Rainer Wölzlein im Interview: Die Rückkehr zur Reserverunde kann Probleme lösen! - fussballn.de
Artikel vom 04.03.2026 07:00 Uhr
Rainer Wölzlein im Interview: Die Rückkehr zur Reserverunde kann Probleme lösen!
BFV-Gruppenspielleiter Rainer Wölzlein hat sich seine Gedanken über die Zukunft des Spielbetriebs gemacht.
BFV

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INTERVIEW Im Spielkreis Nürnberg/Frankenhöhe ist die Reserverunde fast schon in komplette Vergessenheit geraten, dabei wäre sie nach wie vor möglich und könnte zur kommenden Saison ein Comeback feiern. Im fussballn.de-Interview der Woche spricht BFV-Gruppenspielleiter Rainer Wölzlein über seine konkreten Pläne im Spielbetrieb, verrät auch erstmals, dass sein Abschied als Funktionär absehbar ist.
Von Marco Galuska
Hallo Rainer, du hast kürzlich deine Vereine kontaktiert, um eine Umfrage zu Veränderungen im Spielbetrieb zu starten. Herrscht Langeweile ob der langen Winterpause?

Rainer Wölzlein (48):
Nein, absolut nicht! Ich habe mir aber Gedanken gemacht, wie man die Problematik, dass viele Vereine – gerade in meinem Gebiet in der südlichen Frankenhöhe – ums Überleben kämpfen, abfedern kann. Und dabei hatte ich die Reserverunde immer auf dem Schirm. Ich will den Vereinen gerecht werden und den Spielbetrieb auch gut hinterlassen.

Oh, das klingt nach Abschied!

Wölzlein:
Es ist jetzt eine neue Periode im Verband gestartet, die vier Jahre dauert. Und da fragt man sich persönlich schon, ob man der Aufgabe über den gesamten Zeitraum noch gerecht werden kann. Ich habe das für mich beantwortet, dass es zumindest nicht mehr für volle vier Jahre sein wird. Die Saison 2026/27 werde ich aber auf jeden Fall noch machen.

Dafür hast du einen ganz besonderen Plan und eine Umfrage bei den Vereinen in den von dir betreuten Spielklassen gestartet, ob sie sich eine Rückkehr zum Reservespielbetrieb vorstellen können. Wie war die Haltung deiner Kollegen in der Spielleitung im Kreis?

Wölzlein:
Die haben mir allesamt zugesprochen, dass ich ruhig den Vorstoß machen soll, auf meine Vereine zuzugehen und Erfahrungen zu sammeln. Man muss dazu sagen, dass es ja gerade mein Gebiet besonders betrifft. In vielen Gesprächen hat sich gezeigt, dass es für zahlreiche Vereine zunehmend schwieriger wird, Woche für Woche zwei konkurrenzfähige Mannschaften zu stellen.

Erkläre uns den Hintergrund deiner Überlegungen bitte genauer!

Wölzlein:
Nach der Saison 2009/10 gab es bei uns im Kreis keine Reserverunde mehr, obwohl diese ja nie vom Verband abgeschafft wurde. Stattdessen kamen die B-Klassen und die Zweit- oder Drittvertretungen spielen auch aufstiegsberechtigt. Ich verstehe den Gedanken von damals absolut. Wenn ich an Vereine wie TuS Feuchtwangen oder ESV Ansbach-Eyb denke, die hatten damals auch ambitionierte 2. Mannschaften in höheren Klassen. Aktuell sind in der Frankenhöhe der TSC Neuendettelsau und SVG Steinachgrund die Ausnahmen, die zumindest in der Kreisklasse mit ihrem Unterbau spielen. Mir geht es mit meinem Gedanken aber vor allem um die Mannschaften aus der A- und B-Klasse. Wir haben viele Spielgemeinschaften, die mit massiven Personalproblemen zu kämpfen haben. Das ist gerade hier im Raum Hesselberg keine temporäre Sache. Im Gegenteil, es nimmt weiter zu!

Mit welchen Problemen kämpfen die Vereine aus deiner Sicht im Speziellen?

Wölzlein:
Der demografische Wandel schlägt am Land anders durch als in der Stadt. Die Entfernungen sind größer und so wird es immer schwieriger, nicht nur Spieler, sondern vor allem auch Ehrenamtliche in den Vereinen zu finden. Wenn dann die Mannschaften auswärts getrennt spielen, macht es die Organisation nicht leichter. Wir haben es zwar in dieser Saison ganz gut hinbekommen, dass es zwischen der A-Klasse 1 und der B-Klasse 1 die Verbindungen im Spielplan gibt, aber das funktioniert nicht immer so.

Ehrenamt im Verein kennt Rainer Wölzlein nur zu gut. Bei seinem Heimatverein FV Fortuna Neuses ist er nicht nur Spielleiter, sondern hilft auch dort, wo Not am Mann ist.
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Welche Vorteile siehst du mit der Rückkehr in die Reserverunde?

Wölzlein:
 Wir bekommen deutlich mehr Flexibilität beim Einsatz von Spielern, da der § 34 der Spielordnung (regelt den Einsatz von Spielern in verschiedenen Mannschaften, Anm. d. Red.) entfällt. Für reine Reservespieler wird es keine Sperren oder Ausbildungsentschädigungen geben und eine sofortige Spielberechtigung ist möglich, weil es sich bei der Reserverunde um Privatspiele handelt. Theoretisch ist man auch flexibler in der Terminplangestaltung. Und natürlich ließe sich der Spielplan attraktiver gestalten, wenn man gegen denselben Verein beispielsweise in der A-Klasse und Reserveliga spielt.

