XCO – Training der nächsten Generation
Geschrieben von: Mario Lopatta Dienstag, den 17. Januar 2012 um 08:09 Uhr
Eine Geschichte von reaktiven Impacts und Mehreffekten
Als „Schreiberling“ für fussballn.de darf man doch immer wieder aufregende Dinge erleben. Nein, weder ist die Rede von einer der zahlreichen Spielleitertagungen und ähnlichen Versammlungen - die alle ihren, sagen wir, ganz eigenen Charme besitzen - noch bin ich Zeuge eines skandalösen Spiels geworden. Dafür habe ich mich einem interessanten Selbstversuch gestellt. Ein junger Mann und sein neuartiges Trainingsgerät hatten unser Interesse geweckt und so luden wir ihn, inklusive Gerätschaft, zu einem Gespräch ein, um uns anschließend auch in der Praxis überzeugen zu lassen.
Micha Becker heißt der Mann, XCO-Trainer seine „Mitbringsel“. XCO-Training fällt unter die Sparte des Functional-Trainings, das auch dem Sportleihen gegebenenfalls ein Begriff ist. Jürgen Klinsmann oder vielmehr die Doku zur WM 2006, „Deutschland, ein Sommermärchen“, machte diese Form des aus den USA stammenden Trainings auch bei uns populär. Nun bietet Micha Becker fernab jeglicher WM-Akteure für den Amateurbereich im Raum Nürnberg/Fürth/Erlangen eine Form des Functional-Trainings an. Über sein einjähriges Unternehmen kick&move Erlangen möchte er das für die meisten wohl unbekannte "XCO-Training" bei möglichst vielen Amateurfußballern- bzw. Trainern bekannt machen und es auch „an den Otto-Normalbürger bringen“, wie er sagt. Seine Homepage (www.kickandmove.de) verspricht viel. Man stößt – wie bei jeder modernen Trainingsmethode, die etwas auf sich hält – auf professionellen Fachjargon. Es ist die Rede von einem „revolutionären Trainingstool, das für In- and Outdoor“ geeignet ist und sich durch den „reactiven Impact“ von anderen Gerätschaften unterscheidet.

fussballn.de-Mann Mario Lopatta (links) machte den Selbstversuch des XCO-Trainings unter der Anleitung von Micha Becker.
Foto: fussballn.de
Aber was sind XCO-Trainer denn nun eigentlich? Es handelt sich hierbei um zwei Stäbe, die in ihren Hohlräumen im Zentrum mit Schiefergranulat gefüllt sind. Genau das ist eigentlich schon der ganze Zauber, denn durch die Bewegung der Stäbe wird das Granulat in Bewegung versetzt, das dann bei Richtungsänderung des Stabes an ein Ende stößt. Hier löst es den so genannten reactiven Impact aus. Einfach gesagt, der Anwender muss dem Impuls des Granulats entgegenwirken, wobei eine Vielzahl von Muskeln beansprucht wird. Je nach Form der Übung muss die Muskulatur im gesamten Körper besonders aktiv werden. Man spricht in diesem Fall von einem dreidimensionalen Training, da im Gegensatz zu normalen Hanteln mindestens drei Muskelgruppen kontrahieren müssen. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Tiefenmuskulatur und das Gewebe um die Muskeln, Bänder und Sehnen angesprochen werden. Das macht auch der Name des Geräts deutlich: eXcellent COllagen (= Bindegewebe) Training – kurz: XCO.
„Man bekommt dadurch keinen 'Body' in dem Sinne“, meint Micha Becker und erteilt damit allen, die auf eine bequeme Alternative des „Pumpens“ gehofft haben eine Absage. Er verrät auch, dass dieses Sportgerät in erster Linie für therapeutische Zwecke entwickelt wurde. Jan Hermanns, Erfinder der XCO-Trainer, ist ein niederländischer Physiotherapeut, der die Stäbe zur Therapie für verletzte Tennisspieler entwickelte. Bald entdeckte man zunächst im professionellen Sportbereich den Mehreffekt des XCO-Trainings im Vergleich zu herkömmlichen Sportgeräten. Dieser Mehreffekt, der die XCO-Trainer auszeichnet, lässt sich durch die Verwendung der Sportgeräte beim Joggen oder Walken und durch gezielte Übungen erreichen. In beiden Fällen steht Koordination, (Rumpf-)Stabilisation und Balance im Vordergrund. Genau diese Faktoren seien besonders geeignet, um XCO auch im Bereich des Fußballtrainings einzusetzen. „Es hat immer einen gewissen Mehreffekt. Man bringt Koordination und Balance, praktisch die untere Hälfte des Körpers, mit Kräftigung des Rumpfes und Oberkörpers zusammen“, erklärt Becker. Beides wird bisher im Fußballtraining auf Amateurebene tendenziell vernachlässigt, verschafft aber einen großen Vorteil beispielsweise im Zweikampf.

