Maurizio Scigliuzzo im Interview: "Wollen Leidenschaft für die Sache entwickeln" - fussballn.de
Artikel vom 08.07.2026 07:00 Uhr
Maurizio Scigliuzzo im Interview: "Wollen Leidenschaft für die Sache entwickeln"
Maurizio Scigliuzzo ist nach einer einjährigen Pause zurück auf dem Trainerstuhl.
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INTERVIEW Mit dem SV Türkspor Reichelsdorf klopfte Maurizio Scigliuzzo im Sommer 2025 als Coach an die Tür zur Bezirksliga, ehe er anschließend eine einjährige Pause einlegte. Nun kehrt der 53-Jährige beim TSV Azzurri Südwest auf die Trainerbank zurück und will nach dem Abstieg in die A-Klasse beim Wiederaufbau helfen. Im fussballn.de-Interview der Woche erklärt er nun die Hintergründe der Entscheidung und seine Erwartungen.
Von Michael Watzinger
Hallo Maurizio, gut ein Jahr ist es her, seit du zuletzt als Trainer gearbeitet hast und damals im Sommer 2025 mit Türkspor Nürnberg am Relegationsirrsinn zur Bezirksliga gescheitert bist. Wie blickst du auf die damaligen Ereignisse?

Maurizio Scigliuzzo (53):
Das Wort "Irrsinn" ist da fast noch ein wenig zu schwach gewählt, "Wahnsinn" trifft es wohl besser: Nüchtern betrachtet haben wir den Aufstieg letztlich nicht geschafft. Allerdings waren während der gesamten Aufstiegsrelegation einfach unheimlich viele Fragezeichen und teilweise hatte man den Eindruck, dass der Verband die Regeln selbst nicht richtig weiß oder sie zumindest nicht klar genug kommuniziert hatte. Es war schon eine sehr bittere Geschichte, die sich ja aufgrund der ganzen Gerichtsurteile auch lange hinzog. Ich selbst hatte ja bereits einige Wochen zuvor meinen Abschied verkündet, doch konnte ich das Kapitel durch die ganzen Geschehnisse auch erst im Anschluss abschließen. Und natürlich hätte ich meinen Jungs den Aufstieg in die Bezirksliga gewünscht.

Mit dem Türkspor Nürnberg klopfte Maurizio Scigliuzzo 2025 an das Tor zur Bezirksliga. Seit dem unglücklichen Ausgang der Aufstiegsrelegation machte der 53-Jährige Pause vom Trainerdasein.
fussballn.de / Strauch

Hatte deine einjährige Schaffenspause als Trainer auch mit den genannten Umständen zu tun?

Scigliuzzo: Nein, meine Entscheidung, eine Pause einlegen zu wollen, stand schon vorher fest. Letztendlich habe ich über viele Jahre hinweg durchgehend als Trainer gearbeitet. Als Trainer machst du ja nicht einfach nur ein wenig Training, du hast letztlich einen zweiten Full-Time-Job. Du bist ja ständig mit deinen Spielern und den Verantwortlichen im Austausch, bist quasi rund um die Uhr verfügbar. Da habe ich einfach irgendwann gemerkt, dass ich eine Verschnaufpause benötige. Rückblickend war das auch genau die richtige Entscheidung!

Langweilig war dir während dieser Zeit aber wohl dennoch nicht, schließlich warst du beim TSV Azzurri Südwest weiter in der Spielleitung aktiv. Was reizt dich an dieser Aufgabe und was macht dir an der Arbeit am meisten Spaß?

Scigliuzzo:
Bei Azzurri habe ich als Spieler noch ein wenig ausgeholfen und ich bin ja letztlich schon seit vier Jahren stellvertretender Spielleiter. Das wollte ich auch nicht aufgeben. Mir ist es wichtig, einen gewissen Input zu geben, und ich sehe mich ein wenig als Bindeglied zwischen Junioren- und Herrenbereich und schaue, dass alle so ein wenig zu ihrem Recht kommen. Dieser Ansatz hat sich seit April auch noch einmal verstärkt, als ich im Verein als Trainer die D-Junioren übernommen hatte, weil die Stelle frei wurde und mein Sohn Christiano in dieser Mannschaft spielt. Der Jugendfußball lässt schon ein wenig mein Herz aufgehen, denn dort wird aus reiner Liebe zum Sport gespielt und die Jungs saugen alles auf, was man ihnen sagt. Das macht schon unheimlich großen Spaß!

