Jochen Staniszewski fordert Leidenschaft und Zweikampfhärte gegen den Top-Favoriten der Liga.
Sebastian Baumann
1.FC Herzogenaurach
„Wir haben nichts zu verlieren“
Nach der deutlichen Niederlage beim ATSV Erlangen wollte der FC Herzogenaurach gegen Mitaufsteiger FC Wendelstein ein anderes Gesicht zeigen. Zumindest in einigen Bereichen gelang das. „Wir sind einigermaßen ordentlich ins Spiel gekommen und nicht wie in den Wochen davor früh in Rückstand geraten“, sagt Co-Trainer Jochen Staniszewski, der den urlaubenden Cheftrainer Jan Grässel weiterhin vertritt. Auch taktisch sah er Fortschritte. Das Problem: Dieses Mal brachten individuelle Fehler die Pumas auf die Verliererstraße. Beim 0:1 verlor Torhüter Benni Lösch einen bereits sicher geglaubten Ball und ermöglichte Wendelstein die Führung. „So etwas passiert ihm von 10.000 Mal vielleicht einmal. Das beschreibt gerade ein bisschen unsere Situation“, sagt Staniszewski. „Wir haben eigentlich keine Not und laden den Gegner trotzdem zum Gegentor ein.“
Herzogenaurach antwortete zunächst durch einen Treffer von Kevin Rockwell nach einer schönen Kombination. „Mit seiner Klasse war das ein super Abschluss“, lobt Staniszewski. Das erhoffte Erfolgserlebnis hielt allerdings nicht lange. Noch vor der Pause nutzte Wendelstein einen schnell ausgeführten Freistoß zum 2:1. Auch wenn die Herzogenauracher mit der Ausführung haderten, nimmt Staniszewski seine Mannschaft in die Pflicht: „Trotzdem dürfen wir da natürlich nicht so schlafen.“ Mit dem knappen Rückstand ging es in die Kabine – und trotzdem mit dem Gefühl, die Partie noch drehen zu können.
Gute Phasen, schwere Fehler
Dieses Gefühl verstärkte sich direkt nach Wiederbeginn. „Die ersten zehn Minuten haben komplett uns gehört. Wir haben richtig gut gespielt und dominiert“, sagt Staniszewski. Nur der Ausgleich fiel nicht. Vor dem Tor fehlten Ruhe und Selbstvertrauen. Mal kam ein Querpass, obwohl der Abschluss möglich gewesen wäre, mal suchte ein Spieler selbst den Abschluss, obwohl ein Mitspieler besser stand. „Das sind Punkte, die in unserer Situation einfach dazukommen“, erklärt der Co-Trainer. Statt des möglichen 2:2 fiel nach dem nächsten individuellen Fehler das 1:3.
Damit kippte die Partie endgültig. „Dann gehen die Köpfe vielleicht ein bisschen zu früh runter“, sagt Staniszewski. Einen Vorwurf möchte er daraus angesichts der vergangenen Wochen nicht machen. Dennoch fordert er, auch nach Rückschlägen weiter an die eigene Chance zu glauben. Gegen Wendelstein gelang das nicht mehr. Weitere Fehler sorgten schließlich dafür, dass die zweite deutliche Niederlage in Serie feststand. Besonders schmerzt, dass sie gegen einen Mitaufsteiger zustande kam. „Ohne Wendelstein zu nahe treten zu wollen: Wenn du gegen deutlich weniger Qualität als zuvor auch so hoch verlierst, musst du dich schon hinterfragen, ob jeder 100 Prozent abgeliefert hat.“ Genau darüber sprach das Trainerteam unter der Woche mit der Mannschaft.
