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Artikel veröffentlicht am 09.08.2019 um 14:00 Uhr
Kampagne des BFV: Ein kritischer Blick hinter die Kulissen
Der BFV gibt Geld für Kampagnen aus, um seine Schiedsrichter zu stärken und lässt sie gleichzeitig am ausgestreckten Arm verhungern. Das wird unter anderem anhand einer aktuellen Kampagne deutlich, deren Mehrwert fraglich ist.
Von Ralf Riemke
Unter der Überschrift „Vielfältig, abwechslungsreich, verantwortungsvoll - Bayerns Schiedsrichter sind weit mehr als reine Spielleiter“ wirbt der BFV auf seiner Homepage für das Schiedsrichterwesen. Dazu führt er unter anderem folgendes aus:

"Ein Platz, zwei Tore, ein Ball, zwei Teams und Fans, die ihre Mannschaft als Zwölfter Mann bedingungslos anfeuern: Die Zutaten für ein erfolgreiches Fußballspiel sind denkbar einfach. Und doch wird immer wieder ein entscheidender Mosaikstein vergessen, ohne den ein geregelter Spielbetrieb gar nicht möglich wäre: die Schiedsrichter. Allein in Bayern sorgen knapp 10.000 Unparteiische dafür, dass die rund 250.000 Amateurfußballspiele pro Jahr unter perfekten Rahmenbedingungen über die Bühne gehen. Platz- und Passkontrolle, Spielleitung, Bestätigung der offiziellen Ergebnisse und Torschützen – allein auf den ersten Blick ist das Aufgabenfeld eines Unparteiischen riesig – und bildet doch nur die Spitze des Eisbergs.

Ziel der Kampagne ist es in erster Linie, den bereits aktiven Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern den Rücken zu stärken und sie in ihrem Hobby zu bestärken, gängige Klischees zu durchbrechen und das Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren. Schließlich macht ein Blick in die Statistik deutlich: Das Hauptproblem ist nicht, neue Schiedsrichter zu gewinnen, sondern die bereits aktiven und insbesondere die Neulinge bei der Stange zu halten. Auf der anderen Seite geht es aber natürlich auch darum, fußballbegeisterte Sportler als neue Unparteiische zu gewinnen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass im Schiedsrichterwesen ohne Nachwuchs nichts geht, wenn auch künftig möglichst alle Spiele mit offiziellen Schiedsrichtern besetzt werden sollen."

Allerorten wird versucht Neulingslehrgänge abzuhalten (hier 2016 in Bamberg). Die Rekrutierung neuer SR ist schon schwierig. Noch schwieriger aber ist es, sie bei der Stange zu halten.
anpfiff.info

Mit seiner Schilderung hat der BFV zweifelsohne ins Schwarze getroffen. Denn unter dem Strich kann man sagen: genau so ist es! Unter den Schiedsrichtern selbst allerdings stößt die Kampagne auf wenig Gegenliebe.

Der BFV bemüht sich seit Jahren mit Kampagnen für Aufmerksamkeit zu sorgen. „Wir regeln das“ und „Pro Amateurfußball“ sind Beispiele dafür. Flyer werden herausgegeben, Plakate in Massen gedruckt und an die Schiedsrichtergruppen ausgegeben. Zeitgleich werden Runde Tische zum Problem ins Leben gerufen und Fachreferenten engagiert. Der BFV rühmt sich damit, viel für seine Vereine und Schiedsrichter zu tun.

Aber mal ehrlich. Wo sind all die Plakate? Wer kann mit der Aussage „Wir regeln das“ auf einem Flyer etwas anfangen? Und was soll das überhaupt bedeuten? Wer regelt was?

Die Schiedsrichtergruppen wurden mit Plakaten geflutet, die sie selbst nicht wollten und in der Masse überhaupt nicht austeilen konnten oder wollten. Denn niemand kann sich mit der Kampagne identifizieren. Vielmehr lechzen die Gruppen nach tatsächlicher und greifbarer Unterstützung - die seit Jahren ausbleibt. Mehr als mit Worthülsen wäre den Gruppen mit materieller Unterstützung geholfen. Es fehlt an allen Ecken und Kanten:

•    Kein Geld für die Betreuung junger Schiedsrichter bei ihren ersten Spielen. Gerade hier ist es wichtig, die Neuen zu unterstützen und sie bei der Stange zu halten.
•    Kein Geld für die gruppeninternen Beobachtungen, die wichtig sind, um Talente zu erkennen und zu fördern.
•    Kein Geld für das Drucken von eigenen Plakaten als Werbung für Neulingslehrgänge.
•    Kein Geld für Werbung für die eigene Schiedsrichtergruppe.
•    Kein Geld für gruppeninterne Fördermaßnahmen.
•    Kein Geld für Arbeitsmaterialien.

Würden die Verantwortlichen tatsächlich einmal in ihre Gruppen hineinhören und Verbesserungsvorschläge annehmen, wäre schon einmal ein großer Schritt getan. Aber Kritikfähigkeit gehört leider nicht zu den Stärken des Verbandes.

So lässt der BFV seine Gruppen und damit die Basis im Stich und schmückt sich gleichzeitig mit teuren, aber wertlosen und kaum wahrgenommenen Kampagnen. Das ist heuchlerisch. Leidtragende sind genau die, ohne die es ganz einfach nicht läuft: die Schiedsrichter.

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