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Artikel veröffentlicht am 07.02.2008 um 15:00 Uhr
Stadien mit Geschichte: Das Dr.-Stocke-Stadion in Coburg
MAGAZIN Noch steht sie, die altehrwürdige Tribüne des Coburger Dr.-Stocke-Stadions, doch ihre Tage sind gezählt. Der Abbruch des achtzig Jahre alten Bauwerkes ist beschlossene Sache, der Umbau des weitläufigen Stadions wird am Ende nicht viel übrig lassen vom Glanz längst vergangener Gauligazeiten. Grund genug, die Geschichte der traditionsreichen Sportstätte noch einmal Revue passieren zu lassen.
Von Robert Schäfer
Seit rund einhundert Jahren wird in Coburg organisiert Fußball gespielt. Am 25. Oktober 1907 kam es in der Vestestadt zur Gründung des Coburger FC, aus dem im Dezember 1918 dann der VfB Coburg hervorging. Da Coburg erst 1920 per Volksentscheid zu Bayern gelangte, waren der FC und später der VfB zunächst dem Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine angegliedert – eine Bindung, die über das Jahr 1920 hinaus immerhin bis 1933 währen sollte.  

Der Charme längst vergangener Tage: Die hölzerne Sitztribüne im Dr.-Stocke-Stadion datiert aus dem Jahre 1928 und zählt damit zu den ältesten in ganz Deutschland.
Robert Schäfer

Fußballerische Anfänge in Thüringen


In Thüringen, wo der FC bzw. der VfB zunächst also zu Punktspielen antrat, feierte der junge Verein alsbald beachtliche Erfolge. 1914 wurde Coburg Südthüringer Meister, 1921 sogar gesamtthüringischer Meister. Beide Titel berechtigten zur Teilnahme an der Endrundenqualifikation zur Deutschen Meisterschaft, beide Male scheiterte die Mannschaft jedoch frühzeitig, ebenso wie auch 1929, als der Dresdner SC die Coburger aus dem Wettbewerb warf. Dennoch: Der VfB war Ende der zwanziger Jahre eine feste Größe in der mitteldeutschen Fußballszene, und anders als viele seiner Konkurrenten durfte der Verein auch ein überaus schmuckes Stadion sein Eigen nennen. Dessen Anfänge waren allerdings bescheiden. Seine ersten Spiele trug der Coburger FC noch auf dem Exerzierplatz an der Brandensteinsebene aus, 1911 dann pachtete der Verein ein Gelände an der Uferstraße. Bald schon reiften jedoch die Pläne zum Bau eines eigenen Stadions. An der Wiesenstraße, direkt am Ufer der Itz, fand sich schließlich ein geeignetes Gelände, der Bau konnte in Angriff genommen werden.  

1913: Einweihung des Johann-Leopold-Sportplatzes

Am 30. November 1913 wurde der Sportplatz des Coburger FC feierlich eingeweiht. Der „Johann-Leopold-Sportplatz“ – das spätere VfB- und heutige Dr.-Stocke-Stadion – zählt damit zu den ältesten Fußballstadien in ganz Deutschland. Allerdings hat der Platz in den nunmehr 95 Jahren seines Bestehens sein Aussehen mehrfach geändert. Ein erster Um- bzw. Ausbau der nun als „VfB-Stadion“ bezeichneten Anlage erfolgte in den 1920er Jahren; in dessen Zuge wurde auch die bereits erwähnte Tribüne errichtet, die am 7. Oktober 1928 eingeweiht wurde und damit zu den ältesten noch erhaltenen Tribünen in Deutschland zählt (in Bayern, dies nur am Rande, vermag ihr lediglich die Tribüne des Münchner Dante-Stadions das Wasser zu reichen). 1933 wurde Coburg schließlich auch im Fußball bayerisch. Mit der Einführung der zunächst 16 Gauligen als höchste deutsche Spielkasse wechselte Coburg vom Mitteldeutschen zum Süddeutschen Fußballverband. Die Gegner kamen in der Folge nun nicht mehr aus Meiningen, Halle und Dresden, sondern aus Bamberg, Lichtenfels und Hof – aber leider nicht aus Nürnberg, München oder Fürth. Denn für die Qualifikation zur Gauliga Bayern reichte es fürs Erste nicht, in seiner ersten Spielzeit in Bayern wurde der VfB in die Bezirksliga Oberfranken, die zweithöchste Spielklasse eingestuft.  

