Artikel vom 06.03.2026 07:00 Uhr
Im Hinspiel gab es vor 1400 Zuschauern eine 1:1-Punkteteilung.
Die einzige Partie der Landesliga Nordost, die in dieser Saison vor einer vierstelligen Zuschauerzahl stattfand, war das Schwabacher Derby in der Hinrunde. Am Sonntag dürfte auch das Rückspiel wieder die Massen mobilisieren, wenn ab 14 Uhr diesmal der SV Unterreichenbach den SC 04 Schwabach zum erneuten Schlagabtausch empfängt. Wir haben uns im Vorfeld bei beiden Trainern umgehört.
Von
Marco Galuska und Fabian Strauch
Es ist bereits das achte Derby in der Landesliga zwischen Unterreichenbach und Schwabach. Auffällig dabei: Beide Klubs konnten ihren Heimvorteil jeweils gut nutzen. Die Urus blieben zu Hause gegen Schwabach noch ohne Gegentreffer und mussten dabei nur einmal die Punkte teilen. Umgekehrt konnten die Nullvierer drei, zum Teil deutliche, Heimsiege verbuchen, mussten sich im Hinspiel der laufenden Saison vor 1400 Zuschauern aber mit einem 1:1 begnügen.
Wir haben vor dem Rückspiel am Sonntag beide Trainer, Michael Scherbel (SV Unterreichenbach) und Christopher Hofbauer (SC 04 Schwabach), getrennt voneinander befragt:
Im ersten Punktspiel des Jahres gab es für euch auswärts ein 1:1-Remis. Wie ordnest du euren Start in die Liga nach der
Winterpause ein?
Michael Scherbel: In der ersten Halbzeit gegen Feucht waren wir nicht gut. Man hat uns die lange Pause und die doch „besondere“ Vorbereitung angemerkt. Die Pässe kamen nicht an, wir waren läuferisch nicht gut unterwegs. Das hat sich mit Anpfiff der zweiten Halbzeit komplett gedreht. Wir waren da in den Zweikämpfen, haben gut verteidigt, mutig gespielt und uns auch einige sehr gute Torchancen erarbeitet. Vom Ergebnis her geht das so in Ordnung.
Christopher Hofbauer: Nach
guten und ordentlichen 90 Minuten und einer Führung im Rücken wollten wir natürlich mit drei Punkten aus Erlangen-Bruck nach Hause fahren. Als die Jungs in die Kabine
gekommen sind, waren wir alle sehr geknickt, enttäuscht und wütend.
Grundsätzlich haben wir aber vieles von unseren Ideen umgesetzt.
Tabellarisch gesehen mag
es für euch derzeit nicht allzu spannend sein. Kommt da so ein Spiel am
Sonntag genau zur richtigen Zeit?
Scherbel: Wir schauen von Spiel zu Spiel, haben ein Heimspiel gegen unseren Nachbarn und wissen, dass wir am Sonntag sehr viel Aufwand betreiben müssen, um gegen Schwabach zu bestehen. Die Trainingswoche war sehr gut. Wir haben gesehen, dass wir auf Rasen wieder Fußball spielen können und freuen uns auf das Spiel. Und ja, der Zeitpunkt für das Derby kommt uns gelegen.
Hofbauer: Die
Tabelle können wir nur ein Stück weit beeinflussen. Wir legen Wert auf unsere
Spielleistungen und das Thema Konstanz. Das Derby zu spielen, ist immer etwas Besonderes
– der Zeitpunkt ist mir dabei persönlich egal.
Michael Scherbel will mit seinen Urus an die starke Heimbilanz im Derby anknüpfen.
fussballn.de
Welche Erinnerungen hast
du an das Hinspiel – aus sportlicher Sicht und darüber hinaus?
Scherbel: Das Hinspiel war ein echtes Highlight in der Saison. Die Kulisse, unsere zweite Halbzeit und natürlich der späte Ausgleich, das war schon stark. Das Spiel hat uns für die nachfolgenden Spiele definitiv Auftrieb gegeben.
