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Artikel veröffentlicht am 27.05.2020 um 06:00 Uhr
Zeit für mehr Verantwortung: Vachs Spielmacher Rico Röder im Portrait
Rico Röder hat mit seinen 29 Jahren schon allerhand erlebt. Lange Jahre in der Jugend beim ruhmreichen 1. FC Nürnberg ausgebildet, spielte der Kreativgeist stets im gehobenen Amateurbereich und klopfte an die Tür zum Profi-Geschäft. Eine Situation wie die momentane hat der Regisseur aber noch nicht erlebt, steht er doch als angehender Spielertrainer beim SV Raitersaich im Wort - und dank Corona zwischen den Stühlen.
Von Michael Watzinger
Kaum zu halten: Rico Röder (am Ball) ist nach Jahren in der Regionalliga inzwischen beim Landesligisten ASV Vach am Ball. Zur neuen Saison soll er dann den SV Raitersaich als Spielertrainer anführen.
fussballn.de
Von der Club-Jugend bis hinauf in die Regionalliga

Kurze, schnelle Bewegungen, feine Technik, tolle Übersicht, Spielwitz, Torgefahr. Vachs offensiver Mittelfeldspieler Rico Röder sticht in der Landesliga sofort ins Auge. Der heute 29-Jährige begann das Fußballspielen in jungen Jahren beim TV 1860 Jahn-Schweinau und schnell wurde das Talent des kleinen Wirbelwindes deutlich. Über die Stationen SV 1873 Süd und SG 1883 Nürnberg-Fürth, wo er hochgezogen wurde und so mit seinem ein Jahr älteren Bruder Sammy spielen konnte, erfolgte schließlich der Wechsel zum 1. FC Nürnberg, wo er die restliche Juniorenzeit als Stammspieler verbrachte.

Dass der brillante Edeltechniker im Anschluss vom Club nicht weiter übernommen wurde - eine Schocknachricht: "Natürlich träumt man in diesem Alter davon, den Sprung zu den Profis zu schaffen - vor allem, wenn man in sämtlichen Jahrgängen zu den Leistungsträgern gehört hatte. Letztendlich braucht man eben auch das gewisse Quäntchen Glück und einen Trainer, der auf den jeweiligen Spielertyp steht", blickt Rico Röder auf seine so vielversprechende Juniorenzeit zurück. 

Nachdem Rico Röder (am Ball) aus der Club-Jugend heraus kam, sammelte er beim FSV Erlangen-Bruck erste Erfahrungen im Seniorenbereich und reifte zum Bayernliga-Akteur.
Sebastian Baumann

So aber musste für den Spielgestalter ein Neuanfang her: Beim FSV Erlangen-Bruck reifte er zum Bayernliga-Spieler, ehe er auf seinen weiteren Stationen SC Eltersdorf, SV Seligenporten und abermals Eltersdorf stets höherklassigen Amateurfußball spielte und auch in der Regionalliga zum Stammpersonal gehörte. Der Traum vom Profi keimte noch einmal kurzzeitig auf, als ihm sein Cousin, Ex-Profi Marco Christ, ein Probetraining beim SV Wehen-Wiesbaden verschaffte und er überzeugte, ein weiteres Vorspielen aber aufgrund einer Verletzung im Spiel des SC Eltersdorf gegen den FV Illertissen verhindert wurde.

Trotz des abermaligen Rückschlags blickt Rico Röder zufrieden auf seine bisherige Laufbahn zurück: "Ich bin ein Typ, der nicht lange jammert, sondern Situationen so annimmt, wie sie sind. Ich habe mich in den Vereinen, für die ich spielte, sehr wohl gefühlt und bereue nichts." Highlights sammelte der Regisseur in seiner Karriere dabei so einige: "In der Regionalliga gegen den FC Bayern München II zu spielen, war schon etwas Besonders: Mehmet Scholl war der damalige Trainer, auf dem Platz standen unter anderem Tobias Schweinsteiger und Pierre-Emil Höjbjerg. Auch der Aufstieg mit Seligenporten in die Regionalliga und meine drei Tore für Eltersdorf in der Regionalliga gegen Greuther Fürth II werde ich ganz sicher nicht vergessen." Seit nunmehr knapp drei Jahren spielt Rico Röder nun beim Landesligisten ASV Vach - und erfüllte sich zusammen mit Bruder Sammy einen lange gehegten Traum: "Wir hatten schon immer eine enge Bindung und wollten einmal auf höherklassigem Niveau zusammenspielen", erzählt der 29-Jährige.

