Es kommt durchaus selten vor, dass in den beiden Finalspielen um einen Bayernliga-Platz zwei Landesliga-Vize-Meister stehen. Allerdings drangen weder die Frammersbacher (2:1 und 1:0 über den TSV Abtswind) noch der FSV Stadeln (1:1, 3:0 gegen den FC Eintracht Münchberg) unverdient ins Zweitrundenmatch vor. Für beide wäre es der erste Bayernliga-Aufstieg der Vereinshistorie überhaupt.
Die Gäste mussten im Hinspiel am Kronacher Wald allerdings urlaubsbedingt auf Defensivstütze Norman Moreno verzichten. Auch Marlon Dimitrov stand erkrankt nicht zur Verfügung. Dafür starteten Kilian Blenk als Außenverteidiger und Dominik Jordan vorne neben Spielertrainer Amrhein.
Gute Nachrichten für alle, die es mit Stadeln halten, gab es im Vorfeld der Partie. FSV-Spielführer Luca Pulkrabek stand trotz seiner vorzeitigen Auswechslung im Erstrunden-Rückspiel vier Tage zuvor von Beginn an auf dem Platz. Die einzige Änderung, die Manfred Dedaj im Vergleich zum Auftritt in Oberfranken am Samstag vornahm: David Perst rotierte für Jonas Köstler aus der ersten Elf.
Praktisch über die gesamte Spieldauer waren die Frammersbacher wie Kapitän Alexander Beck einen Schritt zu weit entfernt. Stadelns Jonas Köstler spielt einen langen Ball.
Lukas Hörlin
Vor einer großartigen Kulisse von rund 1.000 Zuschauern (davon 736 zahlende Besucher sowie etliche Kinder und Jugendliche) legten beide Mannschaften einen nervösen Beginn hin. Längere Ballstafetten verzeichneten weder die Mittel- noch die Unterfranken. Dennoch schien es, als hätte sich der TuS nach etwa zehn Minuten mit den Gegebenheiten zurechtgefunden. Der Nordwest-Vize erarbeitete sich ein leichtes Plus an Ballbesitz. Den ersten gefährlichen Torschuss gab allerdings nach einsetzendem Regen die Dedaj-Elf ab. Marco Webers Versuch aus halblinker Position wurde jedoch zur Ecke geblockt (22.). Im zweiten Anlauf flog die Kugel an den langen Pfosten zu Thomas Müller, der auf den an der Strafraumkante lauernden Salim Ahmed ablegte. Ballannahme, Abzug - 1:0 (23.).
Mit der Führung im Rücken kippte das Momentum nun stark auf die Seite der Gastgeber. Der angeschlagene Fabian Lurz bekam nahe der Grundlinie die Kugel an den ausgestreckten Arm und Schiedsrichter Marcel Krauß gab nach einigem Zögern Elfmeter. Frammersbachs Torwart Leon Raven ahnte zwar die richtige Ecke, an den Strafstoß von Weber kam der 26-Jährige allerdings nicht (28.). Der Gäste-Rückhalt stand wenig später erneut im Blickpunkt. Bei einem Befreiungsschlag schoss der Rechtsfuß den anlaufenden Pulkrabek an. Stadelns Kapitän gewann das anschließende Laufduell um den Abpraller und traf in den leeren Kasten (30.).
Drei Schüsse aufs Tor, dreimal schlug es im Frammersbacher Gehäuse ein. Der FSV präsentierte sich vor eigenem Publikum eiskalt. Und schockte den TuS damit bis ins Mark. Die Amrhein-Elf bekam keinen Fuß mehr in die Partie. Kaum ein Zuspiel kam an und die Hausherren gewannen mit einer gesunden Galligkeit fast jeden entscheidenden Zweikampf. Als Steven Summa kurz vor dem Seitenwechsel den durchstartenden Weber an der Mittellinie niederrang, hätte sich bei der Main-Spessart-Truppe niemand über einen Platzverweis wegen einer Notbremse beschweren dürfen (45.).
Sebastian Emmert, hier von Kilian Blenk bewacht, setzte immer wieder Impulse über den Flügel.
Lukas Hörlin
Auch die Einwechslung des Amrhein-Vorgängers Andre Mehrlich und die Umstellung auf einen Dreier-Sturm änderten an der Stadelner Dominanz nichts. Der Nordwest-Zweite war weiter von der Rolle, spielte einfachste Fehlpässe und befreite sich nur selten. Nach einer hohen Balleroberung zirkulierte das Leder gekonnt von der linken auf die rechte FSV-Seite, Weber hatte das Auge für den Nebenmann und Lukas Zieglmeier stellte nur acht Minuten nach Wiederanpfiff mit dem vierten Schuss auf das Raven-Gestänge auf 4:0 (53.).
Die Heimelf gönnte sich in der Folge eine Verschnaufspause und schaltete einen Gang zurück. Die nachfolgenden TuS-Angriffe standen sinnbildlich für den Auftritt der Kicker von der Orber Straße. Amrheins mittig platzierter Versuch aus 30 Metern war der erste Gäste-Abschluss auf Moritz Prenzler überhaupt (55.). Mit ihrer robusten, aber nie unfairen Gangart ließ Stadeln keinerlei Hoffnung und Spannung mehr aufkommen. Stattdessen läutete Johan Brahimis Platzverweis wegen wiederholtem Foulspiel eine Schlussoffensive der Fürther ein (71.). Joker Nikolaos Xygas scheiterte an Raven (73.). Weber (75.), Max Hering (69., 77.) und erneut Xygas (88.) zielten zu ungenau und Blenk rettete im letzten Moment nach einer Hereingabe von Maximilian Hirschmann (84.). Letztlich waren die Unterfranken mit den vier Gegentoren noch gut bedient.
Laif Reiling beißt sich an Lukas Zieglmeier und Thomas Müller fest.
Lukas Hörlin
Ausgerechnet im Hinspiel der zweiten Relegationsrunde zur Bayernliga liefern die Frammersbacher einen ihren schwächsten Auftritte - wenn nicht gar den desolatesten - der gesamten Runde ab. Auf Lurz' Verletzung und Morenos sowie Dimitrovs Fehlen ist die Abreibung in Stadeln nicht zu schieben. Kaum ein TuS'ler wusste etwas Zielführendes mit dem Ball anzufangen, geschweige denn sich im Zweikampf durchzusetzen. Zudem lieferten Amrhein & Co. bei den Gegentoren entweder gütige Schützenhilfe oder sie präsentierten sich in den entscheidenden Momenten zuvor deutlich zu passiv.
Stadeln präsentierte sich dagegen auf dem Waldsportplatz in allen Mannschaftsteilen konzentriert. In sämtlichen Belangen war der Nordost-Vizemeister seinem Kontrahenten überlegen. Anderthalb Schritte in Richtung Bayernliga hat der FSV mit dem klaren Erfolg gemacht, bei einer ähnlich starken Performance folgt am Samstag als logische Konsequenz die Kür.
Spielbericht eingestellt am 29.05.2025 00:11 Uhr