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Artikel veröffentlicht am 04.04.2020 um 12:00 Uhr
Tobias Burger im Gespräch: „Weiter in dieser geilen Liga coachen!“
Auch die U19 des FC 05 Schweinfurt, die in der Bayernliga einen guten vierten Platz belegt, hat aktuell natürlich Pause. Die Gelegenheit mit Coach Tobias Burger auf die bisherige Runde zurück- und auch ein wenig nach vorne zu blicken. Darauf, welche Chancen er für seine Jungs beim FC05 sieht und wie es bei ihm selbst in der kommenden Runde weitergeht.
Von Marco Heumann
Herr Burger, als Tabellenvierter steht Ihr Team in der Bayernliga so gut da, wie nie zuvor eine U19 des FC 05 Schweinfurt! Hätten Sie mit einem so positiven Abschneiden gerechnet?
Tobias Burger: Dass wir in der Tabelle Jahn Regensburg, die Würzburger Kickers und zeitweise auch 1860 München hinter uns lassen würden – damit habe ich im Vorfeld nicht unbedingt gerechnet. Für mich war nur der Klassenerhalt der primäre Auftrag und natürlich die Entwicklung der Spieler Richtung Herrenbereich. Nach den ersten Tests im Sommer hat man aber schon gemerkt, dass die beiden Jahrgänge 2001 und 2002 fußballerisch gut harmonieren werden. Das Wichtigste für uns ist aber, dass die Mannschaft menschlich eine absolute Einheit ist. Das ist in einer U19 mit älterem und jüngerem Jahrgang nicht immer der Fall.

Mit seinen Jungs mehr als zufrieden: Tobias Burger.
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Was zeichnet denn Ihre Jungs besonders aus?
Tobias Burger: Natürlich das Wichtigste: sie sind hervorragende, charakterstarke und mit hohem Ehrgeiz gesegnete Fußballer. Dazu sind sie flexibel. Jede meiner Power-Point-Präsentationen im Hinblick auf Gegneranalyse, Schlussfolgerungen und Ansatz setzen sie sehr gut um. Wir sind in der Liga nun einmal immer etwas der Underdog, allein weil wir nur dreimal die Woche trainieren. Deswegen schauen mein Co-Trainer Thorsten Reck und ich gerne wie wir die Stärken des Gegners schwächen. Da kann es durchaus sein, dass wir in Spiel A mit einem 4-2-3-1 auflaufen, um das 4-3-3 des Gegners zu spiegeln, in Spiel B mit einem 4-4-2 flach, um den Gegner zu einem Dreieraufbau zu zwingen und in Spiel C mit einem 3-4-3 um selbst gegen einen Zweiersturm sicher über den Flügel aufbauen zu können. Das setzen sie wirklich hervorragend um. Aber weg vom Taktik-Bla-Bla des Trainers hin zum Wichtigsten im Fußball: dem Willen, einen Zweikampf zu führen und den auch zu gewinnen. Und das ist das prägendste Merkmal, das meine Mannschaft aktuell auszeichnet. Sie bewegen sich in jedem Zweikampf haarscharf in der Grenze des Erlaubten innerhalb des Reglements und zeigen dem Gegner, dass Spiele gegen Schweinfurt weh tun werden. Tabellenplatz zwei in der Fairness-Tabelle zeigt auch, dass sie das geforderte Verhalten sehr gut umsetzen.

In der Vorbereitung auf jetzt stillgelegte Restrunde gab es ja teilweise klare Siege gegen Herrenteams aus der Landes- oder Bezirksliga! Hätten Sie Ihren Jungs solche Leistungen zugetraut?
Tobias Burger: Ich habe in der Vorbereitung absichtlich fast nur gegen Herrenteams getestet. Die gehen meist mit der Einstellung „Heute zeigen wir den Bubis wie Männerfußball geht“ ins Spiel, so sind meine Spieler gezwungen, noch mehr Ellbogen zu zeigen. Das klappte gut gegen die Bezirksligisten Forst (Anm. der Red.: 1:0), Thulba (7:0) und Sand 2 (3:0), sogar sehr gut gegen die Landesligisten Euerbach/Kützberg (5:2), FT Schweinfurt (3:3) und im Trainingslager gegen den Allgäuer Verein Weiler (5:1). Gegen die Bayernliga-Herren des FC Sand stießen die Jungs aber an ihre Grenzen. Da stand es nach zwölf Minuten bereits 0:3. Dort waren sie eingeschüchtert. Aber das ist auch gut so. Die Spieler des FC Sand sind bereits dort, wo die meisten mal hinwollen beziehungsweise -sollen, in der Herren-Bayernliga. Da gibts also noch einiges an der Athletik zu arbeiten. Erwähnen möchte ich noch den Kreisligisten SG Eltmann, da haben wir knapp und unverdient 3:2 gewonnen. Eltmann hat hervorragende Fußballer in seinen Reihen. Ja und die Bundesliga-U17 des „Glubb“ war einfach zu stark. Dazu kam noch die Einstellung: „Es ist ja nur eine U17!“ Folgerichtig gab es eine 1:2-Niederlage, die höher hätte ausfallen können.

Diego Schwab (re.) kann die Flanke von Adrian Winter von den Würzburger Kickers nicht verhindern.
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In den vergangenen Jahren war der Sprung aus der U19 in den Herrenbereich beim FC 05 oft zu groß. Das dürfte nach dem Aus für die U23 noch kniffliger werden. Haben denn einer oder mehrere Ihrer Jungs die Perspektive Profi-Kader?
Tobias Burger: Ich bin im engen Austausch mit Tobias Strobl und Jan Gernlein. Der Verein weiß um die guten Fußballer im Jahrgang 2001 und auch was im Jahrgang 2002 rauskommen wird. Klar, für einige wäre der Sprung zu groß. Die Regionalliga hat nicht jeder in den Beinen. Der limitierende Faktor in Schweinfurt ist aber aktuell das Profitum. Das macht den Jungs, die eine Lehre machen oder in die Schule gehen, den Sprung unmöglich. Ich bin mir aber sicher, dass der eine oder andere nach Beendigung seiner Lehre wieder das Trikot der Schnüdel tragen wird. Jetzt im Moment geht aber für fast alle Schule und Ausbildung vor und das ist auch vollkommen richtig so.

Bleiben Sie auch kommende Saison Trainer der U19?

Tobias Burger: Ja! Ich möchte weiter mit dem Jahrgang 2002 arbeiten, neue Dynamik mit dem Jahrgang 2003 reinbekommen. Ich will weiterhin in dieser geilen Liga coachen und vor allem will ich weiter ausbilden. Ausbilden ist nicht überall gefragt, manchmal soll auch von Seiten des Vereins einfach Vorhandenes abgerufen werden. Dafür bin ich einfach der falsche Mann. Ich will die Jungs weiterbringen, auch einmal als Trainer kräftig daneben langen und daraus selbst lernen. Deswegen bin ich dem Verein einfach sehr dankbar, dass er mich halten wollte und mir ermöglicht, auch nächste Saison auf diesem Niveau arbeiten zu dürfen. Für mich gab es eh nur zwei Möglichkeiten: weiter Schnüdel oder aufhören, um mehr in den Bergen sein zu können. Noch hat der Fußball knapp gewonnen. (grinst)

Vielen Dank für das Gespräch!

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