Was spricht dagegen?

Wölzlein:
Die Reservemannschaften haben kein Aufstiegsrecht und dürfen nicht an Relegationsspielen teilnehmen. Gemeinsame Heim- und Auswärtsspiele von 1. und 2. Mannschaft lassen sich auch nicht immer garantieren. Und es wird passieren, dass aufgrund der Anpassung unter Berücksichtigung der Reserverunde bei der Einteilung dann Mannschaften in der A-Klasse anders als bisher eingeteilt werden müssen. Klar ist auch: Die Umsetzung ist nur sinnvoll bei ausreichender Beteiligung der Vereine!

Du hast deine Mail zum Reservespielbetrieb als Option ab der Saison 2026/27 vor gut einer Woche an deine Vereine verschickt. Wie war bisher die Resonanz?

Wölzlein:
Es haben sich viele gemeldet, einige haben sofort zugesagt, andere wollen sich weiter intern beraten. Man merkt aber auch ganz klar, dass viele Vereine an die Hand genommen werden wollen. Dabei muss man gerade in den B-Klassen die entscheidende Frage stellen, ob man überhaupt aufsteigen will. Alle betroffenen Vereine, die ich das direkt gefragt habe, haben das verneint.

Der Kreistag liegt noch nicht einmal einen Monat zurück. Das Thema kam aber aus anderer Perspektive zur Diskussion. Durch den Antrag des SV Segringen, der gerne auch Spielgemeinschaften in der Bezirksliga haben würde.

Wölzlein:
Ja, der Antrag wurde durch die Delegierten auch angenommen und geht zum Bezirkstag. Meines Wissens lief das an anderen Kreistagen aber auch anders und wird in München durchaus kritisch gesehen. Ich verstehe den Fall von Segringen/Dinkelsbühl, die schon in der Jugend gut verbunden sind und auch bei den Herren nach oben schauen dürfen. Allerdings bezieht sich meine Initiative auf das Gegenteil: Ich schaue gerade auf die untersten Spielklassen!

Befürchtest du Gegenwind aus München?

Wölzlein:
Nein, überhaupt nicht! Die Reserverunde wurde nie abgeschafft und gibt es in anderen Kreisen nach wie vor – oder wieder, wenn ich an Erlangen/Pegnitzgrund denke. Da gibt es seit ein paar Jahren keine B-Klassen mehr, dort haben sich die Reserverunden bewährt. Die Spielkreise in Bayern machen das unterschiedlich. In München ist die C-Klasse die unterste Liga, in Erlangen/Pegnitzgrund die A-Klasse, bei uns ist es die B-Klasse.

Siehst du die Reserveunde aktuell nur in der Frankenhöhe?

Wölzlein:
Ja! In Nürnberg ist man da schon ein Stück weit entfernt. Dort ist man anders aufgestellt. Ich will auch betonen: Es geht nicht darum, den B-Klassen-Spielbetrieb pauschal infrage zu stellen, sondern darum, zusätzliche und zeitgemäße Optionen zu prüfen, um Vereinen Planungssicherheit zu geben und Abmeldungen zu vermeiden. Und hier sehe ich in der Frankenhöhe Süd den größten Bedarf.

Wie sieht der weitere Fahrplan aus?

Wölzlein:
Aktuell sammle ich die Rückmeldungen, da will ich auch den Wiederbeginn in den Ligen in der übernächsten Woche noch abwarten. Wir würden dann in einem Online-Meeting mit dem Kreis- und Bezirksspielleiter die interessierten Vereine weiter informieren. Der Meldebogen für die kommende Saison öffnet im Mai. Da müssten dann die Mannschaften statt für die B-Klasse einfach für die Reserverunde melden.

Welche realistische Erwartung hast du dabei?

Wölzlein:
Ich wünsche mir, dass es mit einer Reserveliga klappt und wir daraus Erkenntnisse für den Spielbetrieb in Zukunft gewinnen können. Es würde dann entsprechend eine B-Klasse weniger geben, aber alle Spiele würden auch weiter grundsätzlich mit Schiris besetzt werden.

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Steckbrief R. Wölzlein

Alter
48
Geburtsort
Neuendettelsau
Wohnort
Neuses
Nation
Deutschland
Beruf
Finance Specialst
Hobbies
Hund, Fußball
Lieb.-Position
Sturm

BFV-Funktionär R. Wölzlein

25/26
Gruppenspielleiter Kreisklasse 1, A-Klasse 1, 2, B-Klasse 1, 2
24/25
Gruppenspielleiter Kreisklasse 1, A-Klasse 1, 2, B-Klasse 1, 2
23/24
Gruppenspielleiter Kreisklasse 1, A-Klasse 1, 2, B-Klasse 1, 2
22/23
Gruppenspielleiter Kreisklasse 1, 2 A-Klasse 1, 2, B-Klasse 1-3
21/22
Gruppenspielleiter Kreisklasse 1, 2 A-Klasse 1, 2, B-Klasse 1-3

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