte, wollte mehr für die Familie da sein und im Beruf weiterkommen”, begründet Bukowski diesen Schritt und ergänzt: “Daher habe ich einen Schlussstrich gezogen, weil ich nicht für halbe Sachen zu haben bin.” Somit endete eine Karriere viel zu früh, auch, weil der Traum vom Fußballprofi, den sich allerdings nur die Allerwenigsten erfüllen können, geplatzt war. Doch das bereut Tobias Bukowski, der heute mitten im Leben steht, keine einzige Sekunde. Er ist rückblickend zufrieden, so wie es für ihn gelaufen ist. „Der Fußball hat mir wahnsinnige Möglichkeiten geboten, Emotionen, viele sehr schöne und einige weniger schöne Momente. Alles in allem aber etliche Begegnungen mit vielen tollen Menschen und einzigartigen Persönlichkeiten.

Tür an Tür mit dem aktuellen Bundesliga-Trainer

Aus der Zeit bei 1860 entstanden langfristige Verbindungen, die noch heute anhalten: Tobias Bukowski verbindet mit dem Leipziger Bundesliga-Trainer Julian Nagelsmann eine lange Freundschaft. Beide kennen sich aus ihrer Jugendzeit und wohnten 2005 im Internat des TSV 1860 München Tür an Tür. Die aktive Karriere von Nagelsmann, der aus Landsberg am Lech stammt, endete frühzeitig wegen einer schweren Verletzung ohne es zu einem Pflichtspiel im Herrenbereich gebracht zu haben. Nagelsmann, der Kontakt zwischen den beiden riss nie ab, entwickelte sich vielmehr zu einer Freundschaft, schlug die Trainerlaufbahn ein. Ein Weg, der für Bukowski nicht infrage kam, obwohl ihn Nagelsmann 2016 gerne nach Hoffenheim gelotst hätte: “Julian hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte einer seiner Co-Trainer zu werden. Das konnte ich mir aber nicht vorstellen. Ich bin da viel zu emotional, muss auf dem Platz stehen. Die Seitenlinie ist nichts für mich”, begründet der Franke.

Freundschaft fürs Leben mit Julian Nagelsmann

Am Fußball hat die Familie Bukowski nach wie vor ihre Freude - auch wenn man unterschiedlichen Vereinen die Daumen drückt.
privat

Die Verbindung hält dennoch nach wie vor. Auch, weil Nagelsmann der Pate von Bukowskis Sohn Johann ist. “Julian besucht uns regelmäßig, kommt immer wieder nach München”, sagt Bukowski, dessen Lieblingsvereine der 1. FC Nürnberg und der TSV 1860 München sind. Die Bukowski-Kinder haben allerdings andere Vorlieben. Während Töchterchen Greta für Borussia Dortmund schwärmt, ist Sohn Johann großer Fan des FC Bayern München. Das stört Julian Nagelsmann indes nicht besonders, hat Verständnis dafür, der seinem Patensohn schon ein Trikot von RB Leipzig geschenkt hat. “Hinten drauf mit dem Namenszug Johann und der Rückennummer 112, weil Johann ein Fan der Fernsehserie “Feuerwehrmann Sam” ist. Das war anscheinend schon außergewöhnlich und mit der ein oder anderen Nachfrage und dem ein oder anderen Lacher im Fanshop verbunden.“

Auch wenn Bukowski längst nicht mehr selber auf dem Platz steht, so hat der Fußball in der Familie weiterhin einen großen Stellenwert. “Wir interessieren uns alle für Fußball, schauen im Fernsehen viele Spiele an. Wenn Corona wieder vorbei ist, dann kann es gut sein, dass man mich auch mal im Stadion bei den Löwen und beim Club trifft.” Die Freundschaft zwischen Bukowski und Nagelsmann leidet unterdessen unter den unterschiedlichen Vorlieben für verschiedene Fußballvereine nicht. “Wir verstehen uns seit wir uns kennen bestens. Da ist über die Jahre unabhängig von der eigenen Laufbahn eine Freundschaft fürs Leben entstanden”, sagt Bukowski.

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Steckbrief T. Bukowski

Tobias Bukowski
Spitzname
Buko
Alter
34
Geburtsort
Rothenburg ob der Tauber
Wohnort
München
Familie
verheiratet, 2 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
180 cm
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Sturm


Spielerstationen T. Bukowski

12/13
REGL
 
11/12
BAYL
09/10
BAYL
 
06/07
REGL
 
05/06
U19, BuLi
 
04/05
OBERL BAY
04/05
 
03/04
 
02/03
 
01/02
 
00/01
 
99/00
 
98/99
 

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