Das Auswärtsspiel am Weinberg war eine Möglichkeit für die Gäste, im Kampf um den Klassenerhalt noch ein Lebenszeichen zu senden. Denn der erste (sichere) Relegationsplatz war vor dem Anpfiff bereits acht Zähler entfernt und das letzte Punktspiel lag schwer im Magen, denn da verlor die Bauer-Elf gegen eine Bamberger Mannschaft, die sich vorher auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert und den Trainer entlassen hatte. Doch Kummer war man auch bei Neudrossenfeld gewohnt, denn die Grünweißen warteten immer noch auf den ersten Sieg nach Wiederbeginn und die Verantwortlichen wurden schon etwas nervös. Da kam das Schlusslicht für den Befreiungsschlag gerade recht. Aber das war auch das Gefährliche, denn ob offensichtlich oder insgeheim – unterschätzt werden durften die Großschwarzenloher auf keinen Fall, wenn nicht die nächste Enttäuschung vorprogrammiert werden sollte. Trainer Baumer, der mit privatem Kummer in die Partie ging, nominierte im Gegensatz zum letzten Auswärtsspiel neben Routinier Gareis gleich vier neue Akteure für die Startelf.
Die Führung: Oskar Stechl (vorne) gibt mächtig Gas.
Hans Wunder
Beide Teams starteten flott in das Flutlichtspiel. Die Gastgeber zunächst mit mehr Ballbesitz und einen Schuss von Lennart Wöhner, der aus 25 Metern aber genau auf den Torwart zielte. Doch seine Mannschaft vergoldete die erste gelungene Aktion. Oskar Stechl und Mikel Seiter schoben auf der linken Seite von hinten an, bedienten Marin Hrgota am Flügel und Seiter bekam die Kugel im Zentrum zurück, wo er keine Mühe hatte, aus sieben Metern zum 1:0 (10.) zu vollstrecken. In der Folgezeit deutete eigentlich nichts darauf hin, dass Großschwarzenlohe den Ausgleich erzielen könnte, aber nach einer Freistoßflanke kurz hinter der Mittellinie kam Timo Kräftner aus acht Metern frei zum Abschluss und schoss flach zum 1:1 (20.) ein. Neudrossenfeld hatte den Schock noch nicht verdaut, da schlug es erneut ein. Der Schuss von Dominik Egerer wurde zwar noch abgefälscht und strich knapp am Pfosten vorbei. Aber bei der anschließenden Ecke war Burc Takmak mit dem Kopf zum 1:2 (22.) zur Stelle und die Gäste drehten in wenigen Minuten. "Wir müssen unsere Schwäche bei Standards unbedingt abstellen", stöhnte Torwart Tobias Grüner. Danach kam das alte TSV-Problem wieder zum Vorschein, denn Neudrossenfeld gelang es zunächst nicht, die Gäste unter Druck zu setzen, und es musste sich weiterer SC-Angriffe erwehren. "Das Spiel mit Ball war sehr zerfahren, mit vielen kleinen technischen Fehlern", nannte Kapitän Grüner einen Grund. Zudem knickte Innenverteidiger Lukas Beszczynski um und musste ersetzt werden. Trotzdem lag der Ausgleich kurz in der Luft, als die Wöhner-Flanke an den Pfosten klatschte und Hrgota zwar den Keeper tunnelte, aber ein Verteidiger bereinigte. Das gab zumindest Hoffnung für den zweiten Abschnitt.
TSV-Stürmer Matin Hrgota (vorne) war an allen Treffern der Gastgeber beteiligt.
Hans Wunder
Nach der Pause begnügten sich die Gäste zunächst, den knappen Vorsprung zu verwalten. Trotzdem holten sie drei Eckbälle am Stück heraus, die aber nichts einbrachten. Auf der anderen Seite konnte Mikel Seiter dem Leder nach einer Rechtsflanke zwar noch eine andere Richtung geben, aber Gäste-Keeper Luca Thöle hatte aufgepasst. So verstrichen Minuten um Minuten weitgehend ereignislos, bevor es richtig dramatisch wurde. Trainer Andreas Baumer stellte um, nahm einen Verteidiger heraus und brachte mit Lucas Hümemr einen zusätzlichen Angreifer. Aber das Spiel wurde jetzt emotionaler und der bereits gelbverwarnte Mikel Seiter musste nach einem Schubser ohne Zweikampfsituation mit der Ampelkarte vom Platz. Das schien bei den übrigen zehn Akteuren der Gastgeber zusätzliche Energien zu mobilisieren, auch wenn Gästespieler Marc Roth alleine vor Torwart Grüner versäumte, den Deckel draufzumachen. Aber als Kilian Schwabe punktgenau auf das hintere Fünfereck flankte und der eingewechselte Lucas Hummer per Kopf in die Mitte ablegte, war Stoßstürmer Marin Hrgota mit der Rübe da und markierte das 2:2 (80.). Anschließend wurde es erneut hitzig. TSV-Sechser Nikolas Hofmann ging mit viel Wucht und einem gestreckten Bein in den Zweikampf – allerdings von vorne – und sah den roten Karton. "Ich habe ihn überhaupt nicht getroffen und der Schiedsrichter hat das überhaupt nicht gesehen", erzürnte sich der Mittelfeldmann nach seinem Platzverweis. Aber es nützte nichts. Seine Truppe hatte nur noch acht Feldspieler auf dem Spielfeld und die verzückten die einheimischen Fans. Denn als Joker Lucas Hümmer im Strafraum hörbar getroffen wurde, zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt und Marin Hrgota machte mit dem 3:2 den Heimsieg perfekt. "Ich habe immer an meine Mannschaft geglaubt", war Andreas Baumer die Erleichterung anzumerken.
Christos Chatzioglou (re.) mit Vorwärtsdrang.
Hans Wunder
"Uns trifft der Fußball gerade mit voller Härte", traf Gästecoach Florian Bauer den Nagel auf den Kopf. Statt eines duchaus möglichen, wenn nicht wahrscheinlichen Dreiers gingen seine Schützlinge mit hängendem Kopf vom Platz. Gut möglich, dass es das vorerst mit der Bayernliga war. Dagegen schaffte Neudrossenfeld den erste Sieg 2026 und hat im Kampf um den Klassenerhalt jetzt enormen Rückenwind.
Spielbericht eingestellt am 20.03.2026 23:21 Uhr