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Artikel veröffentlicht am 25.06.2019 um 17:45 Uhr
Fußballiade 2019: Ohne Profis zählen die Amateure wieder mehr
Das größte Amateurfußballfest Deutschlands, die Fußballiade, fand vom 20. bis 23. Juni 2019 in der zweiten Auflage erneut in Landshut statt. fussballn.de war vor Ort, um sich über vier Tage wieder selbst ein Bild zu machen von einer Veranstaltung mit einem stattlichen Etat, Hintergründe zu erfragen und eine unabhängige Gesamteinschätzung abzugeben.
Von Marco Galuska

Es wäre nichts leichter gewesen, als die ausführlichen Angebote durch die Medienkanäle des Bayerischen Fußball-Verbandes für die Bilanz zur Fußballiade zu nutzen. Eine Pressemeldung, ein Beitrag, wenig Aufwand. Doch traue keiner Bilanz, die du nicht selbst gefälscht hast - ein Beigeschmack wäre aus der Distanz sicher geblieben, wenn man den Anspruch einer kritischen Berichterstattung verfolgt.

"Heimspiel" in der Berichterstattung als Problemfall

Für das Gros der 47 akkreditierten Medienvertreter (aus 18 unterschiedlichen Medien) bei der Fußballiade war es ein Heimspiel. Und dies wird ein wesentlicher Kritikpunkt bleiben, so dass die Aufmerksamkeit und Akzeptanz auch in der zweiten Auflage nur spärlich die Bezirke in Franken erreicht hat - obwohl zumindest dieses Angebot die Vereine im BFV nicht leichtfertig ausschlagen sollten.

Für den "riesigen Stellenwert", den BFV-Präsident Rainer Koch der Veranstaltung zuschreibt, weil die Maxime ("Der Amateurfußball kann nur Beachtung finden, wenn er gebündelt auftritt.") in die Tat umgesetzt werden sollte, war es nach vier Jahren durchaus an der Zeit, weder Kritikern aus der Ferne noch einer Glorifizierung aus erster Hand leichtgläubig zu trauen.

Die Messer mussten gar nicht erst neu gewetzt werden. Kritik handelte sich der BFV in den zurückliegenden Wochen gerade im Zuge einiger Ungereimtheiten im Spielbetrieb ein. Die Relegation zur Bezirksliga in Mittelfranken war ebenso wenig ein Meisterstück, wie der Umgang mit durchaus heiklen Fragen aus dem Sportrecht. Der Kollege Sebastian Baumann hatte in einem beachtlichen Kommentar gar gefordert: "Der BFV muss mit dem Verdacht der Willkür aufräumen." Es häuften sich zuletzt jene Kritikpunkte - gefühlt kaum ein Fettnäpfchen, das ausgelassen wurde - so dass die Verwendung des einst propagierten Slogans "Verband und Vereine - ein Team" allmählich nicht mehr ohne Fragezeichen gestattet war.

Aus Mittelfranken nach Landshut: Insgesamt 23 Mannschaften hatten diesen Weg aus dem Bezirk in die schmucke Stadt an der Isar angetreten. Bereut dürfte es kein Team haben. Für die Jugend-, Senioren oder Inklusions-Mannschaften waren die Tage kurzweilig: auf den bislang unbekannten und überwiegend bestens präparierten Sportplätzen der insgesamt 22 Vereinen aus Landshut und Umgebung, ebenso wie das alles andere als alltägliche Angebot auf der Festwiese, auf der ungeahnte und zum Teil spektakuläre Fußballattraktionen warteten, oder ein Bummel durch die an sich schon sehenswerte Altstadt, die als Festmeile und Bühne dem Fußball (aber auch exzellenten Pop-Musikern) gehörte.

Der pure Amateurfußball tut gut

Genauer gesagt gehörte die Bühne vier Tage lang den Amateurfußballern. Koch betonte im TV-Interview: "Sie sehen keinen Profi hier!" Und die Abwesenheit des nach den Sternen (oder oftmals darüber hinweg) greifenden Profibereichs der Sportart tat der Basis richtig gut. Dass man den talentierten Amateurfußballern beim UEFA-Regions Cup in der Organisation recht professionelle und wohl überdimensionierte Umstände gönnt, sei durchaus gestattet, solange die Kosten (siehe Fragen und Antworten zur Fußballiade) nicht den "kleinen Vereinen" aufgebrummt werden.