2012 schnupperte Rico Röder (am Ball) mit dem SC Eltersdorf erstmalig Regionalliga-Luft und schenkte unter anderem der SpVgg Greuther Fürth II drei Treffer ein. In jenem Jahr verhinderte eine Verletzung einen möglichen Wechsel zum SV Wehen-Wiesbaden.
Sebastian Baumann

Der Schritt hin zum Spielertrainer

Nun aber steht für den Kreativgeist ein neues Kapitel bevor: mit dem SV Raitersaich einigte sich der offensive Mittelfeldmann im März auf die Rolle des Spielertrainers, sein Bruder Sammy wird ihn dabei als spielender Co-Trainer unterstützen. Dass diese Aufgabe ihn vor neue Herausforderungen stellen wird, ist ihm vollauf bewusst. Dennoch fühlt sich Rico Röder gut gerüstet: "Mir ist schon klar, dass es eine Umstellung bedeutet, schließlich konnte ich mich bislang auf dem Platz immer auf meine eigene Leistung konzentrieren, während zukünftig mein Fokus noch viel mehr auf der gesamten Mannschaft liegen wird. Ich bin ja noch recht jung und werde sicher auch meine Fehler machen. Allerdings habe ich in meiner Zeit als spielender Co-Trainer in Vach gemerkt, dass mir diese Rolle ganz gut liegt. So habe ich zum Beispiel Cheftrainer Norbert Nein zwei Wochen lang vertreten, dort auch das Training geleitet und zwei Spiele betreut, in denen wir vier Punkte sammeln konnten. Das Feedback, das ich von meinen Mitspielern erhielt, war äußerst positiv und hat den Gedanken mich als Spielertrainer zu probieren überhaupt erst aufkommen lassen - zuvor hatte ich darüber ehrlich gesagt nicht großartig nachgedacht."

Rico Röder (2.v.r.) und Bruder Sammy (2.v.l.) sollen den Bezirksligisten SV Raitersaich zur neuen Saison das Spielertrainer-Duo führen.
SV Raitersaich

Raitersaich als tolle Einstiegschance

Dass sich letztlich der SV Raitersaich Rico Röders Dienste sichern konnte, war erst einmal nicht abzusehen: "Ich hatte bislang mit dem SVR keinerlei Berührungspunkte, habe dort noch nie gespielt und kannte im Vorfeld auch kaum jemanden persönlich. Allerdings hatten wir von Beginn an sehr gute Gespräche, zunächst telefonisch und dann auch persönlich. Es ist ein familiärer Verein, der sich in den letzten Jahren beachtlich entwickelt und gute Erfahrungen mit dem Modell Spielertrainer gemacht hat. Für mich ist es zwar, rein die Liga betrachtet, ein kleiner Rückschritt - Bezirksliga habe ich im Seniorenbereich bislang ja noch nicht gespielt - aber ich bin dankbar für die Möglichkeit, mich in einer anspruchsvollen Liga als Spielertrainer versuchen zu dürfen und will versuchen, den Jungs meine Erfahrungen mitzugeben und sie weiter voranzubringen. Ich hatte mit vielen schon erste Gespräche und freue mich darauf, sie dann auch persönlich kennenzulernen. Ich freue mich schon riesig auf die neue Herausforderung!"

