Pilotprojekt in der A-Klasse!
Geschrieben von: Marco Galuska
Initiative kleiner Vereine zeigt Wirkung
Für einigen Wirbel in Verband und Vereinen hat in den vergangenen Wochen die "Initiative kleiner Vereine im BFV" (IKV) gesorgt. Hauptanliegen der IKV sind eine reformierte Spielplangestaltung und eine Rückkehr zur klassischen Reserverunde. Nach einer gemeinsamen Gesprächsrunde haben sich nun die Vertreter von BFV und IKV auf ein Pilotprojekt geeinigt, das zur kommenden Saison in einer Liga der A-Klasse starten wird. Der erste Spieltag dieser A-Klasse wird am 6. September stattfinden, das Saisonende ist für den 20. Juni 2010 terminiert.Initialzündung für die Initiative kleiner Vereine im BFV (kurz IKV) war die Terminierung von elf Spieltagen – bedingt durch Nachholtermine – allein im Monat April. Das ärgerte Norbert Schumann, seines Zeichens Spielleiter des SC Viktoria, gründlich und veranlasste ihn zu handeln. In einer Rundmail an die Vereine des Kreis Nürnberg/Frankenhöhe, der Kreisspielleitung und einem Schreiben an den Präsidenten des BFV, Dr. Rainer Koch, äußerte sich Schumann Ende März über Missstände, die den „kleinen Vereinen im BFV“ so einige Probleme bereiten. „Wenn man bedenkt, dass im April mit Osterferien und Konfirmationszeit elf Spieltage nachgeholt werden sollen, ist das für ehrenamtliche Vereinsmitarbeiter ein Wahnsinn“, weist Schumann auf die Problematik hin, Hobby zusammen mit Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.
Mit Julian Weiß und Theo Clausen von der TSV Fichte Ansbach fanden sich schnell engagierte Mitstreiter, die mit Schumann die IKV ins Leben riefen. Beistand und deutliche Bekenntnisse zu den Plänen bekamen die Initiatoren auch von diversen Vereinen der Region, so dass die Unterstützerliste binnen kürzester Zeit über 200 Eintragungen umfasste.
Diese Zustimmung in der Breite ging natürlich an den Vertretern des BFV nicht vorbei. So kam es Anfang Mai zu einem Treffen der IKV mit den Verantwortlichen des BFV, dessen kurzfristige Entstehung Schumann ausdrücklich lobt: „Hut ab! Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell an einem Tisch kommen, um die Problempunkte zu diskutieren“, sieht der Vertreter der IKV also doch „keine verkrusteten Strukturen“ beim BFV und freut sich über die Bereitschaft der Verantwortlichen zum Dialog.
Aber was genau ist das Anliegen der IKV? „In erster Linie hat uns die Problematik der in unseren Augen verbesserungswürdigen Terminplanung zu dieser Initiative bewogen“, erklärt Schumann. Während in der Sommerpause, wenn ausgezeichnete Platz- und Witterungsbedingungen herrschen, keine Spiele stattfinden, fallen im Winter und Frühjahr angesetzte Partien dem schlechten Wetter zum Opfer, was schnell zu einer Flut an Nachholspielen und Terminschwierigkeiten führt“, beschreibt der Spielleiter des SC Viktoria die für ihn schwer nachvollziehbare Planung des Terminkalenders.
Außerdem sieht die IKV ein Problem darin, dass viele Zweite Mannschaften nicht mehr, wie früher üblich, in der Reserverunde das Vorspiel der Ersten Mannschaften bestreiten, sondern im „normalen“ Spielbetrieb tätig sind. Die Vereine haben dazu die Wahlmöglichkeit. Früher spielten dagegen nur die Vereine ab der Bezirksliga mit einer Zweiten Mannschaft im Spielbetrieb der unteren Klassen. Die heutige Entwicklung ist freilich so, dass auch die Kreisliga-Vereine „so gesund sind“, dass sie mit einer Zweiten Mannschaft als aufstiegsberechtigtes Team in der Punkterunde teilnehmen können. Darin sieht die IKV auch nicht das große Problem. „Die Reserverunde ist gerade für Vereinen, denen es nicht gut geht und die sich keine Zweite Mannschaft im normalen Spielbetrieb leisten können, so wichtig, da auch in den Reserven zahlende Mitglieder sind, auf die nicht verzichtet werden kann“, sieht Schumann nicht nur den SC Viktoria in einer Zwangslage. Auf der anderen Seite deutet Schumann aber auch auf die mögliche Wettbewerbsverzerrung durch den gelegentlichen Einsatz von auf Spielern der Ersten Mannschaft zur Verstärkung der „Zweiten“ Mannschaften hin. Eine angestrebte Tendenz, auf die Reserverunde komplett zu verzichten, sieht die IKV auch in der Tatsache, dass bei den A-Klassen-Reservespielen keine Schiedsrichter mehr regulär eingeteilt werden.
