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Artikel veröffentlicht am 18.06.2019 um 06:00 Uhr
Abseits des Rampenlichts: Der lange Weg zurück in die Kreisliga
Fast 700 Zuschauer verfolgten am Sonntag das finale Match um den Aufstieg in die Kreisliga. Tuspo Nürnberg setzte sich mit 5:2 gegen den ESV Flügelrad nach Elfmeterschießen durch. Die Relegation war im Verhältnis nur ein kurzer Endspurt auf dem langen Weg der Rückkehr ins Kreisoberhaus.
Von Marco Galuska
Fast schon etwas ungläubig bestaunt: Das T-Shirt, das den Aufstieg von Tuspo Nürnberg in die Kreisliga dokumentiert.
fussballn.de / Kögel
Das permanente Online-Sein, der Live-Ticker am Smartphone, die sozialen Netzwerke - es war alles noch recht wenig konkrete Zukunftsmusik, als zur Jahrtausendwende das Internet-Zeitalter noch in den Kinderschuhen stand. Und so gibt das Netz kaum mehr Zeugnisse über die durchaus beachtliche sportliche Vergangenheit von Tuspo Nürnberg.

Und damit sind nicht die Jahre als Handball-Bundesligist gemeint, die noch komplett offline stattfanden. Die Fußballer beim Tuspo mussten nach der Saison 2000/01 die Kreisliga verlassen. Die Stützen erfolgreicher Jahre hatten den Verein verlassen - oder waren in die Jahre gekommen. So ging es drei Jahre später gar noch eine Stufe tiefer. Nach drei weiteren Jahren als äußerst graue Maus im damaligen Unterhaus wuchs allmählich etwas heran aus der Jugend, die damals Metin Kett - selbst Urgestein und Dauerbrenner bei den Herren - coachte.

Relegation 2009: Tuspo-Abteilungsleiter Armin Völker und Metin Kett, damals noch als spielender Trainer, feiern den Aufstieg in die Kreisklasse.
fussballn.de

2009, die Zeit der Online-Portale hatte begonnen, feierte die junge Tuspo-Truppe unter Trainer Kett den Aufstieg in die Kreisklasse. Mit jener vielversprechenden Truppe um Mittelfeld-Motor Roberto Bernardez, Trainersohn Tim Kett, Torjäger Faruk Özkan oder Spielmacher Anatoli Sanosin schien der Aufstieg in die Kreisliga nur eine Frage der Zeit. Doch es kam anders. Der eine oder andere Leistungsträger suchte sein Glück bei anderen Vereinen. 2014 ging es runter in die A-Klasse.

Aus Fehlern gelernt

"Wir haben Fehler gemacht, aus denen wir gelernt haben", sagt ein erstaunlich gelassener Abteilungsleiter Armin Völker nur wenige Minuten, nachdem Bastian Stössel den letzten Elfmeter für den Tuspo zum Kreisliga-Aufstieg versenkt hatte. In der Saison 2012/13 hatte Völker kurzerhand für eine Saison selbst den Trainerposten übernommen, nachdem es zum Bruch mit Coach Metin Kett gekommen war. "Wir haben beide dazugelernt", führt der Abteilungsleiter fort. "Nachdem wir unserer Hörner abgestoßen haben, waren wir uns einig, welchen Weg wir gemeinsam beim Tuspo gehen wollen. Wir haben seitdem ein super Verhältnis, weil auch ganz klar ist, wie die Aufgaben verteilt sind", erinnert sich Völker an Ketts Rückkehr vom TSV Buch, wo dieser für ein Jahr die A-Jugend übernommen hatte, ehe die Arbeit beim Herzensverein Tuspo Nürnberg fortgesetzt wurde.

Metin Kett bleibt auch in der kommenden Saison Trainer bei Tuspo Nürnberg.
Florian Gitzing

Dass es kein gemachtes Nest war in Ziegelstein, war Kett sonnenklar. Und so war der Neidfaktor durchaus überschaubar in drei Jahren durchschnittlichen A-Klassen-Fußballs mit aus dem Augenwinkel leicht zählbaren Zuschauern. Immerhin: es ließ sich in Ruhe arbeiten und vom Konzept waren die Tusporaner, auch abseits des Rampenlichts, felsenfest überzeugt. Neben Völker und Kett ging auch Betreuer und Spielleiter Jürgen Kraus als treue Seele durch die Talsohle. Mit Armin Siegritz gab es zudem ein weiteres jener Urgesteine, der erfolgreich im Nachwuchs arbeitete und somit die Basis legte für eine sportlich wieder bessere Zukunft am Marienberg. Dem Vorsatz, dass man Spieler nicht auf Biegen und Brechen zum Tuspo lotsen wollte, sondern die Ernte aus der eigenen Saat eines Tages einfahren würde, blieben sich Völker, Kett und Siegritz treu. Neben den nachrückenden Jugendspielern kehrten dennoch auch einige frühere Tuspo-Spieler zu ihren Wurzeln zurück.

