Von Wolfgang Dienstbier
Wer wegen des Schmuddelwetters den Weg in den Waldsportpark scheute, wird es bereuen. Vor allem Fans und Anhänger der „Spieli“. Ein Spektakel in zwei Akten. Dabei bietet die alte ehrwürdige Holztribüne guten Schutz. Bei den Hausherren musste, urlaubs- und verletzungsbedingt, Trainer Lukas Gerstle auf sieben Stammspieler verzichten! Das zeigte sich von Beginn an durch Nervosität und der Tabellenzweite nutzte dies sofort und ging in der vierten Minute durch einen Sonntagsschuss aus 20 Metern durch ihren Torjäger German Elperin mit 0:1 in Führung. Unhaltbar für Keeper Max Müller. Zwei erfolglose Distanzschüsse sorgten für etwas Entlastung, um den starken Druck der Gäste etwas zu mindern. Eine gute Chance zum Ausgleich gab es nach einer scharfen Hereingabe von Stylianos Tsitakidis, die ein ASV-Spieler fast ins eigene Tor lenkte. Doch meist brannte es vor dem „Spieli“-Tor und in der 21. Minute war es dann so weit. Die Gäste wirbelten über rechts wie Laub im Herbstwind über das nasse Grün, den folgenden Querpass jagte dann Benan Erdem aus zehn Metern humorlos über Keeper Max Müller unhaltbar zum 0:2 ins Netz. Ein weiterer Distanzschuss zeigte, dass man kaum das Vacher Tor gefährdete. Wie das geht, zeigte der ASV nach einer guten halben Stunde auf der anderen Seite, als Benan Erdem auf 0:3 stellte. Kurz darauf verhinderte Keeper Max Müller den nächsten Treffer. Die tapfer kämpfenden Erlanger retteten sich so, mit hängenden Köpfen, in die Pause. Ein Debakel drohte.
Was dann in der „Spieli“-Kabine geschah, wissen nur die Anwesenden. Waren es die Worte vom Coach Lukas Gerstle oder wie vermutet der Zaubertee von Betreuerin Birgit? Auf jeden Fall kamen elf selbstbewusste Spieler zurück auf den Platz. Charakter und vor allem die starke Moral nach Rückständen zeigte das Team schon oft in dieser Saison, aber bei 0:3 gegen defensiv starke Gäste? (sieben Gegentreffer in 13 Spielen !!). Doch nun wirbelte die „Spieli“ gegen verdutzte Vacher über den Rasen. Eine Reaktion, die man nicht erwarten konnte und den Funken auf die Fans überspringen ließ. Die geschwächte Mannschaft zeigte Leidenschaft, Moral und Einsatz. So in der 52. Minute, als ein Angreifer seinen Gegenspieler an der Eckfahne fair bedrängte und ihm den Ball “abluchste“. Sein Rückpass landete bei Wynton Kube, der nur durch ein Foul zehn Meter vor dem Tor gestoppt werden konnte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Piero Gizzarelli-Rivas unhaltbar zum 1:3-„Ehrentreffer“. Dachte man. Doch plötzlich schnupperte man am Nachmittag, Morgenluft. Der Tabellenzweite wusste nicht, wie ihm geschah. Bereits fünf Minuten später stoppte man einen Angriff, spielte steil auf Daniel Pörschmann, dessen Rückpass auf Attilio Scalera vollstreckte dieser aus 18 Metern zum 2:3. Keine drei Zeigerumdrehungen später eroberte man sich aggressiv aber fair in der eigenen Hälfte die Murmel. Ein genauer Pass auf Wynton Kube, dessen Zuspiel auf Attilio Scalera und dieser ließ mit seinem Doppelpack die Fans ausflippen. Leidenschaftlich trieben sie ihr Team weiter nach vorne gegen geschockte Gäste. Sofort hatte man die nächste Chance. Doch im Gegenzug fast der erneute Führungstreffer für den Gast. Nun spielten beide Teams mit offenem Visier um den Sieg. Zunächst vergab die „Spieli“ aus wenigen Metern, dann zweimal der ASV aus der Distanz knapp drüber und dann rettete Keeper Max Müller mit toller Parade. Mit einem präzisen Konter gegen die hoch stehenden Gäste ging es in die Cranch-Time. Daniel Pörschmann startete auf der rechten Seite durch, seinen Schuss konnte Torhüter Lukas Reichmann nur nach vorne parieren und Wynton Kube vollstreckte eiskalt zur 4:3-Führung. Nun brachen bei der „Spieli“ alle Dämme, statt vernünftig zu verwalten, ging man voll ins Risiko und versuchte den Lucky Punch zu setzen. Dies gelang auch in der 88. Minute mit einem Konter gegen die entblößte ASV-Abwehr. Dieses Mal war Attilio Scalera der Vorbereiter und der eingewechselte Noel Vartan stellte überlegt und mit Ruhe auf 5:3. Die Entscheidung für die „Spieli“? Nein, noch einmal Bangen, als Keeper Max Müller bei einem Distanzschuss von G. Elperin das nasse Leder durch die Hände „flutschte“, was seine sehr gute Leistung jedoch nicht schmälerte. Zwei Minuten später war ein Spiel mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten beendet. Chapeau oder Hut ab vor Trainer Lukas Gerstle mit seinem gesamten Team und den Helden auf dem Grün. Wohin der weitere Weg führt, zeigt sich in den beiden nächsten Spielen, auf der „Alm“ und bei den „Pumas“. Beide profitierten von unserem Erfolg und werden uns nicht auf die leichte Schulter nehmen. Und, Wunder kann man nicht planen, aber erspielen und erkämpfen. Jungs, das war eines, danke!!
Während die Vacher auf unsere Schützenhilfe hoffen und gegen die „Pumas“ wieder gewinnen wollen.
Spielbericht eingestellt am 06.10.2025 15:57 Uhr