Artikel vom 14.04.2026 09:42 Uhr
In einem Präsenztreffen haben sich die bayerischen Spitzenvereine zu der angedachten Regionalliga-Reform ausgetauscht. Klar ist: Der Meister soll aufsteigen. Unklar ist, mit welchem Modell. Denn weder das Kompass-Modell, das die anpfiff.info-Leser in einer Umfrage favorisiert hatten, noch das Regionenmodell erhielt Zustimmung. In einer weiteren Arbeitsgruppe sollen Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden.
Vertreter 25 bayerischer Klubs aus der 3. Liga, der Regionalliga Bayern, den beiden Bayernliga-Staffeln Nord und Süd sowie des BFV haben sich bei einem Präsenztreffen im „Sportpark Ronhof | Thomas Sommer“ der SpVgg Greuther Fürth mit den Abschlussergebnissen der Arbeitsgruppe des DFB zu einer möglichen Reform der aktuell fünfgleisigen Regionalliga auseinandergesetzt.
Alle
Beteiligten der Zusammenkunft legen Wert auf die Feststellung, dass es
sich hierbei um die erste inhaltliche Auseinandersetzung mit den von der
DFB-Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Lösungen
handelt. Die vorherigen Treffen in diesem Kreis dienten ausschließlich
der Information zum jeweiligen Sachstand des Fortkommens der
DFB-Arbeitsgruppe.
Während
des Prozesses der DFB-Arbeitsgruppe waren immer wieder gezielt
ausgesuchte Medienvertreter bewusst falsch aus der DFB-Arbeitsgruppe
heraus informiert worden. Dies hatte zur Folge, dass
in der Berichterstattung fortwährend wahrheitswidrig behauptet wurde
und wird, der Bayerische Fußball-Verband verschließe sich einer Lösung
mit der Zielsetzung „Der Meister muss aufsteigen!“.
Das ist falsch!
Richtig ist, dass sich der BFV an die Vereinbarung
gehalten hat, sich erst dann zu Vorschlägen der DFB-Arbeitsgruppe zu
äußern, wenn die inhaltliche Diskussion im Kreis der bayerischen
Klub-Vertreter erfolgt ist. Nachdem dieses Treffen erst jetzt nach
Vorliegen des DFB-Arbeitsgruppen-Abschlussberichtes möglich
gewesen ist, kann und konnte es zuvor auch keine „bayerische Position“
geben.
Beim Treffen in Fürth wurde auf die von der DFB-Arbeitsgruppe erarbeiteten Materialien zurückgegriffen.
Christoph Kern und die Bayerischen Spitzenvereine sehen noch Redebedarf bei den Reformvorschlägen und wollen die Dritte Liga und die Bayernliga mit in die Debatte aufnehmen.
anpfiff.info/Sebastian Baumann
Die bayerischen Vertreter stellen nach einer ersten inhaltlichen und ausdrücklich nicht abschließenden Diskussion fest:
- Der BFV und seine betroffenen Vereine streben eine Lösung an, die dem Anspruch „Der Meister muss aufsteigen!“ gerecht wird, nachhaltig Bestand hat und insbesondere den Bedürfnissen künftiger Generationen gerecht werden muss.
- Keines der beiden von der DFB-Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Modelle („Kompass“, „Regionen“) war zum jetzigen Zeitpunkt konsensfähig.
- Es gilt daher, an der Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball kreativer weiterzuarbeiten. Um zu einem dauerhaften und tragfähigen Modell zu gelangen, müssen weitere Lösungsmöglichkeiten beleuchtet werden. Es genügt nicht, sich auf die einzige Festlegung zu beschränken, die Zahl der Regionalligen von fünf auf vier zu reduzieren.
- Die Prämisse „Der Meister muss aufsteigen!“ muss das Ziel sein, an dem die bayerischen Vertreter uneingeschränkt festhalten! Dies ist mit Rücksicht auf mögliche Investitionen von Vereinen an der komplexen Schnittstelle zwischen hochklassigem Amateur- und Profifußball von enormer Bedeutung.
- Die von der DFB-Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Strukturreform-Ideen berücksichtigen bisher nicht ausreichend die dritte und fünfte Spielklassenebene. Auch dort muss mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit einer Reform Veränderungsbereitschaft bestehen.
- Insbesondere im Hinblick auf einen homogenen pyramidalen Aufbau der Spielklassenebenen muss die 3. Liga mit in den Fokus genommen werden. Dies war mit deutlicher Mehrheit auch Wunsch der DFB-Arbeitsgruppe, eine nähere Beleuchtung wurde dort allerdings unverständlicherweise nicht zur Diskussion zugelassen.
- Es müssen weitere Modelle glaubhaft und umfassender diskutiert werden. Deshalb gehören Fragen der Talentförderung und der kommenden Mitwirkung der Profi-Zweitvertretungen auch gemeinsam mit der DFL erörtert.
- Beim Treffen in Fürth wurde auch ein Modell andiskutiert, wonach in allen bestehenden fünf Regionalligen nach Vorrunden-Abschluss eine Teilung erfolgen könnte. Die Klubs der oberen Tabellenhälfte spielen in vier Ligen je einen Meister/Aufsteiger aus. Die Teams aus der unteren Tabellenhälfte bleiben weiter in ihren regionalen Strukturen und bestreiten in ihren fünf Ligen jeweilige Abstiegsrunden. Diese Überlegung und etwaige weitere Optionen sollen jetzt von einer eigenen Arbeitsgruppe ausgearbeitet werden.
- Ziel muss weiterhin eine gesamtheitliche Betrachtung aller Strukturen und Möglichkeiten sein.
„Wir
bedanken uns bei allen, die in Fürth mit dabei waren. Es war ein
offener, ehrlicher und konstruktiver Diskurs“, sagt BFV-Präsident Dr.
Christoph Kern: „Der Austausch hat verdeutlicht,
dass die bisherigen Ergebnisse und die Beschränkung auf zwei
Lösungsvorschläge zum aktuellen Zeitpunkt nicht abschließend
konsensfähig sind. Wir sind uns einig, dass es einen breiteren Blick
braucht. Es dürfen Überlegungen auch nicht kategorisch ausgeschlossen
werden. Es geht um eine mutige Entscheidung für die Zukunft, die
nachhaltig sein muss. In dem Treffen wurden weitere Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Um konkreter werden zu können, ist zudem der Wunsch
entstanden, eine eigene Arbeitsgruppe zu bilden. Diese
wird sich unter anderem auch mit einem Zwei-Phasen-Modell näher
befassen, das ambitionierten Vereinen die Umsetzung ihrer Ziele in einem
attraktiven Umfeld ermöglicht. Gleichzeitig schützt es kleinere Klubs.“
Regionenmodell Favorit der anpfiff.info-Leser
In einer Umfrage von anpfiff.info hatten sich die Leser mit über 70 Prozent für das Kompass-Modell ausgesprochen bei dem die vier Regionalligen nach Fahrtstrecke pro Saison individuell zugeschnitten werden. Beim sogenannten Regionenmodell wären aus den drei Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Ligen geworden. Dies hat der Nordost-Verband aber schon deutlich abgelehnt. "Wir haben die Refoam angestoßen und sollen nun geteilt werden. Das kann es nicht sein", hieß es damals in einer Erklärung.