Das Amateurfußballportal aus
der Region Nürnberg/Fürth
 
Artikel veröffentlicht am 04.11.2019 um 14:30 Uhr
Nach kurioser Schiri-Entscheidung: Post II legt Einspruch gegen Spielwertung ein
Es war das Thema am 12. Spieltag in der Kreisklasse 4. Im Duell zwischen dem Post SV II und dem SC Germania kam es kurz vor der Pause zu einer äußerst kuriosen Schiedsrichterentscheidung. Nach einer Roten Karte gegen SCG-Keeper Savvelidis zog sich der Referee in die Kabine zurück und revidierte anschließend seine Entscheidung. Nun gab der Post SV bekannt, dass man Einspruch gegen die Spielwertung einlegen wird.
Von Daniel Karnbaum
Der Post SV II legt nach den kuriosen Ereignissen im Heimspiel gegen den SC Germania nun Protest gegen die Spielwertung ein.
anpfiff.info
Schiedsrichter revidiert Rote Karte nach Telefonat

Wie der Post SV heute gegenüber fussballn.de mitteilte, wird man gegen die Wertung der gestrigen Partie gegen den SC Germania (2:4) Protest einlegen und eine Neuansetzung der Partie fordern. So muss sich nun das Sportgericht mit dem Fall auseinandersetzen und dann eine Entscheidung fällen.


Der Post SV II (in weiß) wird nach der kuriosen Schiedsrichterentscheidung im gestrigen Match gegen den SC Germania (2:4) Protest gegen die Spielwertung einlegen.
Detlef Knispel

Was war passiert?

Im Spiel zwischen dem Post SV II und dem SC Germania ereignete sich eine sehr kuriose Szene, in der der Schiedsrichter im Mittelpunkt stand. Nachdem Post-Akteur Liedel von Germania-Keeper Savvelidis bei seinem Treffer abgeräumt wurde, ließ der Referee das Tor zählen und zeigte dem SCG-Schlussmann die Rote Karte. "Trainer und Betreuer des SC Germania diskutierten mit dem Unparteiischen, dass eine Doppelbestrafung laut Regeln nicht mehr möglich sei", heißt es im Einspruch des Post SV. "Nicht auf Drängen unserer Zuschauer, die sich natürlich auch aufgeregt haben, sondern auf Hinweis von unserem Kapitän und spielenden Co-Trainer, dass es keine Doppelbestrafung gäbe, hat der Schiedsrichter gesagt, er müsse sich vergewissern", erklärt SCG-Spielleiter Martin Knispel gegenüber fussballn.de und dementiert damit, dass der Unparteiische aufgrund von Protesten der Zuschauer reagiert habe.

Freilich ungewöhnlich und unbestritten bleibt der Fakt, dass sich der Schiedsrichter dann für knapp 15 Minuten in die Kabine verabschiedete, wo er dann, dem Vernehmen nach, telefoniert habe und sich über die korrekte Regelauslegung informiert haben soll. "Der Feldspieler der Gäste Mehmet Karanfil hatte bereits die Torwartsachen übergestreift, Torhüter Savvelidis hatte das Feld bereits verlassen, da verließ der Schiedsrichter plötzlich das Spielfeld und verschwand in der Kabine. Post-Kapitän Sercan Cosgun folgte ihm nach kurzer Zeit, um abzuklären, was denn sei, die Mannschaften indes blieben mit der kuriosen Situation alleine auf dem Platz", so weiter die Ausführung des Post SV in seinem Einspruch. 

