Artikel vom 07.12.2022 07:00 Uhr
Joao Oliveira im Interview: Die Spieler haben ihre Messlatte selbst gelegt!
Joao Oliveira hat sich beim ASV Vach im ersten Halbjahr schon gut einleben können.
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INTERVIEW Seit Saisonbeginn coacht Joao Oliveira (46) den ASV Vach. Nach dem Abstieg aus der Landesliga war man in der Bezirksliga um Stabilität bemüht. Im fussballn.de-Interview der Woche kann der Trainer, der dem Verein auch im kommenden Spieljahr erhalten bleiben wird, von einer guten Entwicklung berichten, die aktuell zu einer harmonischen Weihnachtsfeier und einem vergleichsmäßig ruhigen Winter in Mannhof führten.
Von Marco Galuska


Mit vier Siegen aus den letzten fünf Spielen ist der ASV Vach das formstärkste Team der Bezirksliga Nord gewesen. Geht man da eher ungern in die Winterpause?

Joao Oliveira:
Die Jungs hätten gerne noch weitergespielt, weil wir gut drauf waren. Ich persönlich war ganz froh, dass jetzt die Pause kam. Ein wenig müde wird man nach der langen Zeit bis zum Winter schon, zudem war privat mit Hausbau und unserem zweiten Nachwuchs auch einiges los. Einigen Spielern tut die freie Zeit auch ganz gut zur Erholung. Und letztlich bin ich aber froh, dass wir so erfolgreich das Jahr abschließen konnten, zuletzt sehr gut gespielt haben und mit guter Stimmung in die Winterpause gehen.

In der verrückten Tabellenkonstellation bildet der ASV Vach fast schon allein "das Mittelfeld" im Tableau. Die Zahlen verraten eine leicht positive Richtung, entspricht das auch deinem Zwischenfazit?

Oliveira:
Ja, das würde ich schon so sehen! Es war für den Verein ein sehr anstrengendes Jahr nach dem Abstieg und den Abgängen im Sommer. Man musste wieder neue Spieler integrieren, dazu ein neuer Trainer mit einer neuen, recht direkten Ansprache, den man auch erst kennenlernen musste. Auch die Konstellation mit meinem Vorgänger als Co-Trainer war ja neu. Aber das hat sich schon alles recht gut zusammengefunden. Wir hatten sehr gute Trainingseinheiten - auch schon in einer Zeit, in der man das an den Ergebnissen nicht so sehen konnte. Ich denke, die gemeinsame Arbeit trägt ihre Früchte.

Ziemlich kurios war die Vacher Heimbilanz, als man ewig auf den ersten Sieg zu Hause warten musste, aber auswärts Siege gegen die Spitzenmannschaften aus Mögeldorf, Schwaig, Hersbruck oder nun auch Baiersdorf landen konnte. Wie lässt sich das erklären?

Oliveira:
Ehrlich gesagt, bleibt es ein Rätsel! Ich rede da auch gar nicht groß darüber oder zerbreche mir den Kopf, weil ich den Einfluss von außen bei den Amateurspielen gar nicht so sehe. Vielleicht gibt es woanders schönere Kabinen! (lacht) Ich will mir da keine großen Gedanken dazu machen, weil jedes Spiel anders ist, darum war das für mich auch nichts, worüber man länger diskutieren musste.

Mit einem 6:1-Sieg gegen Adelsdorf konnten die Vacher auch den ersehnten ersten Heimsieg in dieser Saison feiern.
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Für den 3:1-Sieg in Baiersdorf gab es sehr viel Lob. Kam das Beste in diesem Jahr zum Schluss?

Oliveira: 
Ja, das war ein super Spiel - von beiden Seiten - und hätte mehr Zuschauer verdient gehabt! Ich kenne meinen Trainerkollegen René Ebert ja schon ewig, beide Mannschaften sind offensiv und mutig aufgetreten. Für uns war es ein toller Abschluss. Jetzt können die Jungs runterkommen, reflektieren, wie es bisher gelaufen ist.

In den letzten fünf Partien gab es nur eine Niederlage beim 0:3 bei Türkspor Nürnberg. Man hat gehört, dass es da auch einmal gekracht hat, aber der berühmte Schalter danach umgelegt wurde...

