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Artikel veröffentlicht am 13.05.2026 um 07:00 Uhr
Was macht eigentlich: Wolfgang Lutz?
Stolze 30 Jahre lang war Wolfgang Lutz im hiesigen Amateurfußball als Trainer aktiv und gab unter anderem beim 1. FC Kalchreuth mit drei Aufstiegen seine Visitenkarte ab. Der SV Poppenreuth sollte schließlich die letzte Station der langen Reise sein, die 2022 mit einem unglücklichen Abstieg endete. Seitdem ist es um den 64-Jährigen deutlich ruhiger geworden. Wir fragen uns deshalb: Was macht eigentlich Wolfgang Lutz?
Von Michael Watzinger
Stolze 30 Jahre lang war Wolfgang Lutz an den Seitenlinien der Region zu finden. Seit 2022 ist es um den 64-Jährigen ruhiger geworden.
privat
Ohne Frage, Wolfgang Lutz war über Jahrzehnte hinweg mehr als nur ein fester Bestandteil des Amateurfußballs dieser Region. Rund 500 Spiele absolvierte der heute 64-Jährige zunächst als Spieler für seinen Heimatverein TSV Johannis 1883, ehe stolze 30 Jahre als Trainer bei verschiedenen Stationen folgen sollten. Gerade an der Seitenlinie gab der engagierte Übungsleiter eine beeindruckende Visitenkarte ab, arbeitete nicht nur beim 1. FC Kalchreuth, den er über drei Amtszeiten hinweg von der A-Klasse bis hinauf in die Bezirksliga führte, hervorragende Arbeit.

Mit viel Energie trug Wolfgang Lutz in drei Amtszeiten zu drei Aufstiegen der Alm-Kicker aus Kalchreuth von der A-Klasse bis hinauf in die Bezirksliga bei.
Uwe Kellner

Seine Trainertätigkeit zeichnete sich in der Regel durch mehrjährige Engagements aus. So stand er nicht nur bei seinen 83ern (vier Jahre), sondern auch beim benachbarten TB Johannis 1888 mehrere Spielzeiten an der Seitenlinie und auch beim Post SV sorgte er über drei Jahre für Kontinuität. Nach einer einjährigen Episode beim TSV Falkenheim während der Corona-Saison folgte schließlich mit dem SV Fürth-Poppenreuth seine letzte Station, die im Sommer 2022 mit einem unglücklichen Abstieg endete: "In der Rückschau hätte das sicher nicht mehr sein müssen", zieht Lutz mit Blick auf seine Laufbahn ein bittersüßes Resümee. "Nicht, weil ich mich in Poppenreuth nicht wohlgefühlt hätte, denn Verein und Menschen waren super! Aber durch den damaligen Rückzug der Turnerschaft Fürth in der Kreisliga brach kurz vor Saisonende ein großes Chaos mit vielen Fragezeichen aus, was Spielwertungen und das Tabellenbild anging. Wir mussten dann am Ende in die Relegation und konnten den Abstieg leider nicht mehr verhindern. Für mich hatte das Ganze damals einfach eine unschöne Fußnote. Dennoch blicke ich auf eine unfassbar tolle Zeit als Trainer zurück und habe viele tolle Menschen im Laufe der Jahre kennenlernen dürfen. Die Arbeit hat mir lange Zeit wirklich große Freude bereitet und ich bin auch mit etwas zeitlichem Abstand äußerst dankbar dafür."

Der SV Fürth-Poppenreuth sollte schließlich die letzte Trainerstation für Wolfgang Lutz sein. 
fussballn.de / Gitzing

Die Familie hat nun Vorrang

Vier Jahre sind mittlerweile seit seinem letzten Engagement an der Seitenlinie vergangen. Gedanken an eine Rückkehr hat der Trainerfuchs seither keine verschwendet: "Ganz ehrlich: Auch wenn diese Zeit unheimlich viele tolle Momente und Erinnerungen geschaffen hat, ich vermisse sie nicht! Das liegt zum einen daran, dass es schon auch eine intensive und fordernde Zeit war, die teilweise schon auch einen gewissen Stress und Druck mit sich gebracht hat – ich habe einfach gegen Ende gemerkt, dass die Zeit zum Aufhören gekommen ist. Ich habe mit mindestens drei unterschiedlichen Spieler-Generationen zusammengearbeitet und irgendwann ist es dann einfach auch gut."

Seit dem Abschied von der Seitenlinie rückten für Lutz die Familie und Ehefrau Jutta deutlich mehr in den Mittelpunkt: "Die Familie war für mich schon auch ein ganz entscheidender Punkt. Es wurde einfach Zeit, nach meinem Vorruhestand 2021 wieder deutlich präsenter in der Familie zu sein. Meine Frau Jutta hat all die vielen Jahre doch viel Nachsicht mit mir gehabt, schließlich richtet man nahezu alles nach dem Fußball-Kalender aus. Es war einfach an der Zeit, etwas zurückzugeben. Wir genießen die neu gewonnene gemeinsame Zeit mit vielen Unternehmungen und fahren deutlich öfter in den Urlaub. Es ist ein neuer und schon auch intensiver Abschnitt. Ich genieße diese Zeit sehr, von daher gibt es da auch kein Umdenken meinerseits. Ich habe gemerkt, dass ich mit Beruf und Trainerjob in doppelter Hinsicht in gewisser Weise ein strukturierter Hamster war. Ich bin seitdem auch deutlich ruhiger geworden."

