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Artikel veröffentlicht am 16.02.2021 um 11:00 Uhr
Bezirksspielleiter Thomas Jäger: Die Sehnsucht nach Normalität ist groß!
Der Lockdown geht bis in den März hinein, für den Amateurfußball steht noch kein Termin für eine Rückkehr auf den Platz fest. Mittelfrankens Bezirksspielleiter Thomas Jäger spricht im fussballn.de-Interview über die aktuelle Lage, das unterbrochene Spieljahr und Workshop in den Bezirksligen zur Gestaltung der kommenden Saison.
Von Marco Galuska
Thomas Jäger
Sebastian Baumann
Hallo Herr Jäger, der Amateurfußball befindet sich weiter im Lockdown. Welche Reaktion der Vereine kam direkt bei Ihnen an?
Thomas Jäger: Bei mir kam verhältnismäßig wenig an, mehr dafür bei den Kreisspielleitern, was ja auch normal ist, weil sie deutlich mehr Vereine direkt betreuen. Aber allgemein lässt sich sagen, dass die Vereine verstanden haben, dass es nicht der Verband ist, der den Fußball verbietet, sondern wir allesamt abhängig sind von den Vorgaben der Regierung.

Der BLSV hat in Zusammenarbeit mit der TU München ein Stufenmodell entworfen. Wäre das ein gangbarer Weg, um eine Perspektive zu bekommen?
Jäger:
Wir brauchen Perspektiven aus der Politik, wie es mit dem Sport weitergeht. Der Sport hat eine enorme Bedeutung für die Gesellschaft, in der es ja immer mehr Bürojobs gibt, und Bewegung im Alltag oftmals fehlt. Zunächst einmal sind wir froh, dass wir auf der Agenda sind, ob wir mit der Geschwindigkeit der Öffnung sind, wird sich zeigen. Ich gehe davon aus, dass es wieder über Stufen gehen wird. Das Stufenmodell spiegelt hier auch die Position des BFV wider, wie es unser Geschäftsführer Jürgen Igelspacher in seinem letzten Interview bereits erwähnte.

Im Stufenmodell des BLSV sind Inzidenzwerte genannt, wodurch sich aber ein Datum nur schwer definieren lässt. Wie soll man da planen?
Jäger:
Ich kann das prinzipiell nachvollziehen, aber die Planung wird da sicherlich nicht leichter. Ich sehe vor allem auch eine Schwierigkeit, wenn nach Landkreisen unterschieden wird: Dann dürfen einige schon trainieren, während andere noch im Lockdown sind – aber eigentlich in einer Liga spielen würden. Man müsste sich auch fragen, was mit einzelnen Spielern ist, die beispielsweise in einem Landkreis wohnen, aber in einem anderen spielen. Sobald wir die Vorgaben kennen, werden wir auch entsprechende Lösungen finden.

Wenn die Aussagen aus der Politik schon wenig planbar erscheinen, müsste dann nicht der Verband entsprechende Wege vorzeigen? In Württemberg hat man beispielsweise den 9. Mai genannt. Wenn bis dahin nicht gespielt werden kann, annulliert man dort die angefangene Saison.
Jäger:
Ja, das macht natürlich Sinn! Wir haben in Bayern saisonbedingt andere Voraussetzungen und auch einige Unterschiede: manche haben noch sechs Pflichtspiele, andere doppelt so viele. Englische Wochen sind möglich, aber eher als Ausnahme, nicht am Stück. Man muss da sicher mit den Vereinen reden; und es wird zu einem gegeben Zeitpunkt auch ein Datum festgelegt werden.

Von den Vereinen ist durchgehend zu hören, dass sie eine ausreichende Vorbereitungszeit benötigen. Auch das braucht ja mehrere Wochen…
Jäger:
Es ist ganz klar, dass jeder wieder auf dem Platz loslegen will. Aber natürlich gehen Spiele ohne Training nicht. Ich vermute aber, dass sich das durch das Stufenmodell automatisch ergibt, so dass es eine Vorbereitung schon anhand der Vorgaben geben wird. Natürlich braucht es einen ausreichenden Vorlauf, da ja seit Monaten nicht trainiert werden konnte. Hier mache ich mir aber vor allem Sorgen, wenn das Wetter noch nicht mitspielen sollte. Denn die Gefahrenquelle ist vor allem in geschlossenen Räumen gegeben.

Die Zeit für den Abschluss der Saison wird verdammt knapp…
Jäger:
Also der Tenor aus den Vereinen ist klar – sie wollen zurück auf den Platz, am liebsten mit Zuschauern. Die Sehnsucht nach Normalität ist groß! Ich habe persönlich die Hoffnung, dass wir im April mit Schiri auf dem Platz sind. Aber klar ist, dass es je nach Freigabe durch die Politik, eng werden kann. Und man muss auch überlegen, wenn man später fertig wird, was das dann für die kommende Saison bedeuten würde. Es wünscht sich doch eigentlich jeder grundsätzlich wieder ein normales Spieljahr.

Mit den mittelfränkischen Bezirksligisten gab es ja in der vergangenen Woche einen Online-Workshop hinsichtlich der kommenden Saison. Um was ging es da?
Jäger:
Es ging darum, alternative Varianten zu besprechen, wie man in einem Pilotprojekt Spieltage in der kommenden Saison möglicherweise einsparen kann. Denn der Spielplan wäre randvoll – in diesen Zeiten besonders schwierig.

Wie war die Reaktion der Vereine?
Jäger:
Es waren intensive Besprechungen. Dabei wurde klar, dass man sich grundsätzlich Traditionelles wünschen würde. Bei den neuen Varianten darf es vor allem nicht zu kompliziert sein, denn so etwas muss dann ja auch vermittelt werden an die Leute im Sportheim und am Sportplatz. Ich bin gespannt, wie die Vereine nun abstimmen. Um es umzusetzen, wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.

Noch einmal zurück zur noch laufenden Saison: Wie wäre der Ablauf bei einer nötigen Abwicklung abseits des Rasens?
Jäger:
Grundsätzlich ist es so, dass der Verbandsspielausschuss den Bezirk und der Bezirk die Kreise einbezieht. Da wird man sich unterhalten. Ende Februar haben wir wieder eine Online-Spielleitertagung, da wird man sich austauschen, wie man mit der aktuellen Lage umgeht. Ich kann es immer wieder nur betonen, an uns soll es nicht liegen, das A und O bleibt die Politik.

Der Post SV Nürnberg hat eine Petition ins Leben gerufen, die eine sofortige Wiederaufnahme des Sports in den Vereinen, vor allem für Kinder und Jugendliche, fordert. Sollte man die Initiative des größten Breitensportvereins in Bayern unterstützen?
Jäger:
Jede Aktion in diese Richtung, in der die Pandemie vernünftig berücksichtigt wird, verdient Unterstützung. Besonders für die Kinder ist es wichtig, sich wieder in Gruppen bewegen zu dürfen. Die Verbandsspitze ist hier im intensiven Austausch mit der Staatsregierung. Wichtig ist, dass hier die Sportverbände zusammen mit den Vereinen mit einer Stimme sprechen.

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