Artikel vom 22.04.2026 07:00 Uhr
Dieter Kreiselmeier will seinen TSC Neuendettelsau nach zwei Aufstiegen hintereinander nun auch zum Klassenerhalt in der Landesliga führen.
INTERVIEW Vor vier Jahren hat Dieter Kreiselmeier den Trainerposten
beim TSC Neuendettelsau, damals ein Team aus dem Mittelfeld der Kreisliga,
übernommen. Im fussballn.de-Interview der Woche spricht der 53-Jährige über
die famose Entwicklung beim TSC und den aktuellen Kampf um den Klassenerhalt in der
Landesliga Nordost.
Hallo Dieter, Ende April/Anfang Mai war in den letzten beiden Jahren eine Zeit zum Feiern für den TSC Neuendettelsau. Wie stehen die Chancen dazu aktuell?
Dieter Kreiselmeier (53): Die Chance, heuer den
Klassenerhalt zu feiern, ist realistisch. Aber wir rechnen damit, dass es
bis zum letzten Spieltag eng bleibt.
Wo würdest du einen Klassenerhalt in der Erfolgsgeschichte des Vereins ansiedeln?
Kreiselmeier: Ein möglicher Klassenerhalt
ist in meinen Augen noch höher anzusiedeln als die beiden Aufstiege.
Blicken wir zurück auf deine Anfänge in Neuendettelsau. Wie bist du damals beim TSC gelandet?
Kreiselmeier: Ich habe von April 2020 an eine Trainer-Pause eingelegt und während dieser Zeit sämtliche Anfragen von
Vereinen abgeblockt. Der TSC-Teammanager Ilkay Korkmaz blieb jedoch extrem
hartnäckig und rief immer wieder an, bis ich nach einem persönlichen Gespräch
im Februar 2022 für die folgende Saison zugesagt habe.
Welche kurzfristige Zielsetzung gab es zu Beginn deiner Amtszeit?
Kreiselmeier: Das war damals die fußballerische Weiterentwicklung sowie das Fördern von jungen
Spielern.
Wann
war für dich abzusehen, dass es zu mehr als der Bezirksliga reichen kann?
Kreiselmeier: Für mich war schon recht früh zu
erkennen, dass aufgrund des Potentials der Spieler die Möglichkeit bestand, das
Team in der Spitzengruppe der Kreisliga zu etablieren. Nachdem wir in meiner
ersten Saison 2022/2023 die beste Rückrundenmannschaft waren und am Ende
Vierter wurden, wollten wir im Jahr danach um den Aufstieg in die Bezirksliga
mitspielen. Nach dem Gewinn der Meisterschaft 2024 ordneten wir uns selbst als
solides Bezirksligateam ein – von der Landesliga sprach oder träumte damals aber keiner.
Von der Meisterschaft in der Bezirksliga hatte beim TSC Neuendettelsau nach dem Aufstieg aus der Kreisliga nicht wirklich jemand geträumt.
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Wie lässt sich die Entwicklung der Mannschaft begreifen? Kann man diese an Personalien festmachen?
Kreiselmeier: Grund für die Entwicklung
ist aus meiner Sicht der harte Kern der Spieler und Funktionäre, der seit dem
Beginn meiner Arbeit bis jetzt immer dabei war. Der bei jeder Gelegenheit auch
außerhalb des Platzes mit anpackt und das Rückgrat der gesamten
Fußballabteilung bildet. Leider sind davon im letzten Sommer mit den vormaligen
Spielführern Nico Weidlein und André Folz zwei Spielerpersönlichkeiten
aus gesundheitlichen und privaten Gründen weggebrochen, die wir in
dieser Saison gut auf dem Platz hätten gebrauchen können.
Hat es eine Weile gedauert, bis alle verstanden haben, dass der TSC nicht mehr auf Kreis-, sondern auf Verbandsebene spielt?
Kreiselmeier: Eigentlich nicht. In meiner Tätigkeit als
Trainer habe ich das sofort verstanden und auch die meisten Spieler haben das
schnell realisiert.
Ihr habt für gewöhnlich einen großen Anhang, auch bei den Auswärtsspielen. Zuletzt war auch die Tribüne bei der Quelle in roten Farben. Welcher Faktor macht die Mentalität und den Support von außen bei euch aus?
Kreiselmeier: Die Unterstützung unserer
Zuschauer bedeutet den Spielern und mir sehr viel! In den letzten beiden Jahren
hat uns das beflügelt und die Fans waren ein wichtiger Faktor für die beiden
Meisterschaften. In dieser Saison nehmen sie zahlreich auch die weiten
Auswärtsfahrten in Kauf, um uns zu unterstützen. Umso mehr tut es mir persönlich
und auch den Spielern leid, wenn wir keine guten Spiele abliefern.
Unterstützung bekommt der TSC von seinem Anhang auch bei Auswärtsspielen. Umso größer ist dann die Freude, wenn der Aufsteiger Punkte mit auf die Heimreise nimmt.
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Wie würdest du euren bisherigen Saisonverlauf beschreiben?