Nach der Unterbrechung kehrte der Unparteiische auf den Platz zurück, revidierte seine Entscheidung und beließ es bei Gelb, was nun natürlich für Unverständnis bei den Gastgebern sorgte. Vor allem aber war man im Post-Lager über den Umstand, der zur Wandlung von Rot auf Gelb geführt haben soll, gelinde gesagt, überrascht:
"Direkt am Eingang zum Spielfeld (Kunstrasenplatz Post SV) erhielt er (der Schiedsrichter, Anm. der Red) von einem Germania-Betreuer ein Handy in die Hand gereicht, telefonierte kurz, ging dann auf das Spielfeld und revidierte seine Entscheidung. Das Tor zählte, die rote Karte nahm er zurück. Ihm sei erklärt worden, eine Doppelbestrafung gäbe es nicht. Nachdem er mutmaßlich in der Kabine niemanden telefonisch erreicht hatte und bei seiner ursprünglichen Entscheidung bleiben wollte, hatte er mit dem Telefon eines Germania-Betreuers mit Tobias Brandl telefoniert. Tobias Brandl selbst ist zwar Schiedsrichter, aber beim SC Germania auch als Teammanager der Herren und stellv. Abteilungsleiter Fußball tätig. Erst nach diesem Telefonat revidierte der Schiedsrichter seine Entscheidung und wandelte die rote Karte in eine gelbe Karte um. Begründung: Ihm sei gesagt worden, es gäbe keine Doppelbestrafung! Mutmaßlich wurde ihm das durch Tobias Brandl gesagt. Erst nach dem Telefonat mit Tobias Brandl revidierte er seine Entscheidung."

Bis zur Spielfortsetzung kann eine Entscheidung revidiert werden

Der Post SV legt nun Einspruch (siehe §38 RVO des BFV) ein und möchte eine Neuansetzung erwirken: "Unabhängig von dem Telefonat. Die Rücknahme der roten Karte mit der Begründung, es gäbe laut Regeln keine Doppelbestrafung, ist ein klarer Regelverstoß durch den Schiedsrichter. Durch diesen Regelverstoß wurde der Post SV spielentscheidend benachteiligt. Germania wäre über 50 Minuten in Unterzahl gewesen..."

Es gilt zu beachten: Generell ist es dem Schiedsrichter bis zu einer Spielfortsetzung schon möglich, eine Entscheidung zu revidieren. Dies allein wäre also kein Regelverstoß.

"Amateurfußball macht sich unglaubwürdig und lächerlich"

Abschließend merkt der Post SV noch an: "Somit sind aus Sicht des Post SV die Voraussetzungen an eine Neuansetzung des Spiels erfüllt. Neben den klaren Regeln, die hier durch den Schiedsrichter gebrochen wurden, macht sich der Amateurfußball unglaubwürdig und lächerlich, wenn Entscheidungen so getroffen werden und Bestand haben. Dann brauchen wir zukünftig gar keine Schiedsrichter mehr. Wir könnten stattdessen selbst ausdiskutieren was richtig oder falsch ist. Und im Zweifel kennt bestimmt irgendjemand einen Schiedsrichter, den er anrufen kann."

Update: Schiri sah "ballorientierten Zweikampf"

Nach Informationen, die der Redaktion vorliegen, hat der Unparteiische zum Spiel eine offizielle Bemerkung im Spielbericht zur zwölfminütigen Spielunterbrechung ab der 35. Spielminute hinterlassen. Darin beschreibt der Schiedsrichter, dass er zunächst eine Rote Karte gegeben habe, diese aber nach der Unterbrechung und "aufgrund der fehlenden Intensität sowie ballorientierten Zweikampfes und auch der Torerzielung" auf eine Gelbe Karte revidierte.

Kommentar abgeben

Kommentare werden unter Deinem Nicknamen und erst nach Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht.

Leser-Kommentare


§ 38 Einspruch (RVO BFV)

(1) Gegen die Wertung eines Spieles kann von einem an einem Spiel beteiligten Verein mit folgender sachlicher Begründung Einspruch erhoben werden:

a) Regelverstoß des Schiedsrichters, wenn dieser die Spielwertung als verloren oder unentschieden mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat, oder
b) Schwächung der eigenen Mannschaft durch einen während des Spiels eingetretenen Umstand, der unabwendbar war und nicht mit dem Spiel und einer dabei erlittenen Verletzung in Zusammenhang steht, oder
c) Mitwirkung eines gedopten Spielers.

