"Mich zieht es wieder nach Nürnberg"
Geschrieben von: Marco Galuska Montag, den 13. Februar 2012 um 13:08 Uhr
Trainer Andreas Awerkow im fussballn.de-Interview
Acht Jahre trainierte Andreas Awerkow beim TSV Buch, ehe er im Sommer 2010 die Offerte des Hammerbacher SV annahm. In rund anderthalb Jahren gelang es dem 48-Jährigen den Kreisklassisten vom Abstiegskandidaten zu einem ernsthaften Aufstiegsaspiranten zu machen. Dennoch wird Awerkow auf eigenen Wunsch nach der Saison in Hammerbach die Zelte abbrechen. Über die Beweggründe, die Entwicklung in Hammerbach und seinen Ex-Verein TSV Buch sprach er mit fussballn.de.
fussballn.de: Hallo Herr Awerkow, wie geht es Ihnen beim Hammerbacher SV in der Kreisklasse Erlangen?
Andreas Awerkow: Eigentlich hervorragend. Die Mannschaft hat sich toll entwickelt. Wir haben die vergangene Saison im gesicherten Mittelfeld abschließen können. Hatten eine sehr gute Vorbereitung im Sommer, als wir unter anderem seit einer Ewigkeit wieder die prestigereiche Herzogenauracher Stadtmeisterschaft - sogar ohne Gegentor - souverän gewinnen konnten und haben den Schwung auch in die Runde mitgenommen. Wir sind Zweiter, aktuell steht nur der ASV Niederndorf vor uns.
fussballn.de: Wie macht man aus einem Abstiegskandidaten einen Aufstiegsaspiranten?
Awerkow: Dazu muss man sagen, dass die Qualität im Kader sicher nicht so schlecht war, wie der Tabellenstand es vielleicht aussagte. Wir haben an Kraft und Kondition, und am Selbstvertrauen gefeilt. Als ich kam, waren die Köpfe leer. Die Mannschaft hat an sich gearbeitet und dann kamen die Erfolge und damit das Selbstbewusstsein zurück. Zwei Neuzugänge haben wir erst nach der Saison bekommen, jetzt spielen wir sogar oben mit.
fussballn.de: Klingt hervorragend! Kein Grund zum Klagen?
Awerkow: Beklagen kann ich mich wirklich nicht, was den sportlichen Erfolg betrifft. 74 Punkte haben wir saisonübergreifend zusammen geholt, sicherlich wäre noch mehr drin gewesen. Aber leider ist die Trainingsbeteiligung nicht so, wie ich mir das vorstelle, wobei ich den Spielern keinen Vorwurf machen will, denn die, die da sind, hauen sich voll rein und geben alles. Die sind mit Herz und Seele bei der Sache.
Andreas Awerkow kämpft mit Hammerbach zum Abschied um den Aufstieg, sieht seine Zukunft als Trainer aber eher im Nürnberger Raum.
Foto: Zink
fussballn.de: ...aber es sind zu wenige da?
Awerkow: Wir haben ohnehin einen kleinen Kader mit 14, 15 Mann. Darunter sind einige Studenten, Schichtarbeiter und Leute, die bei adidas auswärtig arbeiten und dann über einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung stehen. Da ist es dann doch recht überschaubar, wieviele Leute am Trainingsplatz stehen. Da habe ich dann vielleicht doch einen anderen Anspruch und bin ein Stück weit ehrgeiziger. Ich möchte meine Philosophie als Trainer an die Spieler weiter geben können. Das soll nicht als Vorwurf verstanden werden, die berufliche Situation der Spieler kann man ja nicht ändern.
fussballn.de: Sie haben damals ihre Zusage in Hammerbach gegeben, weil Sie von der Vereinsführung angetan waren. Wie ist die Zusammenarbeit im Hammerbacher Umfeld?
Awerkow: In dieser Hinsicht war Hammerbach ein absoluter Glücksgriff. Egal ob Vorstand, Abteilungsleitung oder Spielleiter, die Leute hier sind spitze - absolut fußballverrückt und engagiert. Als Trainer wird es einem leicht gemacht.
fussballn.de: Sie haben mittlerweile nicht nur Vereinsführung, sondern auch die Mannschaft darüber informiert, dass Sie nach der Saison beim Hammerbacher SV aufhören werden. Wie war die Reaktion?
Awerkow: Sie waren natürlich einerseits enttäuscht, weil wir ja sportlich wirklich gut dastehen, andererseits kennen sie mich und haben auch Verständnis für meinen Entschluss gezeigt.
fussballn.de: Fünf Punkte fehlen auf den ungeschlagenen Tabellenführer Niederndorf. Gibt es zum Abschied einen Aufstieg mit Hammerbach?
Awerkow: Das wäre natürlich das Sahnehäubchen der Entwicklung und bleibt mein Ziel. Niederndorf steht zu Recht da oben, aber die Saison ist ja noch lange und das Verfolgerfeld, das wir anführen, ist breit. Die Chance noch einmal ranzukommen ist sicher da, weil man leicht Punkte lassen kann. Wichtig ist, wie man aus der Vorbereitung startet. Ich denke, es ist noch alles drin!
fussballn.de: Als langjähriger Trainer des TSV Buch müssen wir Sie natürlich zu Ihrem Ex-Verein befragen. Inwierfern haben Sie den Werdegang weiterverfolgt?
Awerkow: Klar verfolgt man das weiterhin, wenn man acht Jahre bei einem Verein Trainer war. Ich habe vor allem die großen Derbys in der Bezirkliga gegen Vach und Bayern Kickers gesehen, in der BOL gegen Vach und Stadeln, das macht Spaß solche Spiele mit toller Kulisse zu sehen.
fussballn.de: Die Bucher Jungs in der Landesliga - wie hört sich das an?
Awerkow: Das würde mich freuen! Also die Entwicklung der Mannschaft ist schon ein Wahnsinn. Mir war immer klar, dass im Team Qualität steckt und hab der Truppe viel zugetraut, dazu kam auch noch ein richtig guter Lauf, der vieles möglich macht. Die Spielweise ist gerade in der BOL unter Landi Frey natürlich sehr auf die Defensive bedacht und das machen die Jungs sehr gut. Das schöne für die Bucher ist jetzt, das sie es selbst in der Hand haben sich den Traum von der Landesliga zu erfüllen.
fussballn.de: Sehen wir den Trainer Andreas Awerkow bald wieder im Nürnberger Raum?
Awerkow: Die Fahrtstrecke von meinem Wohnort Nürnberg-Wetzendorf nach Hammerbach hat mich zwar nicht gestört, da war ich in 20 Minuten dort. Aber es ist natürlich klar, wenn man so lange in Nürnberg als Trainer gearbeitet hat, dass man hier das Geschehen weiterhin genau verfolgt. Mich zieht es schon wieder nach Nürnberg. Ein Verein mit Potential, mit jungen Spielern und gesunder Basis wäre sicher interessant. Mein sportlicher Anspruch als Trainer ist es, eine Mannschaft nicht nur kurzfristig zu verbessern, sondern kontinuierlich zu entwickeln. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt!
Fragen: Marco Galuska






