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Artikel veröffentlicht am 12.11.2020 um 07:00 Uhr
Zeitlose Einschätzungen: Was den Amateurfußball ausmacht und gefährdet
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums im BFV-Fußballkreis Nürnberg/Fürth gab der damalige Gruppenspielleiter und spätere Kreisspielleiter Hubertus Waldmann gemeinsam mit Archivar und Historiker Armin Sparrer ein Buch heraus. Besonders bemerkenswert ist die Einschätzung über den Amateurfußball der Zukunft, die Waldmann vor einem Vierteljahrhundert kommen sah.
Von Marco Galuska
Auch die Zeiten des schwarz-weißen Lederballs sind vorbei...
fussballn.de
Abstandsregelungen waren im Fußball vor allem bei der Ausführung von Freistößen präsent, Schutzmaßnahmen seit 1990 für die Schienbeine Pflicht, Hygieneregeln stellten in den Vereinen zumeist diejenigen auf, die für die Instandhaltung von Kabine und Dusche verantwortlich zeichneten. Viele Themen, die Verband, Verein, Trainer und Spieler aktuell umtreiben, waren vor Jahresfrist noch ungeahnte Szenarien. Im Jahr 2020 änderte sich so vieles. Es wird ein historisches Datum bleiben - nicht nur, aber auch für den Amateurfußball.

Dass sich die Zeiten auf den Sportplätzen bereits zum Ende des 20. Jahrhunderts gewaltig geändert hatten, manch Selbstverständlichkeit der Vergangenheit zur Hürde der Gegenwart wurde, hielt schon 1995 der damalige Kreisvorsitzende Manfred Böhner in seiner Erinnerung an vergangene Zeiten fest: "Die jungen Straßenfußballer strömten früher in die Vereine, die Spieler der 1. Mannschaften waren Vorbilder. Zu Spiel und Training ging es mit dem Fahrrad, an den Vereinssitzungen musste vom Wirt Polizeistunde geboten werden. Gespielt wurde bei Wind und Wetter. Wenn es nötig war, fand am Samstag ein Arbeitsdienst statt, damit am Sonntag gespielt werden konnte. Gestritten wurde auch - über Schiedsrichter und Abseitsentscheidungen."

Mobilität und Materialismus gegen Vereinstreue

Knapp zwei Jahre vor seinem Tod sah Böhner, der fast 40 Jahre als Funktionär beim BFV als Sportrichter, Spielleiter der Landesliga und zuletzt Kreisspielleiter aktiv war, den Fußball, weiterhin als "Volkssport Nummer 1", und trotzdem sei schon damals vieles anders geworden: "Vereinstreue findet nur noch in Grußworten und der Ehrung der Alten statt. Die Menschen sind mobiler und materieller geworden, nicht immer zu ihrem Vorteil. Spiele fallen häufiger aus, weil die Sportstätten weniger belastbar sind und den Spielern nicht mehr so viel zugemutet werden kann. Schon glaubt mancher Amateurverein nicht mehr ohne Manager auszukommen. Gelbe Karten, Rote Karten, Winterpause, Hallenfußball, Fernsehbeweis und Drei-Punkte-Regel. Die Evolution des Fußballs hat vielleicht soeben erst begonnen.

Fußball muss einfach bleiben

Abschließend fragt Böhner, ob der Fußball aufgrund dieser Entwicklung überhaupt eine Zukunft habe und beantwortet jene Frage zugleich entschieden selbst: "Ganz bestimmt, wenn es gelingt seine Regeln einfach und überschaubar zu halten. Entscheidend wird aber sein, Menschen zu gewinnen und zu begeistern, die sich mit Leidenschaft und Engagement als Spieler, Trainer, Zuschauer, Schiedsrichter und Führungspersönlichkeit einbringen. In einer Zeit sozialer Vereinsamung ist der Fußball als Mannschaftssport in besonderer Weise geeignet, menschliche Bindungen und Kontakte zu schaffen. Das ist seine Chance!"

Nonstop Profifußball auf der Mattscheibe und klamme Amateurklubs


Hubertus Waldmann (links) bei der Siegerehrung 1995 mit Rudi Sturz als Kapitän der Seniorenmannschaft des 1. FC Nürnberg (Bildmitte) und NZ-Sportchef Dieter Bracke (rechts) in der Halle am Berliner Platz.
privat

Als große Bedrohung des Amateurfußballs machte Böhners Nachfolger Hubertus "Hugo" Waldmann ebenfalls schon vor einem Vierteljahrhundert das "Überangebot an Profifußball im Fernsehen" aus, welches kaum noch Zuschauerresonanz in den einzelnen Amateurklassen zulassen würde. "Kein Tag vergeht, dass nicht irgendein Fußballspiel, gespickt mit Werbespots, über die Mattscheibe flimmert", schimpfte Waldmann und stellte bereits damals die Schere zwischen "Millionensummen im Lizenzbereich" und den Nöten der Amateurvereine, "die jede Mark mehrmals herumdrehen müssen, oder andernfalls fahrlässig pleite gehen."

Verband ist für die Vereine da

Und zugleich betonte der Ende 2007 verstorbene Kreisspielleiter Waldmann das notwendige Zusammenspiel von Verband und Verein: "Auch wir Funktionäre kommen von den Vereinen und wurden berufen. Darum gilt immer noch: Der Verband ist für die Vereine da - wir und die Vereine, miteinander sind wir eins!" Eine Aussage, die gerade in Krisenzeiten, einer Aufforderung gleicht.

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