Zwischen den Stühlen

Der 29-Jährige macht allerdings auch deutlich, dass ihm die aktuelle Situation rund um Corona, dann doch auch einige Kopfschmerzen bereiten: "Es ist schon eine sehr schwierige Situation, weil so viele Dinge im Unklaren sind. Das erschwert einerseits meine Planungen bezüglich dem SVR, wo ich ja eigentlich ab dem 1. Juli verantwortlich bin und viele Dinge und auch Neuzugänge planen muss. Zum anderen ist es für mich und auch für Sammy ganz ganz schwierig im Bezug auf Vach, wo wir uns beide sehr wohlfühlen und nicht einfach 'flüchten' wollen. Unseren Abschied haben wir uns auf jeden Fall anders vorgestellt und da stehen wir nun völlig zwischen den Stühlen - vor allem, weil wir auch niemanden im Stich lassen wollen und der Kader dort inzwischen ohnehin ausgedünnt ist. Im Moment können wir nichts anderes tun als abzuwarten, was sehr unbefriedigend ist." 

Die aktuelle Lage lässt derweil noch offen, ob Rico Röder (Nr. 10) und Bruder Sammy (l.) sich noch einmal gemeinsam auf dem Feld über Treffer des ASV Vach freuen werden. Für das Brüderpaar keine schöne Situation.
fussballn.de / Strauch

An der Entscheidung selbst zweifelt der Spielertrainer in spe aber nicht: "Es gibt immer wieder Momente, in denen man Entscheidungen treffen muss. Ich hatte eine solche, als ich beim FCN nicht übernommen wurde, hatte eine weitere, als ich der Regionalliga den Rücken gekehrt habe, weil der Aufwand zu groß war, um Fußball auf diesem Niveau, Job und meine Familie - mein erster Sohn war noch jung, mein zweiter auf dem Weg - wirklich unter einen Hut zu bekommen. Und nun ist es an der Zeit als Spielertrainer mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich bin zwar noch absolut fit und könnte wohl auch weiterhin noch höher spielen, aber das ist nicht mehr das wichtigste. Meine beiden Jungs schauen mir auch weiterhin bei den Spielen zu und rennen nach Abpfiff über den Rasen zu mir - ihnen ist die Liga, in der ich gerade spiele ohnehin völlig egal." Der SV Raitersaich kann sich ganz sicher auf einen brillanten Kreativspieler mit klarem Kopf freuen.

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Steckbrief R. Röder

Rico Röder
Spitzname
Roggo
Alter
29
Geburtsort
Nürnberg
Wohnort
Fürth
Familie
in Beziehung, 2 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
169 cm
Gewicht
69 kg
Beruf
Kaufmann für Bürokommunikation
Hobbies
Frau und Kinder, Sport allgemein, Fußball
Starker Fuß
Beidfüßig
Lieb.-Position
offensives Mittelfeld
Erfolge
Aufstieg mit Seligenporten in die Regionalliga.


Karriere in Zahlen R. Röder

Spiele
342
Spiele gewonnen
147
Spiele unentschieden
72
Spiele verloren
123
Tore gesamt
96
Vereine
5
Aufstiege
3
Abstiege
3

Spielerstationen R. Röder


Saisonbilanz R. Röder

 
19/21
21
8
3
0
1
1
0
18/19
32
12
6
0
2
1
0
17/18
30
13
17
1
3
1
0
16/17
31
5
4
2
14
0
0
16/17
1
1
1
0
R
0
0
15/16
34
10
4
7
7
1
0
14/15
31
5
1
5
6
0
0
14/15
2
3
0
0
0
0
0
13/14
23
6
0
5
9
1
0
13/14
3
0
0
0
1
1
0
12/13
33
11
4
5
9
0
0
11/12
30
2
1
11
9
0
0
10/11
10
6
0
2
2
0
1
10/11
24
3
0
5
10
0
0
09/10
26
11
0
1
7
1
1
09/10
11
0
0
7
3
0
0
Gesamt
342
96
41
51
83
7
2


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