Oliveira:
Die Entwicklung davor war eigentlich schon gut, aber bei dem Spiel hat es Aktionen gegeben, die nicht gepasst haben, da reagiere ich dann auch sofort. Auch wenn es im Einzelfall hart sein mag, muss man dann auch mal anderen Spielern das Vertrauen schenken, zumal sich die das auch absolut verdient hatten. Wir haben für das folgende Pokalspiel gegen Ansbach-Eyb einiges umgebaut und den sogenannten Reservisten die Chance gegeben. Das hat gut funktioniert. Die Leistung hat gepasst und mit Adelsdorf kam ein ähnlicher Gegner, also gab es keinen Grund, dass man das wieder rückgängig macht. Die Jungs, die zuletzt auf dem Platz waren, haben das super gemacht. Dass dann beispielsweise mein Kapitän Stefan Steininger auf der Bank war, tut mir persönlich leid, weil er ein super Typ ist, den ich sehr schätze. Aber nachdem die anderen das so gut machen, gab es kein Argument wieder zu wechseln.

Nachdem die Spitzengruppe das absurde Ausmaß von sieben Teams hat, richtet sich da der Blick als Achter nach oben?

Oliveira:
Ja, schon! Wenn man zwei, drei Spiele gewinnt, ist man voll dabei. Aber genauso muss man auch nach hinten schauen. Wir haben eine gute Mannschaft, die aber noch Konstanz braucht. Jedes Spiel beginnt bei null. Die Messlatte, die ich als Trainer nun für die Rückrunde habe, wurde von den Spielern mit ihren Leistungen selbst gelegt.

Wer ist Favorit aus dem breiten Kreis der Kandidaten?

Oliveira:
Vom fußballerischen hat mir Baiersdorf richtig gut gefallen. Ich fand aber auch den ATSV Erlangen richtig gut! Mögeldorf hat eine tolle Mannschaft mit guten, jungen Kickern. Das wären jetzt so diejenigen, die mich am meisten beeindruckt haben. Bei meinem früheren Verein in Kalchreuth war ich damals nicht dabei, weil ich an dem Tag noch einmal Vater geworden bin.

Apropos Kalchreuth. Der Abschied von der Alm vor bald drei Jahren hatte ja mit dem beruflichen Wechsel in die USA zu tun, aber dazu kam es dann ja doch nicht...

Oliveira:
Ich hatte schon ein halbes Jahr in den USA gearbeitet und hatte die Option auf mindestens 13 weitere Monate. Der Umzug war im Prinzip schon durch und zwei Tage später wurde wegen Corona die Grenze gesperrt. Das war dann schon eine komische Zeit hier, selbst beim Einkaufen hat man hier überlegt, wieviel man überhaupt noch braucht, und ob es nicht dann doch rüber geht. Wir haben dann aber in der Familie besprochen, dass wir es doch bleiben lassen.

Football statt Fußball? Erst einmal nicht! Joao Oliveira bleibt dem ASV Vach auch im kommenden Spieljahr erhalten.
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Ohne Corona wäre also Joao Oliveira jetzt in der USA? Und dort Trainer?

Oliveira:
Ich denke schon, dass wir noch geblieben wären. Eigentlich hat es uns dort ja gut gefallen, es war eine super Erfahrung! Und vielleicht hätte ich dann mal im Bereich Football statt Fußball trainiert, da hatte ich mit einem Arbeitskollegen einen spannenden Austausch über Trainingsmethoden.

Die Zukunft liegt aber beim ASV Vach, wo du gemeinsam mit deinem Co-Trainer Christoph Nieszery verlängert hast....

Oliveira:
Genau, ich verstehe mich mit ihm super. Es ist wichtig, dass man gleiche Ideen davon hat, wie man mit einer Mannschaft umgeht, auch im organisatorischen Bereich. Das war auch schon in Kalchreuth für mich so mit Thomas Dörsch. Nissi ist ein super Motivator, ein sehr positiver Typ! Das funktioniert sehr gut. Ich kann mich absolut auf ihn verlassen.

Und es scheint auch ein recht ruhiges Arbeiten in Vach zu sein, obwohl es ja viel Fluktuation in den letzten Jahren gab...

