Ich denke nur vorwärts!
Geschrieben von: Marco Galuska
Halbzeit-Interview mit Bezirksspielleiter Ludwig Beer
Das Jahr 2011 mit dem Beschluss der Spielklassenreform brachte Schwung in den Amateurfußball des Bezirkes. Die Eliteliga BOL wird nach der laufenden Saison Geschichte, die Qualifikation zur neuen Landesliga wird von den Vereinen eifrig angestrebt. Bezirksspielleiter Ludwig Beer nahm sich für fussballn.de zum Jahreswechsel Zeit, über Vergangenes und Zukünftiges zu sprechen.
fussballn.de: Die Spielklassenreform machte das Jahr 2011 zu einem besonderen Jahr. Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung in der letzten Saison der Eliteliga des Bezirks Mittelfranken?
Ludwig Beer: Die ganz großen Überraschungen sind ausgeblieben, wenngleich man dem TSV Buch als Aufsteiger sicher nicht eine so gute Rolle in der BOL zugetraut hatte. Umgekehrt hatte man sich vielleicht vom ASV Vach mit einer Reihe toller Spieler ein wenig mehr erwartet. Aber insgesamt stehen die erwarteten Teams an der Tabellenspitze. Der SC Feucht, die SG Quelle Fürth, der SC 04 Schwabach - sie alle waren schon in der Landesliga und sind auf einem guten Weg dorthin zurück. Sehr schwer ist die Situation für die SpVgg Ansbach II und auch der Umbruch beim FC Hersbruck hat sich der eine oder andere wohl leichter vorgestellt. Da der SV Seligenporten II offensichtlich über die nötige Klasse verfügt, wird es für die Mannschaften auf den Abstiegsplätzen verdammt schwer, nicht in die Bezirksliga abzusteigen.
fussballn.de: Sie warnten die Vereine vor der Saison das Qualifikationsjahr nicht zu einem Hauen und Stechen werden zu lasse. Wie fällt das Zwischenfazit aus?
Beer: Wir haben bisher sage und schreibe 90 Rote Karten! Das ist weit über den Schnitt der vergangenen Jahre, im Vorjahr hatten wir zur gleichen Zeit 68. Besonders die Bezirksliga 1 (Nord) tut sich hier hervor. Warum der Süden und der Norden immer wieder jährlich abwechselnd in der Rolle der Übeltäter auftreten, ist mir schleierhaft. In jedem Fall werden wir den Umstand, dass Spieler immer aggressiver werden, sich Untaten aus dem Fernsehen abschauen bei der Wintertagung in der kommenden Woche in Wendelstein als Hauptaugenmerk behandeln. Es ist einfach nur traurig, wenn junge Bezirksliga-Schiedsrichter das
Handtuch schmeißen, weil ihnen die Lust am Pfeifen genommen wird. Siegmar Seiferlein und Thomas Schrimpff vom Bezirksschiedsrichterausschuss werden in Wendelstein dabei sein und zum Thema Gewalt auf den Sportplätzen Stellung nehmen und diskutieren.
Seit 32 Jahren als Funktionär für den BFV im Einsatz - bis 2014 ist Ludwig Beer gewählt, "dann ist es genug".
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fussballn.de: Besonders wurmen dürfte Sie der Spielabbruch am letzten Spieltag vor der Winterpause...
Beer: Das ist richtig. Dieser ganze Vorfall ist sehr enttäuschend und ein Unding! Der Spielabbruch wird nun mündlich verhandelt. Das ist eine Negativgeschichte für unseren Fußball, die nicht hätte sein müssen. Enttäuscht bin ich auch darüber, dass man mich dazu nicht angerufen hat.
fussballn.de: Die Medien dürften sich umso mehr für den Abbruch in Schwabach interessiert haben?