Viel einfacher wird die Aufgabe am Sonntag allerdings nicht. Im Gegenteil: Mit dem SC 04 Schwabach kommt für Staniszewski der individuell stärkste Gegner der Liga. „Wenn man sich die Qualität anschaut, ist Schwabach für mich die bestbesetzte Mannschaft“, sagt er. Nach dem sieglosen Saisonstart, den jüngsten Ergebnissen und angesichts der angespannten Personallage verteilt er die Rollen eindeutig: „Wir sind der klare Underdog.“
„In jedem Zweikampf an die Grenze gehen“
Neben den bereits vorhandenen Ausfällen fehlten unter der Woche weitere Spieler krankheitsbedingt. Bei einigen entscheidet sich kurzfristig, ob sie gegen Schwabach zurückkehren können. „Es kommt gerade alles ein bisschen zusammen“, sagt Staniszewski. Als Ausrede soll das nicht dienen. Stattdessen sieht er gerade in der klaren Rollenverteilung eine Chance: „Wir haben irgendwo nichts zu verlieren. Wir müssen 100 Prozent abrufen und in jedem Zweikampf, in jeder Situation an unsere Grenzen gehen. Wir wollen Schwabach alles abverlangen und sie ärgern“, sagt der Co-Trainer.
Aufgebot letztes Spiel FC Herzogenaurach (ASV Weisendorf, 29.08.2026):
Lösch,
Rahe W.,
Richter,
Brütting (84.
Christelsohn),
Atchane,
Bernreuther P. (46.
Lauber M.),
Christmann,
Schmidt P. (63.
Duensing),
Rockwell,
Kröniger (70.
Dory),
Vierengel /
Altenberger Tim.,
Högner,
Bauer C.,
Said,
Ebersberger,
Amling
Expertentipp von Sebastian Baumann
0:2
Unterschätzen wollen die Schwabacher auch in der Favoritenrolle keinen Gegner in der Liga.
fussballn.de / Strauch
SC 04 Schwabach
"Den Fehler werden wir auf keinen Fall machen!"
Mit 0:2 lagen die Schwabacher beim Derby in Neuendettelsau bereits nach vier Minuten hinten, konnten das Spiel aber noch in einen 4:2-Sieg umbiegen. "Wir haben
uns den Start ins Spiel sicher anders vorgestellt. Die Jungs haben sich
gegen die Niederlage gewehrt und mit dem Anschlusstreffer war unser Spiel
deutlich zielstrebiger. Es war nicht einfach, trotzdem haben wir uns das
verdient und erarbeitet. Die Reaktionen beim Führungstreffer und die
Emotion nach Schlusspfiff können sehr wertvoll sein", sagt SC-Trainer Christopher Hofbauer über einen nicht alltäglichen Spielverlauf. Sein Team ist damit weiterhin ungeschlagen
und der Kontakt nach ganz oben ist da. Dennoch will Hofbauer nicht diesen Blickwinkel einnehmen: "Unsere Denkweise ist eine andere. Von Spiel zu Spiel und
voller Fokus auf uns selbst. Wir wollen keine Rechenspielchen. Die Tabelle
ist immer noch eng zusammen. Wir wollen unsere Aufgaben erledigen und dann
sind wir dabei." Am Sonntag geht es zum Schlusslicht nach Herzogenaurach. Der Aufsteiger kam noch
nicht wirklich in der Liga an. Die Gefahr, den Gegner deswegen zu unterschätzen, sieht der Coach nicht: "Alle Spiele haben
gezeigt, dass es schwer wird, wenn man nicht von Beginn an voll da ist. Den
Fehler werden wir auf keinen Fall machen."
Aufgebot letztes Spiel SC 04 Schwabach (SC Großschwarzenlohe, 04.09.2026):
Zierock,
Woleman (79.
Herger),
Wackersreuther,
Kestel (46.
Enzingmüller),
Kussmann,
Götz,
Papp,
Mboup M. (77.
Zillmann),
Sauerstein (82.
Riegel),
Klaus,
Sauer (74.
Teukam Noumessi) /
Selmani Ar.,
Gubesch,
Arnold,
Bologna,
Dedeoglu
Expertentipp von Marco Galuska
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