Die Übungen sind vielseitig, abwechslungsreich und verfehlen ihre Wirkung nicht...
Foto: fussballn.de
All das klingt sehr überzeugend und man fragt sich, warum man in den Parks keine bunten Völkchen von XCO-Gruppen antrifft, wie es beim Nordic-Walking der Fall ist. Micha Becker, selbst Jugendtrainer beim FSV Bruck, liefert mehrere Erklärungen. „Das Funktionelle Training im Allgemeinen steckt hier noch in den Babyschuhen, noch nicht mal in den Kinderschuhen. Die Leute kennen XCO schlichtweg nicht und ich muss zugeben, dass es auch mir bis vor kurzem kein Begriff war. Der Marketingapparat hat hier noch gar nicht eingesetzt“, meint Micha Becker und fügt hinzu „dafür gibt es aber Leute wie mich, die versuchen das an den Hobby-Sportler zu bringen“. Gut möglich auch, dass sich manch einer vom stolzen Preis von 109,95 € pro Set abschrecken lässt. Darin enthalten sind zwei XCO-Trainer, zwei DVDs, ein Tragegürtel und ein Booklet.

...davon konnte sich Mario Lopatta im Selbstversuch überzeugen.
Foto: fussballn.de
Schließlich durfte ich das revolutionäre Trainingstool auch selbst ausprobieren. Angefangen beim Joggen mit besonderem Armeinsatz und XCO-Trainern in den Händen wurde ich anschließend in den verschiedensten Übungen unterwiesen. Diese waren ebenso abwechslungsreich wie ihre Namen. Von „Wave“ und „Front Cross“ ging es über den „Hampelmann“ zum „Holzhacker“. Und tatsächlich, als ich nach der knapp zehnminütigen Test-Einheit den Heimweg in meinem Auto antrat, das mit Servolenkung noch überhaupt nichts am Hut hat, da musste ich doch bereits eine heftige Spannung von den Schultern bis zu den Unterarmen feststellen. Fast schon etwas unheimlich dieses XCO-Training...
Interessierte Trainer bzw. Vereine können über die Homepage www.kickandmove.de sich weiter informieren und Kontakt mit kick&move-Inhaber Micha Becker aufnehmen.
Für Mannschaften, die sich für die Rückrunde fit machen möchten, bietet kick&move ein besonderes Angebot: Bei Buchung einer Stunde XCO-Training im Januar oder Februar für die Vorbereitung auf die Rückrunde erhalten Vereine 10,- € Nachlass auf den regulären Preis von 60,-€/Stunde (+ Fahrtkosten ab 20km Anfahrtsweg). Die XCO-Trainer werden gestellt (10 Paar). Trainingsvorschlag: Es kann in 2 Gruppen im Wechsel trainiert werden. Eine macht funktionelles Training, die andere kann fußballspeziell trainieren.


