Marc Themann im Interview: "Ein Fußball-Internat ist weiterhin mein Traum!" - fussballn.de
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Artikel veröffentlicht am 06.05.2026 um 07:00 Uhr
Marc Themann im Interview: "Ein Fußball-Internat ist weiterhin mein Traum!"
INTERVIEW Manchmal muss der Zufall mitspielen, manchmal eine feste Überzeugung. Um eine Idee neu umzusetzen und diese aber über einen langen Zeitraum zu einer Erfolgsgeschichte zu entwickeln, ist noch einmal eine andere Sache. Im fussballn.de-Interview der Woche spricht Marc Themann (46) über den Werdegang seiner Fußballschule Nürnberg, die es bereits seit 2011 für fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche gibt.
Von Marco Galuska
Marc Themann betreibt seit 2011 die Fußballschule Nürnberg.
fussballn.de
Hallo Marc, 15 Jahre sind gerade im Fußball eine lange Zeit. War es damals in der Anfangsphase für dich abzusehen, dass sich deine Fußballschule Nürnberg zu einem Erfolgsmodell entwicklen würde?

Marc Themann (46):
Nein, in dieser Form nicht! Denn das Ganze war ursprünglich nicht so geplant. Ich war eigentlich damals auch noch viel zu sehr selbst Fußballer. Trotzdem hat es mir schon Spaß gemacht, mit Kindern im Fußball zu arbeiten.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine eigene Fußballschule zu gründen?

Themann:
Da muss ich ein wenig ausholen. Ich habe in den Anfangszeiten in der Kickfabrik in Nürnberg mitgearbeitet. Und wir haben es dort mehrmals erlebt, dass Trainingszeiten für Kinder geplant waren, aber kein Trainer gekommen ist. Das hat uns dann dazu veranlasst, dass wir uns entschlossen haben, dass wir es gleich selbst machen können. Zu Beginn war das nur ein einwöchiges Training, dann zweimal die Woche. Schließlich habe ich mich dann hingesetzt, zunächst einmal konkrete Trainingsinhalte ausgearbeitet und dann über ein paar Monate auch einen Businessplan entworfen. Slogan, Logo etc. sind dann nacheinander entstanden und heraus kam die Fußballschule Nürnberg, die erst einmal in der Kickfabrik beheimatet war.

Ohne Soccerhallen wäre das nicht möglich gewesen?

Themann:
Nein! Wir waren schon von Anfang an regelmäßig an staatlichen Schulen mit unserer Fußballschule unterwegs, also anders, als man es von klassischen Ferien-Fußballschulen kennt. Aber durch die Soccerhallen kann man das Training auch wetterunabhängig anbieten. Ich bin auch selbst ganzjähriger Kunde in den Hallen geworden.

Seit nunmehr 15 Jahren betreibt Marc Themann die Fußballschule Nürnberg.
privat

Du bist vor etwas mehr als 15 Jahren im Nürnberger Fußball aufgetaucht. Erzähl uns ein bisschen von deiner Vita, wie es dazu kam!

Themann:
Ich bin zunächst in Winkelhaid aufgewachsen, aber schon recht bald sind meine Eltern mit uns Kindern berufsbedingt nach Wien gezogen. Ich habe dort im Nachwuchs bei First Vienna und Rapid gespielt und habe dann eine Fußballlaufbahn eingeschlagen, die mich von Werder Bremen II über Nizza und zuletzt Blau-Weiß Linz immer wieder an andere Orte gebracht hat. Ich habe ehrlich gesagt den Druck als Fußball-Profi dann irgendwann nicht mehr durchgehalten und habe mich dann dazu entschieden, nach Asien auszuwandern. Ich habe knapp zwei Jahre in einem Kinderdorf in Nepal gearbeitet. Meine Geschwister waren aber schon in Nürnberg und so hat es mich dann im Herbst 2010 wieder in die Region verschlagen.

Um dann doch gleich wieder beim Fußball zu landen?