Und an diesem Punkt stellt sich dann die Gretchenfrage. Es bleibt abzuwägen, was die Fußballiade dem Amateurverein, egal ob städtisch oder ländlich geprägt, in Bayern bringt.

Gewinner und Verlierer

Die Gewinner finden sich bei Betrachtung der vier Tage in Landshut in deutlicher Überzahl: Die Stadt Landshut hat es einmal mehr verstanden, ein hervorragend aufgestellter und gastfreundlicher Ausrichter zu sein für eine Großveranstaltung der kurzen Wegen.

Der BFV gab - auch dank der vielen freundlich wie fleißigen Volunteers - bei der Fußballiade ein Bild ab, das man sich auch in anderen Bereichen für die Zukunft wieder mehr wünschen würde: kompetent und der Basis verbunden!

Der größte Gewinner war aber der pure Fußball, die Teilnehmer (darunter darf der Amputierten-Fußball, der mit seiner Darbietung reichlich Anerkennung verdiente, ruhig explizit genannt werden) und Besucher, die von einem kurzweiligen und geschickt abgestimmten Programm vier Tage ganz im Zeichen des Amateurfußballs (wie er sein sollte) profitierten.

Verlierer gab es auch. Nämlich die, die sich das Spektakel entgehen ließen, obwohl auch sie anteilig an den Kosten des satten sechsstelligen Etats (siehe Fragen und Antworten zur Fußballiade) beteiligt waren. Natürlich wird der eine oder andere Vereinsvertreter die eigenen Sorgen, Nöte und Verpflichtungen vor der eigenen Türe dieser These entgegenstehen. Dies ist mehr als nachvollziehbar. Aber alle vier Jahre dürfen sich die Vereine jene Dividende schon gönnen und auch einmal selbst auf größerer Bühne feiern - 5000 Aktive aus 350 Vereinen haben es getan.

Vielleicht war diese Berichterstattung doch zu wenig kritisch, aber die Suche nach dem Haar in der Suppe wird sicher auch wieder leichter werden...

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Leser-Kommentare


Fragen zur Fußballiade 2019

beantwortet durch BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth:

Wie wurde die angegebene Besucherzahl von 50.000 bei der Fußballiade gemessen?

Die Zahl wurde von den zuständigen Sicherheitsbehörden (Polizei, Stadt) in der Abschlussbesprechung kommuniziert. Sie fußt auf Stichprobenzählungen sowie Erfahrungswerten, die in Landshut ja sehr hoch sind, z.Bsp. von der regelmäßig stattfindenden Landshuter Hochzeit oder aber dem Turnfest.

Stichwort Kostenvolumen der Fußballiade: Welchen Anteil trägt davon der BFV und letztlich die Vereine?

Um die Zahl transparenter zu machen, lässt sich festhalten: Legt man die Gesamtkosten auf die Vereine im BFV um, so war pro Verein pro Monat ein Beitrag von 1,95 EUR über die vier Jahre zu leisten.

Kostenvergleich zu 2015 – in welchem Verhältnis bewegt sich der Etat im Vergleich zur 1. Fußballiade?
Im Vergleich zur ersten Fußballiade konnten die Kosten von damals 3,50 EUR durch eine breitere Sponsorenbasis nun deutlich reduziert werden.

Wer trägt die Kosten für die Ausrichtung (z.B. Kost & Logis der Aktiven, Delegierten) des UEFA Regions Cup?
Dem Bayerischen Fußball-Verband wurde die Ausrichtung von der UEFA über den DFB übertragen, die Kosten trägt entsprechend die UEFA.

Findet die 3. Fußballiade in vier Jahren wieder in Landshut statt? 
Aktuell finden noch Abbauarbeiten statt, von daher ist es jetzt zu früh, um schon konkrete Aussagen zu treffen. Von daher wird sich das Organisations-Komitee in den nächsten Wochen und Monaten mit der detaillierten Aufarbeitung der diesjährigen Auflage beschäftigen und dann eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen.


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