Oliveria:
Ich habe in meiner Rede auf der Weihnachtsfeier kürzlich die Frage gestellt, ob der ASV Vach ein guter Verein ist. Und ich habe diese mit einem klaren Ja beantwortet! Es ist nicht immer einfach, das ist auch klar, man hat auch genug Arbeit und das ist auch absolut in Ordnung, aber man hat hier vor allem mit guten Menschen zu tun: Thomas Liegat, Sven Morawetz, Stefan Roth oder Jürgen Walthier - man kann sich auf alle verlassen. Der Verein weiß, dass man an der Infrastruktur arbeiten muss, aber auch da tut sich was, auch wenn es manchmal kleine Schritte sind. Wir essen alle zwei Wochen mit der Mannschaft im Sportheim. Ich fand es schön, dass wir eine gemeinsame Weihnachtsfeier mit 2. und 3. Mannschaft hatten, auch da funktioniert der Austausch einwandfrei.

Mit Cankut Civelek (Ziel unbekannt), Mohammed Haddaji (SV Unterreichenbach) und Patric Winter (TSV Winkelhaid) gibt es drei Abgänge im Winter. Was wird sich sonst noch tun?

OIiveira:
Patric bekommt Nachwuchs, will kürzertreten und geht nach Winkelhaid zurück, das ist verständlich. An einem Spieler sind wir noch dran. Ansonsten wird es so sein, dass sich der Kader auf etwa 20 Mann beschränkt, damit lässt sich gut arbeiten.

Wie schaut der Winterfahrplan aus?

Oliveira:
13 Spieler haben sich gemeldet, die gerne in der Halle spielen wollen. Das wird eine freiwillige Sache sein, die Jungs organisieren sich da gewissermaßen auch selbst. Wir haben aber eine lange Winterpause und daher will ich zumindest Anfang Februar mit dem Training in der Halle wieder anfangen.

Beim Wiedersehen im Pokal gegen den SC Germania wird Patric Winter (links) nicht mehr mit dabei sein. Er wechselt zurück zum TSV Winkelhaid.
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Im März geht es zum Pokal-Halbfinale beim SC Germania...

Oliveira:
Wir freuen uns da drauf! Ich sehe das wie ein Punktspiel. Wir haben auf alle Fälle die Intention das Spiel zu gewinnen. Mir ging es als Spieler schon so und auch als Trainer spiele ich lieber als zu trainieren. Der Wettbewerb hat einfach mehr Reiz!

Wir schauen die Wünsche und Ziele für 2023 aus?

Oliveira:
Im Privaten geht die Gesundheit über alles! Im Sportlichen wollen wir erfolgreich bleiben und eine Entwicklung im Team und Verein sehen. Ich sehe es als meine Aufgabe als Trainer an, dass man nachhaltige Erfolge schafft und auch danach etwas hinterlässt, so wie ich es jetzt noch in Adelsdorf oder Kalchreuth sehe. Und wenn es später mal heißt, dass ich den Verein in der Phase stabilisiert habe, dann war es nachhaltig. Die Jungs sollen am Ende der Saison sagen können, dass sie sich weiter entwickelt haben.

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Leser-Kommentare


Steckbrief J. Oliveira

Alter
47
Wohnort
Markt Erlbach
Familie
verheiratet, 2 Kinder

Tabelle Bezirksliga Nord

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
2
20
45:40
36
3
20
44:31
35
4
19
36:30
33
5
19
38:28
33
6
19
35:24
33
8
19
33:30
28
9
20
40:38
25
10
19
33:36
24
11
19
31:35
23
12
19
28:39
21
13
19
41:50
21
14
19
35:51
21
15
19
31:35
17
16
19
14:32
10
Bei punktgleichen Teams: Sondertabelle der Punktgleichen

Top in Form Bezirksliga Nord

(16.|11.|16.|2.)
9
11:4
(16.|14.|13.|6.)
9
10:5
(15.|10.|6.|16.)
9
10:6
SpVgg Mögeldorf 2000
(2.|4.|10.|9.)
8
8:3
(9.|14.|14.|7.)
7
11:9
Punkte aus den letzten 4 Spielen (in grau: Torverhältnis). Rechtes Kästchen = letztes Spiel, 2. Kästchen v.r. = vorletztes Spiel usw. Farben: grün = Sieg, weiß = Unentschieden, rot = Niederlage, grau = kein Spiel. In Klammern: Tabellenplätze der Gegner

Trainerstationen J. Oliveira

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