Kreiselmeier: Ich würde ihn als
"holprig" bezeichnen. Uns fehlt durchgängig die Konstanz – sowohl von
den Leistungen wie auch vom Personal. Die Spieler haben so gut wie keine
Erfahrung auf diesem Niveau und müssen immer ans Limit gehen, um mitzuhalten.
Auch dadurch sind die Leistungsschwankungen zu erklären. Dazu kommen – im
Vergleich zu den Vorjahren – deutlich mehr verletzungsbedingte Ausfälle, oft
mit eher untypischen Diagnosen wie beispielsweise Knochenhautreizung und
Rippenbruch.
Wo lagen für dich bisher die Highlights, wo die Dämpfer?
Kreiselmeier: Highlights waren aus meiner
Sicht unser erster Landesliga-Sieg Ende Juli beim 3:2 gegen den SV Lauterhofen
sowie der 1:0-Heimsieg gegen den SC 04 Schwabach. Dämpfer waren – und sind – das erwähnte Verletzungspech, das uns über die
gesamte Saison und vor allem in den vergangenen zwei Monaten heimgesucht hat.
Ihr steht jetzt vier Spieltage vor Schluss bei 35 Punkten, gefühlt noch maximal zwei Schritte vom Klassenerhalt entfernt. Am Samstag kommt der TSV Buch. Wird das auch schon ein Nervenspiel?
Kreiselmeier: Ja, das kann man als
Nervenspiel sehen! Aber mental haben wir beispielsweise auch im letzten
Heimspiel gegen Buckenhofen performt, als wir trotz schwacher erster Halbzeit
ruhig geblieben sind, uns reingebissen haben und in der Nachspielzeit per Elfmeter
den Siegtreffer erzielt haben.
Hättest
du die aktuelle Ausgangslage vor der Saison so unterschrieben?
Kreiselmeier: Wahrscheinlich schon, denn wir
haben es vier Spieltage vor der Saison in der eigenen Hand.
Dieter Kreiselmeier bleibt auch in der kommenden Saison Trainer beim TSC Neuendettelsau und will zunächst den Klassenerhalt in der Landesliga schaffen und dann die Mannschaft dort weiter stabilisieren.
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Schauen wir mal in die Nachbarschaft und auf eine langjährige Trainerstation von dir: Du warst über viele Jahre auch bei der SpVgg Ansbach aktiv. Wie beurteilst du die Entwicklung dort?
Kreiselmeier: Ich hatte dort mehr als zehn Jahre eine sehr schöne Zeit als Trainer. Die Entwicklung der letzten Jahre ist
beeindruckend und alle handelnden Personen machen einen herausragenden Job!
In Ansbach gibt es seit Jahren eine sehr gute Jugendarbeit, aber keine 2. Mannschaft, die du einst trainiert hast...
Kreiselmeier: Die 2. Mannschaft war bei
der SpVgg oft ein Sprungbrett für Jugendspieler, die es nach der U19 nicht
sofort in die Erste geschafft haben. Das fehlt natürlich momentan. Ich hatte damals nach der U19 auch die Zweite trainiert, die seinerzeit in der Bezirksliga
immer eine gute Rolle gespielt hat. Dazu gibt es eine spezielle
Geschichte: Im März 2009 führten wir mit sieben Punkten Vorsprung die Tabelle
der Bezirksliga an. Dann wurden fünf Stammspieler zur Ersten hochgezogen,
weil diese nach den Winterabgängen im Zuge der Spielerrevolte um die Entlassung von Trainer Reiner Eisenberger in der Bayernliga in akuter
Abstiegsgefahr schwebte. Am Ende der Saison schaffte die Erste den
Klassenerhalt, die Zweite verpasste um einen Punkt den Aufstieg – und ich habe
den Verein verlassen.
In Hinblick auf den TSC und die SpVgg: Kann man nicht sogar gegenseitig voneinander noch besser profitieren?
Kreiselmeier: Die Vereine im Landkreis Ansbach und
Neustadt/Aisch-Bad Windsheim haben meiner Meinung nach früher mehr von der
Jugendarbeit der SpVgg profitiert, da die Jugendspieler gefühlt zu 95 Prozent aus der
Region kamen und im Erwachsenenbereich oft wieder zu den Heimatvereinen zurückgekehrt sind. Das ist momentan nicht mehr in dieser Größenordnung der Fall. Wir als TSC
Neuendettelsau pflegen jedoch eine sehr gute Zusammenarbeit mit der SpVgg
Ansbach und profitieren auch davon, dass einige unserer Spieler Jugendteams in
Ansbach durchlaufen haben und vor einigen Jahren nach der U17 bzw. U19 wieder
zum TSC zurückgekehrt sind.
Du hast im Winter bereits verlängert. Wie sieht deine weitere Zukunftsplanung beim TSC aus?
Kreiselmeier: Unser Ziel ist es, die
derzeitige Mannschaft zusammenzuhalten und unseren kleinen Kader um ein, zwei
Spieler zu verbreitern. Auch fußballerisch müssen wir uns wieder stabilisieren.
Wir waren die letzten Jahre tatsächlich ein Ballbesitzteam. Davon ist heuer aus
unterschiedlichen Gründen leider sehr wenig zu sehen.