Das Amateurfußballportal aus
der Region Nürnberg/Fürth
 
Artikel veröffentlicht am 20.02.2019 um 07:00 Uhr
Zeitlose Einschätzungen: Was den Amateurfußball ausmacht und gefährdet
1996 feierte der BFV-Fußballkreis Nürnberg/Fürth sein 50-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass gab der damalige Gruppenspielleiter und spätere Kreisspielleiter Hubertus Waldmann gemeinsam mit Archivar und Historiker Armin Sparrer ein Buch heraus. Besonders bemerkenswert ist dabei schon die damalige Einschätzung über den Amateurfußball der Zukunft.
Von Marco Galuska
Auch die Zeiten des schwarz-weißen Lederballs sind vorbei...
fussballn.de
Am kommenden Wochenende steigt in Kassel der 3. Amateurfußball-Kongress des DFB. Schwerpunkte der Veranstaltung sind die aktuellen und künftigen Herausforderungen des Vereinsfußballs im Amateurbereich. Was 2019 auf der Tagesordnung ist, hat in einem gewissen Kern schon vor rund einem Vierteljahrhundert die Funktionäre im Kreis Nürnberg-Fürth bewegt.

Dass sich die Zeiten im Amateurfußball auch zum Ende des 20. Jahrhunderts gewaltig geändert hatten, hielt schon 1995 der damalige Kreisvorsitzende Manfred Böhner in seiner Erinnerung an vergangene Zeiten fest: "Die jungen Straßenfußball strömten früher in die Vereine, die Spieler der 1. Mannschaften waren Vorbilder. Zu Spiel und Training ging es mit dem Fahrrad, an den Vereinssitzungen musste vom Wirt Polizeistunde geboten werden. Gespielt wurde bei Wind und Wetter. Wenn es nötig war, fand am Samstag ein Arbeitsdienst statt, damit am Sonntag gespielt werden konnte. Gestritten wurde auch - über Schiedsrichter und Abseitsentscheidungen."

Mobilität und Materialismus gegen Vereinstreue

Knapp zwei Jahre vor seinem Tod sah Böhner, der fast 40 Jahre als Funktionär beim BFV als Sportrichter, Spielleiter der Landesliga und zuletzt Kreisspielleiter aktiv war, den Fußball, weiterhin als "Volkssport Nummer 1", und trotzdem sei schon damals vieles anders geworden: "Vereinstreue findet nur noch in Grußworten und der Ehrung der Alten statt. Die Menschen sind mobiler und materieller geworden, nicht immer zu ihrem Vorteil. Spiele fallen häufiger aus, weil die Sportstätten weniger belastbar sind und den Spielern nicht mehr so viel zugemutet werden kann. Schon glaubt mancher Amateurverein nicht mehr ohne Manager auszukommen. Gelbe Karten, Rote Karten, Winterpause, Hallenfußball, Fernsehbeweis und Drei-Punkte-Regel. Die Evolution des Fußballs hat vielleicht soeben erst begonnen.

Fußball muss einfach bleiben

Abschließend fragt Böhner, ob der Fußball überhaupt eine Zukunft habe und beantwortet jene Frage zugleich entschieden selbst: "Ganz bestimmt, wenn es gelingt seine Regeln einfach und überschaubar zu halten. Entscheidend wird aber sein, Menschen zu gewinnen und zu begeistern, die sich mit Leidenschaft und Engagement als Spieler, Trainer, Zuschauer, Schiedsrichter und Führungspersönlichkeit einbringen. In einer Zeit sozialer Vereinsamung ist der Fußball als Mannschaftssport in besonderer Weise geeignet, menschliche Bindungen und Kontakte zu schaffen. Das ist seine Chance!"

Nonstop Profifußball auf der Mattscheibe und klamme Amateurklubs


Hubertus Waldmann (links) bei der Siegerehrung 1995 mit Rudi Sturz als Kapitän der Seniorenmannschaft des 1. FC Nürnberg (Bildmitte) und NZ-Sportchef Dieter Bracke (rechts) in der Halle am Berliner Platz.
privat

Als große Bedrohung des Amateurfußballs machte Böhners Nachfolger Hubertus "Hugo" Waldmann ebenfalls schon 1996 das "Überangebot an Profifußball im Fernsehen" aus, welches kaum noch Zuschauerresonanz in den einzelnen Amateurklassen zulassen würde. "Kein Tag vergeht, dass nicht irgendein Fußballspiel, gespickt mit Werbespots, über die Mattscheibe flimmert", schimpfte Waldmann und stellte schon damals die Schere zwischen "Millionensummen im Lizenzbereich" und den Nöten der Amateurvereine, "die jede Mark mehrmals herumdrehen müssen, oder andernfalls fahrlässig pleite gehen."

Verband ist für die Vereine da

Und zugleich betonte der Ende 2007 verstorbene Kreisspielleiter Waldmann das notwendige Zusammenspiel von Verband und Vereine: "Auch wir Funktionäre kommen von den Vereinen und wurden berufen. Darum gilt immer noch: Der Verband ist für die Vereine da - wir und die Vereine, miteinander sind wir eins!" Aussagen, die auch 2019 noch immer aktuell erscheinen.

Kommentar abgeben

Kommentare werden unter Deinem Nicknamen und erst nach Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht.

Leser-Kommentare


Hintergründe & Fakten

Personendaten
Personendaten


mein-fussballn-PLUS

Im kostenfreien mein-fussballn-PLUS-Bereich erhalten Sie persönliche Informationen und können weitere Funktionen nutzen:
-
alle Neuigkeiten, die Ihre Person betreffen (neueste Benotungen, Glückwünsche zu Torerfolgen etc.)
-
persönliches Profil hinterlegen
-
einsehen, welcher User Sie in seine Interessensliste aufgenommen hat
-
Spiel- und Trainingspläne erstellen und ausdrucken
-
Teilnahme an Gewinnspielen und Umfragen

Zum Thema

Keine Daten vorhanden

Meist gelesene Artikel



Diesen Artikel...