Hofbauer: Wir
haben im Hinspiel vor allem in Halbzeit eins ein sehr ordentliches Spiel gemacht. Die Chancenverwertung
war an diesem Tag das Problem. Wenn wir mit mehr Toren in die Pause gehen, darf
sich niemand beschweren. Abschnitt
zwei war dann sehr wild mit vielen langen Bällen und Standards. Unser
Stellungsfehler bei der gefühlt letzten Aktion war total vermeidbar. Zuschauer,
Bedingungen und Wetter waren top! Die Jubelszenen im Anschluss an den
Ausgleichstreffer hatten da eher wenig Charakter und Klasse.
Du bist nun auch schon
ein paar Jahre im Trainergeschäft: Aber hat dieses Derby einen besonderen
Stellenwert in der Trainerarbeit?
Scherbel: Tobi (Co-Trainer Tobias Maus, Anm. d. Red.) und ich haben die Tage erst darüber gesprochen, dass wir als Trainer oder Spieler so ein Derby mit dieser Rivalität auf Landesliga- oder Bayernliga-Niveau nicht gespielt haben. Es ist nicht selbstverständlich und hart erarbeitet, dass wir in den letzten Jahren als kleines Unterreichenbach gegen den großen SC 04 Schwabach in der Landesliga spielen. Daher sind diese Spiele klar etwas Besonderes. Letzte Saison haben wir auch gleich nach der Winterpause das Derby gespielt und zu Hause gewonnen.
Hofbauer: Es
ist immer ein spannendes Spiel, auf das sich unsere Mannschaft, das Umfeld und
auch die Stadt freuen. Ich habe in der Vergangenheit ein paar Derbys erlebt.
Egal ob Erlanger Stadtderby, Franken-Derby im Jugendbereich oder
das Derby in Schwabach – besonders ist das alles. Gerade unsere Kulisse zuhause
mit der Tribüne trägt maßgeblich dazu bei. Das sind die Highlight-Spiele, auf
die man sich freut. Das gewisse Extra ist spürbar.
Was für ein Spiel
erwartest du am Sonntag und was muss noch besser laufen, damit ihr den Derbysieg
mitnehmen könnt?
Scherbel: Wir werden versuchen, das Spiel so lange wie möglich offenzuhalten. Was ich weiß, ist, dass wir in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet haben und somit 90 Minuten plus Nachspielzeit Dampf machen können. Für einen Derbysieg müssen wir ein Tor mehr schießen als die Schwabacher…
Hofbauer: Man
muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass es viele Zweikämpfe und Emotionen
geben wird. Wir haben uns in den letzten Spielen schwergetan und wenig bis gar
nichts geholt. Insofern können wir befreit aufspielen. Wir werden versuchen, diesmal
erfolgreich abzuschneiden. Die Chancenverwertung wird am Ende ausschlaggebend sein. Fehlerquote und die
Gier nach drei Punkten sowieso.
Christopher Hofbauer hat eine klare Botschaft an das Derby-Publikum.
fussballn.de
Abschließend: Welche Botschaft hast du an eure und an die gegnerischen Fans?
Scherbel: Ich wünsche mir wie im Hinspiel ein faires Spiel und bitte auch wieder so einen guten Schiedsrichter. Der Kollege Steigerwald war mit Abstand bisher der beste Schiedsrichter in dieser Saison. Am Sonntag passt das Wetter, das Spiel wird sicherlich spannend. Daher kann ich nur jeden einladen, am Sonntag zu uns nach Reichenbach zu kommen und sich das Derby live anzuschauen.
Hofbauer: Ich
finde es schon erstaunlich, wie sich manche Erwachsene auf den Sportplätzen der
Region verhalten. Anstatt die Spiele zu genießen, sich über die Leistung ihrer
Mannschaft zu freuen oder einfach nur die
eigenen Spieler zu unterstützen, landen wir leider immer wieder beim genauen
Gegenteil. Trainer, Funktionäre und Spieler des gegnerischen Teams werden
beschimpft und massiv beleidigt. Kleine Kinder stehen zwei Meter daneben
und bekommen Angst. Das kann und will ich nicht gutheißen und diesen Leuten
muss gehörig die Meinung gesagt werden! Bei
aller Leidenschaft, dem Derby-Charakter und den Emotionen – bleibt fair und vor
allem respektvoll. Wir freuen uns, wenn viele Schwabacher zur hoffentlich guten
Kulisse beitragen und wir alle ein gutes Spiel zu sehen bekommen.