Artikel vom 07.08.2025 09:00 Uhr
Die Saison 2025/26 läuft schon seit Wochen in den mittelfränkischen Bezirksligen, auch die Kreisliga Nürnberg spielt seit vergangenem Wochenende wieder - mit dabei ist dort auch der SV Türkspor Reichelsdorf, der auf Türkspor Nürnberg folgt. Dass der Verein anhand des in die Kritik geratenen Relegationsmodus nicht aufsteigen durfte, hat das Landgericht München I in seinem Urteil nun bestätigt.
Dass es dem Verein auch um eine grundsätzliche Aufarbeitung des Relegationsmodus und den Folgen daraus geht, zeigt sich darin, dass "sich Türkspor noch offen behält,
erneut in sofortige Beschwerde einzulegen", wie Anwalt Felix Steinbach, der Türkspor im Rechtsstreit gegenüber den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) vertritt, sagt und im Konjunktiv weiter erklärt: "Nachdem der Beschluss vom
Amtsgericht München aufgehoben wurde, wäre nochmals die Beschwerde gegen den
Beschluss möglich."
Stellvertretend für den Verein sagt Steinbach weiter: "Aus unserer Sicht ist der
Beschluss leider in einigen Punkten argumentativ nicht nachvollziehbar
und lässt einen wirklich enttäuscht zurück. Das Landgericht ist auf die
Begründungen des Verbandssportgerichts oder des Amtsgerichts hinsichtlich der Frist z.B. gar
nicht mehr eingegangen, obwohl das für den BFV eigentlich das Hauptargument
war. Es sind viele Aspekte und Argumente nun im Laufe des Verfahrens vom BFV
bzw. den Kollegen, die den BFV vertreten, noch 'nachgeschoben' worden."
"Private" Mail aus dem Verbands-Spielausschuss?
Besonders verwundert zeigte sich der Anwalt über die Auffassung des Landgerichts, wonach die aufgetauchte Mail von Andreas Mayländer aus dem Verbands-Spielausschuss nicht als offizielle Mitteilung des BFV zu verstehen sei, weil diese von der privaten Mailadresse versendet wurde. Jene (private) Mailadresse ist jedoch im Kontakt auf der offiziellen Seite des BFV exakt so hinterlegt. "Dass der
Relegationsmodus nicht als unbillig und willkürlich gewertet wird, ist leider
ebenfalls nicht nachvollziehbar", sagt Steinbach weiter.
Ob Türkspor Nürnberg jetzt tatsächlich noch einmal gegen die Entscheidung des Landgerichts München I Beschwerde einlegen wird, ist zwar noch offen. Aber ganz abgesehen von der wohl abgeschlossenen sportlichen und juristischen Dimension des Falls bleibt vor allem die Frage der internen Aufarbeitung und Konsequenzen aus der missglückten Bezirksliga-Relegation in Mittelfranken.
Steinbach: "An der Fehlerkultur muss der Verband arbeiten"
Hier wird Steinbach deutlich und plädiert für ein Umdenken beim Bayerischen Fußball-Verband: "Am Ende bleibt einmal mehr die
traurige Erkenntnis, dass der BFV zwar intern bestätigt, dass etwas rechtswidrig/falsch
gelaufen ist, sich aber nach außen hin mit Händen und Füßen gegen eine solche
Feststellung wehrt. Bei diesem Verhalten und dem vorliegenden Fall muss man
sich nicht wundern, wenn es immer weniger Ehrenamtliche gibt, die bereit sind,
sich in den Vereinen oder beim Verband zu engagieren. Es muss hier wirklich
dringend an der 'Fehlerkultur' und dem Umgang mit Fehlern gearbeitet werden,
wenn man den verbleibenden Rest an der Basis nicht auch noch vollständig
verlieren will."