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Artikel veröffentlicht am 06.07.2020 um 11:00 Uhr
Große Trauer um Michael Schott: Abschied von einem leidenschaftlichen Schiri
Die unfassbare Nachricht ist kaum eine Woche alt, der Schmerz über den Verlust von Michael "Schotti" Schott immens: Der Lehrwart der Schiedsrichter-Gruppe Jura-Nord verstarb in der vergangenen Woche völlig unerwartet im Alter von nur 40 Jahren. Familie, Freunde, Schiris und der Amateurfußball trauert um einen hilfsbereiten, fröhlichen und liebenswerten Menschen.
Von Marco Galuska
Michael Schott
fussballn.de
"Es ist für uns immer noch unbegreiflich. Wir verlieren mit Michi Schott nicht nur einen herausragenden Lehrwart, sondern auch einen hilfsbereiten, fröhlichen und liebenswerten Freund", sagt Michael Winkler, der Obmann der Schiedsrichtergruppe Jura-Nord. Absolut unerwartet ereilte die Nachricht vom Tode Michael Schott auch seine "zweite Familie", die Schiedsrichtergruppe Jura-Nord, bei der "Schotti", wie er von allen gerufen wurde, seit vielen Jahren engagiert und seit 2018 Lehrwart war.

Michael Schott begann seine Schiri-Laufbahn für seinen Heimatverein TSV Kleinschwarzenlohe im Jahre 2002. Das Pfeifen war ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Opa Alfred galt als Aushängeschild und Legende der Nürnberger Schiris, war jahrelang Lehrwart und Beobachter. Alfred Schott verstarb Mitte Juni. Seine Beerdigung erlebte Enkel Michael nicht mehr.

Mit erst 40 Jahren wurde Schotti aus dem Leben gerissen. Sein Verlust schmerzt besonders, war er doch ein allseits beliebter und geschätzter Mensch. Als Schiri pfiff er bis zur Kreisliga, als Assistent war er bis zur Landesliga dabei, zudem machte er sich aber in der Gruppe bei der Förderung von Schiedsrichtern, als Lehrwart und guter Geist verdient. Bekannt wurde Schotti auch durch seine Leidenschaft für Futsal, wo er selbst bis zum Ende durch den Corona-Lockdown in der Regionalliga Spiele leitete und im Winter 2018/19 als Spielleiter für die Futsalliga Mittelfranken verantwortlich war. Seit der Saison 2019/20 war er zudem Schiri-Beobachter in der Landesliga. 

Bei der Futsal-Regionalliga in Nürnberg war Michael Schott praktisch immer dabei.
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Julian Leykamm, der in der Schiri-Gruppe Schotts Stellvertreter als Lehrwart war, erinnert sich: "Schotti brannte für seine Leidenschaft. Egal ob Lehrwesen, Fördergruppe oder Futsal, bei allem war er zu jedem Zeitpunkt 100 Prozent dabei. Keiner war so regelsicher wie er und keiner konnte je seine Regeltests knacken. Wenn es so etwas wie Spezial-Assistenten in der Bezirks- und Kreisliga geben würde, dann stünde Schotti auf Platz 1. Mit seiner Erfahrung und seiner positiven Art unterstütze er vor allem die jungen Schiedsrichter von der Seitenlinie aus. Man konnte jederzeit auf seine Unterstützung zählen, er hatte für jeden ein offenes Ohr, egal ob private oder Schiri-Angelegenheiten. Und er begegnete einem immer auf Augenhöhe. Sein Vorhaben galt stets die Förderschiedsrichter weiterzubringen und das mit Erfolg. An der Entwicklung der SR-Gruppe in den letzten Jahren hat er großen Anteil. Schotti wird jedem als liebevoller und zuverlässiger Freund in Erinnerung bleiben."

Sven Laumer, Mitglied im Verbandsschiedsrichterausschuss und ehemaliger Obmann der Gruppe Jura-Nord schließt seinen ausführlichen Nachruf, wie folgt: "Schotti, ich hoffe, du kannst jetzt andere positiv beeinflussen und mit denen dein Spezi genießen. Danke, dass du in den letzten Jahren ein positiver Teil unserer Schiedsrichterfamilie warst und dass wir gemeinsam in den letzten Jahren viel gestalten und erleben durften."