Nach dem Aufstieg in die Kreisklasse 2018 kehrten einige altbekannte Gesichter zurück, andere waren zumindest Zuschauer beim Relegationsspiel des Tuspo am vergangenen Sonntag.
fussballn.de / Kastner

Vorzeitige Zusage der gesamten Mannschaft

Überlegen und souverän stieg der Tuspo 2018 als Meister aus der A-Klasse auf. Von der Kreisliga war trotz einer für den Aufsteiger mehr als beachtlichen Hinrunde auch unmittelbar vor dem Start aus der Winterpause im Frühjahr 2019 noch nicht die Rede, als Völker die gesamte Truppe versammelte, um die Weichen für das kommende Spieljahr zu stellen: "Alle Spieler haben unabhängig von der Spielklasse ihre Zusage gegeben, ohne irgendwelche Forderungen und Vorbehalte. Das war schon ein tolles Zeichen, das ich so noch nie erlebt habe", zeigt sich Völker stolz über den Zusammenhalt in der Mannschaft, aber auch über das Standing, das sich die Truppe mittlerweile erarbeitet habe: "Wir haben jede Menge Zuspruch und viele Komplimente von anderen Vereinen bekommen, das war eine bemerkenswerte Herzlichkeit, die ich da erlebt habe", freut sich Völker.


Geraint Harries wurde mit seinem Kampfgeist schnell zum Publikumsliebling beim Tuspo.
fussballn.de / Kögel

Ketts Zusage für den Trainerposten galt vor der abgelaufenen Saison ohnehin für zwei weitere Spieljahre. Verabschieden muss sich der Tuspo-Trainer Ende August zwangsläufig vom walisischen Wirbelwind Geraint Harries, der die Zuschauer mit typisch britischem Kampfgeist - viel laufen, grätschen, kämpfen, nicht lamentieren - begeistern konnte und schnell zum Publikumsliebling avancierte. Auch der erst im Mai hinzugestoßene Bennet Niederhöfer, der in vier Spielen drei Tore erzielte, wird in die badische Heimat zurückkehren.

Lautstark wurde der Aufstieg gefeiert: Tuspo Nürnberg ist wieder in aller Munde.
fussballn.de / Kögel

Freuen darf man sich beim Tuspo auf die Rückkehr von Frederik Bloem, der Ende September aus England wieder nach Nürnberg kommen wird. Zudem sei man noch an ein, zwei Spielern dran. Spruchreif ist das bislang nicht. "Wichtig ist vor allem, dass die Spieler auch zur Mannschaft passen. Denn die Mannschaft passt", so Völker, der in der Kreisliga natürlich nichts anderes als den Klassenerhalt als Ziel ausgibt. "Die Mannschaft ist noch jung und grün, aber sie hat auch Entwicklungspotential und muss weiter lernen." So wie man auch beim Tuspo aus der Vergangenheit getan hat.

Kreisliga-Aufsteiger 2019: Tuspo Nürnberg ist nach 18 Jahren wieder in der höchsten Spielklasse des Kreises.
fussballn.de / Kögel


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Bilanz Tuspo Nürnberg

Saison
Pl. 
Liga
2019/20
15. 
Kreisliga Nürnberg
 
2018/19
2. 
Kreisklasse 5 Nürnberg/Frankenhöhe
2017/18
1. 
A-Klasse 7 Nürnberg/Frankenhöhe
2016/17
11. 
A-Klasse 6 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2015/16
6. 
A-Klasse 6 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2014/15
4. 
A-Klasse 6 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2013/14
13. 
Kreisklasse 4 Nürnberg/Frankenhöhe
2012/13
11. 
Kreisklasse 4 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2011/12
12. 
Kreisklasse 5 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2010/11
4. 
Kreisklasse 4 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2009/10
4. 
Kreisklasse 5 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2008/09
2. 
A-Klasse 7 Nürnberg/Frankenhöhe
2007/08
5. 
A-Klasse 6 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2006/07
9. 
A-Klasse 6 Nürnberg/Frankenhöhe
 
2005/06
6. 
A-Klasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2004/05
6. 
A-Klasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2003/04
14. 
Kreisklasse Ost Nürnberg/Fürth
2002/03
8. 
Kreisklasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2001/02
7. 
Kreisklasse Ost Nürnberg/Fürth
 
2000/01
17. 
Kreisliga Nürnberg
1999/00
8. 
Kreisliga Nürnberg
 
1998/99
12. 
Kreisliga Nürnberg
 
1997/98
9. 
A-Klasse (KL) Nürnberg/Fürth
 
1996/97
11. 
A-Klasse (KL) Nürnberg/Fürth
 
1995/96
6. 
A-Klasse (KL) Nürnberg/Fürth
 
1994/95
6. 
A-Klasse (KL) Nürnberg/Fürth
 


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