Themann:
 Ja, ich habe auch nie etwas anderers gemacht! (lacht) Irgendwie bin ich auf die Kickfabrik aufmerksam geworden und fand die Idee cool. Ich wollte da einfach ein Teil davon sein und habe nebenbei dort alles mögliche in den Anfangszeiten mitgemacht. Ich war dann parallel zur Fußballschule auch in der Nachwuchsarbeit beim TV 48 Erlangen und später bei der SpVgg Greuther Fürth tätig, hatte schon die A-Lizenz, noch nicht die UEFA-Pro-Lizenz, die habe ich erst 2019 in Österreich absolviert.

2019 hast du deinen Verein "Fußball-Sportclub Nürnberg e.V." gegründet. Welche Idee steckt da dahinter?

Themann:
Die Sache mit dem eigenen Verein ist daraus entstanden, dass in meiner Fußballschule Kinder dabei waren, die keinen Verein hatten, trotzdem viel gelernt haben und das dann in einem Wettkampf zeigen wollten. Das war mit Ausnahme von "wilden Turnieren" nicht möglich. Und irgendwie wäre es auch keine Herzenssache für mich gewesen, die Kinder zu einem Verein zu schicken.

Welche Hürden gab es bei der Vereinsgründung?

Themann:
Die formellen Dinge waren nicht schwer. Die sieben stimmberechtigten Erwachsenen kamen aus der Familie, die Satzung haben wir aufgesetzt und den Verein beim Amtsgericht gemeldet. Problematisch war die Sache zunächst mit dem BFV, weil man sich dort mit dem Namen "Fußballschule" im Spielbetrieb schwergetan hat. Somit kam es zum Fußball-Sportclub Nürnberg, der Teil der Fußballschule Nürnberg ist, welche die Trainer stellt und das gleiche Kürzel besitzt. 

Wie lief die Suche nach einer Spielstätte?

Themann:
Das war natürlich eine der ersten Fragen und da kommt man auf Sportgelände, die es schon gibt, aber so nicht mehr komplett oder kaum noch genutzt werden: DJK Langwasser, DJK Bayern, aber schließlich wurde es dann der TSV 1846 Nürnberg in Erlenstegen.

Marc Themann wollte ab 2019 seinen Fußball-Sportclub Nürnberg in Erlenstegen beim TSV 1846 Nürnberg etablieren.
fussballn.de

Bei unserer letzten Begegnung vor sieben Jahren in Erlenstegen war eine große Baustelle im alten Kabinentrakt zu sehen und die Platzsanierung lief an. Es klang nach Aufbruchstimmung an einem Fußballgelände im Dornröschenschlaf.

Themann:
 Wir haben beim TSV 1846 Nürnberg, wo es keinen Jugendfußball mehr gab, eine Heimat für uns gefunden. Wir sind Mitglieder im Verein geworden und wollten in Erlenstegen vor allem die Jugendarbeit etablieren, aber auch Herrenmannschaften, um eine weitere Perspektive zu bieten. Gerade in Corona-Zeiten wurde ordentlich an den Plätzen gearbeitet, um alles auf Vordermann zu bringen. Inzwischen wird dort aber American Football und weiterhin Rugby gespielt.

Blutet das Fußball-Herz?

Themann:
Der Beginn für uns war toll, das Ende war Business! Wirtschaftlich gesehen kann man die Entscheidung des Vereins nachvollziehen, wenn da 300 Mitglieder von den Rams kommen. Wenn man dann nur noch Randzeiten bekommt, fragt man sich aber freilich, wofür man all die Arbeit gemacht hat. Es hat sich nicht mehr fair angefühlt, aber dennoch haben es beide Seiten nach der vergangenen Saison sauber zu Ende gebracht.

Seit dieser Saison bist du mit FSN an der Deutschherrnwiese zu Hause. Wie hat sich das ergeben?

Themann:
Wir haben einen nahtlosen Übergang geschafft, nachdem wir erneut auf der Suche nach einem Sportgelände waren und der SportService uns die Deutschherrnwiese empfohlen hat. Die Wahl fiel dann auch darauf, weil wir hier eine ziemlich zentrale Lage in Nürnberg haben.

