Das (Um-) Land bricht alle Zuschauer-Rekorde

Städtische Vereine blicken neidisch auf Zuschauerzahlen von „außerhalb“

Während das erste Kreisliga-Relegationsspiel zwischen dem TSV Altenfurt und dem TSV Cadolzburg auf der Sportanlage des ESV Rangierbahnhof am Samstag ca. 250 Zuschauer verfolgten, pilgerten nur zwei Tage später rund doppelt so viele Fußballfans auf das Gelände des TSV Cadolzburg, um sich das zweite Relegationsspiel zwischen dem TSV 61 Zirndorf und dem ASV Veitsbronn-Siegelsdorf anzusehen. Doch spiegelt dieses Beispiel die aktuelle Zuschauerverteilung im mittelfränkischen Amateurfußball wider? fussballn.de beleuchtete die Zuschauerresonanz der einzelnen Gebiete und fand dabei äußerst interessante Zahlen.

Betrachtet man zunächst die Bezirksliga Nord, so fällt auf, dass mit Ausnahme der beiden Vereine TSV Buch und ASV Fürth, die eine Spitzenposition einnehmen, nahezu alle stadtnahen Vereine hintere Plätze bei den Besucherzahlen einnehmen. Besonders auffällig ist dabei der Post SV, der trotz einer guten Runde mit durchschnittlich rund 90 Zuschauern auf dem letzten Rang der Zuschauertabelle liegt.
Bei einem Vergleich der Zuschauerzahlen der einzelnen Kreisligen sieht man deutlich, dass die Kreisliga Nürnberg nicht nur im Vergleich zur Frankenhöhe, sondern auch zu den anderen Kreisen Erlangen/Pegnitzgrund und Neumarkt/Jura deutlich abfällt. Durchschnittlich 80 Fußballfans kommen zu den Spielen der Kreisliga in Nürnberg und Fürth. Die DJK Eibach liegt mit rund 110 Fans pro Spiel auf der Spitzenposition, gefolgt vom SC Worzeldorf und ASN Pfeil Phönix. Zahlen, die in den anderen Kreisligen lediglich für ein Schmunzeln sorgen dürften. In der Kreisliga 1 (Erlangen/Pegnitzgrund) hat der FC Burk durchschnittlich 240 Beobachter am Spielfeldrand, eine Reihe weiterer Vereine immerhin noch rund 200 im Mittel. Zum Saisonauftakt kamen 750 Zuschauer nach Kirchehrenbach, wo der TSV den SV Gloria Weilersbach empfing. In der Kreisliga 2 sahen beim Derby des SC Auerbach gegen den SV 08 Auerbach satte 600 Zuschauer zu. Dagegen liegt der Topwert der Kreisliga Nürnberg in der abgelaufenen Saison bei exakt der Hälfte – rund 300 Zuschauer sorgten beim Nachbar-Duell der DJK Eibach gegen den SV Wacker für gefüllte Ränge.

Zirndorf Relegation ZuschauerEin Erlebnis für jeden Fußballer! Volle Zuschauerränge wie beim Relegationsspiel in Cadolzburg.
Foto: fussballn.de

