Von Frankenpost / Marcus Schädlich
Zwei Tore, zwei Platzverweise und eine tolle Fußball-Atmosphäre: Das Duell zwischen Bayern Hof und dem Würzburger FV bot alles – nur keinen Sieger. Dafür aber viel Drama.
Fußball muss nicht immer das Hochglanzprodukt der Champions League sein, doch er fasziniert trotzdem. Dies könnte eine Erkenntnis nach dem 1:1 (0:1) der SpVgg Bayern Hof am Samstagnachmittag gegen den Würzburger FV sein. Vor 850 Zuschauern holten die Hofer einen verdienten Punkt nach einem unterhaltsamen Spiel gegen das bisherige Schlusslicht der Fußball-Bayernliga. Auf dem Papier ist das Remis sicherlich zu wenig, nach dem Spielverlauf hätte es für Hof allerdings auch noch viel schlimmer kommen können. Am Ende kamen die Fans trotzdem voll auf ihre Kosten und erlebten einen dramatischen Fußballnachmittag – gekrönt von einem späten Treffer durch Lucas Seidel zum Endstand in der letzten Minute der regulären Spielzeit.
Hofs Coach Henrik Schödel sprach von einer „hervorragenden Partie“ und war mit einem Punkt zufrieden. „Wir hätten mit 2:0 vorn liegen können, dann aber mit 0:3 zurück“, so der Hofer Coach, der sich bei den Fans bedankte, die das Team nach vorn peitschten. „Jeden Punkt, den wir vor Weihnachten holen, ist einer, der uns Beruhigung bringt.“
Der Reihe nach: Bei der Startformation hatte Schödel auf eine neue Variante in der Offensive gesetzt: Er ließ den zuletzt nicht mehr so treffsicheren Stürmer Lucas Seidel auf der Bank, zog dafür Hüseyin Durkan von der Außenbahn ins Zentrum – wohl auch, weil sich auf den Außenbahnen mit Paul Tittmann und Max Frank zwei Spieler zuletzt regelrecht aufgedrängt hatten, von Beginn an zu spielen.
Und die beiden standen auch gleich zu Beginn im Zentrum eines starken Hofer Beginns: Die Gastgeber wollten offensichtlich eine frühe Führung erzwingen, kamen auch gleich zu etlichen Abschlüsse. Die beste Chance hatte Paul Tittmann nach fünf Minuten, als er im Strafraum aus guter Abschlussposition freie Schussbahn hatte. Er setzte allerdings auf einen zentralen, hohen Schuss in Richtung Keeper. Der Ball prallte von der Latte ins Aus (5.). Auch Frank wäre zuvor beinahe noch vor dem herausstürmenden Gäste-Keeper an den Ball gekommen und hätte dann wohl zur Führung abstaubten können.
Doch die starke Hofer Offensive verflachte nach gut zehn Minuten nach und nach. Auch wenn Würzburg nicht unbedingt zwingender nach vorn agierte, so hielt der Außenseiter die Hofer Bayern nun vom Tor fern. Hof holte Luft, ohne nach dem Durchatmen dann wieder zum Sprint anzusetzen.
Würzburg trifft wie aus dem Nichts
Im Gegenteil: Plötzlich kippte das Spiel zugunsten der Unterfranken. Hofs Defensive, die zuvor noch alle Angriffe souverän wegverteidigt hatte, sah nach 25 Minuten nicht gut aus, als Steffen Krautschneider von der linken Angriffsseite parallel zum Strafraum in die Mitte zog – mit Begleitung, aber ohne echten Zugriff durch Hofs Defensive. Der WFV-Torjäger ließ sich das nicht entgehen und traf aus 18 Metern ins Eck zur Gäste-Führung.
Und es hätte für Hof noch schlimmer kommen können: Bei einem schnellen Gegenzug wenige Sekunden nach dem 0:1 rannten die Hofer nur hinterher. Krautschneider passte zu Julian Wild, der mutterseelenallein im Hofer Strafraum sich die Ecke aussuchen konnte. Allerdings stellte sich Bayern-Keeper Lukas Kycek entgegen und entschärfte den Abschluss zur Ecke (27.). Das hätte das 0:2 sein müssen.