Auch wenn er vorerst nicht mehr auf der Trainerbank im Herrenbereich Platz nahm, langweilig wurde Scigliuzzo nicht: Beim TSV Azzurri Südwest blieb er stellvertretender Spielleiter, fungierte als Juniorencoach und schnürte teilweise gar selbst noch einmal die Fußballschuhe (in blau).
fussballn.de / Strauch

Als stellvertretender Spielleiter standen für dich zuletzt durchaus turbulente Zeiten an, denn bei Azzurri gab es einen enormen Umbruch zu beobachten: Die Trainer der beiden Herrenteams, Mihail Vancu und Emil Racoti, haben sich verabschiedet und beim ASV Fürth II beziehungsweise dem Türk. SV Fürth neue Mannschaften gefunden. Zeitgleich sind auch zahlreiche Spieler als Abgänge gelistet. Was waren die Hintergründe dieses Aderlasses?

Scigliuzzo:
Man muss das ein wenig genauer betrachten: Ganz allgemein ist im Verlauf der abgelaufenen Rückrunde die Stimmung intern nicht mehr ganz so gewesen wie in der Vergangenheit, weshalb ohnehin ein Umbruch seitens der Verantwortlichen angedacht war. Für ganz wenige hat sicher auch der Abstieg in die A-Klasse mit reingespielt. Mihail hat uns ungefähr im April seine Entscheidung mitgeteilt, zur kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Emil wollte gerne eine 1. Mannschaft trainieren, doch wir hatten in dieser Hinsicht andere Vorstellungen. So kam es zum Abschied der beiden Trainer. Nachdem das dann klar war, entstand ein gewisses Buhlen um die Spieler, die den Verein verlassen wollten – das hat dann durchaus für Unruhe gesorgt. Ungeachtet dessen sind wir von ganz wenigen Abgängen überrascht worden. Für uns war der Umbruch ohnehin eingeplant, denn wir wollten uns zurück auf unsere alten Stärken besinnen und einen Neuaufbau machen.

Ist aber so eine Flut an Abgängen überhaupt aufzufangen?

Scigliuzzo:
Auf jeden Fall! Da wir uns frühzeitig auf den Kurswechsel vorbereitet hatten, haben wir natürlich im Vorfeld auch unsere Hausaufgaben gemacht. Ziel war es, einige ehemalige Spieler von Azzurri wieder an Bord zu holen und so, gemeinsam mit ein paar verbliebenen Jungs von früher, ein Gerüst entstehen zu lassen, welches die alten Ideen und Werte kennt und vorlebt. Die meiste Arbeit war es letztlich, allen Jungs unsere Ideen und das Konzept zu vermitteln. Wir haben dafür zwei Sitzungen abgehalten und ihnen die Pläne vorgestellt. Es war klar, dass wir die Jungs ins Boot holen müssen, damit sie wissen, worauf sie sich einlassen, bevor wir eine Zusage von ihnen verlangen können. Im Endeffekt haben wir jetzt bei beiden Herren-Teams jeweils einen Kader von 20 bis 22 Spielern – damit lässt sich aus meiner Sicht wunderbar arbeiten!

Ein Wechsel, der bereits vermeldet, dann aber rückgängig gemacht wurde, war der von Torjäger Marius Axinte zum GSV Megas Alexandros. Wie kam es dazu und wie froh bist du, dass der Angreifer nun doch weiter das Azzurri-Trikot tragen wird?

Scigliuzzo:
Wir sind natürlich überglücklich, dass Axi (Axinte, Anm. d. Red.) weiter für uns auf Torejagd gehen wird! Er ist ein herausragender Stürmer, aber darüber hinaus ein super Typ, der auch für die Kabine eine unheimliche Bedeutung besitzt! Deshalb war das für uns schon eine ganz wichtige Entscheidung. Er war während des ganzen Prozesses total transparent, hat uns mitgeteilt, dass es Angebote gibt und er einfach nach der sportlich tristen Saison den Spaß am Fußballspielen wiederfinden möchte. Wir haben ihm von unseren Plänen, das alte Azzurri wieder so ein wenig zurückbringen zu wollen, erzählt und das hat ihm sehr gefallen. Er hat dann ein wenig vorschnell bei Megas unterschrieben, auch weil er dachte, dass noch zwei Mitspieler dorthin wechseln würden. Letztlich wollte er dann aber doch bei unserem Projekt dabei sein und so ist der Wechsel dann doch rückabgewickelt worden.

Torjäger Marius Axinte (am Ball) bleibt dem TSV Azzurri Südwest nach einer Wechsel-Saga nun doch erhalten.
fussballn.de / Oßwald

Nach den bereits erwähnten Veränderungen auf den beiden Trainerposten wirst du in der kommenden Saison als Trainer der 1. Mannschaft an die Seitenlinie zurückkehren. Wie kam es dazu?

