Beide Coaches zeigten sich mit dem Unentschieden im Hinspiel grundsätzlich zufrieden, wobei es Herzogenaurach in der ersten Halbzeit verpasste, einen draufzupacken und der 1.FC Lichtenfels wiederum in der zweiten Hälfte. Lange haderte man beim, heute heimischen FC, auch mit der Schiedsrichterentscheidung, welche den Vorteil wegnahm und vermutlich zum 1:2 geführt hätte. Verrückt, dass sich das Spielgeschehen, auch heute, mit dem Hinspiel spiegelte, denn die erste Halbzeit ging an die Gäste aus Herzogenaurach, während der 1.FC Lichtenfels, in der zweiten Hälfte, letzten Endes, zu spät aktiv wurde.
Intensive Zweikämpfe waren in der ersten Hälfte an der Tagesordnung. Hier verdient sich Christoph Mohr eine 10-Minuten-Strafe.
Adrian Kremer
Der 1. FC Lichtenfels war von Beginn an bemüht, das Spielgeschehen an sich zu reißen, hatte jedoch wenig Zwingendes im letzten Drittel. Ein, zwei Standards, welche ihr Ziel verfehlten, waren die nennenswertesten Aktionen in den ersten 20 Minuten. Auch von Herzogenaurach kam zunächst wenig, doch dann eben der eine entscheidende Moment. Hafenbrändl chippte ins letzte Drittel, der eigentlich zu kurz geratene Ball wurde von Blinzler unglücklich über Mattausch in die Füße von Amling verlängert, welcher Angermüller keine Chance ließ und vollspann, trocken, hoch zentral verwandelte. Nach dem Führungstreffer der Herzogenauracher wurden beinahe im Sekundentakt intensive Zweikämpfe geführt, ohne dass es zu nennenswerten Chancen auf einer Seite gekommen ist. Herzogenaurach überlagerte immer wieder die Außen, vor allem der clevere Stübing wusste im Spiel mit und gegen den Ball zu gefallen. Die Flanken der Herzogenauracher kamen stets mit Zug und sorgten, zumindest, immer für eine gewisse Unruhe in der Lichtenfelser Defensive. So führte gewissermaßen auch eine Flanke zum 0:2, wenn auch nach einem Eckball. Peetz zog die Ecke auf den zweiten Pfosten, dort war Rockwell relativ verwaist und köpfte unbedrängt ins kurze Eck. Das war zu einfach. Nach dem 0:2 die beste Szene für den FCL im ersten Durchgang, Engelmann suchte Mehiqi, der mit Tempo nach innen zog und lehrbuchreif auf den Innenverteidiger dribbelte - erwischte den richtigen Moment und legte nach rechts auf Bergmann, dieser traf jedoch aus halbrechter Position im 16er nur den Außenpfosten. Das wäre die direkte Antwort gewesen. Daraufhin war Herzogenaurach, erneut, immer wieder über Flanken, präsent, während Mehiqi kurz vor der Pause nochmal in die "Box" eindrang, sich jedoch zu spät vom Ball trennte, wodurch eine gute Möglichkeit verpuffte. Zu allem Übel für die Heimmannschaft unterband Mohr an der Mittellinie mit einer Grätsche noch einen Konter und ging quasi direkt mit einer 10-Minuten-Strafe in die Halbzeit.
Auch für Felix Lausch war es sein letzter Auftritt im Trikot des FCL – hier zieht er energisch an Hafenbrädl vorbei.