Danach wurde es wild: Schon unmittelbar nach dem Führungstreffer hatten die Gäste-Fans die Banden vor dem Gäste-Block aus der Verankerung getreten, nun wurde es auch auf dem Feld emotional. Bei einem Schubser fernab des Balls beließ der Referee bei einer Ermahnung, der anschließende Freistoß landete auf dem Kopf von Tim Scherbaum, der nur wenige Zentimeter über das Ziel köpfte (35.). Die Szene zeigte: Hof hatte sich nach der Schwächephase zur Mitte der Halbzeit wieder gefangen – und erhöhte vor der Pause nochmals den Druck.
Die Gastgeber kamen nun wieder öfter ins letzte Drittel des Spielfelds und brachte – wie zu Beginn der Partie – die Bälle gefährlich vor das Würzburger Tor. Nur fehlte bislang stets ein Abnehmer für die Eingaben. Anders auf der Gegenseite: Tim Herbert hatte zwei Minuten vor der Pause den zweiten Würzburger Treffer auf dem Fuß, als bei einem langen Pass aus dem Mittelfeld die Hofer Defensive erneut zu weit weg von den Gegenspieler stand. Herberts Direktabnahme strich aber knapp vorbei (43.).
Und so ging es mit gemischten Gefühlen in die Kabine: Hof hatte es zunächst verpasst, in Führung zu gehen, musste dann aber fast schon damit zufrieden sein, nur mit 0:1 zurückzuliegen. So oder so – zufrieden sein konnten die Hofer Fans keinesfalls mit dem Spielverlauf.
Dramatische zweite Hälfe
Obwohl die Hofer sich vor allem offensiv schwer taten, mit ihren schnellen Spielern an den tief stehenden Gästen vorbeizukommen, ging es ohne Wechsel im zweiten Abschnitt weiter. Durkan hatte nach einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte den ersten gefährlichen Abschluss, hätte aber wohl noch ein paar Meter gehen können statt aus 20 Metern einen recht harmlosen Flachschuss aufs Tor zu bringen (51.). Dennoch hätte der Ausgleich fallen müssen, denn keine Minute später kam Tittmann unbedrängt im Strafraum an den Ball, scheiterte aber einmal mehr am Gäste-Schlussmann (52.).
Es änderte sich also auch im zweiten Abschnitt nichts an der Hofer Abschlussschwäche – genauso wenig an der Nachlässigkeit in der Defensive. Krautschneider hatte im Strafraum bei einem Konter viel Platz, traf nur den Außenpfosten (54.).
Schödel reagierte und brachte mit Seidel neue Impulse und ein anderen Stürmertyp für den unglücklich agierenden Durkan (56.). Doch so richtig besser wurde es nicht. Würzburg hätte sogar zwingend das 2:0 machen müssen. Nach einem krassen Schnitzer von Scherbaum schnappte sich Krautschneider den Ball und ging auf und davon. Zu viel Zeit allerdings, denn sein Schuss ging knapp vorbei (61.).
Würzburg blieb insgesamt mit Kontern gefährlich, Hof drängte, kam auch oft bis an die Grundlinie, aber zu selten in Abschlüsse. Weiß verfehlte knapp das Ziel mit einem Schuss aus der Drehung (64.). Auch eine weitere Eingabe ging beinahe ins WFV-Tor – abgefälscht vom eigenen an.
Die Partie entwickelte sich immer weiter zu einem Showdown in den Schlusminuten. Hof kämpfte, Würzburg konterte. Die hohe Intensität führte auch zu einigen harten Duellen. In der Folge einer weiteren Schubserei musste Würzburgs Lehrmann vom Feld (83.), in den Schlussminuten auch noch Krautschneider (89.) nach einem Foulspiel an der Außenlinie. Der Freistoß kam hoch in den Strafraum, eine Kopfballverlängerung und Seidel köpfte den Ball schließlich über die Linie (90.). Der verdiente Ausgleich, der letztlich auch den Spielverlauf über 90 Minuten passend widerspiegelte.
Spielbericht eingestellt am 09.11.2025 11:25 Uhr