Auch wenn man die Kreisklassen vergleicht, erkennt man deutlich diesen Trend. Beobachten in der Kreisklasse 4 (ehemals Kreisklasse Ost) im Durchschnitt rund 60 Leute die Spiele, so sind es in der Kreisklasse 5 (ehemals Kreisklasse West), mit Vereinen die etwas außerhalb liegen (z.B. ASV Weinzierlein, DJK Oberasbach, TSV 61 Zirndorf), immerhin um die 80 Fußballfans, die sich die Begegnungen regelmäßig ansehen. Und doch werden diese Zahlen einmal mehr pulverisiert, betrachtet man die noch weiter von den mit Profiklubs versehenen Städten (Nürnberg und Fürth) außerhalb gelegenen Kreisklassen aus Erlangen/Forchheim. Beispielsweise liegt dort in der Kreisklasse 3 der absolut schwächste Zuschauerschnitt bei immerhin noch 90 Besuchern, während bei den Vereinen aus Poxdorf und Moggast regelmäßig ca. 200 Zuschauer vor Ort sind.
Noch krasser zeigt sich die Situation in den untersten Spielklassen. Die A-Klasse 7 in Nürnberg kann hierbei als hervorragendes Beispiel aufgeführt werden, da dort keine Zweiten Mannschaften antraten, welche die Zuschauerstatistik bekanntlich meist ein wenig nach unten korrigieren. Rund 40 Fans im Schnitt verfolgten dort die Spiele der Mannschaften. DJK Bayern sowie TSV Fischbach spielten auf die Saison gesehen durchschnittlich vor 55 Zuschauern und sind damit in dieser Bilanz führend. In der A-Klasse 4 (Erlangen/Forchheim), in der viele Vereine der Fränkischen Schweiz vertreten sind, führt die SpVgg Dürrbrunn-Unterleinleiter die Zuschauerwertung an. Sage und Schreibe 180 Zuschauer beobachten im Durchschnitt die Spiele der SpVgg! Der Rekordbesuch von rund 300 zahlenden Gästen ist bei einem A-Klassenspiel der Nürnberger Vereine wohl kaum denkbar. Das Spitzenspiel zwischen der DJK Eintracht Süd und Tuspo Nürnberg lockte 80 Besucher an. Weiter außerhalb in Raitersaich oder Großhabersdorf (A-Klasse 10) werden dagegen auch dreistellige Zuschauerzahlen erreicht.

Leere RängeKein seltenes Bild bei den stadtnahen Vereinen. Alternative Freizeitangebote oder mangelnde Vereinsverbundenheit sorgen für Leere am Spielfeldrand.
Foto: fussballn.de

Eine Tendenz, die auch durch einen Blick auf die Bezirksoberliga größtenteils bestätigt wird. Eine Ausnahme bietet da freilich der FSV Stadeln, der mit rund 400 Zuschauern im Schnitt die Rangliste anführt. Etwas außerhalb gelegene Vereine, wie die SpVgg Heßdorf und SpVgg Jahn Forchheim nehmen die weiteren Spitzenpositionen im Zuschauer-Ranking ein, während etablierte Größen im Stadtgebiet, wie die SG Nürnberg 83 abgeschlagen auf dem 14. Platz landen.
Richtet man den Fokus noch einmal auf Nürnberg und Fürth, so ist in beiden Städten erkennbar, dass in eher „ländlicher“ Umgebung noch mehr Fußballfans regelmäßig den Weg zum Sportplatz suchen. Im Nürnberger Norden verfügen nicht nur die Bucher traditionell über einen großen Zuschaueranhang, der in der Bezirksliga Nord Spitze ist, sondern auch die gut besuchten Spiele des ASN Pfeil Phönix oder FC Bayern Kickers deuten auf eine hohe Leidenschaft für den Fußball im Knoblauchsland hin, die auch die Anhänger des TB Johannis 88 unterstreichen. Im Süden ist vor allem dem SC Worzeldorf ein gut besuchter Sportplatz gewiss. Nicht anders verhält es sich im Fürther Umland, wo die Zuschauerresonanz der Heimmannschaften im Vergleich zu den innerstädtischen Klubs deutlich größer ist, wie die Beispiele aus den Kreis- und A-Klassen zeigen.
 
Insgesamt kann also festgestellt werden, dass in ländlicheren Gegenden der Fußball traditionell und auch heute noch ein deutlich größeres Fanpotential besitzt. Woran das liegt? Zum einen sicherlich an dem in der Stadt deutlich größeren Angebot an Freizeitaktivitäten. Zum anderen aber auch an einer stärkeren Bindung zum ortsansässigen Verein. Meist ist die Konkurrenz (nicht unbedingt die Rivalität!) innerhalb der Stadtgrenzen größer als auf dem Land, da dort eine geringere Dichte an Fußballvereinen vorherrscht.
Und dennoch ist eins allen Kickern gemein. Vor solch stellenweise atemberaubenden Kulissen ist es für jeden Amateurfußballer die pure Freude aufzulaufen! Glauben sie nicht? Fragen sie doch einfach mal bei den Spielern des Relegationsspiels in Cadolzburg nach.