Abstriche ohne Ende gemacht

Neunsinger trat in Ermreuth zurück

"Man muss auch noch in den Spiegel schauen können", sagte Uwe Neunsinger im Zuge seines Rücktritts als Trainer des Kreisligisten SV Ermreuth (Pegnitzgrund), den er am Samstag, einen Tag nach den Vorstandswahlen, verkündete. Nachdem der Trainer auch nach Ermreuth den sportlichen Erfolg binnen kürzester Zeit holte, wollte er an der starken Rückrunde der Vorsaison anknüpfen und im Rahmen der Möglichkeiten den Dorfverein weiter voranbringen - dabei sah er sein Vorhaben von einigen entscheidenden Personen torpediert.

In den 80er-Jahren erlebte der SV Ermreuth einen sagenhaften Höhenflug, als man in der Saison 1983/84 sogar für eine Saison in der Landesliga spielte. Danach trat der Dorfverein aus dem oberen Schwabachtal fußballerisch nicht wieder großartig in Erscheinung, spielte auf Kreisebene. Aktuell steht man mit ausgeglichener Bilanz im Mittelfeld der Kreisliga Pegnitzgrund. Bedenkt man, dass zu Jahresbeginn noch akute Abstiegsnot herrschte, darf man beim SVE also zufrieden sein. Doch so harmonisch der Vergleich zum Start in 2011 erscheinen mag, so erlebte der Klub nicht nur erfolgreiche, sondern auch turbulente Zeiten.

Rückblick: Ermreuths Vorsitzender Florian Mösel, zugleich Spieler der ersten Mannschaft, hatte in der schwierigen Situation zu Jahresbeginn seinen Kontakt zu Uwe Neunsinger spielen lassen und konnte den langjährigen Bayernliga-Trainer, der in der Region vor allem durch sein langjähriges Engagement beim ASV Vach zu einer echten Hausnummer im Trainergeschäft wurde, nach Ermreuth lotsen. "Wir haben auf Viererkette umgestellt, nur ein Spiel verloren und sind am Ende Fünfter geworden", weiß Neunsinger von einem gelungenen Abschluss der Saison 2010/11 zu berichten und wollte am Aufwärtstrend in der neuen Saison anknüpfen - "natürlich alles im Rahmen der Möglichkeiten", wie Neunsinger hinzufügt.

Denn von Verletzungssorgen blieben die Ermreuther bei ihrer furiosen Rückrunde verschont, der 14er-Kader reichte dafür aus. Doch auf den Hoffnungsfaktor Glück wollte sich der erfahrene Coach nicht allein verlassen. Die Vorgaben, den Spielern kein Geld zu bezahlen und diese, wenn dann aus dem näheren Umkreis zu holen, konnte Neunsinger auch durch seinen Namen als Trainer erfüllen. Doch schon in der Vorbereitung zeigte sich, dass es zu Nebenkriegsschauplätzen kommen sollte. Als Neunsinger sich um vernünftige Trainingsbedingungen kümmerte, damit der A-Platz in Ermreuth, wie gefordert, seine Pflege bekommen konnte, und im Nahe gelegenen Rüsselbach fast zum Nulltarif einen Platz fand, "sahen sich manche Leute übergangen".

Zum Zankapfel wurde schließlich die Disziplinlosigkeit eines Spielers, der eine feuchtfröhlich Kärwa-Tournee den Trainingseinheiten vorzog und mehrmals unentschuldigt fehlte. Das angesetzte Straftraining lehnte der Spieler nach seiner Rückkehr ab. "Mir ist bewusst, dass man in der Kreisliga nicht wie in der Bayernliga trainieren kann, das ist auch kein Problem, aber es gilt doch gewisse Grundregeln einzuhalten", erklärt Neunsinger und weist auch den "Vorwurf" zu profihaft trainiert zu haben weit von sich: "Wir haben zweimal die Woche trainiert, in der Vorbereitung eine Einheit mehr. Es gab von mir keine Forderungen nach einheitlicher Trainingskleidung oder ähnliches. Ich habe von mir aus Abstriche ohne Ende gemacht, wollte einfach mit den Gegebenheiten das Bestmögliche herausholen - das ist schon immer mein Anspruch gewesen!"

Einige Spieler und auch Florian Mösel zogen zu Saisonbeginn ihre Konsequenzen, verfolgten die Neunsinger-Linie - die der Verein offenkundig nicht mehr mittragen wollte - und kehrten Ermreuth den Rücken. "Denen war eben auch nicht Wurst, wie wir spielen", zeigte der Coach Verständnis für Spieler, die einen vernünftigen, aber doch ehrgeizigen sportlichen Weg suchten. Als im Zuge des Rücktritts von Mösel am vergangenen Freitagabend eine neue Vorstandschaft gewählt wurde, war für Neunsinger klar, dass auch er für sich keine Perspektive in Ermreuth mehr sieht. In einem Schreiben erklärte der Fürther seinen Rücktritt: "...nachdem nunmehr die neue Vorstandschaft beim SV Ermreuth gewählt und installiert ist, lege ich hiermit mit sofortiger Wirkung mein Traineramt nieder. Unter Leuten zu arbeiten, die völlig konträre Vorstellungen vom Fussball haben, ist mir nicht möglich. Zumal der neue 1. Vorstand ja bereits vor einigen Wochen in einem Internetforum gefordert hat, dass ich zurücktreten soll. Diesen Wunsch erfülle ich ihm nun. Ich wünsche der neuen Vorstandschaft und den beiden Mannschaften viel Glück auf dem von ihnen beschrittenen Weg."

"Es ist schade, wenn man sieht, was möglich wäre, wenn man viel Engagement zeigt, sich etwas aufbaut und dann Steine in den möglichen Weg geworfen werden. Aber einen Trainer braucht man auch nur, wenn mal klare Ziele verfolgt", so Neunsinger rückblickend zu seiner Zeit in Ermreuth. Man wird sehen, wann und wo Uwe Neunsinger einen neuen Anlauf nehmen wird, seine Fußballphilosophie mit denen des Vereins in Einklang zu bringen.