Scigliuzzo:
Ursprünglich war der Plan, dass Mihail die 1. Mannschaft betreut und ich mit den Rückkehrern die 2. Mannschaft übernehme. Nachdem er aber seinen Abschied angekündigt hatte, haben wir uns mit einigen Kandidaten beschäftigt, aber oftmals haben die Ideen nicht so richtig übereingestimmt. Dann war die Überlegung, dass man nichts über das Knie brechen muss, schon alleine weil man mit mir einen B-Lizenz-Inhaber in den eigenen Reihen hat, der ohnehin wieder im Herrenbereich einsteigt. So treten wir nun also zur kommenden Saison als 1. Mannschaft an, während von der DJK Sparta Noris Mario Laporta kommt und zukünftig die 2. Mannschaft coachen wird. Ich denke, das ist eine gute Lösung.

Was waren die Beweggründe für deine Rückkehr auf die Azzurri-Trainerbank?

Scigliuzzo:
Ganz ehrlich? In erster Linie, dass so viele Jungs es wollten. Einige waren vielleicht von meinem Wechsel zu Türkspor enttäuscht, jedenfalls sind ein paar Spieler gegangen, weil ich nicht mehr da war. Umgekehrt haben nicht wenige die Bedingung gestellt, dass wir den Neuaufbau zusammen machen, mit mir an der Seitenlinie. Das ehrt einen natürlich schon sehr, denn es zeigt eine hohe, besondere Wertschätzung. Daraus entstand bei mir eine unheimlich große Motivation, mit anpacken zu wollen und gemeinsam den Turnaround zu schaffen! Mein Herz hängt wirklich sehr an den Jungs und man verspürt da auch eine gewisse Form von Verantwortung. Deshalb war für mich schnell klar, dass ich auch meinen Teil dazu beitragen möchte.

Erneut beim TSV Azzurri Südwest auf dem Trainerstuhl: Maurizio Scigliuzzo kehrt nach einer einjährigen Verschnaufpause ins Trainergeschäft zurück und will beim Neuaufbau an der Jägerstraße mithelfen.
fussballn.de / Strauch

Hättest du im Vorfeld gedacht, dass du nochmal irgendwann auf der Azzurri-Bank Platz nehmen würdest?

Scigliuzzo:
Ja, die Idee oder der Gedanke war schon weiterhin präsent. Allerdings mussten die Voraussetzungen stimmen: Mein Bruder Fabio war ja lange Zeit dort Teammanager und Sponsor und da hätte ich es nicht gewollt. Ich persönlich finde, das hätte nach außen für manchen ein komisches Bild abgegeben – nach dem Motto: Der Mauro steht nur wegen seinem Bruder an der Seitenlinie. Inzwischen hat sich Fabio zu den größten Teilen zurückgezogen und so habe ich mich gegenüber Vorstand Bernhard Germaschewski zu verantworten. Er hat gewisse Ansprüche, denen ich gerecht werden muss, und ist eben nicht familiär mit mir verbunden. Wenn ich Mist baue, entscheidet er über meinen Kopf. Das ist für mich ein riesiger Unterschied und war mir wichtig.

Mit welchen Erwartungen und welcher Zielsetzung gehst du nach dem Abstieg aus der Kreisklasse mit deiner Mannschaft in die neue Saison?

Scigliuzzo:
Ich denke, dass man sich im ersten Jahr erst einmal finden muss. Insofern wird es darum gehen, zusammenzuwachsen. Ich denke, ein einstelliger Tabellenplatz ist in Ordnung. Wenn es besser laufen sollte als erwartet, kann man die Ziele ja immer noch nach oben korrigieren. Die anderen Teams schlafen schließlich nicht und auch woanders wird gut gearbeitet – das gilt es zu respektieren! Überhaupt ist das Wort "Respekt" ein wichtiger Begriff: Ich erwarte von meinen Jungs nur das, was ich auch selbst einbringe. Das bedeutet: Disziplin, Zuverlässigkeit und der Respekt vor dieser tollen Sportart! In meinen Augen ist es der tollste Sport der Welt! Wir wollen wieder eine Leidenschaft für die Sache entwickeln und auch den Gemeinschaftssinn wieder etablieren. Wenn uns das gelingt, haben wir den Grundstein für den Neuaufbau gelegt.

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Steckbrief M. Scigliuzzo

Spitzname
Mauri
Alter
53
Geburtsort
Nürnberg
Wohnort
Nürnberg
Familie
verheiratet, 3 Kinder
Nation
Italien
Größe
179 cm
Gewicht
78 kg
Beruf
Fachinformatiker
Hobbies
Fußball und meine Hunde
Starker Fuß
Rechtsfuß

Trainerstationen M. Scigliuzzo


Teammitarbeiter M. Scigliuzzo

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