Beer: Ich glaube inzwischen, es ist gar nicht einmal schlecht, wenn Vereine und Spieler, die sich daneben benehmen, auch einmal an den Pranger gestellt werden. Vielleicht schreckt es ja für die Zukunft ab, wenn alle mit den Finger auf einen zeigen. Natürlich muss man unterscheiden, was im Einzelnen vorgefallen ist. Wenn ein Verein eine Strafe bekommt, weil er bengalisches Feuer entzündet, so muss man mit ihm reden und klar machen, dass er sich viel Geld sparen kann - solche Dummheiten in die Öffentlichkeit zu ziehen, davon halte ich nichts.
fussballn.de: Es war aber auch nicht alles schlecht im vergangenen Jahr...
Beer: Nein nein, ganz und gar nicht! Insgesamt bin ich mit dem Ablauf doch recht zufrieden. Erfreulich ist natürlich auch, dass es im Qualifikationsjahr viele spannende Partien gibt. Das macht sich auch bei den Zuschauerzahlen klar bemerkbar. Insbesondere die Derbys in der BOL in Nürnberg und Fürth sorgten dafür, dass wir hier ein Plus von rund 25% haben, das zeigt doch, dass der Amateurfußball lebt!
Das Wetter meinte es gut mit den Fußballern. Nach 32 Jahren kam Bezirksspielleiter Ludwig Beer erstmals ohne Spielabsage in den Winter.
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fussballn.de: ...das Wetter spielte auch entsprechend mit!
Beer: Ja, so etwas habe ich in 32 Jahren als Spielleiter noch nicht erlebt. Da haben wir wirklich Glück gehabt.
fussballn.de: Nun wird die Bezirksoberliga mit Ablauf der Saison verschwinden und in Landesliga und Bezirksligen aufgelöst. Was wünschen Sie sich zum Abschluss der BOL?
Beer: Ich hoffe, dass wir die letzten zwölf Spieltage auch noch anständig ohne Theater über die Bühne kriegen. Toll wäre es natürlich, wenn unser BOL-Meister den Sprung nach oben schaffen würde. Ich wünsche mir zudem, dass sich die neuen Landesligen bewähren werden und sich die Bezirksligen festigen.
fussballn.de: Wie könnte die neue Landesliga aussehen? Erleben wir eine Mittelfrankenliga auf Ebene der Landesligen?
Beer: Fest steht, dass zehn Mannschaften aus Mittelfranken in die neue Landesliga aufsteigen werden. Wie die Liga aussehen wird, darüber wird der Verbandsspielausschuss Ende März entscheiden.
fussballn.de: Sie werden als wohl einziger Bezirk Bayerns bereits bei der Wintertagung am 16. Januar in Wendelstein die Qualifikationspartien zur Landesliga auslosen. Befürchten Sie nicht, dass durch dieses Wissen die Vereine am Ende der Saison womöglich mit Fleiß verlieren, um einen ungeliebten Gegner auszuweichen?
Beer: Ich vertrete die Meinung, dass die Vereine früh genug wissen sollen, woran sie sind. So kann man rechtzeitig potentielle Gegner beobachten. Schlechte Mannschaften werden da eh nicht dabei sein, und wer aufsteigen will, muss sich in Hin- und Rückspiel nach Europacupsystem durchsetzen.
fussballn.de: Was macht der Spielleiter Ludwig Beer in der Saison 2012/13?
Beer: Ich hatte mich für die Landesliga beworben, aber der Verband sieht eine andere Lösung mit fünf kompletten Neueinsteigern in der Landesliga vor. Ich werde mich also auf die Bezirksligen konzentrieren.
fussballn.de: Wie sieht Ihre weitere Zukunft als Verbandsfunktionär aus?
Beer: Ich bin noch für drei Jahre als Bezirksspielleiter gewählt. 2014 bin ich dann 35 Jahre lang als Funktionär im Amt, das reicht dann auch. Gesundheitlich muss ich natürlich auch vorsichtig sein, aber ich muss damit umgehen. Ich denke nur vorwärts, nie rückwärts!
Fragen: Marco Galuska