Wir behalten Michael "Schotti" Schott als stets freundlichen, hilfsbereiten und tadellosen Sportsmann in Erinnerung, sprechen Familie, Freunde und seinen Schiri-Kollegen unser aufrichtiges Beileid aus und wünschen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

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Leser-Kommentare


Nachruf von Sven Laumer

Unfassbar, und eigentlich noch immer noch nicht in Worte zu fassen, ist die Tatsache das unser Lehrwart, unser Schotti, viel zu früh von uns gegangen ist. Ich hatte die Ehre, Schotti seit seinem Eintritt in unsere Gruppe zu begleiten und habe daher versucht, sein Wirken und seine Persönlichkeit mit diesen Zeilen zu würdigen. Aber so richtig in Worte kann ich das immer noch nicht fassen, da mich die Nachricht von dieser Woche immer noch schockiert.

Schotti legte im Jahr 2002 seine Schiedsrichterprüfung ab. Obwohl sein Opa ehemaliger Lehrwart der Gruppe Nürnberg war, hat sich Schotti entschlossen, in seiner Heimat in die dortige SR-Gruppe Jura-Nord einzutreten, da er zu dieser Zeit und auch darüber hinaus als Jugendtrainer beim TSV Kleinschwarzenlohe und dann in der JFG Schwarzachtal aktiv war. Ich konnte ihn somit seit Beginn meiner Zeit als Lehrwart begleiten. Schon bald erkannte man Schottis Talent und nominierte ihn für Spielleitungen in der Kreisliga. Dieser Spielklasse gehörte er auch bis zur vorletzten Saison an. Seine Leidenschaft galt aber vor allem der Tätigkeit als SR-Assistent. Bei vielen jungen SR und SR’innen fuhr Schotti als SRA mit (u.a., Johannes Bergmann, Dominik Friedrich, Christiane Schütte, Simon Brummert, Patrick Höfer, Julian Leykamm) und trug mit seiner Art dazu bei, dass sich die jungen Rohdiamanten zu gestandenen SchiedsrichterInnen entwickelten, von denen viele auch den Sprung auf die Verbands oder DFB-Ebene geschafft haben. Aber nicht nur als fester SRA in diesen Teams gab Schotti seine Erfahrung weiter. Er war jedes Jahr einer der am häufigsten eingesetzten SRA der Gruppe. Egal ob in der Jugend, in der Kreis- oder Bezirksliga, oder auch in der Landesliga, er war immer als Helfer zu Stelle, wenn ihn eine oder einer seiner SchiedsrichterInnen benötigte. Ich erinnere mich noch gut an ein gemeinsames Landesligasspiel in Rimpar, als Beobachter Thomas Stein monierte, dass Schotti Stutzen ohne Logo getragen hatte. Das war die einzige Kritik die es zu äußern gab. Denn durch seine ruhige Art konnte er meist einen sehr positiven Einfluss auf die Trainerbänke nehmen und so den SChiedsrichterInnen den Rücken freihalten. Sein letzter Einsatz Anfang März war auch ein Spiel als SRA. Er assistierte bei einem Freundschaftsspiel zur Vorbereitung auf die Rückrunde.

Seine zweite große Leidenschaft war der Futsal. Bereits als der Futsal noch parallel zum Hallenfußball gespielt wurde, ließ sich Schotti zum Futsal-Schiedsrichter ausbilden und war seitdem in den Wintermonaten in der Halle sehr aktiv. Sowohl in den Bezirksrunden, aber auch in der Futsal-Regionalliga war Schotti als Regelexperte für Futsal sehr gefragt. Erst kurz vor dem Corona-Lockdown war Schotti noch in der Futsal-Regionalliga unterwegs. Auch für Spielleitungen mehrerer Bezirks- und bayerischer Meisterschaften wurde Schotti immer wieder nominiert. Auf Grund seiner Leidenschaft war Schotti auch Futsal-Beauftragter der drei SR-Gruppen im Kreis Neumarkt/Jura. Jedes Jahr kümmerte er sich um die Aus- und Weiterbildung aller Futsal-Schiedsrichter im Kreis und trug so zu einer einheitlichen Regelauslegung in der Halle bei. Aber nicht nur wenn er aktiv in der Halle war, sah man ihn in den Wintermonaten regelmäßig in der Halle. Mit Tipps und Tricks rund um den Futsal versorgte er seine Schiedsrichter, wenn er ihnen bei seinen Spielleitungen zusah oder wenn er sie bei den Kreisendrunden betreute. In den letzten Jahren engagierte er sich zudem für die Futsal-Liga Mittelfranken und trug maßgeblich dazu bei, dass die Liga ihren Spielbetrieb organisieren konnte.

Seit dieser Saison war Schotti zudem Beobachter auf Verbandsebene. Er beobachte in erster Linie SR der Landesliga. Zuvor war er bereits als Beobachter auf Bezirks- und Kreisebene tätig und gab seine Erfahrung an Neulinge und Förderschiedsrichter unserer Gruppe weiter.

