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Artikel veröffentlicht am 02.08.2022 um 12:15 Uhr
Neue Heimat in Reichelsdorf: Das Nomadentum soll für Türkspor ein Ende haben
Es war keine leichte Suche, aber nach vielen Gesprächen und Absagen hat Türkspor Nürnberg eine neue sportliche Heimat gefunden: Beim SV Reichelsdorf möchte der Bezirksligist heimisch werden, zwei Mannschaften sind schon als Spielgemeinschaft gemeldet. In dieser Saison geht es um die Vertrauensbasis, auf der eine gemeinsame Zukunft folgen könnte.
Von Marco Galuska
Beim SV Reichelsdorf hat Türkspor Nürnberg nun eine Heimat gefunden, es soll eine dauerhafte Beziehung werden.
fussballn.de / Gitzing
Fünf Mannschaften hat der 2017 gegründete Verein Türkspor Nürnberg im Spielbetrieb, drei Herren-Team, ein AH-Team sowie eine U19 sind gemeldet. Aus der ehemaligen 2. und 3. Mannschaft, dem Kreisklassen- und A-Klassen-Team, sind zwei Spielgemeinschaften mit dem SV Reichelsdorf geworden. Die 1. Mannschaft und die U19 von Türkspor Nürnberg sind nun ebenfalls in Reichelsdorf zu Hause, nur die AH spielt vorerst noch auf dem Gelände der DJK BFC - praktisch am anderen Ende der Stadt.

Das fehlende Vereinsgefühl

Von einer Art Nomadentum auf städtischen Anlagen waren die Jahre des Dergah-Nachfolgervereins geprägt. Freilich könnte man anführen, dass die Platzpflege und diverse andere Ausgaben in der jährlichen Miete enthalten seien, doch bei der Vereinsführung und der sportlichen Leitung von Türkspor Nürnberg wurde klar, dass die Nachteile als Mieter auf der städtischen Anlage überwiegen: "Es kann sich so nie ein echtes Gefühl entwickeln, dass man ein Verein ist, wenn die Mannschaften verstreut über die Stadt trainieren und spielen", nennt Muarrem Demir einen wesentlichen Punkt, der ihn auf eine jahrelange Suche geführt hat. "Die Liste der Gründe ist lang, warum wir unbedingt eine eigene Heimstätte bei einem Verein gesucht haben. Man muss sich streng an die Platzzeiten halten, da geht es dann auch nicht, mal fünf Minuten länger zu machen, weil sich beispielsweise das Flutlicht automatisch abschaltet. Außerdem hat man bei Platzsperren nichts mitzureden, man kann auch keine Werbung am Sportplatz präsentieren. So kommt man als Verein nicht weiter."

Muarrem Demir war über Jahre auf erfolglos auf der Suche nach einer Heimspielstätte bei einem Verein für Türkspor Nürnberg. Nun wurde er in Reichelsdorf fündig.
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Über 15 Absagen

Das musste Türkspor auch in der vergangenen Landesliga-Saison erleben. Echte Stimmung kam an der Deutschherrnwiese nie wirklich auf, teilweise haderten die Aktiven mit dem Geläuf. Eine defekte Beregnungsanlage ließ das Grün sichtbar verschwinden. Es sollte also eine Spielstätte her, bei der man mehr als nur ein Mieter ist. Der eine Plan, die ehemalige Anlage der DJK Bayern am Pegnitzgrund von der Stadt zu übernehmen, scheiterte. Aber auch bei den Klubs der Stadt traf Türkspor auf wenig Begeisterung. "Über 15 Vereine", so berichtet Demir, habe er in den vergangenen Jahren konkret angefragt, um für seinen Verein eine neue Heimat zu finden. Es hagelte Absagen, für die der Funktionär allerdings auch Verständnis zeigt: "Bei einigen Vereinen reichen die Kapazitäten nicht, um noch mehr Mannschaften aufzunehmen, bei anderen spielt eine Angst mit, dass man ein Stück weit übernommen wird."

Auch beim SV Reichelsdorf, bei dem Demir vor vielen Jahren selbst am Ball gewesen ist, gab es zunächst entsprechende Vorbehalte innerhalb des Vereins, obwohl die Gespräche mit Vorstand Sven Weinberger von Anfang an gut liefen. Corona hat die wirtschaftliche Situation und dadurch auch den Blickwinkel in manchen Klubs verändert. Und so kamen der SVR und Türkspor also doch noch zusammen.

Keine Eitelkeiten, sondern Vertrauen schaffen

Beim SV Reichelsdorf ist Türkspor Nürnberg in dieser Saison zu Hause. es ist ein Beschnuppern, aus dem mehr werden könnte.
fussballn.de / Gitzing

"Es ist eine Kennenlernphase, die Ausrichtung ist eigentlich langfristig angelegt, aber dazu braucht es gegenseitiges Vertrauen", erklärt Demir ebenso nüchtern wie die Möglichkeit, dass aus den SGs auch eine Fusion entstehen könnte. "Das wird man sehen, wie die Saison läuft. Ich habe da keine Eitelkeiten bezüglich eines Namens, wenn es soweit sein sollte", machte der 40-Jährige auch gegenüber den Reichelsdorfern klar. Wichtiger sei, dass das Zusammenspiel auf und neben dem Platz gut harmoniere.

Reichelsdorfer Rückkehr in die A-Klasse als SG

Geklärt sind schon mal die Zuständigkeiten der Herren-Teams. Die 1. Mannschaft, die weiterhin als Türkspor Nürnberg in der Bezirksliga antritt, wird nach wie vor von Ahmet Dönmez gecoacht und konnte bei der Heimspiel-Premiere am vergangenen Sonntag einen 6:1-Sieg über den TSV Neunkirchen am Brand feiern. In der Kreisklasse spielt die SG Türkspor/Reichelsdorf I, die von Ali Samprioglou (bisher der Trainer von Türkspor III) trainiert wird. Für das A-Klassen-Team, die SG Türkspor/Reichelsdorf II ist Frank Pistori, bislang Spielertrainer des SV Reichelsdorf in der Verantwortung. "Wir hätten Frank auch das Kreisklassen-Team angeboten, aber er wollte mit dem Kern der Mannschaft, die letztes Jahr noch in der B-Klasse gespielt hat, in der A-Klasse antreten."

Jubel in Reichelsdorf: Türkspor Nürnberg feierte beim ersten Heimspiel einen 6:1-Sieg über Neunkirchen.
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Während bei der verjüngten 1. Mannschaft mit sechs Punkten aus drei Spielen der Start in der Bezirksliga durchaus geglückt ist ("In Hersbruck haben wir uns durch eigene Fehler selbst geschlagen, ansonsten können wir schon sehr zufrieden sein", so Demir), wird freilich die neuformierte Kreisklassen-Mannschaft ein wenig zur Wundertüte: "Es sind viele ehemalige U19-Spieler dabei, eine lernwillige Mannschaft, die durchaus Potential hat. Ein guter Mittelfeldplatz wäre schön." Und auch beim A-Klassen-Team gilt es sich zu strecken. Nach Jahren in der B-Klasse und verpassten Aufstieg über die Relegation spürt man auch "eine neue Euphorie" bei den Reichelsdorfern, wie Demir berichtet. Während Türkspor wohl kaum noch eine eigene 3. Mannschaft melden hätte können, war der Aufstieg des SVR gewissermaßen ein erster gemeinsamer Erfolg vor dem Rundenstart. Und auch im Nachwuchs will man die Kräfte für die Zukunft bündeln und die brachliegende Jugendabteilung im Kleinfeldbereich über ein Schnuppertraining wiederbeleben.

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