Große Empörung gab es bei den Spielleitertagungen vor der Saison 08/09 bei den „kleinen Vereinen“ zunächst durch die Ankündigung der Einführung von Coaching-Zonen auch in den unteren Ligen. Hintergedanke ist es, die Arbeit der Schiedsrichter zu erleichtern. Jedoch ist die Einführung keinesfalls mit baulichen Maßnahmen verbunden und in den unteren Ligen müssen die Personen, die sich in der Coaching Zone aufhalten, nicht namentlich auf dem Spielberichtsbogen vermerkt werden. Im Juni wird es dazu ein Merkblatt für alle Vereine und Schiedsrichter geben. Insofern wurde dieser Diskussionspunkt recht bald von der Agenda der IKV genommen. Die Unstimmigkeiten wurden von den Vertretern des BFV auf einen Kommunikationsfehler zurückgeführt. Um dieses Kommunikationsproblem zukünftig zu lösen, wurde als Ergebnis des Treffens Anfang Mai, auch eine regelmäßige Diskussionsrunde bzw. ein bessere Informationsfluss über geplante oder entstandene Veränderungen ins Auge gefasst.
Überhaupt zeigt sich die IKV recht angetan vom Ablauf und den Ergebnissen des Treffens mit den Verbandsvertretern. „In unseren angesprochenen Punkte zeigte sich der Verband offen für unsere Gedanken und bereit Änderungen vorzunehmen“, schreibt die IKV auf ihrer Homepage (ikv.tsvfichte.de). So hat der BFV für die bevorstehende Saison ein Pilotprojekt genehmigt, eine Gruppe in der A -Klasse unter folgenden Rahmenbedingungen spielen zu lassen:
1.) Es werden insgesamt 14 Mannschaften benötigt
2.) Die jeweiligen II. Mannschaften werden das Vorspiel bestreiten und nicht aufstiegsberechtigt sein.
3.) In der Saison 2009/2010 wird es nur einen Aufsteiger (da die Saison noch gespielt wird, wenn in den anderen Ligen schon Relegationsspiele ausgetragen werden) geben. Für die Saison 2010/2011 soll sich dies ändern.
4.) Die Saison startet erst 6.9.2009
5.) Die Saison endet am 20.6.2010
6.) Es sind keine Spiele unter der Woche geplant
7.) Die Winterpause beginnt nach dem 13.12.2009
8.) Die Rückrunde startet erst am 21.3.2010
9.) Die Oster- und Pfingstwochenenden sind spielfrei
Nachholtermine würden unter der Woche jeweils im April, Mai und Juni angesetzt, dies „wäre jedoch bei weitem entspannter als mit der früheren Saisonplanung“, wie Schumann betont.
Nun ist es also an der IKV, für das Pilotprojekt die Vereine zu gewinnen. Definitive Zussagen gibt es neben dem SC Viktoria bereits vom SV Reichelsdorf, FC Bosna und KSD Hajduk, in der Pilot-Liga mitzuspielen. Noch bis Dienstag, 2.6.09, sind Zustimmung schriftlich und mit dem vollem Namen und der Anschrift des jeweiligen Entscheidungsträgers an Norbert Schumann ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) zu wenden.
Die Problematik „Abschaffung der Reserverunde“ wurde indes auch diskutiert. In den Augen der IKV sollen aufstiegsberechtigte Zweite Mannschaften erst ab der Kreisliga gemeldet werden. Ein weiteres Modell des BFV sieht vor, die Reserven mit in den aufstiegsberechtigten Spielbetrieb zu nehmen (Einführung der B-Klasse). Für die Reserverunde der A-Klassen wurde ein „Schiedsrichter-Pool“ in Erwägung gezogen, wie er bereits in Fürth erfolgreich umgesetzt wurde, aus dem Unparteiische auf freiwilliger Basis die Reservespiele leiten.
Es bleibt abzuwarten, wie (und ob) das Pilotprojekt von den Vereinen nun angenommen wird. Die Möglichkeit, Probleme offen zu diskutieren und Ideen auf den Weg zu bringen, haben die Verantwortlichen von BFV und IKV in jedem Fall geschaffen.