(2) Der Einspruch ist innerhalb von drei Tagen an dem das Spiel stattgefunden hat schriftlich bei dem zuständigen Sportgericht einzureichen und kurz zu begründen.

(3) Der einspruchsführende Verein hat die von ihm behaupteten Tatsachen zu beweisen.

(4) Ist der Einspruch begründet, so ist anzuordnen, dass das Spiel nicht zu werten und vom Spielleiter neu anzusetzen ist.


Tabelle Kreisklasse 4

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
3
10
34:21
22
4
11
17:17
20
5
11
21:18
19
7
11
15:20
14
8
11
23:21
14
10
10
23:30
10
11
9
13:22
7
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit

Meist gelesene Artikel


Post-Einspruch im Wortlaut

Einspruch gegen die Spielwertung und Antrag auf Neuansetzung des Spiels

Der Post SV Nürnberg legt hiermit Einspruch gegen die Wertung des Spiels ein und beantragt eine Neuansetzung des Spiels.

Schilderung des Hergangs:
Beim Stand von 0:2 rannte Post-Spieler Markus Liedel auf der linken Außenbahn noch außerhalb des Strafraums Richtung Germania-Tor und spitzelte den Ball am herausstürmenden Germania-Torwart vorbei ins Tor. Der Keeper der Gäste kam deutlich zu spät, zog aber nicht zurück, sondern grätschte Liedel brutal mit offener Sohle um, der Post-Akteur musste lange behandelt und mit einer schweren Knöchelprellung ausgewechselt werden. Der Schiedsrichter zückte aufgrund der Schwere des Fouls sofort Rot und gab das Tor. 
Trainer und Betreuer des SC Germania diskutierten mit dem Unparteiischen, dass eine Doppelbestrafung laut Regeln nicht mehr möglich sei. Sie forderten die Rücknahme des Platzverweises. Die Regel ist in dieser Hinsicht eindeutig. Sie gibt dem Schiedsrichter die Möglichkeit von einer sogenannten Doppelbestrafung abzusehen. Die rote Karte war aber in diesem Fall zwingend notwendig, aufgrund der Härte des Fouls. Es handelte sich eben nichtum einen Fall der „Doppelbestrafung“. Wäre es korrekt, dass es keine Doppelbestrafung, also Tor und Platzverweis, mehr gibt, dürfte ein Spieler dem anderen praktisch die Beine brechen, wenn ein Tor fällt. Das Tor wäre ja dann Bestrafung genug und es gäbe keine rote Karte.
Um es klar zu stellen. Wenn der Schiedsrichter gelb und Tor gegeben hätte, wäre es eine Tatsachenentscheidung gewesen, die wir selbstverständlich akzeptiert hätten. Ob ein Foul gelb- oder rotwürdig ist, liegt im Ermessen des Schiedsrichters, er hat in der Situation eindeutig auf rot entschieden.