Adrian Kremer
Die erste Halbzeit durfte den einheimischen Anhängern erstmal wenig Mut machen, doch der 1.FC Lichtenfels zeigte in der zweiten Halbzeit sein altbekanntes Gesicht. Moral, Leidenschaft, Laufbereitschaft und niemals aufgeben. Die erste Großchance nach der Halbzeit gehörte aber wiederum den Gästen aus Herzogenaurach. Stübinger flankte, wie so oft, von links, Amling verlängerte per Kopf und Rockwell war am rechten Fünfereck plötzlich völlig blank, er nahm den Ball volley, verzog jedoch nach links. Da wäre mehr drin gewesen, eventuell mit einer Ballannahme. Danach nahm sich die Partie eine kurze Zeit, ehe Holzheid nach kurzer Ecke in der 58. Minute mit seinem Spannschuss ins kurze Eck so etwas wie einen Weckruf startete. Stefan Dietz, der alte Heißsporn, sah nach einem unterbundenen Konter die Gelb-Rote Karte, sodass "Scholle" an der Seitenlinie übernahm. In der 69. Minute dann Zollnhofer mit scharfer Flanke von rechts, Rahe blockte, eventuell mit der Hand. Da waren auch Stübing und ich uns aus unserem Blickwinkel einig, es sah zumindest verdächtig aus, wenn auch kein Muss, aber eben ein "Kann-Elfmeter". Danach die spielerisch beste Szene des FCL, Pfadi auf Zolli, der auf Mehiqi, der mit klasse "Chip-Steckball" auf Holzheid, scheiterte jedoch am klasse reagierenden Lösch links unten. Herzogenaurach stand nun sehr tief und im Gegensatz zur ersten Hälfte griff man maximal an der Mittellinie an, was einen Sturmlauf des 1.FC Lichtenfels verursachte. Der 1.FC Lichtenfels brachte mit Niki "Invalido" Lulei nochmal einen Brecher vorne drin. Auch der Herzogenauracher Schmid musste konstatieren, "der hat uns nochmal ordentlich Probleme bereitet". Das hat er tatsächlich, Niki kam rein und hatte direkt das 1:2 auf dem Schlappen. Körperlich ist der Mensch ein Wrack, aber zugleich, genauso unaufhaltsam wie ein Bulldozer im Eiltempo. Nach einer Minute, Körper eingesetzt, aus der Drehung, aber Lösch bekam die Fäuste hoch. Direkt danach wieder Lulei, wieder aus der Drehung, doch Lösch konnte wieder löschen. In der 85. Minute war es so weit, Holzheid setzte sich durch, Lösch wieder parat, doch Wagner konnte den Abstauber verwerten - der verdiente Anschluss. In der 88. Minute dann die vermutlich spielentscheidende Szene, Wagner wurde links im Strafraum freigespielt, zögerte etwas zu lang und scheiterte an Lösch. Das wäre der Ausgleich gewesen, der eventuell das ganze Spiel hätte kippen lassen. So schmiss der 1.FC Lichtenfels alles nach vorne, Blinzler mit Fehler im Spielaufbau und Said nach Konter ohne Probleme, ins leere Tor zu schieben, da Angermüller bereits in den gegnerischen 16er aufgerückt war. Damit war die Messe gelesen, auch wenn man noch einen Elfmeter an Engelmann hätte pfeifen können.
Ein Stück weit der „Hallo-Wach-Ruf“ – Leon Holzheid zieht nach kurzer Ecke aufs kurze Eck, doch Lösch pariert stark.
Adrian Kremer
Der 1.FC Lichtenfels steht vor einem großen Umbruch, die scheidenden Legionäre lieferten, vor allem in der zweiten Halbzeit, nochmal einen großen Kampf und müssen den wohl bittersten aller Abschiede hinnehmen. Herzogenaurach war in der ersten Halbzeit effizient und auch sonst mit Nadelstichen immer wieder gefährlich. Summa-Summarum lief man dem Rückstand aus der ersten Halbzeit hinterher, weshalb es unfassbar bitter ist, aber auch nicht gänzlich unverdient. Herzogenaurach belegt mit 77 Punkten einen zweiten Platz, was eigentlich an und für sich schon verrückt ist und kann nun über den "Umweg Relegation" doch noch den Aufstieg feiern.
Spielbericht eingestellt am 31.05.2026 00:02 Uhr