Die Freude über das Frankenderby wurde etwas dadurch getrübt, dass in Bayreuth vor mehreren tausend Zuschauern die Partie der Altstädter gegen die kleinen Bayern stattfand. Mehr Derbycharakter war aber vor 320 Besuchern am Weinberg geboten und die Tatsache, dass der Neudrossenfelder Coach für die Domstädter im Nachwuchsbereich gearbeitet hatte, verlieh dem Bayernligaduell zusätzliche Brisanz. Gemeinsam war den Mannschaften, dass sie 2026 bisher erst einmal im Punktspieleinsatz waren und dabei leer ausgegangen waren. Während sich Eintracht Bamberg nach oben orientieren dürfen, mussten die Grünweißen ein wachsames Auge nach hinten auf die Abstiegsplätze werfen. Insofern war der ehemalige Regionalligist klar favorisiert, auch wenn die Neudrossenfelder bei der knappen Niederlage in Cham recht stabil agierten und erst durch einen zweifelhaften Freistoß auf die Verliererstraße kamen.
Ohne Chance: Tobias Grüner fliegt beim 0:2 vergeblich.
Hans Wunder
Die Partie begann mit einem Aufreger denn Michael Sauerstein stand nach wenigen Minuten aus sechs Metern frei vor dem Gästetor, setzte aber seinen Volleyschuss deutlich drüber. Neudrossenfeld setzte nach, presste und zwang den Gegner zu manchem Ballverlust, allerdings nicht in der gefährlichen Zone. Bamberg blieb ruhig und spielte immer wieder präzise Pässe in die Spitze. Luis Nüsslein konnte im eins gegen eins zwar gestoppt werden, aber als Luca Auer über links geschickt wurden, war er von seinem Verteidiger nicht am Abschluss zu hindern, schoss durch die Beine ins lange Eck und markierte aus aus 17 Meter flach das 0:1 (17.). Die Gastgeber erhöhten anschließend den Aufwand, aber viel war auf Zufall aufgebaut und gegen die Domstädter, die sich im Zweikampf geschickt zu behaupten wussten, reichte das trotz viel Ballbesitz nicht, um zumindest zum Abschluss zu kommen. "Trotzdem hatte der Gegner nicht viel nach vorne gespielt", meinte Bas Peeters, der die erste Hälfte noch auf der bank verbrachte, dann aber eingewechselt wurde. Nur als Tom Kunert aus 16 Metern unvermutet frei zum Abschluss kam, lag der ausgleich in der Luft - doch er jagte das Spielgerät ebenfalls deutlich drüber. Deutlich mehr Zielwasser hatte die Eintracht getrunken. Luis Nüßlein wurde einfach auf dem linken Flügel bedient, schlug einen Haken und versenkte die Kugel im rechten Dreieck. "Ich habe noch nie so eine unverdiente Pausenführung gesehen", schüttelte TSC-Coach Andreas Baumer den Kopf.
Aber Marin Hrgota (li.) gelang nach der Pause der Anschlusstreffer.
Hans Wunder
Nach dem Seitenwechsel hatten noch nicht alle Besucher ihre Plätze eingenommen, das klapperte es bereits im Gästekasten. Marin Hrgota, der kleine Bruder des Greuther Stürmers, hatte einen Einwurf einfach einmal weitergeleitet und zum 1:2-Anschlusstreffer (46.) ins lange Eck versenkt. Jetzt war die Gernlein-Elf wieder gefordert, die sich mitunter zu sehr in den Verwaltungsmodus begeben hatte. Doch die TSV-Abwehr stand nun kompakter, als die Bamberger weiter nach vorne schoben und mehr am Spiel teilnahmen. Neudrossenfeld wurde vor allem bei Standards gefährlich aber mehr als Strafraumgewühl und zwei deutlich - zu hohe - Abschlüsse von Marin Hrgota in Rückenlage und Nikolas Hofmann aus der Distanz sprangen nicht heraus. Erst in der Schlussphase musste der einheimische Keeper Tobias Grüner zweimal retten, war aber beim Hartwig-Schuss auf dem Posten und bekam anschließend die Kugel an die Brust, als er den Winkel verkürzte. Freilich lief seiner Mannschaft immer mehr die Zeit davon und als ein Konter über Marin Hrgota unsauber zu Ende gespielt wurde und der Mittelmann das Leder verpasste, schienen die Felle immer mehr davonzuschwimmen. Doch Neudrossenfeld erhöhte die Schlagzahl und als der aufgerückte Verteidiger Jan-Herbert Linz nach einer Ecke zum 2:2 (90.) einköpfte, war der Jubel riesengroß. "Wir sind mit der jungen Mannschaft noch nicht dort, wo wir gerne wären", gestand Eintracht-Coach Jan Gernlein. Anschließend hätte seine Mannschaft sogar noch verlieren können, doch ein abgefälschter Schuss strich knapp am Pfosten vorbei..
Der späte Ausgleich: Jan-Herbert Linz (Nr.) trifft.
Hans Wunder
So richtig zufrieden waren beide Mannschaften nach dem ersten Zähler im Kalenderjahr. Bamberg, weil es eine 2:0-Führung hergebgeben hat und unter dem Strich nicht wie eine Spitzenmannschaft aufgetreten ist. Und die Gastgeber, weil der Zähler für den hohen Aufwand im Grunde zu wenig war. Noch jede Menge Arbeit für beide Trainer. Doch es bleibt nur kurz Zeit zum Verschnaufen und die Domstädter müssen bereits am Dienstag den schweren Gang nach Weiden antreten - die Oberpfälzer hatten mit einem 6:0-Kantersieg gegen Stadeln für die Spieltagsüberraschung gesorgt.
Spielbericht eingestellt am 07.03.2026 00:00 Uhr