Doch zurück zum Geschehen auf dem Platz:
Beide Teams standen schon wieder zum Anstoß bereit in ihrer Hälfte. Der Feldspieler der Gäste Mehmet Karanfil hatte bereits die Torwartsachen übergestreift, Torhüter Savvelidis hatte das Feld bereits verlassen, da verließ der Schiedsrichter plötzlich das Spielfeld und verschwand in der Kabine. Post-Kapitän Sercan Cosgun folgte ihm nach kurzer Zeit, um abzuklären, was denn sei, die Mannschaften indes blieben mit der kuriosen Situation alleine auf dem Platz. In der Kabine versuchte der Schiedsrichter vergeblich, seinen Lehrwart oder Obmann zu erreichen, wie Kapitän Cosgun erklärte. Nach ca 15 Minuten kam er wieder mit dem Verweis an Cosgun, dass er bei seiner Entscheidung rot + Tor bleiben werde. Direkt am Eingang zum Spielfeld (Kunstrasenplatz Post SV) erhielt er von einem Germania-Betreuer ein Handy in die Hand gereicht, telefonierte kurz, ging dann auf das Spielfeld und revidierte seine Entscheidung. Das Tor zählte, die rote Karte nahm er zurück. Ihm sei erklärt worden, eine Doppelbestrafung gäbe es nicht. Nachdem er mutmaßlich in der Kabine niemanden telefonisch erreicht hatte und bei seiner ursprünglichen Entscheidung bleiben wollte, hatte er mit dem Telefon eines Germania-Betreuers mit Tobias Brandl telefoniert. Tobias Brandl selbst ist zwar Schiedsrichter, aber beim SC Germania auch als Teammanager der Herren und stellv. Abteilungsleiter Fußball tätig. Erst nach diesem Telefonat revidierte der Schiedsrichter seine Entscheidung und wandelte die rote Karte in eine gelbe Karte um. Begründung: Ihm sei gesagt worden, es gäbe keine Doppelbestrafung! Mutmaßlich wurde ihm das durch Tobias Brandl gesagt. Erst nach dem Telefonat mit Tobias Brandl revidierte er seine Entscheidung. Auch ist hier die fachliche Qualifikation des Tobias Brandl in Frage zu stellen, der es als Schiedsrichter erstens besser wissen müsste und zweitens als Offizieller des SC Germania niemals so auf den Schiedsrichter hätte einwirken dürfen. Das Telefonat mit Tobias Brandl können neutrale Zuschauer bezeugen. (siehe Kommentar auf fussballn.de hl1960)

Unabhängig von dem Telefonat. Die Rücknahme der roten Karte mit der Begründung, es gäbe laut Regeln keine Doppelbestrafung, ist ein klarer Regelverstoß durch den Schiedsrichter.

Durch diesen Regelverstoß wurde der Post SV spielentscheidend benachteiligt. Germania wäre über 50 Minuten in Unterzahl gewesen. Wie schwer ein Platzverweis wiegt, hat man zuletzt beim Spiel Frankfurt – FC Bayern gesehen. Der Platzverweis wäre zudem gegen den Torwart gewesen, der durch einen Feldspieler ersetzt worden wäre. Der Torhüter hat laut Presse mehrere Male glänzend pariert und somit den Sieg seiner Mannschaft gesichert. Der Feldspieler, der ins Tor gegangen wäre, ist eine der stärksten Offensivkräfte Germanias und hat auch in diesem Spiel erheblich zum Erfolg seiner Mannschaft beigetragen. Beide Spieler hätten das jeweils nicht mehr tun können. Der beste und einzige Stürmer des Post SV musste zudem verletzt ausgewechselt werden. Nachdem Germania spät im Spiel (78. Minute) in Unterzahl geriet, gelang dem Post SV nach nur sieben Minuten ein Tor. Wie viele Tore hätte Post schießen können, wenn man 50 Minuten in Überzahl gewesen wäre und zudem der Gegner seinen bärenstarken Torwart durch einen Feldspieler hätte ersetzen müssen?!?

Somit sind aus Sicht des Post SV die Voraussetzungen an eine Neuansetzung des Spiels erfüllt. Neben den klaren Regeln, die hier durch den Schiedsrichter gebrochen wurden, macht sich der Amateurfußball unglaubwürdig und lächerlich, wenn Entscheidungen so getroffen werden und Bestand haben. Dann brauchen wir zukünftig gar keine Schiedsrichter mehr. Wir könnten stattdessen selbst ausdiskutieren was richtig oder falsch ist. Und im Zweifel kennt bestimmt irgendjemand einen Schiedsrichter, den er anrufen kann.


Diesen Artikel...