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Artikel veröffentlicht am 20.05.2020 um 12:30 Uhr
DFB-Präsident übt Selbstkritik: "Krise deckt die Probleme des Fußballs auf"
Seit dem Abschied von Egidius Braun, der im Jahr 2001 zuletzt mit Ehren aus dem Amt des Präsidenten geschieden war, gelang es dem größten nationale Sport-Fachverband der Welt nicht mehr, einen Mann an der Spitze zu installieren, der den Deutsche Fußball-Bund frei von persönlichen Skandalen führt. Mit Fritz Keller kommt zumindest schon die über Jahre verschmähte Kultur der Selbstkritik in den Verband zurück.
Von Marco Galuska
Man muss nicht bis auf die internationale Bühne blicken, um festzustellen, dass die Blatters, Platinis oder Infantinos das Amt eines Fußballfunktionärs in ein immer mehr immer weniger vertrauenserweckendes Licht gestellt haben. An Reputation hat auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) an seiner Spitze in diesem Jahrhundert kräftig eingebüßt. Seit fast zwei Jahrzehnten endeten die Amtszeiten der Präsidenten in Frankfurt auf unrühmliche Art. Auf Egidius Braun, der 2001 zuletzt frei von Skandalen aus dem Amt scheiden konnte und zum Ehrenpräsidenten wurde, folgten mit Gerhard Meyer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel vier Präsidenten, die am Image des deutschen Fußballs kratzten und sich auf eine beschämende Art in eine an und für sich stolze DFB-Chronik reihten.

Fritz Keller als Hoffnungsträger

Erst Ende April verjährte der sogenannte "Sommermärchen-Prozess", in dem Zwanziger und Niersbach wegen Betrugs beziehungsweise wegen Beihilfe angeklagt waren. Grindel, ausgerechnet ehemaliger Compliance Beauftragter im DFB, scheiterte zuletzt in seinem Amt an vorderster Front auf ganzer Linie, wie die Stuttgarter Nachrichten zu dessen Rücktritt im April 2019 feststellte: "Ein DFB-Präsident, der einst im November 2016 eine Ethik-Kommission gründet und dann die großspurig verkündeten moralischen Ansprüche spätestens mit der Annahme einer 6000-Euro-Uhr eines ehemaligen ukrainischen Oligarchen selbst konterkariert."

Fritz Keller sehen viele daher als eine Art letzte Chance, um verlorene Reputation und Vertrauen im deutschen Fußball zurückzugewinnen. Der langjährige Präsident des SC Freiburg wurde im Herbst 2019 an die DFB-Spitze gewählt als klarer Gegenentwurf zu seinen Vorgängern. Keller erweckt nicht den Anschein, persönliche Interesse auf einem Weg der Verschleierung zu verfolgen. Der Winzer spricht deutliche Selbstkritik aus. Ein überfälliger Weg aus der jahrelangen Misere - und nicht etwa ein in Funktionärskreisen oft fehlinterpretiertes Zeichen von Schwäche.

Aus Fehlern der Vergangenheit lernen

Die aktuelle Krise habe Probleme des Fußballs, die vorher von immer neuen Rekorden überlagert wurden, nun offen zu Tage treten lassen. Gesellschaftliche Diskussionen um zunehmende Kommerzialisierung, Gehälter und Ablösesummen, aber auch manche Vorgänge in den Fußball-Verbänden rund um die Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften hätten zu einer teilweisen Entfremdung vom Fußball beigetragen.

Keller: "Es geht nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wir müssen selbstkritisch sein, uns hinterfragen sowie uns mit dem Blick von außen auf den DFB sagen lassen, was wir in der Vergangenheit falsch gemacht haben, um aus unseren Fehlern zu lernen. Denn die Krise bietet jetzt die Chance, den Blick nach vorne zu richten und den Fußball neu aufzustellen, um ihn für die kommenden Generationen zu erhalten."

Deshalb hat der DFB-Präsident nun einen 5-Punkte-Plan für mehr Nachhaltigkeit im Fußball entwickelt, als Arbeits- und Diskussionsgrundlage, damit sich alle Interessensgruppen aktiv einbringen und mitgestalten können.