Die eine oder andere vereinzelte Nachfrage habe es in der jüngeren Vergangenheit zwar noch gegeben. Diese habe er aber ohne zu überlegen abgelehnt: "Mein erster Gedanke war: Die müssen sich doch verwählt haben", erzählt Lutz mit einem herzhaften Lachen. 

Gemeinsam mit Ehefrau Jutta genießt Wolfgang Lutz den neuen und intensiven Lebensabschnitt, der sich nach dem Vorruhestand für den heute 64-Jährigen ergab. Die Seitenlinie vermisst der ehemalige Erfolgscoach bislang keineswegs.
privat

Walking Football und der Blick auf alte Wirkungsstätten

Sorgen um Langeweile muss man sich bei Wolfgang Lutz im Übrigen ohnehin nicht machen: Neben Aktivitäten mit der Familie fand Lutz zwischenzeitlich große Erfüllung als ehrenamtlicher Helfer bei der Caritas: "Dort habe ich Demenzkranke gefahren und in dieser Gruppe bin ich dann auf meinen früheren Sportlehrer getroffen. Das war schon sehr berührend. Es gibt eben nicht nur den Fußball, sondern noch deutlich mehr. Deshalb habe ich mir auch bewusst Hobbys außerhalb dieses Sports gesucht", blickt Lutz zurück und gibt an, in der Restaurierung eines alten Autos ebenfalls Freude gefunden zu haben.

Und dennoch, ganz ohne das runde Leder geht es nach all den Jahren voller Leidenschaft dann eben doch nicht! Beim TSV Johannis 83 etablierte Lutz seit 2023 ein Walking-Football-Team, das speziell auf Senioren zugeschnitten ist. Dort hat sich nach anfänglichen personellen Engpässen nun ein ordentlicher Stamm gebildet und nimmt auch an Turnieren teil: "Ich habe mich 2022 bei einem Lehrgang informiert und das dann bei meinen 83ern ins Leben gerufen. Mittlerweile sind auch ein paar meiner alten Weggefährten und früheren Mitspieler dabei, was mich unheimlich freut, denn so kreuzten sich unsere Wege wieder! Jeden Montag trainieren wir gemeinsam und inzwischen sind wir 16–18 Mann. Das ist klasse und ich hoffe, wir können weiter wachsen." 

Gemeinsam mit Günther Beck (l.) leitet Wolfgang Lutz (r.) das Walking-Football-Team beim TSV Johannis 1883. Unterstützung erhalten die beiden auch von 83-Vorstand Johann Seidel (2. v. r.) und Gabi Seidel (2. v. l., Tochter von Club-Legende Heinz Kreißel).
privat

Darüber hinaus verfolgt die Trainer-Legende natürlich auch weiterhin das Geschehen an seinen alten Wirkungsstätten. Dabei blickt Lutz mit Freude auf den bisherigen Saisonverlauf, denn sowohl der 1. FC Kalchreuth (Bezirksliga Nord) als auch der TSV Johannis 1883 (Kreisliga Nürnberg) konnten sich die Meisterschaft sichern. "Das freut mich natürlich ungemein, schließlich fühlt man sich aufgrund der Vergangenheit nach wie vor noch verbunden!" Ein ganz besonderes Duell steht derweil am kommenden Sonntag in der Kreisklasse 4 an, wo sich zwei Ex-Vereine um die Aufstiegsrelegation duellieren werden: Der SV Poppenreuth hat dann den TB Johannis 88 zu Gast. Der ehemalige Trainer will sich dabei keinen Tipp entlocken lassen: "Dafür bin ich nicht genug in der Materie drin. Ich kann nur sagen, dass mich ein Aufstieg für beide Vereine freuen würde. Es wird sicherlich ein interessantes Duell. Und ich kann nicht ausschließen, dass ich mir das Ganze aus nächster Nähe ansehen werde", verrät Lutz mit einem Grinsen.

Wie bereits angedeutet, ganz ohne Fußball geht es eben doch nicht.

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Leser-Kommentare

Steckbrief W. Lutz

Wolfgang Lutz
Alter
64
Wohnort
Fürth
Familie
verheiratet
Nation
Deutschland


Trainerstationen W. Lutz

17/18
BL
 
16/17
BL
 
15/16
KL
14/15
KL
 
10/11
KL
 
09/10
KK
01/02
TSV Johannis 83, U19
 
99/00
AK
96/97
TB Johannis 88
 
95/96
TB Johannis 88
 
94/95
TB Johannis 88
 
93/94
SV Wack. Nürnb.
 

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