Wie ist die Fußballschule Nürnberg 15 Jahre nach der Gründung aktuell aufgestellt?

Themann:
 Insgesamt hatten wir im vergangenen Jahr über 6000 Kinder bei uns in den Trainingseinheiten, die wir in Süddeutschland anbieten. Zudem sind wir hier mit fünf Mannschaften im Ligabetrieb aktiv, die wir mit acht Trainern aus der Fußballschule und meiner Wenigkeit betreuen. Ich bin weiterhin bei allen Spielen dabei, wir sind von der E- bis zur B-Jugend im Spielbetrieb in der SG mit Megas Alexandros, in der wir federführend sind. Zudem haben wir eine F-Jugend, eine Bambini- und eine Torwart-Gruppe.

Wie gut klappt die Zusammenarbeit mit Megas Alexandros?

Themann:
Von den Eltern gibt es ein sehr gutes Feedback! Letztlich profitieren wir voneinander, auch wenn klar ist, dass sich das ein oder andere noch einspielen muss. Wir haben da auch einen Kompromiss gefunden, auch Zugeständnisse gemacht. Mir ist es wichtig, dass es fair zugeht, und wir werden uns auch bald wieder zusammensetzen, um über die Zukunft zu sprechen. Ich gehe davon aus, dass wir weitermachen werden.

Mit Blick in die Geschichte deiner Fußballschule. Was waren für dich die Highlights?

Themann:
Zum einen ist es schon toll, wenn man sieht, wie sich so einige Talente entwickelt haben und wie beispielsweise die Tillman-Brüder oder aktuell Raul Marita in Fürth oder Marko Soldic beim Club ihren Weg gehen. Besondere Highlights waren immer unsere jährlichen Fahrten zu Pfingsten. Wir waren in Wien, Amsterdam, Alkmaar, Ljubljana, Mailand und ganz besonders genial war es in Madrid bei Atletico! Wir haben große Vereine kennengelernt, haben dort Spiele gemacht und trainiert.

Ein besonderes Highlight bei den alljährlichen Pfingstfahrten waren die Trainingseinheiten bei Atletico Madrid.
privat

Gibt es dann eine spezielle Reise zum Jubiläum?

Themann:
Ja, dieses Jahr geht es nach Barcelona! Wir haben dort in der Nähe für eine Woche Ende Mai ein tolles Trainingsgelände und Hotel und dürfen einen Tag in La Masia beim FC Barcelona verbringen. Darauf dürfen wir uns alle freuen, denke ich!

Wie siehst du persönlich deine Zukunft in Bezug auf die Fußballschule?

Themann:
Bei der Gründung habe ich nicht daran gedacht, dass ich mal als Trainer auch draußen sitzen könnte. Aber ich werde nicht jünger, die Wehwehchen, die man früher nicht kannte, gibt es schon, wenn man jeden Tag auf dem Platz steht. Es soll nicht peinlich werden! (schmunzelt) Ich möchte meine Trainer auch weiter voranbringen, das liegt mir am Herzen. Ich habe ein tolles Trainer-Team, das maßgeblich zum Erfolg der Fußballschule beigetragen hat. Mich persönlich sehe ich in Zukunft mehr im administrativen als im praktischen Bereich – schon jetzt bin ich glücklich, dass ich Zeit mit meiner Tochter verbringen kann.

Und welchen Wunsch gibt es in der Entwicklung der Fußballschule noch?

Themann:
Mein Traum ist schon länger, ein Fußball-Internat zu gründen. Diesen Gedanken gibt es schon lange, aber es ist alles andere als einfach, dazu eine geeignete Unterkunft in Nürnberg zu finden! Aber, ich bleibe weiter auf der Suche...

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Steckbrief M. Themann

Marc Themann
Alter
46
Geburtsort
Sulzbach-Rosenberg
Wohnort
Nürnberg
Familie
in Beziehung, 1 Kind
Nation
Deutschland
Größe
186 cm
Gewicht
78 kg
Starker Fuß
Beidfüßig


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