Da Schotti schon immer sehr fest in Regelfragen war und durch seine Art auch einen sehr guten Draht zu vielen Schiedsrichtern hatte, wurde er auch bald Mitglied im Lehrteam unserer Gruppe. Als ich 2007 mein Lehrteam neu aufstellen musste, war meine erste Adresse Schotti. Ohne zu zögern hat er zugesagt und mich seitdem im Lehrteam und dann auch als mein Stellvertreter als Lehrwart unterstützt. Da ich durch meine eigene aktive SR-Tätigkeit und meinen Beruf viel unterwegs war, hat er ohne zu Zögern viele Aufgaben auch sofort übernommen und war immer zur Stelle, wenn es um Regeltests, Vorträge, etc. ging. Diese Unterstützung hat er auch von 2014 bis 2018 Philipp gegeben, als er dessen Stellvertreter als Lehrwart war. Als ich 2018 ein neues Team aufstellen musste, war auch Schotti wieder meine erste Adresse und wiederum hat er ohne zu zögern ja gesagt. So war Schotti seit 2018 Lehrwart unserer Schiedsrichtergruppe und unterstützte auch seit meinem Wechsel in den VSA Michael Winkler als Lehrwart. Schotti war bei vielen Innovationen mit dabei und hat diese aktiv mitgestaltet: U.a. beim ersten Online-Neulingslehrgang in 2014, bei der Einführung des Sommerlehrgangs für alle Schiedsrichter, Online-Regeltests während der Schiedsrichtersitzung, oder zu letzte bei der Gestaltung der Online-Aus- und Weiterbildung im Rahmen des Corona-Lockdowns. Erst zwei Tage vor seinem Tod hatte ich mit ihm telefoniert, um die nächsten Online-Sitzungen und die Themennachmittage im Rahmen der Online-Neulingslehrgänge zu besprechen. Auch bei unseren legendären Förderlehrgängen in Zandt war Schotti von Beginn an mit dabei. Am ersten hat er noch als Teilnehmer teilgenommen, aber dann schon sehr bald als Experte für Regeltests, dann auch als Mitorganisator und im letzten Jahr als Hauptorganisator. Apropos Regeltests: Das war auch ein kleines Hobby von Schotti. In jedem Regeltest hat er stets eigene Fragen eingebaut und hat die Regeltests zu kleinen Geschichten gemacht, so dass die Schiedsrichter nicht nur trocken die Fragen beantworten mussten, sondern immer auch etwas zum Schmunzeln hatten, wenn sie einen Regeltest absolvieren mussten. Aber auch seine Referate und Vorträge auf Neulingslehrgängen, Pflichtsitzungen, Lehrabenden, Kreisligalehrgängen, etc. hat Schotti aktiv gestaltet und sehr anschaulich die reine Regeltheorie den SchiedsrichterInnen vermittelt.

Auf der Jahresabschlussfeier 2017 konnte ich Schotti für seine 15jährige Tätigkeit als SR mit der Ehrennadel in Gold des Kreises auszeichnen. In meinen Laudatio-Notizen hatten ich einfach „Schotti eben“ stehen. Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ich in dieser kurzen Laudatio sein Wirken für die Schiedsrichtergruppe, aber auch für den Fußball im Allgemeinen kaum würdigen werde können. Jeder kannte ihn und jeder wusste, was Schotti für unsere Gruppe bedeutete. „Schotti eben“ sollte zum Ausdruck bringen, dass mit Schotti die Schiedsrichtergruppe einen Schiedsrichter und Lehrwart hat, der sich selbst nie in den Vordergrund stellt, sondern immer im Hintergrund helfend und seine Erfahrung weitergebend sehr positiv auf alle wirkt. Er war nie schlecht drauf, er hat nie ein böses Wort verloren, sondern hat immer versucht durch seine positive Art andere aufzubauen und ihnen zu helfen, wenn diese einen positiven Impuls benötigt hatten. Das betraf seine Schiedsrichter, aber auch mich, wenn ich wieder einmal viel um die Ohren hatte. Schotti verstand es immer, durch seine liebenswürdige Art, andere im richtigen Moment positiv zu beeinflussen. Diese positive Art und diese positive Lebenseinstellung, Schotti eben, werde ich mit am meisten vermissen.

Schotti, ich hoffe, du kannst jetzt andere positiv beeinflussen und mit denen dein Spezi genießen. Danke, dass du in den letzten Jahren ein positiver Teil unserer Schiedsrichterfamilie warst und dass wir gemeinsam in den letzten Jahren viel gestalten und erleben durften.


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