Der 5-Punkte-Plan des DFB-Präsidenten

1. DFB-Netzwerk für Präventiv-Tests nutzen
Wir kämpfen gegen ein gefährliches Virus. Als fest verankert in der Gesellschaft sehe ich den Fußball in der Verantwortung, sich mit seiner positiven Kraft einzubringen: Präventive und möglichst großflächige Testungen könnten helfen, das Virus zielgerichtet einzudämmen, bis ein Impfstoff entwickelt sein wird. So können wir weitere Schritte in Richtung einer Öffnung wagen, ohne eine zweite Infektionswelle zu riskieren. Sollten sich Politik und Wissenschaft für den Weg der Präventiv-Testung entscheiden, wird der Fußball seinen Beitrag zum Gelingen dieser Maßnahme leisten: mit seiner verbindenden Kraft, seiner Popularität, Logistik und Infrastruktur, vor allem aber mit seinen sieben Millionen Mitgliedern und rund 25.000 Vereinen. Entsprechende Angebote habe ich bereits mit Vertreter*innen der Politik besprochen.

2. Gehaltsobergrenzen und sinnvolle Regulierung des Fußballs
Wir müssen auch den Profifußball wieder näher zu den Menschen bringen. Wir müssen über eine Gehaltsobergrenze nachdenken. Um eine Reform des Financial Fair Play für den gesamten Fußball zu diskutieren, werde ich mit meinen Kolleg*innen auf nationaler und internationaler Ebene sowie dem UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin Kontakt aufnehmen. Am Ende muss eine europarechtskonforme Regelung stehen, die auch für Großbritannien gilt. Provisionen für Spielerberater und immense Transfersummen irritieren die Gesellschaft zunehmend und entfremden sie von unserem geliebten Sport. Der gesamte Fußball ist aufgefordert, endlich zufriedenstellende Antworten auf diese Problemstellungen zu geben.

3. Enkeldenken: Wir brauchen neue Maßstäbe für Erfolg 
Die vielfältigen Themen der Nachhaltigkeit - auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene - müssen im Fußball einen höheren Stellenwert einnehmen als bisher. Gute Unternehmensführung bedeutet insbesondere das Denken in langfristigen Perspektiven und nicht von Saison zu Saison. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen und den Profiklubs müssen wir verbindliche Nachhaltigkeits-Standards entwickeln, die dann auch in der Lizenzierung Beachtung finden. Gemeinsam mit den Städten, Kommunen und unseren Partnern wollen wir die EU-Initiative für ein klimaneutrales Europa 2050 unterstützen. Die EURO 2024 in Deutschland wird dabei ein besonders wichtiger Meilenstein sein.

4. Fußball zukunftssicher machen - Ehrenamt stärken

Ich möchte diejenigen stärker unterstützen, die sich jeden Tag ehrenamtlich in unseren Vereinen engagieren. Wir müssen die Bedingungen, unter denen diese Heldinnen und Helden des Alltags freiwillig ihre Freizeit investieren, ganz praktisch verbessern. Digitalisierung ist hier ein wichtiges Stichwort. Wir müssen uns zudem dafür engagieren, dass die Infrastrukturen des Fußballs und des Sports zukunftsfest sind und dazu gehört auch, dass Vereine künftig Rücklagen bilden dürfen.

5. Breiter Dialog mit allen Interessensgruppen auf Augenhöhe
Alle genannten Maßnahmen möchte ich mit den Menschen abstimmen, die davon betroffen sind. Dazu werde ich einen breiten Dialog für mehr Nachhaltigkeit im Fußball starten. Ich werde all diejenigen, die Freude am Fußball haben, Verantwortung tragen oder betroffen sind – unsere Verbände, Vereine, Fans, Partner, NGOs, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft – einladen, sich an diesem Dialog aktiv und auf Augenhöhe zu beteiligen. Die Stärkung des Fan-Dialogs als ein Teil unserer Dialogoffensive ist mir persönlich dabei besonders wichtig.

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