Kontrastprogramm: Mitte der neunziger Jahre wurde die Tribüne mit 220 Sitzschalen aus Kunststoff ausgestattet.
Robert Schäfer

Zwei Aufstiege in die Gauliga


Der Erfolg ließ jedoch nicht lange auf sich warten. 1936 schaffte Coburg den Aufstieg in die Gauliga und war damit wieder erstklassig. Die Freude währte indes nicht allzu lange, Mannschaften wie der 1. FC Nürnberg, der TSV 1860 München und der BC Augsburg erwiesen sich als eine Nummer zu groß für die „Mohrenköpfe“. Als Zehnter und damit Letzter der Tabelle musste der VfB nach nur einem Jahr den Gang zurück in die Bezirksliga antreten. Zwar schaffte Coburg den sofortigen Wiederaufstieg, doch auch im zweiten Anlauf war den Vestestädtern kein Glück beschieden. Am Ende der Saison 1938/39 stieg Coburg erneut aus der Gauliga ab. Einen dritten Aufstieg vereitelte schließlich der Zweite Weltkrieg. Als mit fortschreitender Kriegsdauer die Gauligen immer kleinteiliger und zahlreicher wurden, schaffte Coburg 1944 tatsächlich noch einmal den Sprung in die Erstklassigkeit, musste dann aber seine Mannschaft vom Spielbetrieb zurückziehen, da fast alle Spieler an der Front standen oder bereits gefallen waren. Dennoch: Die beiden Jahre in der Gauliga gelten bis heute als die sportliche Blütezeit des VfB, sie bescherten den Coburgern so manches packende Duell gegen damals wie heute namhafte Mannschaften, auch wenn diese zumeist als Sieger vom Platz gingen.  

Aus dem VfB-Stadion wird das Dr.-Stocke-Stadion

Nach dem Ende des Krieges versuchte die Vereinsführung mit großem Aufwand, an jene goldenen Jahre wiederanzuknüpfen. Bis 1960 wurde das VfB-Stadion zu einer großzügigen Arena ausgebaut, mit Marathontor, Stehrängen und einem modernen Vereinsheim. 15.000 Zuschauer fasste das Stadion am Ende, zu verdanken war dies vor allem der finanziellen Unterstützung des Vereins durch seinen Vorsitzenden und Gönner Dr. Eugen („Eux“) Stocke, dem Mitinhaber der Porzellanfabrik Goebel im nahen Oeslau. Ihm zu Ehren wurde das Stadion am 26. März 1965 in Dr.-Stocke-Stadion umbenannt, seither trägt es den Namen des 1992 verstorbenen Mäzens. Sportlich freilich vermochte der Verein nicht, mit dem Ausbau des Stadions Schritt zu halten. Zwar stieg der VfB 1952 in die Bayernliga auf, zwischenzeitlich aber hatte der VfL Neustadt die „Mohrenköpfe“ als Nummer Eins im Coburger Land verdrängt. So fristeten die Coburger in den folgenden Jahrzehnten ein unstetes Dasein als Fahrstuhlmannschaft zwischen Dritt- und Viertklassigkeit. Insgesamt viermal stieg Coburg nach 1945 in die Bayernliga auf und nach einigen Jahren wieder ab, zuletzt 1984. Für den Verein jedoch kein Grund, das Stadion zu vernachlässigen, im Gegenteil. 1976 wurden die Stehränge an der Gegengerade überdacht, und noch Mitte der neunziger Jahre versah man die historische Holztribüne mit 220 Sitzschalen aus Kunststoff.  

Eine bereits historische Aufnahme: Das Marathontor aus den fünfziger Jahren wurde 2006 abgebrochen.
Robert Schäfer

Umbau zur Schulsportanlage ist im vollen Gang


Dennoch machten sich zunehmend Verschleißerscheinungen bemerkbar, im Verein wie auch im Stadion. Nach dem Abstieg aus der Bezirksoberliga fusionierte der VfB im Jahr 2000 mit der DJK/Viktoria Coburg zur DJK Viktoria/VfB Coburg, kurz DVV. Sportlich ging es mit dem neuen Großverein schnell wieder bergauf, in der laufenden Saison spielen die Coburger (nach einem kleinen Zwischentief) wieder in der Landesliga. Das Dr.-Stocke-Stadion jedoch spielt in den Planungen des Vereins keine Rolle mehr. Die Stadt Coburg als Träger beabsichtigt einen Umbau des Stadions zur Schulsportanlage, die DVV trägt daher schon seit einigen Jahren ihre Heimspiele am Floßanger aus, auf dem Gelände des Fusionspartners. 2006 wurde mit dem Umbau der altehrwürdigen Arena begonnen, oder besser gesagt: Mit dem Abbruch. Verschwunden sind bereits weite Teile der Stehränge ebenso wie auch das charakteristische Marathontor. Im November 2007 fasste schließlich der Bau- und Umweltsenat den Beschluss, auch die angeblich marode Sitztribüne abzureißen. Mit ihr wird eines der letzten noch erhaltenen Zeugnisse aus der Frühzeit des deutschen Ligafußballs verschwinden, einer Zeit, in der es noch sechzehn Erste Ligen gab, Tribünen noch aus Holz und selbst Nationalspieler noch Amateure waren.    

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